schon eine Woche ohne Tour de France
Stimmung: müde..
... und es geht trotzdem. Auch wenn sie das Lernen um einiges angenehmer gemacht hat. Schwamm drüber.
Der gestrige Abend hat wieder Fragen aufgeworfen. Wer bin ich? Was will ich? Werd ich je diejenige sein, die ich sein will? Da sind sie also wieder - all die pseudophilosophischen Gedankenspuren, in denen man sich ab und an verliert... ohne tatsächliche Konsequenz.
Wie kam es dazu? Von vorn also.
Der Abend war anders geplant: Mit H. gemütlich am Wasser sitzen, feines Desperados trinken, die ein oder andere Andeutung einer Annäherung, aber nichts wirklich konkretes - denn das ist das Spiel. So tun als ob. Die Realität haben wir irgendwann einfach fallengelassen, abgestreift, denn so ist es komfortabler.
Ein simpler Grund brachte die Planänderung: Gewitter. Also gut, dann komm doch zu mir, sagte ich. Also gut, dann komm ich zu dir, sagte er. Es gab gutes Essen und das Desperados schmeckte auch ohne Stadtgeräusch und Grillgeruch. Zugegeben, die Anspannung war ein wenig größer - wir befanden uns schließlich nicht auf neutralem Boden, aber auch die verflog irgendwann bei heiterer Plauderei und erinnerungsbeladener Musik. Und quasi mittendrin, als langsam alle arglosen Gesprächthemen angeschnitten und abgearbeitet waren, stellt er die Frage: "Läuft bei dir im Leben momentan alles glatt?" "Also naja, natürlich nicht immer..äh.. aber ja, im großen und ganzen, ja ich denke doch. Warum?" "Bei mir grad nicht irgendwie..." Ich brauchte eine Weile, um mich auf die ungewohnte Ernsthaftigkeit eines Gespräches mit H. einzustellen. Üblich sind derartige Unterhaltungen mit ihm nun wirklich nicht.. Er erzählte mir, dass er Vater werde (mehr als ein "krass!!" ist mir in dem Moment nicht eingefallen)... die Umstände, die seine Beziehung beträfen, seien aber nicht wirklich ideal und begriffen habe er das sowieso noch nicht und überhaupt sei seine Freundin 2 Tage nach dem Test in den Urlaub gefahren und sie haben bisher nur am Telefon darüber reden können... ach und jede Menge mehr. .. puh.. im Grunde hat mich daran nicht die Geschichte als solches so "beeindruckt", sondern vielmehr die Tatsache, dass er sie MIR erzählt hat... und dazu noch als erste. Nicht Ehre - eher Verwunderung... unser "Verhältnis" beschränkte sich bis gestern schließlich auf angenehme Oberflächlichkeit mit einer kurzen Episode körperlicher...hmmm, nennen wir es Zuneigung. Ja, und dann kamen wir, unablässig redend, auf jene Ebene, auf der es an die Substanz geht. Wo will man hin? Ist Familie, Haus und Hund das eigentliche, worauf alles hinausläuft? Was habe ich denn bisher erreicht? Was werde ich vermutlich nicht erreichen? ... Ich bin 25 Jahre alt. Das Ende des Studiums ist zumindest absehbar, aber längst nicht sicher. Bevorstehende Prüfungen sind der perfekte Nährboden für Zukunftsängste.
Ich habe eine handvoll Freunde, die ich sehr gerne mag, und sogar zwei, drei darunter, die man klassischerweise als "echte" Freunde bezeichnen kann. Aber da fehlt doch was...-richtig... der "Mann fürs Leben".. ich bin alt genug, um an den Traumprinzen nicht mehr glauben zu müssen. Aber dennoch nicht alt genug, um nicht wenigstens ein bißchen darauf zu hoffen. Nein, unglücklich bin nicht. Aber glücklich? So richtig doch auch nicht. In meinem Kopf löst das Konzept der "Monogamie auf Zeit" die Illusion der Schwanenehe ab. Doch es ist noch nicht in alle Winkel meines Hirns, und vor allem nicht des Herzens vorgedrungen... gelegentlich ertappe ich mich bei dem Wunsch nach lebenslanger Zweisamkeit.. Nein, es ist sicher nicht das einzige, das ein erfülltes Leben ausmacht, aber vermutlich ein wichtiger Pfeiler (um jetzt mal völlig in die Kitsch-Ecke abzurutschen)... und dann höre ich von H., dass die "Musterbeziehung" schlechthin zu großen Teilen auch nur gebastelte Fassade ist. Ein ernüchternder Abend.
"Zärtlichkeit wird in dem Augenblick geboren, da der Mensch auf die Schwelle zum Erwachsensein gespuckt wird und sich bange der Vorteile der Kindheit bewusst wird, für die ihm als Kind das verständnis fehlte. Zärtlichkeit ist das Erschrecken vor dem Erwachsenenalter." (Milan Kundera)
