Paris, Tag 2
Wir standen frueh auf - zu frueh, stellte sich heraus, denn wir kamen genau in den Berufsverkehr und mussten einige Zuege durchfahren lassen, weil man kaum hinein kam vor Menschen. Haetten also ruhig noch eine halbe Stunde laenger schlafen koennen... Uebrigens ist die Metro immer sehr voll, zu den Berufsverkehrszeiten jedoch noch schlimmer. Zuerst fuhren wir zum Eiffelturm, liefen im ihn umgebenden Park herum, machten einige Fotos, so auch von den Sockeln des Turmes. Wir sind weder hoch gefahren noch gelaufen, die Schlangen waren zwar nicht lang, aber ich hatte nicht das Beduerfnis dazu. Etwas seltsam fand ichs, dass im Park das franzoesische Militaer mit schweren Maschinengewehren Wache lief. Danach fuhren wir in Richtung Notre Dame und gingen erst in das dort gelegene Ruinenmuseum. War ganz in Ordnung. Danach hielten wir uns noch eine Weile auf dem Platz vor der Kirche auf, wo ein Mann Vogelfutter verkaufte... Die Voegel auf dem Platz waren so zahm, dass sie jeden, der Futter hoch hielt, sofort anflogen und sich auf ihn/sie setzten. Natuerlich ein beliebtes Fotomotiv. Danach gingen wir in die Kirche... Interessant, mit den verschiedenen jeweils unterschiedlichen Heiligen geweihten Seitenkapellen. Ein riesiger Touristen- und Pilger-Andrang. Neulich war der Papst da und dementsprechend viele Sonder-Kitsch-Medaillen wurden verkauft. Generell verkaufte man so gut wie alles, was man sich als Kirchenandenken vorstellen kann. Reiner Kommerz, aber wenns wenigstens dem Erhalt der Bauwerke zu Gunsten kommt/kaeme... Aufs Dach sind wir dann doch nicht gegangen, weil die Schlange viel zu lang war. Wahrscheinlich haette man mehrere Stunden anstehen muessen. Dann eben nicht...
Danach gingen wir noch an der Statue des Erzengels Michael vorbei, dann schliesslich fuhren wir zum offiziell begehbaren Teil der Katakomben. Die Katakomben sind im Ursprung unterirdische Steinbrueche, die sich ueber ca 400km unter der gesamten Stadt entlang schlaengeln. Grosse Teile sind noch unerforscht. Ueber die Jahrhunderte wurden die Gaenge fuer verschiedenste Dinge genutzt, unter anderem fuer Brunnenanlagen, als Lagerraeume, Fluchtgaenge, Versorgungsschaechte, und, das ist wohl das Bekannteste, zum Lagern von Gebeinen. Wenn man nun den begehbaren Teil betritt, muss man erst einmal eine Wendeltreppe hinunter in 30 Meter Tiefe. Es folgt ein kleiner zum Museum eingerichteter Raum mit Bild- und Schrifttafeln an den Waenden. Daraufhin begeht man verschiedene Gaenge, laeuft an verschiedenen Mauermustern, Wandmalereien und Reliefs vorbei. Ab und zu gibts mal eine neue oder eine antike Sitzbank auf dem Weg. Stalagmiten und Stalagtiten sieht man an einer Stelle auch, allerdings nur kleine. Seitengaenge sind mit Gittern abgesperrt. Fuers zuegige Durchlaufen wird ca 1 Stunde Zeit berechnet, die betretbaren Gaenge sind ca 2 km lang. Am Eingang wird man schon darauf hingewiesen, dass eine gewisse koerperliche Verfassung noetig ist, um den zum Teil rutschigen und huegeligen Weg zu gehen und vor Allem die Treppen auf und ab zu steigen. Auch leicht zu erschreckende Menschen sollten lieber nicht hinein gehen... Im letzten Teil der Katakomben trifft man auf die Gebeinwaende. 7-8 Millionen Tote sind dort unten saeuberlich in Einzelteilen bestattet. Bein- und Armknochen sowie Schaedel werden zu Mauern gestapelt, kleinere Knochen werden dahinter geschuettet. Mancher mag sich sehr davor ekeln, ich fand es eher interessant, da sich aus Schaedeln auch immer einiges auf den Menschen rueckschliessen laesst: evtlle Kopfverletzungen, noch vorhandenes Gebiss, etc. - der Tod ist etwas sehr Individuelles, vielleicht das Individuellste, was es ueberhaupt gibt - Viele moegen es auch geschmacklos finden, dass taeglich mehrere hundert Touristen zwischen den Leichen herumlaufen. Erstaunlicherweise war das aber auch schon 1800nochwas so (es gibt auch alte Zeichnungen und Fotos davon, wie "Touristengruppen" mit Fackeln dort herumlaufen): es wurden extra Sitzbaenke aufgestellt, ueberall an den Waenden Sprueche ueber den Tod - auf Franzoesisch und Latein - angebracht, ausserdem wurden manchmal Schmuckreliefs angelegt und die Schaedel in "dekorative" Form gebracht *huestel* An den Schaedelstapeln befinden sich auch immer Schilder, woher die Knochen stammen, damit Trauernde sich vor den Knochenstapel setzen koennen... Nach dem Motto "Irgendwo hier liegen die Einzelteile von Onkel Heinz"... *re* Ich weiss, das ist makaber. Ich habe auch Fotos davon, werd die hier, wenn ueberhaupt, aber nur als Link online stellen, dann kann jeder selbst per Klick entscheiden, ob er sich das ansehen moechte, oder nicht. (und wieder hab ich vergessen, was ich schreiben wollte *re*) Ach so, ja, uns begegneten auch zwei richtig ekelhafte Touristinnen dort in den Katakomben... Amerikanerinnen, die scheinbar glaubten, dort allein zu sein, und meinten, die Schaedel anfassen und damit herumposieren zu muessen *kotz* Selbst, wenn man da schon zwischen den Leichen herumlaeuft... ein BISSCHEN Pietaet kann trotzdem nicht schaden. Am Ende gings wieder eine sehr enge, dunkle Wendeltreppe hinauf... Das war dann doch etwas muehsam. Und draussen wars kalt ;/ Im Gegensatz zu den schoenen warmen Gaengen... In denen es uebrigens stark nach Patchouli roch, was ich besonders angenehm fand (riechen so alte Leichen eigentlich noch? Ich denke mal, es war eher ein Parfuem von irgendwem, wobei ich niemanden dort in der Naehe gesehen hatte). Ach so ja, abschliessend... Wenn jemand von euch dorthin moechte, Taschenlampe nicht vergessen! Fotos mit Blitz sind im Begraebnisteil verboten, nicht aber das Beleuchten mit einer Taschenlampe. WIR hatten keine bei uns... Schade, ich haette gern Bilder von den Spruchtafeln gemacht.
Nach den Katakomben gings erst einmal mit leichten Fussschmerzen ins Hotel zurueck. Der Tag endete relativ frueh (16 Uhr?), allerdings waren wir danach noch kurz in nem Supermarkt in der Naehe und am naechsten Tag wollten wir laenger unterwegs sein. Da zeigte sich auch, dass Dinge oft anders aussehen, als auf Fotos... Und wenn dann gerade Fotos der Grund waren, den Ort auch wirklich sehen zu wollen... Uebrigens empfand ichs diesen Urlaub auch sehr als Vorteil, asiatisch auszusehen. So wurde ich von einigen Personen eher als einheimisch betrachtet und weniger angestarrt... Auch, wenn das im Zusammenhang mit Paris seltsam klingt, aber dort gibt es so viele Asiaten...
Rest folgt demnaechst.
cn P

