Geschriebene Gedanken

22.08.2008 um 20:15 Uhr

Der geheimnisvolle Turm

 

Die kleine Do-ing hatte Ferien und eigentlich war ihr ein bisschen langweilig zumute.

Sonst hatte sie viel zu tun, sie ging zur Schule, spielte mit ihren Freundinnen und versorgte liebevoll die Kaninchen zu Hause – jetzt waren nur noch die kleinen Häschen zum Spielen da, die Freundinnen waren verreist und die Schule hatte Pause.

 

Do-ing ging spazieren, einfach nur rumsitzen mochte sie nicht und so bummelte sie durch den Stadtpark und fand sich plötzlich in einem Wäldchen wieder, das sie vorher noch nie gesehen hatte. Neugierig sah sie sich um und dabei entdeckte sie zwischen den Büschen einen kreisrunden See, in dessen Mitte eine Insel lag.

Es war ganz still um sie herum, nur hin und wieder zwitscherte ein Vogel, aber andere Menschen schien es hier nicht zu geben.

„Merkwürdig“, dachte die Kleine, „wie bin ich bloß in diesen Wald und an diesen See gekommen? Ob es auf der Insel wohl etwas Besonderes gibt? Ich mache mich mal auf die Suche nach einer Brücke oder einem Boot.“ Entschlossen lief sie auf das Ufer zu und begann den See zu umrunden. Aber weit und breit war kein Steg oder gar ein Kahn zu finden.

Do-ing überlegte nicht lange, der See sah ganz friedlich aus, die Insel war nicht weit weg und das Wasser war auch nicht kalt – zumindest nicht, als sie ihre Hände darin eintauchte. Do-ing war eine gute Schwimmerin und die kleine Insel war schnell erreicht.  

Hinter alten und sehr großen Bäumen waren Mauern zu sehen. Vielleicht ein Schloss? Oder eine alte Burg?

Der langweilige Ferientag versprach jetzt richtig abenteuerlich zu werden!

Die Mauern waren hoch, Do-ing konnte nichts weiter erkennen und lief an ihnen entlang, um einen Eingang zu finden. Plötzlich stand sie wieder an der gleichen Stelle, von der aus sie ihren Weg begonnen hatte – sie war im Kreis gelaufen. Das Ding war also rund, es war ein hoher Turm, zu dem es anscheinend keine Türen gab.

 

Ratlos setzte sie sich ins Gras und grübelte, wie sie in diesen geheimnisvollen Turm wohl hinein kommen konnte. Da, ganz oben, fast unter den Dach, gab es ein kleines Fenster. Do-ing begann, an einem der Bäume hochzuklettern und fand tatsächlich einen Ast, der fast bis an dieses Fenster reichte. Das kleine Mädchen war nicht schwer und so konnte sie bis an sein Ende rutschen und durch die kleine Öffnung in den Turm spähen.

 

Sie sah darin ein Mädchen, das seine langen, blonden Haare zu einem Zopf geflochten hatte. Das Mädchen trug ein langes Kleid und sah aus wie eine Prinzessin aus den Märchenbüchern, die Do-ing so gerne las. „Jetzt fehlt ja nur noch, dass ein Prinz auf seinem Pferd heran reitet und nach Rapunzel ruft oder die alte Hexe auf der Bildfläche erscheint“, dachte Do-ing, „dann bin ich mitten in einem Märchen gelandet!“

 

Do-ing kannte die Geschichte von Rapunzel gut. Sie war immer ein bisschen neidisch auf die langen, blonden Haare der Prinzessin gewesen und hätte auch gern mal ihre eigene Mähne zu einem Zopf geflochten oder einfach im Wind flattern lassen. Aber ihre Haare waren dunkel und kurz, Do-ing war eher ein sportlicher Typ und das war auch ganz gut, denn sonst hätte sie wohl nicht so mühelos über den See schwimmen und auf den Baum klettern können.

Jetzt saß sie also auf dem Ast und beobachtete fasziniert die Bewegungen der prinzessinnenhaften Gestalt im Turmzimmer. Das Mädchen schien nicht besonders glücklich zu sein; es lief immerzu hin und her und wirkte irgendwie unruhig. Plötzlich begann es zu singen, eine leise, fast klagende Melodie, die Do-ing ganz traurig machte.

 „Eigentlich kein Wunder“, dachte Do-ing, „in so einem Turm, ganz allein, muss es schrecklich langweilig sein und nur auf Menschen zu warten, die vielleicht mal vorbeikommen KÖNNTEN – nee, das würde mir überhaupt nicht gefallen!“

 

Und doch kam ihr die ganze Situation seltsam bekannt vor, beinahe so, als ob sie das Mädchen und den Turm kannte, den Aufenthalt darin und alles was damit zu tun hatte, selbst schon einmal erlebt hätte.

War das nicht das Gefühl, das sie hatte, wenn sie sich mit jemandem gestritten hatte oder sich unverstanden fühlte? Lebte sie dann nicht auch in so einem Turm, der keine Türen hatte und war ganz mutterseelenallein?

 

Natürlich! Das, was sie hier sah, das war IHR Turm, ihr Phh-Turm, in den sie sich mit stolz zurückgeworfenem Kopf und einem schnippisch hin gehauchten „Phh“ immer dann flüchtete, wenn sie sich vor aller Welt verlassen und verraten glaubte. Sie wollte sich dann verkriechen und sehnte sich doch gleichzeitig nach Nähe und Erlösung.

 

Do-ing versank in ihren Gedanken, sie lauschte der traurigen Melodie, die aus dem Turmzimmer klang und wäre beinahe eingeschlafen. Zum Glück wurde ihr noch rechtzeitig klar, dass sie gerade in schwindelerregender Höhe auf einem Ast saß und hier keineswegs ein Mittagschläfchen halten konnte.

 

Als sie wieder festen Boden unter den Füßen hatte, rannte sie zum See zurück. Die Insel, der Turm, das eingesperrte Mädchen, all das war ihr jetzt richtig unheimlich. Das frische Wasser tat ihr gut und als sie wieder am anderen Ufer stand, war sie heilfroh, dass sie selbst darüber bestimmen konnte, wohin sie gehen wollte.

 

Do-ing legte sich auf eine Wiese, genoss die warme Sonne und wartete darauf, dass ihre Sachen wieder trocken wurden.

Sie dachte an das Mädchen im Turm und nahm sich vor, dass sie zukünftig sehr vorsichtig sein wollte, bevor sie wieder mal in ihren Phh-Turm schlüpfen würde – es genügte schließlich völlig, dass sie sich in solchen Momenten einsam und verlassen fühlte und sie musste sich ja nicht selbst noch ein Gefängnis errichten, aus dem sie nicht fliehen konnte. Dass irgendwann ein Prinz vorbeikommt, um einen aus den undurchdringlichen Mauern zu erlösen, das war eben nur ein Märchen.

 

Nach einer Weile stand Do-ing wieder auf und lief den Weg zum Stadtpark zurück. Sie hörte schon den Straßenlärm und freute sich auf ihr Zuhause.

 

Den kleinen Wald hat sie übrigens später nicht mehr wieder gefunden. Aber die traurige Melodie aus dem Turmzimmer hat sie nie mehr vergessen. Die kam ihr immer in den Sinn, wenn sie sich in ihren Phh-Turm zurückziehen wollte und so manches Mal hat sie sich dann anders besonnen und war froh darüber.

22.07.2008 um 11:59 Uhr

Liebe ist nur ein Wort ...

… für ein Gefühl, das jeder anders erlebt – jeder für sich und mit jedem Menschen wieder neu. Aber ausgerechnet bei diesem umfassenden Gefühl sind wir wohl alle (zumindest zeitweise) auf der Suche nach einer Erklärung, einer stimmigen Definition, die alles einschließt und erfasst.

Fragen über Fragen tun sich in uns auf; wie ein schwer zu bezwingendes Gebirge liegen sie vor uns und warten auf verbindliche Antworten:

 

Wie ist das für dich, wenn du liebst?

Woran erkennt man das?

Wie fühlt sich das an?

Wann ist das Gefühl echt?

Wie lange wird es anhalten?

Was ist der Unterschied zu anderen Gefühlen, die der Liebe irgendwie ähnlich sind?

 

Bei Banalitäten kämen wir wohl nicht auf die Idee, sie stundenlang zu sezieren und nach allgemeingültigen und unumstößlichen Antworten zu suchen – oder?

 

Was genau heißt das: Ich friere?

Woran merkst du das?

Was ist daran anders als sonst?

Wie lange dauert das?

Wann sagst du, was du fühlst?

Wie gehst du damit um?

 

Scheint es nicht geradezu absurd, ein klares Gefühl in alle Einzelheiten zu zerlegen, damit wir es be-greifen können? Wird es nicht genau dadurch immer unklarer – und ist nicht gerade das ganz klar? Denn wenn wir einem Gefühl so dicht auf die Pelle rücken, dann zieht es sich zurück – so, wie wir auch reagieren, wenn uns jemand plötzlich zu nahe kommt und wir diese Nähe weder erwarten, noch wünschen - es stellt damit den notwendigen Abstand zum Verstand wieder her und will nicht vereinnahmt und auseinander genommen werden. Es möchte mit Überlegungen nicht verwechselt werden, seinen unverwechselbaren Charme nicht verlieren, sondern das sein und bleiben, was es ist: EIN GEFÜHL!

 

Wenn unser Verstand zum Gefährten wird, wenn ER begreift, dass man ein Gefühl nicht in Muster, Raster und Kriterien pressen kann, dann können wir erleben, dass Liebe etwas Fundamentales ist – und gerade das Unverständliche daran wirklich mit allen Sinnen genießen.

20.07.2008 um 15:04 Uhr

Zu früh gefreut?

  

Habe ich vor noch nicht allzu langer Zeit gejubelt, dass jetzt eine Art Sommerpause beginnt, stelle ich jetzt fest, dass sie wohl ins Wasser gefallen ist!

Das hat nicht nur mit dem Dauerregen in Norddeutschland zu tun – der lässt in unserem Garten alles sprießen, aber wir können das Farben- und Blütenmeer leider nur durch die Fensterscheibe genießen. 

                                                   

Ich bin einfach nicht bereit dazu, mich mit Rolli, Friesennerz und Gummistiefeln auf die Terrasse zu setzen *grummel*.

 

Ein kurzfristig anberaumter Arbeitstermin erwies sich als äußerst fruchtbar und das bedeutet: Arbeit, Arbeit, Arbeit!

Das Gute daran ist eben das gerade beklagte miese Wetter, das weder zu Spaziergängen, noch zu Ausflügen einlädt und die tollen Ideen, die wir gemeinsam entworfen haben und die jetzt auf Realisierung warten.

Und so sitze ich denn wieder mal an meinem Arbeitsplatz (und freue mich, dass der gleich im Nebenzimmer ist und ich keinen Schirm brauche, um ihn zu erreichen) und quäle meinen PC, mein Hirn und meine Finger, die die Tastatur betrommeln.

 

Irgendwo da draußen gibt es Menschen, die sich noch an meine Stimme erinnern oder irgendwann mal von mir Post bekommen haben oder sogar mal auf meinem häuslichen Sofa meine vollständige Anwesenheit genossen haben. Momentan reduzieren sich meine Kontakte auf Lebenszeichen, Arbeitsbesprechungen oder plattes Abhängen auf besagtem Sofa, wenn meine Gedanken nur noch Schatten werfen.

Ha, all denen, die mir mit Langeweile auf dem platten Land gedroht haben, kann ich lächelnd den Stinkefinger zeigen *grins*!

 

Ich nähere mich Stück für Stück der Verwirklichung meiner Vision: Ein Bild aus meinen kühnsten Träumen entsteht gerade echt und in Farbe im real life und zwar schneller, als ich es erhofft habe.

Wenn der Preis dafür ein Sommer ohne Pause ist, entrichte ich ihn gern – warum der Sommer aus lauter Solidarität allerdings auch gleich eine Pause macht, ist mir unverständlich und ich finde das reichlich übertrieben!

01.07.2008 um 14:08 Uhr

Putzen Sie noch selbst?

 

Mal ehrlich, die üblichen Hausarbeiten können ganz schön lästig werden. Sicher haben wir alle schon mal darüber nachgedacht, ob wir das streifenfreie Fensterputzen, die Fliesen im Bad und die Flusen unter dem Bett oder an den Zimmerecken nicht doch lieber in fremde Hände geben, als uns selbst mit Gummihandschuhen und Sprühflaschen zu bewaffnen. Wenn das nötige Kleingeld in Scheinen vorhanden ist, hat der/die Eine oder Andere diesen Gedanken bestimmt auch schon in die Tat umgesetzt.

Dabei ist es doch gar keine so schwierige Sache, dem Staub, den Kalkablagerungen oder den Seifenresten auf den Leib zu rücken – sie scheinen ja geradezu darauf zu warten, dass wir sie wieder entfernen und die darunter verborgenen Oberflächen spiegeln unsere Freude über das gelungene Werk glanzvoll zurück. Soviel unmittelbare Anerkennung und sichtbare Ergebnisse wünschen wir uns doch sonst oft vergeblich für andere aufreibende Tätigkeiten. Trotzdem sehnen wir uns nach Entlastung für die Putzerei, sei es durch professionelle Unterstützung oder mehr oder weniger engagierte und freundliche Mitbewohner/innen.

 

Soviel zu der äußeren Angelegenheit des Großreinemachens und der Herstellung von Ordnung und Übersichtlichkeit – und wie ist das mit unserem Innenleben, das uns doch viel näher ist (oder zumindest sein sollte) als der Abwasch oder das strahlende Weiß der Gardinen?

Werkeln wir da nicht oft genug munter vor uns hin, fegen mal diese, mal jene Ecke aus und schütten den ganzen Unrat dann wieder mit fadenscheinigen Erklärungen und Entschuldigungen uns selbst und unseren Mitmenschen vor die Füße?

 

Werden wir nicht mühelos zum Meister Propper der ach, so faulen Ausreden?

 

Kämen wir auf die Idee, unser Gemüts- und Seelenleben auch regelmäßig einer Inspektion zu unterziehen, wie es uns für Küche, Bad und Keller der Behausung selbstverständlich erscheint? Oder könnten wir gar dem Gedanken Raum geben, uns dabei von professioneller Seite Unterstützung zu holen?

 

Erscheint uns das nicht geradezu wie eine Bankrotterklärung für unsere eigene Kompetenz, wenn wir darüber auch nur nachdenken oder gar einen Anstoß von außen dazu erhalten?

 

Fragen über Fragen, die sich regelrecht aufdrängen – obwohl doch das Innere, die Persönlichkeit, die Seele jedes Einzelnen viel komplexer ist als sogar der übervolle Arbeitsplatz eines Genies, das sich im Chaos noch zurechtfindet.

29.06.2008 um 14:27 Uhr

Im Restaurant

 

Gehen Sie auch öfter mit Leuten Essen, die stundenlang wortlos hinter einer Speisekate verschwinden können, sie akribisch von vorne bis hinten durchlesen und danach verkünden:
“Eigentlich habe ich gar keinen Hunger!“?

Oder: „Ich weiß beim besten Willen nicht, was ich essen soll – was nimmst du denn?“

 

Ich weiß nicht, welche Variante schlimmer ist!

 

Mich nervt das kolossal! Wenn ich ins Restaurant gehe, dann WEISS ich doch, ob ich überhaupt etwas essen möchte, eher eine Platte für dreiundzwanzig Personen oder nur eine Kleinigkeit. Und ich erwarte beim Chinesen auch keine Pizza auf der Speisekarte. Man, was ist denn daran so schwer????

 

Ganz toll sind auch Begegnungen wie diese: Es erfolgt eine Bestellung, die mit einem munteren: „Ich hätte gern …“, schwungvoll beginnt und dann in minutenlanges Schweigen übergeht. JETZT könnte die Bedienung alles Mögliche erledigen, was sonst, wegen der Hektik, immer liegen bleiben muss – aber das wissen die natürlich nicht und verharren deshalb ebenfalls angespannt und wortlos am Tisch.

Gefühlte Stunden später dann endlich das erlösende Wort:“…einen Milchkaffee!“, begleitet von einem strahlenden Lächeln. Erleichtertes Aufatmen bei allen Beteiligten ist hörbar – aber äußerst voreilig! Denn kaum hat sich der dienstbare Geist umgedreht, wahrscheinlich nicht nur, damit er den Kaffee holen kann, sondern auch um ungestört mit den Augen zu rollen und unbeobachtet tief durchatmen zu können, wird die Bestellung storniert!

„Ach nee, bringen Sie mir bitte lieber einen Tee! Was haben Sie denn für welchen?“ Boah, jetzt sagt der Ober ALLE Teesorten auf, die es jemals in diesem Laden gegeben hat und meistens entwickelt sich gleich ein Interview daraus, ob die zarten Teespitzen auch wirklich noch vor Sonnenaufgang in Ceylon von besonders sensiblen Pflückerinnen geerntet wurden, damit sie auch ein spezielles Aroma entfalten könnten.

Kein Mensch denkt mehr daran, dass ICH vor einer Ewigkeit einen Kaffee bestellt hatte und das todernst gemeint habe!

Drei Zigaretten später, die von mir als Beruhigungsmittel missbraucht wurden, sind die Teesorten durchgehechelt und jetzt wird eine Cola bestellt.

Abgang des Obers, der zweite Versuch!

Drei Schritte später wird lauthals hinterher gerufen: „Light! Eine Cola light, bitte!“  Aber der Typ ist clever, er kommt nicht wieder an den Tisch zurück, er geht schnurstracks zum Tresen und führt die Bestellung aus – man weiß ja nie, was der Dame (meine Begleitung ist natürlich eine Frau, so ein wirres Hin und Her habe ich mit einem Mann noch NIE erlebt!) sonst noch so einfällt.

Nachdem die Getränke auf dem Tisch stehen, findet tatsächlich eine normale Unterhaltung statt – zumindest bis zu der Frage von ihr: “Wollen wir auch etwas essen?“

 

Ehrlich gesagt, ich bin mir nicht ganz sicher!

 

ICH würde schon ganz gern und hatte mir vorhin auf der Karte auch schon etwas ausgesucht, aber wenn jetzt bei ihr der gleiche Zirkus wie vorhin losgeht … außerdem, woher soll ICH wissen, ob WIR etwas essen wollen???

Also mache ich ihr ein Angebot: „Ich esse einen Salat mit Thunfisch!“ Punkt!

„Hmm …“, lange Pause. „Ich weiß nicht, Thunfisch bekommt mir nicht besonders gut.“

„Ok, dann iss doch was anderes.“

„Ja, aber …“ nachdenkliches Gesicht, „ein Salat wäre gar nicht schlecht.“

Flüssig bete ich nun alle Salatvarianten, die das Restaurant heute anbietet, herunter – ich hatte ja vorhin zwangsläufig stundenlang Zeit, die Speisekarte zu lesen, weil keine Bücher da waren.

Leider weiß ich nicht, ob der Schafskäse nicht doch zu würzig wäre, das Dressing eventuell Zucker enthält oder mit Apfelessig zubereitet wird und ob das Öl früher mal, in anderer Form, an einem Olivenbaum zu Hause war und tatsächlich ganz kalt gepresst wurde, um in die Flasche zu passen.

Ich gebe zu, ich habe mich mit diesen Fragen noch nie intensiv beschäftigt und habe das auch zukünftig nicht vor!

ICH WOLLTE EINFACH NUR EINEN THUNFISCHSALAT ESSEN!

 

Stunden später habe ich mir dann zu Hause ein Käsebrot gemacht und ich habe keinen Moment gezögert, einfach hinein zu beißen, obwohl mir der Name der Kuh, von der die Milch für den Käse stammt, NICHT geläufig ist.

24.06.2008 um 14:18 Uhr

FreundesKreis

 

 

Das ist ein großes Wort für mich, denn ich halte viel von Freundschaften – allerdings im kleinen Kreis, denn mit losen Bekanntschaften und small talk kann ich nicht viel anfangen.

Am Wochenende konnte ich so einen KreisLauf in vollen Zügen genießen: Freunde, die sich hier pudelwohl gefühlt haben und herzhaft lachen konnten, obwohl ihr Leben momentan nicht nur aus fröhlichen Momenten besteht.

Unter dem Tisch vertrugen sich, nach anfänglichen Kabbeleien, selbst Hund und Katze prächtig und alle zusammen haben wir einen gemütlichen Abend erlebt, an den wir wohl noch lange denken werden.

Es ist ein tolles Gefühl, zu wissen, dass es Menschen gibt, die einfach da sind, wenn man sie braucht, ohne dass man darüber viele Worte machen muss – ein Geschenk! Und zu spüren, dass auch sie keinen langen Anlauf nehmen müssen, wenn sie selbst mal eine Hand, einen Arm oder eine Schulter zum Zugreifen oder Anlehnen brauchen, das macht Freundschaft, für mich, erst wirklich rund.

Ein schöner Kreis!

14.06.2008 um 13:52 Uhr

Im Zoo

Kinder und Tiere, das ist ein spezielles Thema und ein Erfolgsrezept für Promis, wenn sie sich ins rechte Licht rücken wollen.

Aber selbst kleine Kinder haben schon ihre ganz eigene Art, auf Tiere zuzugehen.

Erwachse gehen ja ausgesprochen gerne mit Kindern in den Zoo – allerdings verlaufen diese Besuche nicht immer nach Plan und manche Erwartung von uns Großen wird radikal erschüttert.

Es gibt nämlich Kinder, die wandern durch den Zoo wie durch ein belebtes Bilderbuch: Sie sammeln Eindrücke und Informationen, sonst nix!

Sie haben nicht den Hang, das Tier zu streicheln und überlegen keineswegs, wie es wäre, wenn es zu Hause unter ihrem Bett wohnen würde – was bei einigen Tieren durchaus auch bei Erwachsenen, gelinde gesagt, Entsetzen hervorrufen würde.

Falls man die Tiere noch füttern darf, stürzen sie sich auch nicht begeistert auf die angebotenen, erlaubten Nahrungsergänzungsmittel – „Mensch, Mama, die Tiere werden doch hier sowieso gefüttert!“ – Ernüchterung könnte sich breit machen.

Nach erfolgter Besichtigung der Tierwelt drängt es diese Art von Nachwuchs zügig nach Hause, denn erst hier können sie in aller Ruhe in den Erlebnissen schwelgen und sich alles Wissenswerte über die Tiere per Buch oder PC erschließen.

 

Andere Kinder fühlen sich dagegen unmittelbar als Tierpfleger, sie wollen akribisch wissen, wann, wie oft und womit die großen Tiere gefüttert werden und ob sie auch ordentlich versorgt und gepflegt werden. Im Zoo sollen so schon Karrieren geplant worden sein: Malte denkt sich Dressurakte für Robben und Pinguine aus und Sarah möchte unbedingt später mal die kleinen Affenbabys im Arm halten und mit der Flasche großziehen. Unversehens ist man in ein zukunftsorientiertes Fachgespräch über die Berufsaussichten von Veterinärmedizinern verwickelt, auch wenn die Lütten dieses Wort noch gar nicht kennen.

 

Andere wiederum möchten den unmittelbaren Kontakt zu jedem Exemplar einer Gattung jetzt, hier und fürs ganze Leben schließen. Wenn man gaaaanz doll lieb zu Tigern und Löwen ist, kann man sie doch bestimmt auch streicheln, oder???

Zum Glück für diese Sprösslinge und zur Beruhigung ihrer Angehörigen gibt es stabile Gitter, undurchdringliche Glasscheiben und breite Wassergräben, die die kleinen Herrschaften daran hindern, ihre Vermutung umgehend zu verifizieren.

Es ist eine herausfordernde Aufgabe, den lieben Kleinen glaubhaft zu versichern und sie davon zu überzeugen, dass auch ganz, ganz tollpatschige, super süße Elefantenbabys oder die niedlichen, schmusigen Eisbärchen ziemlich schnell wachsen und (schon deshalb und aus tausend anderen Gründen!) eben nicht ins heimische Kinderzimmer einziehen können.

 

Falls SIE es nicht erwarten konnten, Ihren Nachwuchs life mit der exotischen Tierwelt zu erfreuen, seinen Sie bitte nicht enttäuscht, wenn die bereits aus dem Park vertrauten Enten oder ein frecher Spatz deutlich mehr Interesse und hörbar mehr Beigeisterung auslösen, als ein noch nie gesehenes Känguru – das Bekannte hat eben auch seinen ganz besonderen Charme.

Wiedersehen macht bekanntlich Freude und vielleicht ist auch erst das erneute Wiedersehen mit Tigern, Affen, Giraffen und Nilpferden das eigentlich beeindruckende Erlebnis für unsere Kinder.

 

12.06.2008 um 16:21 Uhr

Reisen in ferne Länder ...

 

… kann man körperlich und seelisch machen, manchmal sogar zeitgleich.

Die Lust, die wir empfinden, die Neugier, die Entdeckerfreude, wenn wir uns auf eine lange Reise begeben, die uns in ferne Länder führt, begleitet uns nicht immer auch auf den Exkursionen in die unbekannten Kontinente, die ganz dicht vor uns liegen.

 

Jeder Mensch ist anders und jeder ist wie ein neues Land für uns.

Wir sind auch da oft von Unbekanntem fasziniert, fühlen uns an- und hingezogen von neuen Gedankenwelten, anderen Sichtweisen und bestaunen bisher unvorstellbare Aussichten.

Und doch suchen wir auch immer wieder nach dem Bekannten und Vertrauten.

Es ist ein Prozess, sich in einem fremden Land wie zu Hause zu fühlen – manchmal braucht er Jahre, manchmal erreicht uns dieses Gefühl unmittelbar.

Aber die Unbekümmertheit, die wir auf unsere tatsächlichen, räumlichen Reisen ganz selbstverständlich mit in unserem Gepäck tragen, die vergessen wir oft mitzuführen, wenn wir uns auf den Weg in das innere Heimatland eines anderen Menschen machen. Da haben wir stattdessen Hoffnungen und Erwartungen, Sehnsüchte und Ansprüche mit eingepackt und gehen davon aus, der andere wird dieses Paket nicht nur aufschnüren, sondern auch noch alle belastenden Inhalte, die uns schwer auf der Seele liegen, mit Freude, Leben und Liebe füllen.

Ist es da ein Wunder, wenn wir allzu oft unsere Siebensachen wieder einpacken müssen und unverrichteter Dinge wieder an unserem Ausgangspunkt landen?

 

All das, was uns beschwert, führt auch zu Beschwerden – es wird der Tag kommen, da werden wir uns beschweren, dass uns unsere Träume nicht erfüllt wurden. Und wir werden überzeugt sein, dass uns Unrecht widerfahren ist, dass das Schicksal es nicht gut mit uns meint, dass das andere Land, das wir erobern wollten, eben nur ein Urlaubsparadies war und kein Zuhause.

 

Haben wir dabei nicht vergessen, dass uns nichts und niemand das sein und geben kann, was wir uns selbst nicht gönnen?

Solange wir bei uns selbst nicht landen können, uns nicht wirklich und vollständig als das akzeptieren, wer und was wir sind, solange werden wir vergeblich in der Ferne suchen, was doch direkt in unserem Innern zu finden ist.

 

Das Aufzuspüren, was in uns verborgen ist, kann uns kein anderer Mensch abnehmen und auch das ist eine Reise, die durchaus mit Überraschungen und der Entdeckung von Neuland verbunden ist.

 

11.06.2008 um 12:26 Uhr

Beim Friseur

 

 

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, was so ein lapidares Ereignis, wie ein Friseurbesuch, für Sie bedeutet?

Oder gehören Sie zu der Gruppe, die das absolut nicht als lapidar empfinden?

 

Es gibt ja Leute, für die ist das tatsächlich und im Wortsinn ein einschneidendes Erlebnis! Für Manche ist es ein Event und sie inszenieren das entsprechend; für andere wieder ist es einfach pure Notwendigkeit, damit man dauerhaft den Durchblick behält und es gibt Zeitgenossen, die verabschieden sich trauernd von jeder einzelnen Haarspitze, die auf ihrem Kopf einmal zu Hause war.

 

Bettina ist da ganz pragmatisch: Der Gang zum Friseur ist für sie so etwas wie ein unausweichliches Ereignis. Penibel wird er in die Jahres-, Monats- und Tagesplanung mit eingebaut. Haare schneiden ist alle sechs Wochen fällig, unabhängig von Lust und Laune und eventuell periodisch veränderter Haarwuchsgeschwindigkeit. Schnell gehen muss das, rein, hinsetzen, Haare waschen und ordentlich schneiden, flott fönen und ab – schließlich ist noch jede Menge Wichtiges zu erledigen und da kann man sich mit solchen Bagatellen nicht unnütz aufhalten. Erzählen Sie ihr nichts von speziellen Kuren, die das Haar seidig schimmern lassen, überzeugen Sie die Kundin lieber davon, dass das teure Zeug, das Sie ihr auf den Kopf schmieren wollen, total praktisch ist. Vielleicht macht es das Haar leichter kämmbar oder lässt es schneller trocken – ich bin sicher, irgend so etwas wird dem Fachmann bestimmt einfallen.

 

Holger dagegen käme nie auf die Idee, sich für einen Friseurbesuch einen Plan zu machen!

Wer weiß schon so genau, wann er wieder unters Messer muss – das ergibt sich und er gibt sich dem Wachstum der von unseren Urvätern vererbten Fellreste eher stoisch hin. Mal neigt er zum radikalen Kurzhaarschnitt, dann wieder lässt er das Haupthaar wallen – sofern noch genügend Fülle vorhanden ist. Sollte sich zufällig eine Parklücke vor dem Geschäft eines Haarkünstlers finden, dann spaziert er schon mal ganz spontan da rein – und sieht sich erst mal um. Erscheint der Meister dann fröhlich das Messer wetzend, Hände reibend und Kamm schwingend vor ihm, kann es schon mal vorkommen, dass er mit einer tonlos gemurmelten Entschuldigung den Laden panikartig wieder verlässt – in der Ruhe liegt bei Holger die Kraft. Er möchte einfach still auf dem Stuhl Platz nehmen und auf keinen Fall mit Bergen von Modezeitschriften überhäuft werden, aus denen er sich einen Schnitt aussuchen soll.

Lieber Figaro, sollte Holger in Ihrem Studio jemals auftauchen, verschonen Sie ihn bitte mit den neuesten Klatschnachrichten aus aller Welt oder den aktuellen Gemütsbewegungen Ihrer Lieblingskunden! Der Herr wünscht lediglich einen Haarschnitt und sonst nichts! Er ist mit sich und seinen Gedanken beschäftigt und schätzt es, wenn er denen, ungestört von munterem Friseurgeplapper, konzentriert folgen kann.

 

Dafür können sich Friseure und Friseurinnen freuen, wenn Sabine erscheint. Sabine ist bereits eine Erscheinung, wenn sie den Laden betritt! Ganz großer Auftritt ist jetzt zu bewundern: Küsschen hier und Küsschen da, das modische Täschchen wird dazu jedes Mal demonstrativ abgestellt, jede Umarmung wird zelebriert und genossen. Käffchen, Teechen oder ein Schlückchen Sekt gefällig? Klar doch, schließlich ist Sabine hier zu Besuch bei Freunden. Bevor nicht ALLE Erlebnisse der letzten Wochen ausgetauscht wurden, braucht man ihr nicht mal das Haar zu waschen – dafür könnte man inzwischen ungestört und lautlos z. B. Holger bedienen. Jetzt ist es für Coiffeure sinnvoll, die neuesten Haarfarben, von blau über silberblond bis cherry in wirklich allen Nuancen bereit zu halten und noch im Gedächtnis zu haben, welchen Ton Sabine noch nie auf ihrem Haupt zur Schau gestellt hat. Hüten Sie sich allerdings davor, ihrem Naturton zu nahe zu kommen! Falls im Laden jemand ein dankbares Objekt für die neueste, abgefahrendste Modefrisur, die die Welt noch nicht erlebt hat, sucht: Bitte, für Sabine sind Improvisationskünstler und ganz Kreative genau richtig. Hier dürfen Sie Ihr ganzes Repertoire entfalten: Wie stylt man Haare stundenlang so, dass sie genau so aussehen, als wäre man gerade aus dem Bett gekommen?

Welche Strähnchen passen garantiert nicht zusammen, ergeben aber einen absolut ungewohnten Look?

Falls der Haarstylist sich für den wohlverdienten Feierabend noch nichts vorgenommen hat, ist auch das kein Problem, mit Sabine kann man auch noch stundenlang um die Häuser ziehen, nachdem man dem goldenen Handwerk alle Ehre gemacht hat. Und Sabine ist eine treue Kundin: Falls sie morgen, ganz überraschend natürlich, einen wichtigen Termin wahrzunehmen hat, bei dem sie Wert auf erstklassiges Aussehen legt, kommt sie flugs noch einmal in den Laden und alles geht wieder von vorne los.

 

Haare schneiden ist eben nicht einfach nur Haare schneiden …

10.06.2008 um 12:34 Uhr

Frei, frei, frei!

 

JETZT beginnt bei mir so etwas Ähnliches wie eine Sommerpause – dabei hat der Sommer noch nicht einmal angefangen …

Es gibt noch ein paar eingestreute Termine in den nächsten Wochen, aber der flotte Seminartakt ist erst einmal angehalten. Ich habe also richtig Zeit, um die nächsten Runden vorzubereiten und mich „nebenbei“ auch noch um meine anderen Projekte zu kümmern. Ein freies, unabhängiges Gefühl macht sich in mir breit und verleiht mir nicht nur Flügel, sondern auch Lust auf all das, was hier noch so ansteht: Leben aus dem Kleiderschrank, statt aus dem Koffer, häusliche Terrassenabende und Arbeit nach eigenem Taktschlag!

 

Nach der bisherigen Schönwetterperiode gehe ich mal davon aus, dass ich in diesem Jahr tatsächlich meinen Traum erfüllen kann und im Garten, umgeben von blühenden Rosen und Vogelgezwitscher, wieder schreiben, schreiben, schreiben werde.

 

Ganz beiläufig haben sich Ideen ergeben, die jetzt auf ihre Verwirklichung warten und dabei kann ich auf die Unterstützung von meinem Schatz UND meiner beruflichen anderen Hälfte zählen *freu*.

In erstaunlich kurzer Zeit hat sich hier zwischen uns eine freundschaftliche Partnerschaft entwickelt, die geschäftlich und privat absolut bereichernd ist.

In der nächsten Woche werden wir zwei Mädels wieder in unser Arbeitsnest umziehen und an der Vervollständigung von Konzepten und der Umsetzung unserer brain-storm-Aktionen werkeln. Der alte Spruch: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“, hat für uns ausgedient, wir haben schon bei der Arbeit richtig Spaß und das macht sich bei den Ergebnissen bemerkbar.

 

Falls ich Irgendjemandem von diesem tollen Gefühl etwas abgeben kann: Bitte bedient euch – ich schöpfe gerade aus dem Vollen!

06.06.2008 um 18:54 Uhr

HeimWeg

 

Unabhängig davon, ob man ihn gewöhnlich zu Fuß, mit Bus und Bahn, mit dem Auto oder mit dem Fahrrad bewältigt, der Weg nach Hause ist ein besonderer Weg.

Mich führte er diesmal ca. 90 min quer durch Schleswig-Holstein, abwechselnd über Landstraßen, Felder, Wiesen und Dörfer und über die Autobahn, über eine der gigantischen Brücken des Nord-Ostsee-Kanals, zurück nach Piepenholm.

Vier Tage Arbeit lagen hinter mir. Tage, die ich als intensiv und erfüllt empfunden habe. Meine wochenlangen Vorbereitungen hatten sich gelohnt, als alles wie am Schnürchen klappte und uns die Teilnehmer des Seminars am Ende mit strahlenden Augen verkündeten, sie würden sich auf das nächste Modul freuen, das leider erst im September stattfindet und bis dahin sei es noch schrecklich lange hin.

 

Es ist inzwischen eine unglaubliche Nähe zwischen allen entstanden – Menschen, die sich vor wenigen Monaten noch gar nicht kannten, fühlen sich als fester Teil einer kleinen Gemeinschaft, in der sie offen, unverstellt und verletzlich sein können.

All das ging mir auf meiner Heimfahrt durch den Kopf.

 

Ist es da verwunderlich, dass ich das Gefühl hatte, nach Hause zu schweben?

 

Schwerelos und glücklich habe ich mich gefühlt und dabei war ich noch nicht einmal am Ziel – weder am Ziel meiner Fahrt, noch am Ziel meiner Wünsche, noch überhaupt: Mittendrin, unterwegs war ich bereits ganz und gar angekommen.

 

Zuhause stapelte ich meine Koffer und Arbeitskisten im Flur auf, mein Schatz nahm mich in die Arme und die Katze blinzelte mir von meinem Lieblingsplatz auf dem Sofa freundlich zu und versank wieder in ihre Traumwelt – das schwebende Glückgefühl haben wir abends auf der Terrasse noch gemeinsam genossen und es umgibt mich noch immer wie ein durchsichtiger, fließender Umhang.

26.05.2008 um 14:31 Uhr

SpurenSuche

Die Tage haben Spuren hinterlassen

Ganz breite

Die in die Zukunft führen

Sanft verwehte

Die das Vergangene spürbar machen

Und zarte

Die sich manchmal noch im Kreise drehen

Aber schon in eine Richtung weisen

 

Sie begleiten mich in die Nacht

Und vermischen sich mit dem Dunkel und der Stille

 

In meinen Träumen kann ich hören

Was sie mir zu sagen haben

Am Morgen habe ich vergessen

Welche Worte es waren

Aber ihren Klang trage ich noch in mir

Ein tiefer, ruhiger Ton

Der in mir schwingt, mich begleitet

Und sich mit den Spuren verbindet

19.04.2008 um 11:31 Uhr

Spezielle Rundungen

 

Ich genieße sie zurzeit, diese ganz besonderen Rundungen, die nichts mit bloßer Körperlichkeit zu tun haben.

Langsam aber stetig fügen sich hier Einzelteile zusammen, die vorher ein echtes SingleDasein geführt haben und so gar nicht zueinander zu passen schienen. Spürbar war, dass ihnen noch etwas fehlt, etwas, das sie rund und stimmig macht. Und jetzt greifen sie ineinander und verzahnen sich miteinander – wie ein Puzzle, das plötzlich nicht mehr nur aus Teilen besteht, sondern ein abgerundetes Bild darstellt, mit Ecken und RandErscheinungen.

Es sind mal wieder eigenartige Gefühle, die mich beim Rückblick auf diese Entwicklung beschleichen: Haben wir monatelange Trockenübungen gemacht, damit wir jetzt mit gekonnten Ruderschlägen das Boot auch durch schwierige WasserStraßen (mit beflügelnder Leichtigkeit) steuern können?

 

Es ist mal wieder die RückSicht, die den Blick auf die vorhandenen Zusammenhänge ermöglicht. Mittendrin, belastet durch gefühlte Zerrissenheit, wild rudernd, um immer wieder den Kopf frei und über Wasser zu kriegen, da konnte ich das Ufer nicht sehen, die Wege hatten ein Ziel, aber es war zu weit weg, als dass es wirklich erreichbar schien und jeder Plan schien immer nur neue Umwege und Hürden aufzuzeigen.

 

Plötzlich und sehnlich erwartet hat sich etwas gelichtet, aus den vielen Bäumen ist ein Wald geworden, der von begehbaren Wegen durchzogen ist, Ruhe auf Licht durchfluteten Lichtungen verheißt und seinen Schrecken verloren hat, sich darin zu verirren wie in einem mächtigen Labyrinth.

 

Nichts davon ist uns in den Schoß gefallen, aber allein die Tatsache, dass wir die Hände nicht in den Schoß gelegt haben, hat das alles nicht bewerkstelligt – wir haben dieses Ergebnis nicht ge-macht, wir haben dafür und daran gearbeitet, aber den Roten Faden, an dem wir uns manchmal nur mühsam entlang gehangelt haben, den haben wir nicht selbst geknüpft.

 

Das Runde hat noch eine weitere Dimension, es geht über Kreis und Kugel, über Fläche und Raum hinaus. Mein Erstaunen darüber ist ebenso groß wie meine Dankbarkeit und beides ist unbegrenzt.

Was ich vorher als Einschränkung und Begrenzung erlebt habe, bahnt mir jetzt einen Weg in eine schier unendlich scheinende Weite und ich bin dabei, mich auf diesem Gelände zu bewegen, vorsichtig tastend, Schritt für Schritt – im stützenden Vertrauen darauf, dass es ein schützendes Geländer gibt, wenn ich vor einem Abgrund stehe.

02.03.2008 um 13:25 Uhr

StippVisiten

 

 

Zurzeit bin ich dauernd auf dem Sprung – innerlich und äußerlich.

Die Seminartermine reihen sich wie bunte Ketten auf meinem Jahreskalender, was für die materielle Existenz natürlich von Vorteil ist, mir aber nicht nur die Zeit, sondern auch das Leben einteilt, in DA und nicht DA, also zu Hause.

DA sein muss ich allerdings an allen Orten, niemand kann, will oder soll auf eine Trainerin warten, die mental noch „unterwegs“ ist.

Und so gilt es, das Abschalten zu lernen – nicht das Relaxen, sondern das Präsent sein, punktgenau, mal eben im häuslichen Bereich, der sich in Arbeit und Privates splittet und jeweils auch noch in Pflicht, Kür und Leidenschaft und den außerhäuslichen Bereich, der die Verbindung von "rein" Beruflichem mit Beziehungspflege und Kontaktbereitschaft fordert.

 

Nein, nein, so ganz neu sind mir die unterschiedlichen Anforderungen nicht, aber jetzt sind sie doch ein bisschen anders, als ich sie bisher gekannt habe.

 

Und ich merke, dass ich die Veränderungen spannend finde, auch an den wechselnden Situationen Freude habe, mir einiges schon leichter von der Hand geht und trotzdem der Spannungsbogen manchmal bis zum Anschlag gespannt ist.

Das zehrt und zerrt ganz schön, nicht nur an meinen Nerven, sondern auch an der Substanz.

 

Es ist ein ständiger Balanceakt: Aus einer inneren Ruhe heraus zu agieren und die Ruhe, die ich so dringend dafür brauche, genau dann zu finden, wenn Zeit dafür da ist und an den notwendigen und passenden Stellen eben auch noch Frau, Mutter, Kind und Freund zu sein und zwar nicht nur nebenbei, sondern mit ganzem Herzen.

 

Was sich so hübsch anhört, sich die Zeit (meistens) selbst einteilen zu können, das hat den Pferdefuss, dass auch daran Erwartungen geknüpft sind – sich nämlich jederzeit DIE Zeit nehmen zu können, die gerade jemand mit mir verbringen möchte oder die ich für meine Pläne einsetzen möchte. Jeder hat dafür Verständnis, dass man von einem aushäusigen Arbeitsplatz nicht beliebig agieren kann – aber wenn man doch zu Hause ist, da gilt das irgendwie nicht im gleichen Maße, da erscheint man wohl eher als ständig „verfügbar“.

 

Das Problem ist, dass sich kreative Arbeit und gestalterische Prozesse nicht vollständig eintakten lassen – ich kann nicht einfach dann schreiben und arbeiten, wenn mal gerade nichts anderes anliegt, sondern „muss“ dann tätig werden, wenn sich die Ideen zu Wort melden und nach Formulierung streben. Und manchmal muss man ihnen auch durch anscheinendes Nichtstun erst die innere Bahn eröffnen, damit sie die grauen Zellen auch dort ansprechen, wo ich es wahrnehmen und verstehen kann …

 

Ich beklage mich nicht, jedenfalls ist das nicht meine Absicht.

Ich wollte es nur mal sagen.

19.02.2008 um 18:11 Uhr

Wohin ich schaue …

 

…überall finde, sehe, fühle ich im Moment Tränen. Nein, es sind nicht meine Tränen - diesmal nicht.

 

Es sind ungeweinte Tränen, die schon lange einen Ausweg suchen, die tapfer, stolz oder trotzig runtergeschluckt werden. Sie sind doch aber so schwer verdaulich! Sie bestehen nicht nur aus Wasser und Salz: Sie enthalten Schmerz, Trauer, Enttäuschung und Ohnmacht, sie umhüllen Verzweiflung, Einsamkeit und Verletzungen.

Es sind geweinte Tränen, die sich wie Sturzbäche plötzlich ergießen, obwohl der Anlass dazu nichtig erscheinen mag – aber es war eben buchstäblich oft der letzte Tropfen, der das innere Fass zum Überlaufen bringt.

 

Die Aussage, dass Tränen heilsam sind, das aufmunternd gemeinte  „Kopf hoch“, die sicher gut gemeinte Versicherung, dass es wieder besser und leichter werden wird, die Aussicht auf einen neuen Anfang, auf eine Tür, die sich öffnet, wenn sich hinter einem eine schließt und all die anderen tröstenden Worte erreichen einen dann meistens gar nicht.

Wie sollten sie auch?

Sie sind auf die Zukunft ausgerichtet; aber Tränen weint man ausschließlich in der Gegenwart!

Sie sind der Ausdruck eines Gefühls und gegenwärtige Traurigkeit lässt sich nicht durch noch so rosige Zukunftsaussichten beeinflussen, sie braucht ihre Zeit zum Sein, zum Ausbreiten und erst dann kann sie abklingen – sie schwebt noch eine Weile im Raum, wie der letzte Ton eines Konzerts, verklingt und die Tränen können versiegen.

 

Meistens fühlen wir uns dann erleichtert und das liegt ganz sicher nicht am Gewicht der Fluten, die aus unseren Augen kamen; es hat wohl eher damit zu tun, dass ein Gefühl in uns nicht mehr unterdrückt wurde, sondern mal ans Licht kam. Die Quelle der Tränen, ihr Ursprung, ist ein wichtiger Wegweiser für das, was in uns brodelt, was zukünftig anders sein und werden sollte.

 

Tränen sind tatsächlich heilsam, aber sie allein heilen nichts. Sie sind nur ein Indiz, ein Indikator für etwas, was wir verdrängt, erduldet oder versäumt haben.

Die Spur der Tränen, die wir auf unserem Gesicht einfach wegwischen können, führt tief in unser Innerstes und dort finden wir auch die Lösung, wenn wir uns denn in diese Tiefe wagen.

18.02.2008 um 18:38 Uhr

Vertraut, gewohnt und ganz und gar nicht gewöhnlich

 

Ich kenne das noch gut: Den Schmerz, einen geliebten Menschen nicht mehr oder noch nicht an meiner Seite zu haben, die brennende Sehnsucht nach vertrauter Nähe und die Verzweiflung, wenn die Erfüllung dieses Wunsches allenfalls in unendlich entfernt erscheinender, sehr ungewisser Zukunft winkt.

 

„Mach es dir doch allein mal so richtig gemütlich“, „Geh doch mit Freunden aus“, „Genieße deine Unabhängigkeit“, all das waren für mich untaugliche Versuche – die Ratschläge waren sicher gut gemeint, sie kamen von Herzen und es blieb auch nicht nur bei diesen Worten. Mit manch einem guten Freund oder einer lieben Freundin habe ich tatsächlich wundervolle Stunden verbracht, ich habe viele Menschen kennen gelernt, Kino, Theater, Veranstaltungen und Restaurants besucht, aber es war nicht das, was ich gesucht habe.

 

Es waren nicht die Augenblicke der Heimkehr in eine leere Wohnung, die mich daran erinnert haben, was mir fehlte; nach solchen Treffen habe ich tatsächlich die Stille und die Ruhe genossen, die ich in meinem Zuhause fand. Aber mittendrin, mitten in der besten Gesellschaft, hat es mich oft eingeholt: Das Gefühl, umgeben von Menschen, allein zu sein.

 

Und es ist gerade dieses Gefühl, das ich nie wollte, das ich so schwer annehmen konnte, das mir so weh getan hat, es ist eben die Erinnerung an dieses Gefühl, das mir noch so vertraut ist, an das ich mich nie gewöhnen konnte und wollte, was mich heute so intensiv spüren lässt, wie wertvoll und wichtig mir Liebe tatsächlich ist und welche fundamentale Bedeutung sie für mich hat.

 

Hätte ich diese Zeit der Sehnsucht nicht erlebt, würde ich ein liebevolles, harmonisches, vertrautes Miteinander auch genießen, aber ich würde es wohl für normaler halten, als es wirklich ist. In einem Menschen eine Ergänzung, einen Spiegel, ein Gegenüber und eine stetige, zuverlässige Antwort zu finden ist Glück – und es ist ungewöhnlich!

Ungewöhnlich schön, ungewöhnlich bereichernd, ungewöhnlich erfüllend, man gewöhnt sich zwar leicht daran, aber es bleibt alles andere als gewöhnlich.

16.02.2008 um 13:17 Uhr

Da isse wieder!

 

Back from Berlin! Ein kurzer, familiärer Ausflug in unsere alte Heimat liegt hinter uns. Ich habe das Zusammensein mit Mama und den Kindern genossen, den geburtstagsbedingten Aufmarsch der Verwandtschaft überstanden und es war sogar noch Zeit zu einem ausgiebigen Treffen mit einer Freundin und einigen Einkäufen.

Das erste Mal habe ich den unvermeidlichen Stau auf dem Stadtring voller Freude miterlebt – es war ja nur ein Intermezzo und gehört nicht mehr zu meinem Alltag, toll!

Menschen in dieser Stadt zu wissen, die meinem Herzen so nahe sind, das ist das Einzige, was mich dort noch hinzieht. Ansonsten: Null Heimweh nach dem Großstadtgetümmel, den quirligen Menschenmassen, den verstopften Straßen, den unzähligen Einkaufspassagen, in denen sich die Menschen mit Taschen und Tüten drängeln und zwischendurch, mitten im Gewühle, Kaffee trinken oder Minisnacks konsumieren. Nee, danke, das muss ich alles nicht mehr haben.

 

Zuhause sind wir nicht in ein leeres Haus gekommen, sondern wurden von meiner Freundin erwartet, die, für die Dauer unserer Abwesenheit, hier den ganz persönlichen Katzensitter gegeben hat. Frau Katze war glücklich, Frau Freundin hat es auch gefallen, sie hat hier ein bisschen die Gegend erkundet und sich wohl gefühlt.

 

Alles bestens, also und ab Montag warten vier Tage strammes Arbeitsprogramm am Schreibtisch auf mich, bevor es am Freitag wieder nach Hamburg zum Seminar geht.

 

Bei uns hat die Langeweile, die auf dem platten Land ja zu Hause sein soll, noch nicht einen Tag mit am Tisch gesessen und ich werde für sie auch nie ein Gedeck auflegen!

 

Jetzt werde ich mal durch die Blogs bummeln und sehen, was ihr so macht.

Ein schönes Wochenende wünsche ich!

05.02.2008 um 18:56 Uhr

GeKlärt

Manchmal ist es nur ein Wort – aber es trifft uns tief, es erschüttert unsere Seele.

 

Es fällt bis auf den Grund, fast bodenlos, aber ganz sicher nicht grundlos. Es treibt uns um, es reibt uns auf, alles ist innerlich in Bewegung.

Wie ein Stein, der ins Wasser fällt. Er hinterlässt seine Kreise, während er langsam in die unsichtbaren Schichten sinkt und wühlt dabei etwas auf, dass das Wasser trübe werden lässt. Etwas, was wir nicht bemerken, wenn wir nur auf die spiegelblanke Oberfläche sehen.

 

Wäre es besser, es nie gehört zu haben?

Wäre es besser, es wäre nie gesagt worden?

 

Welchen Wert hätte die scheinbare Klarheit und Ruhe dann?

 

Wäre sie nicht nur eine trügerische Spiegelung, reine Verklärung?

 

Manchmal ist es nur ein Wort – aber es ordnet alles neu.

 

Auch wenn die Erklärung weh tut, sie klärt und wenn sie ehrlich ist, dann bringt sie die erforderliche Klarheit, die uns das Wesentliche auf dem Grund wieder erkennen lässt.

 

02.02.2008 um 10:08 Uhr

Erwachen

 

Endlich wieder Stille – nach tagelangem Sturmgetöse ist sie wohltuend und erscheint fast greifbar.

Ungewohntes Erwachen: Es war hell, ruhig und friedlich!

Vorbei sind die Stunden, in denen der Regen lautstark an die Fenster peitschte und das Heulen des Sturms nur im Tiefschlaf nachließ. Eingekuschelt in eine warme Bettdecke fühlte man sich trotzdem irgendwie unbehaust.

Gewohntes Erwachen: Du liegst neben mir, eben noch unterwegs in deinem Traumland und doch spürst du die Bewegung; ein erster Blick, ein Lächeln in deinen Augen – kein Sturm kann diesem Leuchten darin etwas anhaben. Ein wohliges Gefühl von Geborgenheit, eingebunden in einen Lidschlag.

31.01.2008 um 13:36 Uhr

Unfassbar

Es ist ein gutes Jahr her, da saß ich an einem sonnigen Herbsttag einem Menschen gegenüber, den ich durch die gemeinsame Arbeit kennen gelernt hatte.

Ein Rheinländer wie aus dem Bilderbuch: Fröhlich, stets gut gelaunt und immer geschäftig. In der Nähe von Köln hatte er ein Restaurant und er war die Seele dieses Geschäfts – ob es um die Organisation großer Firmenfeiern ging oder die kleinen Alltagssorgen, die man am besten bei einem oder mehreren Kölsch bespricht, er war der richtige Mann dafür.

Wir haben ihn auch in stillen Stunden erlebt, mit ihm über Fragen gesprochen, die ihn bewegten und die in die Zukunft gerichtet waren. Er suchte eine neue Orientierung, weil er gesundheitlich dem Stress nicht mehr gewachsen war.

Er war dabei, einen neuen Weg zu suchen, sich neue Ziele zu stecken und sich dabei selbst ein bisschen näher zu sein.

Wir haben uns alle auf ein Wiedersehen im Sommer dieses Jahres gefreut – und seit heute weiß ich, dass es diese Begegnung nicht mehr geben wird.

Von ihm werde ich nun nur noch in der Vergangenheit sprechen können, denn er ist gestorben.

Wir werden sein Lachen und seinen Kölner Dialekt nicht mehr hören, die Herzenswärme in seinen Augen nicht mehr sehen können …

Meine Erinnerungen an ihn sind lebendig und sie werden bei unserem Treffen im Sommer bei uns sein, aber dieses "Wir" ist nicht mehr dasselbe.

Ich bin traurig …