Stimmung: Gespannt angesichts der deutschen Farbenlehre.
Deutschland hat gewaehlt und jetzt wird alles anders.... hier bleibt erstmal alles gleich! Bueno, also wir fuer unseren Teil haben die Wahl groesstenteils im Internet in Montevideo verfolgt. Nachdem es uns heute Mittag bereits nach unserem Stadtspaziergang bereits ins Wahl.... - aehm Internetlokal getrieben hatte, hatten wir nach 2 Stunden nochmal eine Wahl-watching-Pause eingelegt und uns nochmal auf die Stadt konzentriert. Leider hat Montevideo augenscheinlich nicht wirklich viel fuer den Touristen zu bieten - die Stadt wirkt im Vergleich zu Buenos Aires relativ runtergekommen, es gibt zwar ne ganze Menge Bausubstanz, aus der man hier auch sicher viel machen koennte, aber die meisten schicken Haeuser verfallen so ein bissl vor sich hin. Ausserdem faellt auf, dass kaum Leute auf der Strasse unterwegs sind, was moeglicherweise ja auch daran liegen koennte, dass Sonntag ist. Naja, auf jeden Fall hatten wir recht schnell alles gesehen, was man sich laut Footprint hier auch anschauen kann und dann wollten wir uns eigentlich auch noch den 139 Meter hohen Cerro (Berg) anschauen, der der Stadt wohl irgendwann mal ihren Namen gegeben hat. Kaum sind wir mit dem Bus ans andere Ende der Stadt gefahren, ist die Gegend noch ein wenig heruntergekommener. An einer Flussmuendung in den Rio de la Plata haeuft sich der Muell und dazwischen haben sich einige Leute Blechhuetten zusammengenagelt. Mit dem naechsten Bus geht es noch naeher an den Cerro, die Gegend wird auch nicht wirklich belebter. Dummerweise verpasst der Busfahrer auch noch, uns wie versprochen Bescheid zu geben, wo wir raus muessen und so sagt er am Ende, wir sollen mal rueber zur naechsten Haltestelle gehen und dort auf ihn warten. Dort stehen wir dann eine kurze Weile. Vor uns verfallende Haeuschen, hinter uns Blech- und Holzhuetten bis zum Wasser. Zur rechten Seite schweift der Blick zu einer alten Fabrikanlage am Ufer, bei der wir nicht sicher sind, ob sie jemals in Betrieb war und bereits wieder zusammengefallen ist, oder ob sie vielleicht nie fertig geworden ist. Zur Linken schweift der Blick rueber ueber den Industriehafen zum Zentrum, wo graue Wolkenkratzer in die Hoehe schiessen. Auch sie sehen aus, als haetten sie schon bessere Zeiten gesehen. Beim Warten fuehlen wir uns langsam wie die praedestiniertesten Ueberfallopfer. Die Strassen im Viertel wirken nicht sonderlich sicher und irgendwie ist auch schon komisch, dass wir offenbar die einzigen sind, die sich den Cerro anschauen wollen. Nach einem eher schlechten Bauchgefuehl, beschliessen wir, uns mit dem Blick aus der Ferne auf den Cerro begnuegen zu wollen und fahren zurueck in die Stadt. Nach einer Staerkung sitzen wir jetzt wieder im Internetcafé und verfolgen die Wahlprognosen - spannend, spannend, spannend.
Allerdings auch teilweise lustig. Am meisten Freude hat mir persoenlich die Sueddeutsche Zeitung gemacht, die journalistisch eher unkonventionell offenbar in einer lustigen Redaktionsrunde die Wahlsendungen (und die Lindenstrasse) online live kommentiert hat. Wer das verpasst hat, sollte sich die fuenf Minuten fuer die Lachmuskeln vielleicht nochmal goennen.
Achso Freunde, und zum Thema Wahlbeteiligung kann ich nur sagen: An unserer Abwesehenheit kann die schlechte Beteiligung nicht gelegen haben - auf der Suedamerikanischen Seite kann ich von 100%iger Wahlbeteiligung berichten. Damit zurueck in die bunte Republik.
Stopp: Da war ja noch was. Gestern haben wir uebrigens ein sehr schoenes Stueck Uruguay gesehen. Wir sind mit der Faehre morgens rueber nach Colonia del Sacramento - eine wunderschoene koloniale Stadt am Rio de la Plata. Die Stadt ist nicht umsonst Weltkulturerbe - wunderschoene restaurierte koloniale Haeuschen saeumen die Strassen, Strassencafés laden zum entspannen in der Sonne ein und die alten Autos aus den 20iger Jahren verleihen dieser Stadt ihren eigenen Charme - super, gechillt und wunderschoen. Urteil Uruguay: Es hat wunderschoene Seiten und Montevideo - muss man sich nicht unbedingt geben.