grenzwandel

01.01.2009 um 20:02 Uhr

verarbeitung

von: grenzgaenger   Kategorie: psychoanalytisches

ich hasse jahresenden. und die damit verbundene melancholie. und dann doch wieder nicht. und ich hasse jahresbeginne. und die damit verbundene melancholie. und dann doch wieder nicht. ich habe keine lust, zurückzublicken, und auch keine, nach vorne zu schauen. und irgendwie auch nicht.

zurückschauen, anstrengend, nach vorne schauen, unsicher. mein ganzes leben bestand aus zurückschauen, mir die zukunft herbeizuwünschen, immer in der hoffnung, endlich abstand zu gewinnen, zu mir, vor allem zu mir und dem ich, davonzulaufen, zu rennen, rennen, rennen, nichts wahrnehmen, kompensieren, verdrängen, missachten, vor allem mich, weiter, immer weiter, nur ja nicht anhalten und erst recht nicht hinschauen. denn es könnte ja wehtun. letztendlich habe ich eingesehen, dass ich stehen bleiben, zurückschauen, hinschauen und ertragen, aushalten muss, um irgendwann schmerzfrei in die vergangenheit und in die zukunft blicken zu können.

ich habe begonnen, diesen weg zu gehen, mit allen hürden, hindernissen und schmerzen, die damit verbunden sind. manchmal könnte ich mich winden vor schmerzen, vor traurigkeit und in anbetracht der leere, die ich erkenne, fühle, wenn ich an mich denke, an mich in dieser welt, in diesem leben. leere, trauer, schmerz, verschüttere gefühle, emotionen die nicht wissen wohin, versteckt und verschüttet sind und werden, ein einziges chaos. in meinem kopf, meinem herzen und in meiner seele.

das aufräumen tut weh, ist anstrengend und bisweilen zermürbend, das haus ist baufällig, marode und will in mühsamer kleinstarbeit renoviert werden. ich arbeite daran, reiße die nicht rettbaren teile mit meinen eigenen händen ein, schürfe mich auf, trage wunden davon, zusätzlich zu denen, die sich sowiso schon eingebrannt haben, in meine seele, in den kern des ich.

helfen kann ich mir nur selber, soviel habe ich wahrgenommen, begriffen, ich fühlte und fühle es. es geht voran, in kleinen schritten, immer wieder bleibe ich stehen, wage nicht, weiter zu blicken, zu gehen, habe angst, angst, immer wieder angst vor dem, was noch kommt, was ich noch sehen und ertragen muss. helfen kann ich mir nur selber. ich weiß.

das ziel? was ist das ziel? ein heiles ich? nein, das kann, das wird es nicht geben, dazu ist es zu kaputt, hat die seele zu sehr gelitten, die wunden können zwar heilen, aber sie werden bleiben. das ziel? was ist das ziel? das einzige, das realistisch erscheint ist, die wunden anzunehmen, sie zu sehen, mit ihnen umgehen zu können, sie zu akzeptieren, ihre existenz schätzen zu lernen, denn einst haben sie meine seele vor dem tod bewahrt. ich bin nur vollständig mit meinen wunden, mit den narben, und ich werde lernen, sie zu lieben, mich zu lieben. zu akzeptieren, mich, lernen, gut mit mir umzugehen, mich zu achten, zu respektieren, anzunehmen, mich, mit mir zu leben, ohne groll, ohne hass, auf mich, auf den körper, den kopf und die seele.

denn sie alle haben es verdient, von mir geliebt zu werden.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenpavot rouge schreibt am 01.01.2009 um 20:19 Uhr:Ich finde, dass es kein heiles Ich gibt. Wir haben alle unsere Wunden und es ist ein gutes Ziel, diese lieben zu lernen.
    Du wirst es schaffen. Du hast im letzten Jahr viel erreicht. Und selbst wenn die Schritte klein sind, sie werden Dich voranbringen. Bis an das Ziel.

    Mein Blogstart hier war übrigens auch nach dem Ende einer Freundschaft. Zufälle...

    Alles Liebe,
    V.

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