Der Weihnachtsmann, der liebe Gott und das Christkind
So in der späten Abendstunde plaudert sich's nett, das hat die Erdnuss auf jeden Fall mit mir gemeinsam, dass sie, sobald die Sonne untergegangen ist, noch mal so richtig aufdreht, was die Redseligkeit anbelangt. Und WAS sie da so alles redet. Dass der Weihnachtsmann der Vater vom Christkind ist, z.B. Als ich meine diesbezüglichen Bedenken kundgab, dass ja nun das Jesuskind, soweit wir wissen, das Kind vom lieben Gott ist, da zuckte sie nur die Schultern.
"Achso, naja, dann isses eben der Opa vom Christkind."
"Ach. Das würde ja heißen, dass der Weihnachtsmann der Vater vom lieben Gott wäre."
"Oh!" Ihre Augen werden groß. Dann kichern wir beide los.
"Nee. Das geht nicht." sagt sie. "Dann hätte ja der Weihnachtsmann den lieben Gott geboren." Wir kichern wieder. Nur lauter. "Nee." Sie nickt nochmal zur Bekräftigung. "Das geht wirklich nicht."
Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass der Weihnachtsmann ein Freund vom lieben Gott ist, und dass er, wie der Onkel Johannes von der Erdnuss, des CHristkinds Patenonkel ist. Das hat uns gut gefallen. "Der liebe Gott mag den Weihnachtsmann." Sagt die Erdnuss versonnen. "Ja." antworte ich, "und dich auch" "Ja. Er liebt dich und den Papa und den Kevin und die Oma, alle." Kurzes Schweigen. "Und: Der liebe Gott weiß immer, wo wir sind." Manchmal frag ich mich ernsthaft, wo sie das alles her hat. Ich bin ein gläubiger Mensch, aber ich red nicht drüber. Also nicht von allein. Wir gehen nicht in die Kirche (Weihnachten dieses Jahr das erste Mal) und auch sonst isses mit der Religion nicht so weit her bei uns. Woher diese Überzeugungen.
"Mama? Wenn ich unter diese Bettdecke kriechen würde." Die Erdnuss macht es vor. "Und du würdest noch ein oder zwei Spielekisten drauflegen" tönt es gedämpft unter der Bettdecke hervor. "und dann schließest du die Zimmertür ab." "Hm-Hm?" "Und DANN würde noch das Haus einstürzen UND die Welt untergehen." "Aha?" "Der liebe Gott wüsste IMMER noch, wo ich bin."
Verstrubbelt taucht die Erdnuss wieder auf. "Ja soga-har, wenn ich mich schwarz anmalen würde und mich an eine schwarze Wand stellen würde." verschwörerisch beugt sie sich vor. "Er - wüss-te - wo - ich - bin!"
"Toll."
"Ja-ha! Supertoll."
"Müde bin ich geh zu Ruh" fällt mir da plötzlich ein. "schließe beide Augen zu. Vater lass die Augen dein über meinem Bette sein."
"Hö?" Die Erdnuss ist verdutzt. "Kannst du das nochmal sagen?"
"Klar. Müde bin ich geh zu Ruh, schließe beide Augen zu. Vater lass die Augen dein über meinem Bette sein."
"welcher Vater?"
"Naja, der liebe Gott wird auch 'Vater' genannt."
"Ach."
"Ja."
"Von uns allen?"
"Ja."
"Dann hat der liebe GOTT den WEIHnachtsmann geboren?"
"Äh. Sozusagen. Naja."
"Und mich auch?"
"Tja."
"nee." Die Erdnuss schüttelt den Kopf. "DU hast mich geboren."
"GeNAU!" Ich atme erleichtert auf.
"Und der Papa ist mein Papa wegen dem Samen."
"Ja." Ich atme beklommen ein.
"Hat der Papa den Samen vom lieben Gott?"
"Äh. Sozusagen. Naja."
"Ich denke, es ist so."
"Und jetzt müssen wir 'Gute Nacht' sagen."
"Ja, gute Nacht."
Gutenachtkuss. Die Erdnuss legt ihr Köpfchen aufs Kissen. Ich mache das Nachtlicht und die CD an. Mitten in die Biene-Maja-Melodie ruft die Erdnuss: "Mama? Der Weihnachtsmann hat einen ganz schön dicken Bauch, nä?"
"Gute Na-hacht!"
"War deiner auch so dick?"
"NOCH dicker!" Oh Mann, ich stolper immer wieder in diese Fallen.
"Zeig mal, wie dick?"
"Gute NACHT!"
"Zeig doch mal!"
"Schlaf schön!"
"Mama?"
"Schlafen!"
"aber der liebe Gott hat keinen Bauch, nä?"
"Ich mach die Tür zu."
"Mama?"
"Pscht."
"Gute Nacht, Mama!"
"Gute Nacht, Erdnuss!"
Sie weiß, dass ich ohne Gutenachtgruß nicht gehen kann...
Oh Mann. Wieder ne Menge geklärt.
