Wieder drei Tage für die Seele waren das. (Ich lasse dem Kitsch freien Lauf.)
Nur zwei Wochen Vorbereitung, ich denke, das kann man noch unter spontan verbuchen.
Mitbewohner A., der Schmock und ich auf dem Weg an die See, das allein ist freudeträchtig, aber B. besuchen, das ist sensationell.
Ganz nebenbei haben wir hinfahrend sogar Hamburg kennen gelernt. Im Dunkeln. Unbeabsichtigt. Atlanten in der Beifahrertür mögen spießig sein, wären aber an manchen Stellen sehr nützlich gewesen, denn es besteht ein frappierender Unterschied zwischen ‚Sich den richtigen Weg merken' und ‚Auf den richtigen Weg zurück finden'.
Freitag Abend gab es nach dem großen Wiedersehenstanz nicht nur Kartoffeln mit Quark, sondern auch einen Abstecher zu B.s Freunden, welche sehr sympathisch und außerdem trinkfest sind. Wir wären ja gern noch länger geblieben, aber nachdem die Gastgeber ins Bett gegangen waren, hielten wir es für angemessen, leise die Wohnung zu verlassen.
Der Samstag begann mit einem ausgedehnten Frühstück, wie es sich für Urlaube gehört, und schließlich schmeckte auch der Kaffee im zweiten Anlauf ganz wie gewünscht. Den ganzen Nachmittag lang schien uns am Strand die Sonne auf den Kopf, der Schmock erfreute sich an der eigens erworbenen Lenkmatte und ich... hab gelacht. Über vieles und zwar kräftig. Wie gut so ein kurzer Horizontwechsel tut. Andere Luft, anderer Laufgrund. Memo an mich: Öfter machen! Die Schweinekatze muss davon ja nichts mitbekommen.
Am Abend lernten wir weitere Freunde von B. kennen. Noch sympathischer und noch trinkfester. Ich kann jetzt „achtundachtzig" auf Holländisch sagen. Wer weiß, wozu das im Leben noch mal gut sein wird.
Der Sonntag Morgen kam dann viel zu plötzlich. Doch weil ich von allen am wenigsten verkatert und noch dazu bester Laune war, durfte ich zusammen mit B. ihr zurückgelassenes Auto und bei der Gelegenheit gleich Brötchen holen.
Ich.
Selbst.
Fahren.
Und noch dazu dem Schmock sein Wagen! Ich habe seit bestimmt drei Jahren nicht mehr hinterm Lenkrad gesessen. Nagut, als das Auto neu war, zum Anfühlen. Aber da parkte es auf dem Hof.
Alles ging gut, beulenfrei bin ich hinter B. durch die Stadt getuckelt. Die zwei chaotischen Hühner in der Frauenversion von Cobra 11. Großartig.
Bei der Frühstücksvorbereitung überfiel mich die Erkenntnis, dass ich mit dem ganzen Beziehungsding schon beinah so geworden bin, wie ich nie sein wollte. Elternprägung lässt grüßen, es ist ernüchternd. Aber das muss noch durchdacht und darf besprochen werden, darin liegt die Chance, vor dem Rollenungeheuer nicht zwangsläufig zu kapitulieren.
Dem weiten Heimweg geschuldet hieß es gleich nach dem zum Brunch gewordenen Frühstück Abschied nehmen, feste drücken und winken. Im Regen, wie passend aber auch. Manchmal glaube ich, dass das Wetter das extra macht. Es hat Spaß an Melodramatik.
Dieses Mal gabs die Verfahrung erst in ehemals heimatlicher Umgebung, Teufel, wie schnell man doch vergisst. Dafür bin ich den Rest dann gefahren, alles andere als entspannt zwar, weil Autobahn und dunkel und überhaupt, aber immerhin auch dieses Mal beulenfrei. An dieser Stelle spende ich mir selbst tosenden Applaus.
Und eigentlich wars das dann auch schon. Schmuckloser Schluss.