grenzwandel

03.09.2009 um 08:46 Uhr

tränen am abend

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches   Stichwörter: kbt

mein gott, was habe ich gestern abend geweint. es hat so weh getan, und so gut. mit dem eisbär hannes im arm, auf meinem nassen kopfkissen und mit trauriger musik in der endlosschleife. ich konnte zeitweise gar nicht mehr aufhören. ich habe geweint um die dreieinhalb monate kbt, die jetzt vorbei sind, um die nähe und die intensive beziehung, die wir hatten, um die therapeutin mit ihrer wundervollen menschlichen wärme, die mir so gut getan hat, mit der sie sich sanft, leise und nachhaltig in mein herz geschlichen hat.

es ist ein unterschied, ob mir jemand sagt, dass er mich mag oder ob ich es fühle, im kontakt mir mir, in der art, wie man mich anfasst, mit meinem körper, also mir, umgeht. liebevoll war sie, die madame kbt, in all ihren berührungen, nie zu nah, nie zu fern, und damit ist ihr ein kunststück gelungen. als hätte sie mich, meinen körper, verzaubert, hat sie mir den weg zu ihm, mit ihm, gezeigt. und ich bin ihn gegangen, den weg. langsam, manchmal abwartend oder zögernd, aber ich habe nicht angehalten, habe mich führen lassen, schritt für schritt. mit staunendem blick habe ich rechts und links geschaut und vor allem nach vorne, nur selten nach hinten. und je länger ich ging, desto freundlicher wurde mein blick auf meinen körper, eine erfahrung, die es bisher in meinem leben noch nicht gab. eine emotionale qualität, die ich so lange gesucht und vermisst hatte, ohne es wirklich zu wissen. gefühlt habe ich es, irgendwo tief in mir, aber dieses gefühl war verschüttet, ich habe es ignoriert. jetzt weiß ich, was mir gefehlt hat und ich genieße jede minute, in der mir bewusst ist, was ich in dieser relativ kurzen zeit geschafft habe.

ich habe geweint um all die schönen und schwierigen momente, um die körperliche erfahrung, die mir so viel gegeben hat und immer noch gibt, um die zeit, die wir zusammen hatten.

sie wird nicht weggehen, sie wird da sein und bleiben, die therapeutin, unsere beziehung. ich werde sie im herzen tragen, mich mit einem lächeln auf den lippen an sie zurückerinnern und irgendwann werde ich sie wiedersehen. aber jemanden gehenzulassen, gehen lassen zu können, kann so weh tun. und so gut.


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