Kleine Erdnuss

11.01.2009 um 00:05 Uhr

Der Weihnachtsmann, der liebe Gott und das Christkind

So in der späten Abendstunde plaudert sich's nett, das hat die Erdnuss auf jeden Fall mit mir gemeinsam, dass sie, sobald die Sonne untergegangen ist, noch mal so richtig aufdreht, was die Redseligkeit anbelangt. Und WAS sie da so alles redet. Dass der Weihnachtsmann der Vater vom Christkind ist, z.B. Als ich meine diesbezüglichen Bedenken kundgab, dass ja nun das Jesuskind, soweit wir wissen, das Kind vom lieben Gott ist, da zuckte sie nur die Schultern.

"Achso, naja, dann isses eben der Opa vom Christkind."

"Ach. Das würde ja heißen, dass der Weihnachtsmann der Vater vom lieben Gott wäre."

"Oh!" Ihre Augen werden groß. Dann kichern wir beide los.

"Nee. Das geht nicht." sagt sie. "Dann hätte ja der Weihnachtsmann den lieben Gott geboren." Wir kichern wieder. Nur lauter. "Nee." Sie nickt nochmal zur Bekräftigung. "Das geht wirklich nicht."

Wir haben uns dann darauf geeinigt, dass der Weihnachtsmann ein Freund vom lieben Gott ist, und dass er, wie der Onkel Johannes von der Erdnuss, des CHristkinds Patenonkel ist. Das hat uns gut gefallen. "Der liebe Gott mag den Weihnachtsmann." Sagt die Erdnuss versonnen. "Ja." antworte ich, "und dich auch" "Ja. Er liebt dich und den Papa und den Kevin und die Oma, alle." Kurzes Schweigen. "Und: Der liebe Gott weiß immer, wo wir sind." Manchmal frag ich mich ernsthaft, wo sie das alles her hat. Ich bin ein gläubiger Mensch, aber ich red nicht drüber. Also nicht von allein. Wir gehen nicht in die Kirche (Weihnachten dieses Jahr das erste Mal) und auch sonst isses mit der Religion nicht so weit her bei uns. Woher diese Überzeugungen.

"Mama? Wenn ich unter diese Bettdecke kriechen würde." Die Erdnuss macht es vor. "Und du würdest noch ein oder zwei Spielekisten drauflegen" tönt es gedämpft unter der Bettdecke hervor. "und dann schließest du die Zimmertür ab." "Hm-Hm?" "Und DANN würde noch das Haus einstürzen UND die Welt untergehen." "Aha?" "Der liebe Gott wüsste IMMER noch, wo ich bin."

Verstrubbelt taucht die Erdnuss wieder auf. "Ja soga-har, wenn ich mich schwarz anmalen würde und mich an eine schwarze Wand stellen würde." verschwörerisch beugt sie sich vor.  "Er  -  wüss-te  -  wo  - ich  -  bin!"

"Toll."

"Ja-ha! Supertoll."

"Müde bin ich geh zu Ruh" fällt mir da plötzlich ein. "schließe beide Augen zu. Vater lass die Augen dein über meinem Bette sein."

"Hö?" Die Erdnuss ist verdutzt. "Kannst du das nochmal sagen?"

"Klar. Müde bin ich geh zu Ruh, schließe beide Augen zu. Vater lass die Augen dein über meinem Bette sein."

"welcher Vater?"

"Naja, der liebe Gott wird auch 'Vater' genannt."

"Ach."

"Ja."

"Von uns allen?"

"Ja."

"Dann hat der liebe GOTT den WEIHnachtsmann geboren?"

"Äh. Sozusagen. Naja."

"Und mich auch?"

"Tja."

"nee." Die Erdnuss schüttelt den Kopf. "DU hast mich geboren."

"GeNAU!" Ich atme erleichtert auf.

"Und der Papa ist mein Papa wegen dem Samen."

"Ja." Ich atme beklommen ein.

"Hat der Papa den Samen vom lieben Gott?"

"Äh. Sozusagen. Naja."

"Ich denke, es ist so."

"Und jetzt müssen wir 'Gute Nacht' sagen." 

"Ja, gute Nacht."

Gutenachtkuss. Die Erdnuss legt ihr Köpfchen aufs Kissen. Ich mache das Nachtlicht und die CD an. Mitten in die Biene-Maja-Melodie ruft die Erdnuss: "Mama? Der Weihnachtsmann hat einen ganz schön dicken Bauch, nä?"

"Gute Na-hacht!"

"War deiner auch so dick?"

"NOCH dicker!" Oh Mann, ich stolper immer wieder in diese Fallen.

"Zeig mal, wie dick?"

"Gute NACHT!"

"Zeig doch mal!"

"Schlaf schön!"

"Mama?"

"Schlafen!"

"aber der liebe Gott hat keinen Bauch, nä?"

"Ich mach die Tür zu."

"Mama?"

"Pscht."

"Gute Nacht, Mama!"

"Gute Nacht, Erdnuss!"

Sie weiß, dass ich ohne Gutenachtgruß nicht gehen kann...

Oh Mann. Wieder ne Menge geklärt.

 

05.01.2009 um 16:40 Uhr

Miss you, miss you, kiss you

Oh, was war das schön, all die Tage miteinander. Morgens ausschlafen, abends spät ins Bett, noch kuscheln, lesen, quatschen, immer Zeit, Zeit, Zeit....

Zeit.

Neben dem Mut zur Lücke ein anderer Vorsatz: Freiräume schaffen. Und ich sage absichtlich nicht: 'Zeit nehmen.' Das klingt, als hätte man davon nicht genug. Hat man aber doch. Von was steht denn so viel zur Verfügung wie von Zeit? Hm? Also mal global gesehen.

Wie oft habe ich zur Erdnuss gesagt: Ich habe keine Zeit. Ist doch Unsinn. Und wie traurig es mich macht, dass sie es mittlerweile versteht. Noch schlimmer, dass sie fragt: Hast du Zeit? Und jedes Mal konnte ich ja sagen, in den letzten Tagen.

Strahlende Erdnuss. Strahlende Erdnusseltern.

Zeit.

Kein Geld, aber Zeit.

Und jetzt häng ich wieder in der fremden Stadt, habe keine Zeit, noch nicht einmal für diesen Eintrag. Aber wie war das noch? Freiräume schaffen.

Wie sagte die Erdnuss neulich beim Zubettbringen? "Hier sitze ich und sollte liegen, wenn ich könnte würd' ich fliegen."

In diesem Sinne wünscht euch auch die Erdnuss ein wunderschönes Jahr, mit vielen Freiräumen, vielleicht lernt ja der ein oder andere fliegen. 

Nehmer mal alles nicht so ernst, wa?

 

 

01.01.2009 um 14:19 Uhr

Zum NEU-Jahr die NEUnte

Justus und die Erdnuss haben gestern beinahe länger durchgehalten als ihre Eltern. Nur unserem guten Zureden ist es zu verdanken, dass sie gegen vier Uhr mal Zähne geputzt haben.

Wir werden alt, die Kinder größer, der Lauf der Welt. Ich sehe sie schon auf eine Party gehen, mit der ich nichts zu tun habe. Ich weiß auch nicht, warum ich an Neujahrstagen immer so melancholisch bin...

Hier die neunte und letzte Seite. Und keine Angst: Die Erdnuss arbeitet an einer Fortsetzung.