Zwischenwelt(en)

29.07.2006 um 14:00 Uhr

Grinsekatze. Oder: Manchmal haut es ganz einfach hin.

Gnadenlos unausgeschlafen aber mit Muskelkrampf in den Wangen schleiche ich durch den Tag. Ich hab heute das Gefühl, die Welt geht mich nichts an. Denn: ICH hab gestern einen guten Tag gehabt. Einen guten Abend. Eine gute Nacht.

Die letzte Schicht im Laden war von einem nahezu ununterbrochenen Hach-Gefühl durchzogen, auf dem ich ohne Schirm und Stange spaziert bin, und ganz nebenbei noch Geld verdient hab. Ex-Mitbewohner P. und Ex-LAG D. kamen zu später Stunde hereingeschneit, brachten Neuigkeiten (früher hätte der Buschfunk sowas schneller erledigt, aber die Obertrommler scheinen auswärts zu sein) und es war einfach nur.. na hach eben. Insbesondere die (für unsere Nach -Trennungs -Verhältnisse) ungewöhnlich langen Begrüßungs- und Verabschiedungsdrückungen mit D. taten mal richtig gut. Viel unausgesprochenes zwischen uns. Aber manchmal kann auch das durchaus positiv sein.

Zu noch späterer Stunde tauchte dann jemand auf, auf den ich den ganzen Abend irgendwie gewartet, und dessen Erscheinen im Türrahmen ich mit breitem Grinsen (eben jenes, das bis heute anhält) quittiert habe. Doppelt hach. Ich sag mal so: Dafür, dass in den letzten Wochen eher wenig in Richtung kennen lernen passiert ist, nahm das Ganze gestern eine vergleichsweise rasante Entwicklung. Na mal kieken, wa?

Nach dem Dienst haben Mitbewohner A. und ich noch lang auf dem Balkon gesessen. Wirklich lang.

27.07.2006 um 12:25 Uhr

Vom Zuspätkommen zu Notruflisten

Mitbewohner A. kam gestern nicht zur erwarteten Zeit von seiner Arbeit nach Hause. Nix besonderes, sollte man meinen, der gute Mann hat vielleicht was besseres vor, als die Bedürfnisse nach geregelten Abläufen seiner Raumteiler zu erfüllen. Der Sachverhalt als solches ist tatsächlich nicht weiter erstaunlich, wichtig oder überhaupt bemerkenswert. Befremdet hat mich nur mein Gedankengang, der seinem Zuspätkommen folgte. Ich habe mir überlegt: Was wenn ihm nun etwas passiert ist? (Bis hierher noch ziemlich verständlich, denke ich.). Doch anstatt den einfachsten Weg zu gehen, nämlich ihn direkt auf dem Handy anzurufen, hab ich mich einer Kette theoretischer Waswärewenns hingegeben.

Sollte ihm nun wirklich  mal etwas passieren, dann würden wir, also seine lieblichen Mitbewohner, das sicherlich nicht als erstes erfahren. (Und das, obwohl wir die elementarsten Fragen des Lebens täglich miteinander zu klären haben… wer würde dann das Bad putzen, den Kaffee holen, das Abendessen kochen??)

Davon ausgehend, dass man ihn im Falle des Falles vermutlich auch nicht auf seinem Mobiltelefon erreicht, wären wir darauf angewiesen, nach womöglich Tagen der Ungewissheit und Sorge (Ich katastrophisiere!) von irgendwoher Nachricht zu erhalten… wenn überhaupt. Denn ich bin mir nicht sicher, ob sein Vater die Nummer von einem von uns hat. Über Umwege (Es gibt gemeinsame Schnittstellen unserer Freundeskreise) könnte dieser sich sicherlich mit uns in Verbindung setzen, aber wie gesagt, ich nehme an, das würde dauern.

Aber da sind ja auch Menschen, die mir einiges bedeuten, bei denen solche Schnittstellen nicht existieren. Bilaterale Freundschaften ohne jegliche Netzeinbindung. Was ist, wenn denen etwas zustößt?

In meiner ganzen Wenn- und Aber – Denkerei habe ich mir dann so überlegt, dass man Telefonlisten anlegen sollte. Nur zur Sicherheit. Die hängen dann in der Wohnung, in den Wohnungen der jeweiligen Eltern (Im Falle der Mitbewohnerschaft) und man trägt sich stets und ständig bei sich. Am besten leuchtend rot im Portemonnaie. Oder besser noch: Im Brustbeutel! Ha! Als größtes Kompliment beziehungsweise Zeichen der Wertschätzung gilt dann nicht mehr "Ich hab Dich gern, Du bist mir wichtig.", sondern "Hey, ich hab Dich in meiner Liste zu stehen."

24.07.2006 um 19:41 Uhr

Original und Fälschung

Ich weiß nicht mehr, wie es heute im Laufe des Tages dazu kam, aber ich habe nachgedacht. (Ich! Und sogar über ein ganz bestimmtes Thema. Ganz bestimmt im Sinne von abgrenzbar, diskret, konkret.) Grob gesagt ging es dabei um mich. (Na, wenn das nicht mal was ganz ausgefallenes ist). Also um mich und Dinge, von denen ich meine, dass sie meine Person irgendwie ausmachen. Marotten, Kleinigkeiten, Allgemeines. Dabei war es nicht unbedingt mein Ziel, eine Beschreibung meiner Komplettpersönlichkeit, der Ganzheit herself zu entwerfen, nein, eigentlich ging es dabei ziemlich genau um eine Sache. Na, jetzt wird’s aber spannend, wie? Wird es nicht.

Mir ist aufgefallen, dass ich ziemlich allergisch auf "Nachmacher" reagiere. Möglicherweise in einem infantil gesäten Drang zur Abgrenzung begründet, empfinde ich spontane Unlust, wenn jemand, den ich kenne und - noch wichtiger -der mich kennt, irgendwelche Dinge kopiert, die ich für mich als meine persönlichen Eigenheiten angenommen habe. Ein Beispiel? Besonders unlustig werde ich, wenn jemand spezielle Begriffe meines (teilweise selbst- oder im Zusammensein bestimmter Personen kreierten) Wortschatzes übernimmt. Ganz selbstverständlich. Ohne jedoch die Bedeutung zu kennen (Kennen zu können in den meisten Fällen, das gebe ich zu). Natürlich muss man damit rechnen, dass man sich unter Freunden immer auch sprachlich angleicht, aber manche Wörter sind mir irgendwie heilig, die darf man ganz einfach nicht dadurch entweihen, dass man sie sich mal eben aneignet. Worte haben eine Geschichte, mitunter eine sehr eigentümliche. Und Begriffsnutzung ohne Hintergrundwissen ist bloßes Nachplappern.

Warum diese offensichtlich banale Thematik eine so große Bedeutung für mich hat? Weil ich es mag, auf die verschrobenen oder auch unauffälligen Eigenheiten anderer Menschen, insbesondere meiner Freunde zu achten. Eine Persönlichkeit definiert sich für mich nicht über Gemeinsamkeiten mit anderen, sondern durch Unterschiede. Meine liebste B. zum Beispiel hat ein ganz zauberhaftes Markenzeichen, was ihr Make Up betrifft. Würden noch mehr Leute so rumlaufen, verlöre es seine Besonderheit. Es gehört zu ihr, zu niemandem sonst.

Oft ist es verlockend, kleine Eigentümlichkeiten anderer Menschen zu übernehmen, weil sie irgendwie reizvoll auf einen wirken. Aber diese Dinge verlieren augenblicklich an Reiz, wenn sie eben nicht mehr eigentümlich sind.

24.07.2006 um 12:07 Uhr

Druck S-Abf Strg Ende Einfg.. ach, Titel ausdenken ist doof.

Na was war denn das? Hatte mich schon damit abgefunden, den gestrigen Abend sinn- und gedankenlos vor dem Fernseher liegend zu verbringen, als mein Telefon klingelt. "[Nachname] B. hier." Ich fange an zu lachen. Holla, die Schlaftablette! Welch Freude. "Ich dachte, ich melde mich mal. Kennst du den Film Falling Down?" "Kenne ich." "Der läuft heute. Aber wenn er dir nicht gefällt, können wir auch in den Biergarten gehen." "Ich bin für Biergarten." Gesagt, getan. Zum eiskalten Hefeweizen gibt es Geschichten aus meiner Lieblingsklinik. (hach!) Und die ein oder andere Neuigkeit über seinen zukünftigen Ex-Chef. (Nicht hinhören, nicht hinhören. NICHT.. zu spät. Ich kann solche unvermittelten Sockelstürze nicht leiden.) Aber eigentlich geht mich das nur sekundär was an, und so kann ich zusammenfassend behaupten, ein paar muntere Stunden in unangestrengter Atmosphäre verbracht zu haben. Schön das.

23.07.2006 um 14:00 Uhr

Gratulation!

Ja, ich weiß, noch sind's etwa einhundertfünfzig Kilometer bis Paris, aber ich wollt dem guten Herrn Landis schon mal meinen Glückwunsch aussprechen. Hast brav gemacht, hast brav gemacht, drum wirst du..  undsoweiter. Da hat der Dominator also in einem Landsmann seinen Nachfolger gefunden. Wer hätte das gedacht.. 

 

22.07.2006 um 20:31 Uhr

Le bureau est mort - vive le bureau!

Da steht er also, der Kleine. Direkt vor dem Fenster. Von hier aus kann ich unmittelbar das Treiben im Hof beobachten. (Leider treibt da nix, oder zum Glück, je nach Anspruch. Abendliche Ruhe ist ja durchaus auch angenehm.) Na, da hat die Trauer um den Alten (hüstel) ja nicht lange angehalten, oder? Kaum sind die Überreste aus dem Weg geschafft, nimmt schon ein Neuer seinen Platz ein. Ich wünschte, ich wäre auch in anderen Lebensangelegenheiten so pragmatisch. Und so schnell. Und vor allem so entschlossen. Aber nein, da neige ich ja eher zu klebriger gedanklicher Anhänglichkeit. Insbesondere, wenn etwas "kaputt" geht. Da sind die erinnernden Splitter aber auch um einiges hartnäckiger als ein paar Glaskrümel im Teppich.

21.07.2006 um 00:30 Uhr

Scherben bringen Glück..

von: Discovery   Kategorie: So gesehen

Ich werde umgehend Lotto spielen, und mich auf den Rest meines (unsagbar glücklichen) Lebens freuen.

(Mein Schreibtisch, nachdem sich heute morgen eine leere Beck's-Flasche todesmutig aus zwei Metern Höhe auf ihn stürzte)

19.07.2006 um 12:51 Uhr

Dreimal auf Holz geklopft..

Er läuft wieder. Nach Lüfter putzen, Kernsäuberung und siebenundzwanzigmal Reseten. Hoffentlich ist dies nicht der letzte Seufzer vor dem endgültigen Dahinscheiden.

18.07.2006 um 23:12 Uhr

Ich packe meinen Koffer und nehme mit..

Romantik… Sonnenuntergänge in Valras Plage… dahingehauchtes "Oh Schatz, ich verstehe dich.." Scheiß drauf! Märchen! Zwei- drei- und irgendwann sogar Viersamkeit? Alles gelogen! Ich kann sie nicht mehr ertragen, die Alles-wird-gut-Erzähler.

Aber, aber, warum so verstimmt, Madame? Mein Rechner hat heute (offenbar *toitoiundso* nur zeitweise) die Hufe hochgerissen, und ich bin nicht ansatzweise flüssig genug, mir einen neuen leisten zu können. Vielleicht hat er mir ja nur meine lautgedachte Liebäugelei mit einem Notebook übel genommen. Aber das nur am Rande.

Eigentlich hatte ich heut nur einen kurzen Gedanken. Pling! Und der hat ganze Steinbrüche ins Rollen gebracht. Ok, das klingt ein bisschen dramatisiert, aber auch das gehört dazu.

Ich dachte an Frankreich. An schöne Landschaften, die ich gern sehen möchte. Abseits der Rennstrecke, you know. Durch diese Landschaften würde ich gern mit einem Mietwagen von Zeltplatz zu Zeltplatz tingeln. Mit jemandem an meiner Seite, dessen Französisch ausreicht, dem Tod durch Hunger oder Portweindeprivation zu entgehen. Der ein Y- Chromosom in seinem Erbgut beherbergt, und den ich zumindest so gerne mag, dass ich es mindestens drei Wochen auf zwei Quadratmetern Zeltboden gemeinsam aushalten kann, ohne ihn zwischendurch töten zu wollen. Sind das zu überzogene Ansprüche? Na gut, er muss kein Französisch sprechen… ein Croissant kann ich grad noch selber bestellen. Und wenn er Frankreich überhaupt nicht mag, na, dann darf's eben auch Schweiz, Belgien oder Holland sein.

Frustrierend ist vielleicht gar nicht mal die Tatsache, dass die Aussichten auf Erfüllung dieses Wunsches dunkel bis düster sind, sondern dass dies mit hoher Wahrscheinlichkeit mein letzter Sommer ist, in dem das wenigstens theoretisch möglich ist, so spontan meine ich, so.. hm. Ganz arg wird’s übrigens, wenn sich zur ohnehin rollenden Lawine noch angedachte Urlaubs-Dia-Abende befreundeter Pärchen dazugesellen. Halleluja!

Immer wieder mal desillusioniert werden ist schmerzhaft, in solchen Momenten immer wieder getröstet werden ist Wurzelbehandlung ohne Narkose.

15.07.2006 um 23:42 Uhr

Titel denk ich mir später vielleicht aus

Nach verdammt langer Abstinenz habe ich mich heute endlich mal wieder ca. fünfzig Seiten lang auf dem Zauberberg herumgetrieben. Und wäre es im Park nicht so brachial laut gewesen, und hätte mich A. trotz seiner chronischen Übermüdung nicht angerufen, wären daraus vielleicht auch einhundert oder mehr geworden. So habe ich Hans Castorp in seiner Liegekur zurückgelassen und mich stattdessen einem weiteren energischen Federballspiel und weniger energischen Gesprächen über dies und das und Migrationshintergrund und theoretisch verbleibenden drei Lebenswochen gewidmet. Dabei immer wieder drohenden Fuß- und Handballattacken pubertierender Biertrinker ausweichend. Tztztz. Wir stellen fest, dass uns vielleicht noch fünf Jahre bleiben, bis wir definitiv und überhaupt gar nicht mehr zu jener Gruppe der Imdunkelnaufeinerkariertendeckesitzendenundanderenbeimspielenzuschauenden Menschen gehören sollten.

[Edit: Eigentlich sprachen wir von zwanzig Jahren, die uns noch bleiben, aber beim Schreiben hatte Mama Ratio wieder mal die Oberhand]

15.07.2006 um 16:31 Uhr

Lycos, Klappe die zweite.

Ich bin einfach nicht muede und I morgens Bohren und der dumme Telefonring.

Original: Ich bin müde und mir ist langweilig und das doofe Telefon klingelt einfach nicht. (Deutsch, Englisch, Deutsch)

15.07.2006 um 16:14 Uhr

Dem Unbewussten auf der Spur

Da ich in der letzten Nacht wieder einmal recht seltsam aber konkret bildlich geträumt habe, will ich nun anfangen, ein Traumtagebuch zu führen. Wer weiß, vielleicht entdecke ich ja das ein oder andere Motiv, das sich wiederholt, und/oder mir zu ungeahnten Erkenntnissen verhilft. Vielleicht macht es ja auch einfach nur Spaß. Vielleicht ist das aber auch nur wieder eine Schnapsidee.

Gestern Abend mit F. und Mitbewohner A. im Park. Grillen und endlich mein kürzlich erworbenes Federballspiel einweihen. Der Zufall wollte, dass wir jeder ein unterschiedliches Fußballshirt anhatten (Ja, immer noch. Finaaaale o-ho!), und so haben wir kurzerhand mal den Ausgang der EM 2008 prognostiziert. Ich sag mal so, die Schweiz hat gar nicht mal schlechte Karten. Später gesellte sich C. zu uns, und aus dem harmlosen Plänkelspielchen wurde ein erbitterter Kampf. Ende vom Lied: Ich musste heute erstmal neue Bälle besorgen.

14.07.2006 um 14:10 Uhr

Hach, Übersetzungsspielchen mit Lycos machen Freude. Und Glück.

Ich jetzt gluecklicherweise ein grosses und saftiges Stueck von Wassermelone, gluecklicher Wille haben auch Papaw. Garniert mit Cocktailschirmchen multicoloured und ein Preis in einer guten Stimmung.

13.07.2006 um 22:48 Uhr

Who lives in a pineapple under the sea?

Das verbrannte Gras sticht durch die Jeans. Es hat nämlich wiedermal hervorragend um die Stadt herumgeregnet. Staubtrocken überall. Vor allem hier im Park. Grill- und Grillengeräusche. Zigarettenrauch. Dämmerung. Und ein ganz bisschen Wind auf der Haut. Ich möchte irgendetwas kluges denken, aber es gelingt mir nicht. Mein Hirn macht Urlaub. Wenigstens eine Ansichtskarte wäre doch nett. "Das Wetter ist schön, das Essen schmeckt gut, ich liege oben." Oder so ähnlich. Man sollte meinen, es lebt sich recht komfortabel, so ohne Gedanken meine ich. Tut es nicht. Es fühllt sich nämlich an, als hätte man einen vertrockneten Schwamm im Schädel. Der saugt nichts auf und, egal, wie feste man drückt, gibt auch nichts ab. Spongebob Schwammkopf. Nur ohne Squarepants vielleicht.

13.07.2006 um 12:12 Uhr

Vrienden en zo

Kollegenfreund S. hat sich gestern einen fiesen Scherz mit mir erlaubt.. Da ich bei der Thematik Vertrauen und dergleichen ziemlich hypersensibel reagiere, war ich drauf und dran ihn nie nie nie wieder sehen zu wollen. Als sich die Sache dann aufklärte, saß ich grad mit meinem Patienten im Park. Den armen Mann hatte ich vorher mit meiner Paranoia schon ganz kirre gemacht. Na is ja noch mal gut ausgegangen, und so konnten wir uns ganz entspannt wieder dem therapeutischen Tagesgeschäft zuwenden. Ein schönes Gespräch über Freundschaft im Allgemeinen und Speziellen, über Tagebücher, Eifersucht und darüber, dass sich Gefühle irgendwann einfach wieder auflösen können, wenn man sich nicht um Beantwortung derselben bemüht..

11.07.2006 um 21:39 Uhr

Blödes vegetarisches Gelumpe..

Ich glaube, es liegt am Essen. Ich.. ach.. oder an der Hitze. Verdammte spätabendliche Melancholie. Und mein Patient natürlich damit beschäftigt, seine eigenen Patienten zu retten. Gnarf.

11.07.2006 um 20:09 Uhr

Eins.. Zwei.. Test

Von diversen Köstlichkeiten des Wochenendes inspiriert, ließ ich mich vorhin dazu hinreißen, gustatorische Experimente zu starten. Die fanden ihre konkrete Form dann in gebratenen Tofu-Würfeln mit Champignons auf Bandnudeln. Na? Klingt das nicht lecker?

Ich hab in meinem Leben erst zweimal Tofu gegessen. Das war vor fünf Jahren im Krankenhaus. Beide Male. Und auch wenn es schon ne Weile her ist, so meine ich doch, mich zu erinnern, dass das damals irgendwie anders geschmeckt hat. Ich würde meinen ersten Versuch jetzt nicht unbedingt als misslungen bezeichnen. Vielleicht als ausbaufähig. (Ich hab ja noch ein Stück!). Nächstes Mal überbacken? Oder gar grillen? Auf jeden Fall länger einlegen!

Mitbewohner A. erzähle ich lieber nichts von meinem Vorhaben. Der lacht mich ja doch nur aus.

11.07.2006 um 14:00 Uhr

Rückblende

Freitag

Wie ich den Tag verbracht habe? Keine Ahnung. In der Nacht stehe ich jedenfalls mit Kollegin M. hinterm Tresen. Der Laden ist einigermaßen voll, von Langeweile kann also nicht die Rede sein. Mit M. zu arbeiten ist irgendwie immer ganz… hmm.. "speziell" trifft es vielleicht ganz gut. Sie ist ein sehr zartes Persönchen, und auch wenn sie den Job schon geraume Zeit macht, wirkt sie doch immer irgendwie unsicher oder aufgeregt oder verhuschelt, wie man wohl hierzulande sagt. Sie wuselt auf den vier Metern Bar hin und her und murmelt dabei meist irgendwelche unverständlichen Selbstanweisungen vor sich hin. "Ach ich muss ja noch…" "Jetzt wollte ich…" "Hach, fast vergessen.." "Ach ja.." "Nee, warte mal.." "Ja, genau.." Am Anfang unserer Zusammenarbeit hab ich immer noch nachgefragt – hätte ja schließlich sein können, sie meint mich. Das hab ich mir aber ganz schnell abgewöhnt. Stattdessen grinse ich jetzt nur noch.

Alles verläuft in gewohnten Bahnen. Bis zur Abrechnung. Da stimmt dann gar nichts mehr. Gnarf. Wildes überlegen, wo denn der Fehler liegen könnte. Das Heureka kommt leider erst, als das Geld schon weggeschlossen und ein Roman an Cheffe verfasst ist. (Ich sag nur: Taste 8 und Theke divers.) Egal. Neuen Roman verfassen, ohne Geld nach Hause gehen und hoffen, dass Cheffe uns nachträglich nicht mit nem Hungerlohn abspeist.

Als ich nach Hause komme, ist Mitbewohner A. noch wach und wir schwatzen beim Feierabendbier auf der Balkonbrüstung, bis der Berufsverkehr losgeht.

 

Samstag

Nach 3 Stunden Schlaf klingelt der Wecker, meine Augen bleiben hartnäckig zu winzigen Sehschlitzen zusammengefaltet, woran auch die Aloe-Dusche zunächst nichts ändern kann. Klamotten packen, Sonnenbrille auf, ab zum Bahnhof. Heimaturlaub. Bei meinem ersten Umstieg frage ich mich besorgt, was um alles in der Welt mich geritten haben muss, am Tag des Kleinen Finales Richtung Hauptstadt zu fahren?! Himmel und Menschen unterwegs – pfeifend, gröhlend, fahneschwenkend. Hat irgendwie was. Allerdings nicht in meinem Zustand.

Frau Mama und Herr Papa weilen auch in alten Gefilden. Kleine Familienzusammenführung sozusagen. Und zwar anlässlich des traditionellen Grillabends bei Onkelchen auf seinem Sommergrundstück, welches mit dem Tandem auch recht bald erreicht ist. Nach kurzer Umarmung und Drückung der Anwesenden inspiziere ich die Räumlichkeiten nach einem Fernseher. Erfolglos. Wie jetzt? "Aber ich dachte, wir gucken heut abend alle zusammen das Spiel? Du hast doch gesagt.." Frustriert werfe ich der Frau Mama einen bösen Blick zu. "Also ich war wirklich der Meinung, hier schon mal einen Fernseher gesehen zu haben…" (Kreisch!) Nagut. Das Thema wird zunächst verdrängt. Ist ja auch noch etwas Zeit. Welche man dann mit Kaffeetrinken, Spazierengehen, Mitnichtespielen, Grillvorbereitungen und Schöndassihrdaseidbekundungen verbringt. Irgendwann steht sie aber wieder im Raum, die Frage der Fragen. "Was ist denn jetzt mit dem Spiel?" (Schluchz… aber zum Glück bin ich nicht die einzige, die das interessiert.) Und so wird kurzerhand ein Radio ans Lagerfeuer geschleppt. Obwohl, ich weiß nicht, ob man derartige Geräte schon Radio nannte, als man die damals hergestellt hat. Bunt bemalt sitzen wir also im Kreis, und hören den Klinsmännern beim Siegen zu. Eine bizarre Erfahrung, lustig allemal.

 

Sonntag

Frühstück im Freien. Phantastisch! Ich beschließe, einfach noch eine Nacht länger zu bleiben. So komme ich auch in den Genuss, ins fünftausendsterne-Hotel zum Brunch eingeladen zu werden. Hab zwar nicht annähernd adäquate Garderobe im Gepäck, aber woher sollte ich auch wissen.

Zum Kaffee kommen jede Menge Menschen, verwandt oder bekannt, die bis zum Abend bleiben. Finaaaale o-ho! Diesmal sogar mit Bild. Die regulären Tore verpasse ich trotzdem, weil ich mich am Telefon um meinen Patienten kümmern muss, der ein katastrophales Wochenende verlebt hat, und ein bisschen Trost braucht.

Tja. Nun ist Italien also Weltmeister. Nicht wirklich mein Wunsch-Kandidat, aber… aber.. nix aber. Glückwunsch!

 

Montag

Da ich abends arbeiten muss, mache ich mich gegen Mittag auf den Weg nach Hause. Auf dem Bahnsteig überkommt mich plötzliches Unbehagen. Oder um es anders auszudrücken: Mir wird kotzübel, schwindlig und ich verspüre den Drang, mich auf den Boden zu legen, um dort umgehend zu sterben. Scheiß Hitze, scheiß Kreislauf. Zum Glück habe ich nach anderthalb Stunden Fahrt beim Umsteigen genug Zeit, mir noch schnell was zu trinken zu kaufen. Allmählich stellt sich Besserung ein.

Bin zwar alles andere als fit, Spaß macht das Arbeiten jedoch trotzdem. Wenn auch erst gegen Ende. Die Gäste werden von mir mit gelben und roten Karten erzogen (ein Geschenk vom Tantchen), es gibt einige Namensaufklärungen und auch der italienische Käse schmeckt schon wieder. Und ganz wichtig: Die Kasse stimmt!

 

Jetzt hat es uns also wieder. Das fußballfreie Leben. Und was machen wir mit all der zurückgewonnenen Zeit? Ich glaube, ich hol mir jetzt erstmal nen Kaffee.

07.07.2006 um 10:32 Uhr

Gewinnen kann jeder...

Ist nur ein Ohrwurm, den ich gerade habe.. seit zwei Tagen, um genau zu sein. Über Fußball wollte ich nämlich nicht mehr schreiben. Nicht vor Sonntag jedenfalls. Punkt.

Da habe ich gestern für 4,50 Euro knapp hundert Seiten lang den guten Herrn Freud studiert. Doch meinen Traum von letzter Nacht kann ich trotzdem nicht deuten. Im Zweifelsfall hasse ich meine Mutter und will meinen Vater heiraten, aber das erscheint mir irgendwie doch zu unwahrscheinlich. Der Traum war eine Mischung aus horriblen und durchaus angenehmen Komponenten. Was davon blieb, waren keine konkreten Bilder, eher so ein Gefühl, noch nicht fertig zu sein.. eigentlich noch mal träumen zu müssen, um abzuschließen. Und dieses Gefühl ist höchst unbefriedigend.

06.07.2006 um 00:06 Uhr

Och nööö

Jetzt muss ich gegen Figo und für Zidane sein? So war das aber nicht gedacht. Das Gute an der Sache ist, dass Kollegenfreund S., quasi in Orakel-Manier, den gestrigen Spielausgang korrekt vorhergesagt und für Samstag die Niederlage für Germanien gegen die Gallier prognostiziert hat.. Irren kann eben auch sehr beruhigend sein.. Nee nee, das muss einfach klappen! Ach bitte.. *fleh*