Kleine Erdnuss

30.10.2008 um 20:56 Uhr

In der Küche riecht es lecker II

Pudelnudelnackig kommt die Erdnuss in mein Arbeitszimmer gestürmt. Ich bin mehlüberstäubt, meine Hände vom Teig kneten fettig, die Tastatur genauso, und ich find schon allein den Anblick des aufgeregten Nacktfroschs sowas von anrührend, sie schaut mich mit großen Augen an und fragt:

"WAS MACHEN DIE PLÄTZCHEN?"

"Äh, da musst du mal in der Küche gucken."

"Hhhhh", die Erdnuss holt tief Luft und stürmt davon. Lässig spaziert sie zurück in mein Arbeitszimmer und knabbert ein Plätzchen. "Ich weiß, was die Plätzchen machen." verkündet sie wichtig. "Aha? Was denn?"

"Schmecken."

 

25.10.2008 um 01:02 Uhr

Schule-Schnule-po-Pule

Heute Schulanmeldung. Irgendwann letztes Jahr hatte ich einige Sekunden darüber nachgedacht, die Erdnuss frühzeitig einschulen zu lassen. Und noch nie, wirklich noch nie, war ich so einhellig mit mir selbst einer Meinung, wie nach dem Moment, als wir die Entscheidung getroffen hatten, den Dingen einfach ihren normalen zeitlichen Lauf zu lassen.

Diese Entscheidung kam folgendermaßen zustande: Ich suchte damals selbstverständlich den pädagogischen Rat. Bei der Kindergartenleiterin, eine Frau, die ich nicht nur respektiere und bewundere, sondern an deren Sympathie mir außerordentlich gelegen ist, die aber - ich sage es ungern - allzu professionell ist, um mich diese evtl. vorhandene spüren zu lassen.

Sie ist freundlich. Kompetent. Charismatisch.

Wow.

Sie hat ne Menge gesagt. Die wenigsten Pädagogen sind FÜR eine vorzeitige Einschulung. Jaja. (Und wir wissen alle, was jaja heißt.) All ihre Bedenken hatte ich schon irgendwo mal gehört. Sie sagte auch einiges über die Erdnuss. Über ihre Intelligenz UND über ihre Schüchternheit. Und dann sagte sie ein Schlüsselwort und machte eine dazugehörige Bewegung: "Das Kognitive ist nicht das Problem. Der Schulhof ist es." Und sie fuhr die Ellenbogen nach beiden Seiten aus. Da war die Sache durch. Als ich mir vorstellte, wie die Erdnuss als jüngste ohne Schützenhilfe zwischen all den vielen Kindern steht, wurde mir ganz übel. Sie ist robust. Aber auch ungeheuer scheu. Also noch ein Jahr spielen und ausschlafen. Das gilt schließlich auch für die Eltern... Aber die von mir so verehrte Pädagogin sagte noch was: "Es ist schön für die Kinder, im Kindergarten die ältesten zu sein."

Ich will es nicht verallgemeinern. In einem anderen Kindergarten hätte ich mich vielleicht auch anders entschieden. Aber unser Kindergarten ist riesig. Es sind mindestens 12-15 Kinder, die jetzt mit der Erdnuss zusammen eingeschult werden. Davon ist sie mit mindestens acht befreundet.drei davon haben wir heute zufällig bei der Anmeldung getroffen. Alle waren so ungeheuer stolz und so happy, bald Schulkinder zu sein. Ne große Sache. Den Kevin haben wir auch getroffen. Der kam grad aus dem Direktorenzimmer. "Was muss man machen?" fragt die Erdnuss neugierig. "Ach." Kevin zuckt die Schultern. "Man muss puzzeln. Und dann sagt die Frau: Das ist aber nicht so leicht. Ist es aber doch."

Wars auch. War leicht. Und eine nette Atmosphäre. Wirklich. Was nicht so leicht war, war machtlos zuzusehen, wie die Erdnuss bewertet wurde. Jaja - (wir erinnern uns noch, was das heißt?) - sie hat alles glänzend gemeistert. Linien nachgefahren. Präpositionen benutzt. Bildergeschichten erzählt. Und ein paar Witzchen hatte sie auch noch auf Lager. Optimal.

Aber auch, dass sie positiv bewertet wurde, hat das Ganze nicht besser gemacht. Schema ist Schema. Ob nun A, B oder F, es ist nicht meins. Loslassen. Kontrolle abgeben. Scheiße.

Aber sie freut sich. Und nimmt es als selbstverständlich. Schritt. Für. Schritt. Und ich werde nächstes Jahr weinen, wenn sie mit der Schultüte da steht. So viel ist sicher.

Aber bis dahin ist ja einer Geste sei Dank noch viel Zeit.

 

24.10.2008 um 20:11 Uhr

Mal was anderes: Blogaward

Da hab ich mich gefreut: Ynnette hat mich nominiert. Ich danke dir ganz lieb, es ist schön, zu wissen, dass man jemanden auf diese Weise erreicht...

 

 


Der Award ist mit ein paar Aufgaben kombiniert, die da wären:

1. Der Blogger kann das Logo auf seinen /auf ihr Blog tun.
2. Verlinke die Person von der Du den Award bekommen hast.
3. Nominiere mindestens 7 weitere Blogs.
4. Verlinke diese Blogs mit Deinem und,
5. Hinterlasse eine Nachricht auf den nominierten Blogs

 

Gut, neuen Aufgaben muss man sich stellen:

 

Ich nominiere hiermit

 

Frau Windkraft

Jedes Mal, wenn ich einen neuen Eintrag von dir entdecke, freu ich mich auf ein Lächeln, jedes Mal wird ein Lachen daraus. Danke für deinen Scharfsinn, dein Herz und den Rock'n Roll!

Herrn Zoo

Viel gegrinst, viel nachgedacht, viel gelernt. Über dich. Über mich. Über das Leben. Meine allergrößte Anerkennung für deine wundersame Inkonsequenz. Chapeau!

Frau Grenzgänger

Seelenchaos. Und seine Komplementärfarbe. Spannend. Gefühlvoll. Und nicht humorlos. Du verstehst es zu fesseln. Schön, dass du da bist.

Inge

Einfach so schöne Gedanken. Über so vieles. Lese gerne bei dir.

Seren_a

Du schaffst es immer wieder, mich sprachlos zu machen. Mit Worten, Bildern und Erfahrungen...

Frau Tiger, äh Schnute

Man wird bei dir mitgerissen, drei Mal um sich selbst gewirbelt und kommt doch wieder bei sich selbst an. Im Fluss eben. Schön, mit dabei sein zu dürfen.

Herrn Zeitriss

Eine Ansammlung von Widersprüchen. Faszinierend. Ihren Sinn zu suchen. Und. Zu finden. Manchmal. Und manchmal. Nicht.

 

Poah! Die ganzen Links. Bild hochladen. Nachdenken. Lobhudeln. Nochmal nachdenken. Nochmal lobhudeln. Jetzt noch benachrichtigen, dann erstmal ausruhen. Das hab ich mir verdient, oder?

 

18.10.2008 um 21:04 Uhr

In der Küche riecht es lecker...

Als ich das erste Mal mit der Erdnuss backte, ging das so ziemlich an allen Vorstellungen, die ich davon hatte vorbei. Sie war zwei Jahre alt und ihre Augen strahlten, als ich ihr ankündigte, dass wir heute zusammen Plätzchen backen würden. Sie hatte all die kleinen Utensilien dafür, ein kleines Nudelholz, kleine Holzlöffel, Holzmesserchen für den Teig und natürlich Förmchen ohne Ende, Sterne, Schmetterlinge, Tannenbäume, Hunde, Katzen, Buchstaben, was das Herz begehrte. Ich schätze, dass das eigentliche Event ebenso sehr an ihren Vorstellungen vorbei ging wie an den meinen.

Es war eben anstrengend. Der Teig zäh, das Mehl staubte in der Küche umher, das Ausrollen klappte bei weitem nicht so, wie es sollte und das Ausstechen wurde schnell langweilig. Also begann sie kleine Kügelchen zu formen, und diese durch die Küche zu werfen. Sie staubte im Mehl herum, sie kam natürlich auch dem Ofen gefährlich nahe und irgendwann, als ich mir dann beim ersten Rausnehmen der kohlschwarzen Plätzchen die Finger verbrannte, und sie im Hintergrund auf dem Teig herumtrampelte und "Mama! Mama! Mama!" rief, war es mit meiner Geduld vorbei und ich habe sie ziemlich angeherrscht.

Da stand sie, mit kugelrunden Augen, die sich langsam mit Tränen füllten, boah, es tat mir schrecklich schrecklich leid. Sie hatte es sich schön vorgestellt, ich hatte es mir schön vorgestellt, und wir waren beide enttäuscht. Ich kniete mich in die mehligen kleine Teigseen auf dem Boden und sah sie an. "Na, das is' ja ne schöne Bescherung!" sagte ich mühsam lächelnd. "Mach dir keinen Kopf. Ich hab mich geärgert, das ist alles. Ich glaub, wir lernen das noch. Und es tut mir leid, wenn ich so laut geschimpft habe." Sie nickte langsam mit dem Kopf. "Magst du noch weiter machen.?" Sie sah mich nur an. "Ein kleines bisschen?" Wieder nickte sie und wir stachen noch ein paar weitere Sternchen und Schmetterlinge aus. Eine meditative Beschäftigung, wir redeten beide lange kein Wort. Irgendwann hob sie den Kopf und sagte: "Es tut mir auch leid, Mama." Und dann haben wir uns einen mehligen Kuss quer über ihr Kindertischchen gegeben. Das gehört zu den schönsten Erinnerungen, die ich an sie habe. Unsere erste wörtlich ausgeprochene Versöhnung.

Gestern hatte ich die glorreiche Idee Muffins zu backen. Keine 08-15 Muffins, neinneinnein, es sollten bunte Zuckerguss-Muffins werden und welche mit Vollmilchschokolade überzogene, Smarties sollten drauf und Gummibärchen. Also hieß es erstmal einkaufen. Wir überlegten lange an den Regalen, was wir brauchen, wie Zuckerguss gemacht wird, ob dunkle Schokoglasur oder helle, Schokomuffins oder die anderen, Fragen über Fragen, und immer, wenn wir uns der Kasse genähert haben, stellten wir fest, dass wir NOCH eine Kleinigkeit brauchten. Schwer bepackt sind wir nach Hause gefahren. Ampeln grün, brave Fahraderdnuss, nette Autofahrer, Sonnenschein. Es lief bombig.

Was hatte ich vor nun fast vier Jahren zu ihr gesagt? "Ich glaub wir lernen das noch..."

Traditionell räume ich das kleine Tischchen und das Erdnussstühlchen in die Küche, wenn wir zusammen kochen oder backen. Sie kriegt da alles draufgestellt und ich bestimme die Reihenfolge, in der die Zutaten in der Schüssel landen sollen. Das Muffinpulver zuerst. Es staubt, eine braune Schokowolke erhebt sich und lässt sich leise auf den Küchenregalen nieder. "Mama?" Während ich im Kühlschrank rumhantiere, betrachtet die Erdnuss fachmännisch das Ei, das gleich in die Schüssel geschlagen wird. "Kannst DU heute das Ei aufschlagen, ich hab keine Lust dazu." "Kein Problem" flöte ich, und sehe, wie die Erdnuss das Ei am Rande des kleinen Tischchens platziert. "Kein Problem" flöte ich gleich nochmal, als das Ei auf dem Küchenboden aufschlägt. "Ei aufschlagen..." denk ich noch. "Eine ganz neue Bedeutung." und kicher ein bisschen. Die Erdnuss guckt sich betreten zu mir um, leider in dem Moment, als sie das Öl zum Pulver gießen will, wovon ca. ein Drittel neben die Schüssel fließt. Küchenrolle. Wir tupfen den Tisch ab. Und irgendwie bringt mich die Schweinerei jetzt schon so richtig zum Lachen. Die Erdnuss staunt mich an. "Mama? Das ist doch nicht lustig." "Manchmal" antworte ich mit dem nötigen Ernst. "sind gerade die Dinge besonders komisch, über die man sich sonst ärgern würde." "Aha." Ein ratloser Blick und ein Schulterzucken. Weitermachen. Öl nachgießen, neues Ei rein. Rühren ist angesagt. Die Erdnuss lässt es sich nicht nehmen, mit dem Schneebesen vorzurühren. Es tropft und spritzt, aber das ist noch gar nichts gegen meine Ergänzungsarbeit mit dem Rührgerät. Da wir nämlich nur noch einen Knethaken udn einen Rührhaken haben, nehm ich sie immer beide. Kann ja nicht schaden, rühren UND kneten. Zwei Fliegen mit einer Klappe, denk ich immer. Muffinteig allerdings, das sag ich euch, das is ein ganz anderes Kaliber. Der klebt und tropft und ölt so vor sich hin in der Schüssel, lass es vielleicht auch eine falsche Mischung der Zutaten gewesen sein, ich trau mir alles zu, jedenfalls zieht sich die dunkelbraune Kaugummimasse an der Spirale des Knethakens hoch und spritzt und sprotzt nur so in der Küche herum. Ich schau fassungslos auf die sich wie wild drehenden Rühr- und Knetdinger. Mein Reaktionsvermögen ist schwer beeinträchtigt. Dass Zurückschalten eine gute Idee sein könnte, geht mir erst Silbe für Silbe durch den Kopf, bevor ich diese geniale Idee in die Tat umsetze. Danach setz ich noch einen drauf. Ich halte das Gerät in die Spüle und statt den Knopf zum Entfernen der Haken zu drücken, stelle ich es wieder auf Rührbetrieb. Schokomuffinteigreste fliegen durch die Küche, alle weißen Kacheln sind braun gesprenkelt. Im Rest der Küche mischt sich Hell- mit Dunkelbraun. "Oh mein Gott, bin ich ein IDIOT!" ruf ich. "Nein, Mama, DAS IST LUSTIG!" ruft die Erdnuss und wischt eifrig an den Schranktüren herum, um sich wie wild Teigreste in den Mund zu stopfen.

Soll ich noch weitererzählen? Vom Befüllen dieser Papiertöpfchen? Vom Zuckerguss anrühren? Vom färben? Von den vielen vielen bunten Liebesperlen, den Smarties, der Gummibärchenschlacht? Soll ich? Soll ich?

Wie war das noch mit den Stoikern?

"Für den Stoiker als Individuum gilt es, seinen Platz in dieser Ordnung zu erkennen und auszufüllen, indem er durch die Einübung emotionaler Selbstbeherrschung sein Los zu akzeptieren lernt und mit Hilfe von Gelassenheit und Seelenruhe zur Weisheit strebt."

Mannomann! Das funktioniert. Klar. Es wirft auch Fragen auf. Zum Beispiel: Ordnung? Welche Ordnung? Und Weisheit? Die is mir jetzt auch grad mal wurscht. Aber der Genuss. Mit Hilfe von Gelassenheit und Seelenruhe strebe ich zum GENUSS! Hätte ich die Schweinerei in der Küche nicht seelenruhig und gelassen hingenommen, hätte ich diese grellbunten Schokodinger nur halb so lecker gefunden.

Wir haben unser Los akzeptiert, die gröbste Sauerei weggewischt und es uns mit den Muffins vorm Fernseher gemütlich gemacht.

Und von wegen Genuss, ähm da muss ich zum Schluss noch ein Geheimnis enthüllen: Ich stehe volle Kanne auf Willi von "Willi wills wissen." Der ist heiß. Mega-heiß.

Öhöm.

Das musste mal raus.

17.10.2008 um 23:44 Uhr

Die Gedanken sind frei...

Die Erdnuss wischt sich den Popo jetzt selber ab. Ob das angemessen früh oder spät ist, darüber hab ich mir keine Gedanken gemacht. Wirklich noch gar nicht. Ich glaub, im Kindergarten hat sie es längst schon gemacht. Nur zu Hause scholl immer noch der Ruf durchs ganze Haus: "MAAAAAAAAMMMAAAAAAAAAAAH! PAAAAAAAAAAPAAAAAAAAH! POOOOOOOOOOPOOOOOOOOOOO ABWISCHEN!!!!"

Sie kann es jetzt. Und trotzdem ruft sie noch ab und zu. Dann gibt es Diskussion. "Du kannst das selber." "Nein, kann ich nicht!" "Doch, ich habs selber gesehen." "Es ist aber schöner, wenn DU das machst." "Ja, aber DU machst das jetzt!" "Du machst das aber besser!" "Vielleicht, aber du musst es auch lernen." Und hin, und wieder her.

Ich neig ja zum Diskutieren. Das geb ich gern zu. Das ist vielleicht einer der Gründe, warum auch die Erdnuss zum Diskutieren neigt. Ich geb gern noch was zu: Ich bin verDAMMT gut im Diskutieren. Auch das mag einer der Gründe sein, warum auch die Erdnuss so gut darin ist.

"Erdnuss," sagt der Papa heute ungewohnt streng. "Du musst dich daran gewöhnen, das selbst zu machen!"

"Ja, aber da ist noch dieser alte Gedanke."

"Welcher alte Gedanke?"

"Der alte Gedanke, dass ich das noch nicht kann."

"Aber du WEISST doch, dass du es kannst."

"Ja, aber ich DENKE es nicht!"

"Dann musst du dich aber an den neuen Gedanken gewöhnen."

"Vielleicht, irgendwann, aber NOCH ist der alte Gedanke da!"

"Dann muss da eben der neue Gedanke hin."

Und jetzt sehe ich ein solches Abbild meiner selbst, dass ich mich fast erschrecke. "PAPA!" Sie wird richtig sauer. Wütend auf dem Klo sitzen und diskutieren, das bringen doch nur kleine Kinder, oder? "UND?" sie reißt zackig ein Stück Klopapier ab. "WIE STELLST DU DIR DAS VOR?" Sie ist außer sich. "MH? MH? Wie soll das gehen? Mh?" Verächtlich putzt sie sich den Po ab und steht auf. Mit runtergelassenen Hosen funkelt sie den Papa wütend an. "Soll ich mir vielleicht den Kopf aufklappen und den alten Gedanken rausholen?" Aufgebracht und voller Hast zieht sie die Hose hoch. "UND DANN? MH? Soll ich dann den neuen Gedanken reintun? Kannst du mir mal sagen, wie DAS GEHEN SOLL?" Sie stapft an ihm vorbei. Die Zimmertür knallt.

Der Papa schaut sich fragend zu mir um, die ich die Szene aus dem Hintergrund beobachtet habe. Ich zucke lakonisch mit den Schultern. Nicht nur, dass es mir vollkommen schlüssig erscheint, was sie gesagt hat, nein, nicht nur das: die Art, WIE sie es gesagt hat, zeigt mehr als deutlich, wer sie zur Welt gebracht hat. "Meine Tochter." sag ich in einer Mischung aus Stolz und Ergebenheit...

Wir schauen uns an und lachen. Die Erdnuss steckt den Kopf aus ihrem Zimmer: "Lacht ihr über mich?" fragt sie misstrauisch.

"Nee, nicht wirklich." Gruppenkuscheln. "Wir freuen uns nur. Wir freuen uns..."

 

13.10.2008 um 20:39 Uhr

Selbstportrait

 

 

 


 

Es kommt erstaunlich nah dran.

Und ich muss es ja wissen...

 

12.10.2008 um 19:59 Uhr

Scheinbar nutzlose Weisheit

"Mama?"

"Ja?"

"Es gibt, das weiß ich genau, weit mehr als zweitausendundacht Häuser auf dieser Welt."

"Ja. Weit mehr. Das stimmt. Wie kommst du darauf?"

"Ach. Ich wollt's nur mal sagen."

"M-mh. Und wie kommst du auf die Zahl 2008?"

"Weiß nicht. Die hab ich in meinem Kopf gefunden."

"Weißt du, was die Zahl zweitausendundacht noch bedeutet?"

"Mh?"

"Das ist die Jahreszahl, die wir grade haben. Es ist der Herbst des Jahres 2008."

"Aha? Wieso sagst du mir das?"

"Ach. Ich wollt's nur mal sagen."

09.10.2008 um 20:51 Uhr

Rabimmel, Rabammel...

 

 

 

 

 

Tiger
 
 
 
 

08.10.2008 um 21:04 Uhr

Ent-Spannung

"Mama-ha?"

Die Erdnuss sitzt in ihrem Nachthemdchen in tausenden von aufgetürmten fluffigen Bettdecken, dazu zieht sie ein Zuckerschnütchen vom Feinsten. Der Ich-will-was-Blick...

"Ja-ha?"

Ich weiß, dass was kommt, aber noch nicht was. 

"Kuuuuu-schelst du nochmal mit mir?"

"Klar!" lächel ich und breite die Arme aus. 

"Nee, nich so!"

"Wie denn?"

Das Zuckerschnütchen wird unwiderstehlich.

"Kommst du aufs Bett-chen kuuuu-schelln?" 

"Na klaro!" lach ich, kletter die kleine Leiter hoch und lass mich wie ein nasser Sack aufs Bett plumpsen. "Warum steckt sie sich die Finger in die Ohren?" denk ich noch, als mein Körper auf die Bettdecke trifft und dann hör ich ihn, den Knall, mein Po schnellt in die Luft, meine Augen weiten sich, ich schau mich verwirrt um, direkt in das kichernde Gesicht eines kleinen pausbäckigen Luders, das noch immer die Finger in den Ohren stecken hat.

"HAHAHAHAHAHAHAH! Ein Luuuuuuuftballooooooooooooon!!!! Hahahahaha!" kreischt das Luder besinnungslos.

Wir heben die Bettdecke hoch, und nun bekomm auch ich kaum noch Luft vor lachen, der Anblick der rosa Gummifetzen treibt uns die Tränen in die Augen, wir halten uns die Bäuche, ich versuchs noch halbwegs pädagogisch: "Du, pffffffffffkkkkccch, du leines Kluder, pfffffffkccccccccccccchhh" Der Erdnuss Augen weiten sich in humoristischen Unglauben: "LEINES KLUDER!!!!!!! Du hast LEINES KLUDER gesagt!!!!" Ja, ich fass es selber kaum. Wir lachen so sehr, dass wir beide pupsen müssen. RICHTIG LAUT! Neue und wieder neue Lachsalven verlassen unsere Bäuche, diesmal aus dem richtigen Ende. Wir schnappen nach Luft, ziehen sie mit aller Macht in unsere Körper, um sie gleich drauf mit noch größerer Macht auszustoßen. "EIn Streich!" ruft die Erdnuss, "das war ein schöner Streich!!!" "Ja," kkkchhchhiehihhiihi, " OhMann, das wars wirklich." Langsam beruhigen wir uns, langsam, wirklich ganz langsam, mit vielen Nachkicherern und Schnaubern und Gicklern. Dann versuchen wir wieder langsam und regelmäßig ans Atmen zu kommen.

Vergesst jede Entspannungsübung, vergesst Yoga, Sport oder andere Ventile. Gegen so einen Lachanfall kann nichts, GAR nichts, ÜBERHAUPT nichts anstinken. Auch nicht unsere Püps, äh Pupse.

Beim Gutenacht sagen, wärs beinahe wieder von vorne losgegangen:

"Das war noch besser als bei Titti Langstrumpf." sagte die Erdnuss gedankenverloren.

 

... 

 

"Titti?"

 

...

 

Pfffkkkkchkkkkchcchchchkkkkch!!!!!

 

04.10.2008 um 22:18 Uhr

Ein Hoch, ein Gloria und ein dreifaches Halleluja!!!

Kleister. Überall Kleister! Zugekleistert kann man es nennen. Kleister auf dem Boden, Kleister an den Hosen, Kleister unter den Fingernägeln, in den Haaren und an der Nasenspitze.

Bäh.

Wir nähern uns dem Martinsfest. Laternen werden gebraucht. In den letzten Jahren hab ich immer nur die aus dem Kindergarten bestaunt. Nicht nur, weil die so schön waren, sondern auch, weil ich zum Henker nicht auch nur den Hauch einer Ahnung habe, wie man sie herstellt. Sie leuchteten in allen Farben. Rund und schön und kreativ, mit Hasenohren, Löwenmähnen und Blümchengewuschel, was das Herz nur so begehrt. Ein kleines Wunder, diese Laternen. Wie wenig Ahnung ich davon habe, gab ich bei dem ersten Martinszug der zweijährigen Erdnuss preis, als ich noch nicht einmal wusste, was ein Laternenstab ist und nur knapp dem Desaster entrann, mit einem Ast und einem Teelicht im Kindergarten aufzutauchen...

In diesem Jahr war nun die Erdnuss bereit, ihr Wissen mit mir zu teilen. Wir betraten den Bastelladen. Sie informierte mich über Kleister, Transparentpapier, Luftballons und Laternendraht. Ein Tiger sollte es werden. Zwei Lagen Gelb, zwei Lagen Orange.

"Wir brauchen drei Schüsseln. Eins für den Kleister, zwei für die Schnipsel."

Brav latsche ich in die Küche, bringe Schüsseln, Wasser, Kleisterpulver. Wir schütten nach Erdnussdünken Pulver ins Wasser. Sie rührt, kippt nach, macht ein fachmännisches Gesichtchen, nickt zufrieden: "Jawohl. Genau wie im Kindergarten."

"Und jetzt?" frag ich nach und bin erstaunt über mich selbst, denn meine Naivität ist nicht im Ansatz gespielt. Und wie sie es genießt, mich zu unterweisen. "Also, Mama, das geht so. Erst streicheln wir den Luftballon." Ihre Hände gleiten geschmeidig in die schleimige Kleisterschüssel, kichernd zieht sie die glibberigen Hände wieder heraus. Sie sieht mein Gesicht und lacht laut auf: "Kannst du glauben, Mama, so machen wir das im Kindergarten! Und:" Kunstpause. "So musst du es auch machen!" "Das muss doch auch mit nem Pinsel gehen, oder?" Ich war noch nie eine widerspruchslose Schülerin. "Mama!" Die Erdnuss weiß mich pädagogisch wirklich gut zu nehmen. "wer weiß hier Bescheid? Du?" Sie zeigt skeptisch mit dem Glibberzeigefinger auf mich. "Oder ich?" Jetzt zeigt sie selbstzufrieden auf sich, während der Kleister in zähem Fluss auf ihre Hose tropft. "Du." gebe ich kleinmütig zu, ergebe mich seufzend meinem Schicksal und 'streichel' den Luftballon mit zuvor benetzten Glibberfingern, ein kleiner Kompromiss gegenüber der ganzen Hand, die im Übrigen gar nicht in die Salatschüssel gepasst hätte.

Wir streicheln also unsere Luftballons, was nicht einfach ist, denn sie bleiben ständig an allem kleben, sowohl an den Händen als auch am Ärmel, sowie dem untergelegten Zeitungspapier. "Oh MANN!" Die Erdnuss schlägt sich mit der flachen Hand an die Stirn. (Kleister, Kleister, oh Gott, all der Kleister!) "Wir haben die TÖPFE vergessen." Ich weiß sofort, was sie meint, und grinse. Was für eine geniale Idee. Wir stopfen unsere Luftballons in Kochtöpfe, und ab da geht alles ganz easy. Eine meditative Angelegenheit. Schnipsel für Schnipsel Transparentpapier landet auf den runden Gummidingern, wir geben uns gegenseitig Ratschläge, sie mir mehr als ich ihr. Sie wird nicht müde zu betonen, dass SIE das ja schon mal gemacht hat, ICH hingegen noch NIE. Ich schmunzel in mich hinein und streichel meine Transparentschnipsel, Minute um Minute vergeht, zum Schluss sind es derer hundertzwanzig, und als meine meditative Stimmung verflogen ist, weicht diese einer stolzen, denn zum einen sind unsere orangenen Bälle wohlgeratene Laternenanfänge und zum anderen fand ich es bemerkenswert, wie meine fünfjährige Tochter zur Lehrerin mutiert und mit welcher Hartnäckigkeit und Motivation sie ans Werk gegangen ist.

Aber dann: Böses Erwachen. Kleister. Überall Kleister! Zugekleistert kann man es nennen. Kleister auf dem Boden, Kleister an den... Achso, das hatten wir ja schon.

Wieso jetzt Gloria und Hoch und Halleluja? Wegen der Erzieher im Kindergarten!! Oh MANN! Die machen das mit dreißig Kindern!!! Mit DREISSIG!! Ich wiederhole: Dreißig! Was für eine Arbeit, was für eine Organisation, was für eine Kreativität.

Sollten Pädagogen hier reinlesen: Ich ziehe den Hut. Ich ziehe ihn voller Bewunderung und Anerkennung. Respekt, Leute. Von ganzem Herzen habt ihr meinen Respekt! Und nicht nur wegen der Martinslaternen, das ist weiß Gott nicht das einzige, was die Erdnuss ganz ohne unser Zutun gelernt hat...