Anleitung zum Entlieben

05.03.2006 um 23:44 Uhr

Glück gehabt

von: Lapared

Eben hat er eine SMS geschickt. Schlaf gut, mein Schatz. Und hüte Dich vor Ärzten! Im Ernst, lieber amputiere ich mir selbst was... Höm, aber bitte nicht das Falsche.

05.03.2006 um 17:57 Uhr

Doktorspiele

von: Lapared

Ratlos rufe ich meine Schwester an.

„Stell Dir vor, er will mich wegen der Wohnungssache zum Arzt schicken!“ – „Was? Wer?“ – „Dick! Dick will mich zum Arzt schicken! Wegen der Wohnung! Weil ich es so schlecht haben kann, wenn er hier ist!“ – „Moment, ich dachte, es wäre okay, ich dachte, er wollte Dir einen Pappaufsteller bauen?!“ – „Dachte ich doch auch…“ – „Ganz langsam, mal von vorn, was hat er gesagt? – „Also, ich hab ihn angerufen, einfach nur so, um Hallo zu sagen und ein bisschen Süßholz zu raspeln!“ – „Ist doch nett.“ – „Eben. Aber er war von Anfang an so komisch, ignorieren, hab ich gedacht, und munter drauf los geschnattert …“ – „Wie man das so macht.“ – „Eben. Aber er sagt keinen Ton, und als ich dann mein ganzes Pulver verschossen habe: Schweigen. Und was machst Du so, frage ich betont heiter, und er mir Grabesstimme: Ich denke darüber nach, was ich falsch mache. Ich: Ah. Und er: In Deiner Wohnung. Was mache ich da falsch?“ – „Anschleichen in Demutsposition. Bäuchlings robben wir uns an die Thematik ran, um dann aufzuspringen und das Beil zu schwingen, hab ich Recht? Ich kotze, erzähl weiter…“ – „Naja, was sollte ich schon sagen. Du machst gar nichts falsch, sage ich, es liegt an mir, ich kann das im Moment einfach nicht so gut haben.“ – „Selbstbezichtigung, großer Fehler!“ – „Und er: So einfach ist das nicht. Du tust mir weh, Du tust mir sehr weh!“ – „Das Beil!“ – „Und ich: Es tut mir leid, Schatz, es tut mir wirklich leid. Aber glaub mir, ich mach es mir gar nicht so einfach, wenn Du wüsstest, wie viel ich darüber nachdenke, ich frage mich doch auch, woran das liegt…!“ – „Eine Traumflanke, jetzt muss er ihn nur noch sanft reinditschen…“ – „Nee, er dribbelt noch ein bisschen, pass auf: Wenn man Kopfschmerzen hat, geht man zum Arzt, sagt er. Und ich: Hä? Und er: Stimmt´s, wenn man Kopfschmerzen hat, geht man zum Arzt? Und ich: Ja, wieso? Und er - jetzt kommt´s - und er: Weißt Du, ich kann damit leben, dass ich nicht in Deine Wohnung darf, aber DICH beschäftigt es ständig, stimmt´s? DIR lässt es keine Ruhe, DICH macht es doch auch unglücklich?“ – „Traumhafter Spielzug...“ – „Und ich: Ja natürlich beschäftigt es mich! Und er: Es macht Dir Kopfschmerzen. Und wenn man Kopfschmerzen hat, geht man zum Arzt.“ – „Genial!“ – „Aber jetzt durchschaue ich sein Manöver. Dick, sage ich ganz ruhig – weißt Du, so beunruhigend, undurchdringlich ruhig…“ – „Ja, das kannst Du super!“ – „Dick, sage ich, heißt das, Du willst mich wegen dieser Wohnungssache zum Arzt schicken? Glaubst Du, Du hast es mit einer Kranken zu tun? Und als Du das mit dem Pappaufsteller gesagt hast, da hast Du das gar nicht so gemeint, sondern mich nur wie eine Patientin behandelt? Eine Patientin, die man erst mal beruhigt und sagt, es ist alles halb so schlimm, das wird schon wieder, während man heimlich der Schwester einen Wink gibt: alles vorbereiten zum Amputieren!?“ – „Ha! Sehr gut! Und?“ – „Er kriegt es mit der Angst zu tun: Ich habe nur gesagt, wenn man Kopfschmerzen hat, geht man zum Arzt, sagt er, und ich: Aber du hast nicht über meine Kopfschmerzen gesprochen, sondern über mein Unbehagen mit Dir in meiner Wohnung?! Ja, sagt er.“ – „Und dann?“ - Plötzlich fielen mir tausend Sachen ein. Er hat nämlich schon öfter so Andeutungen gemacht. Er hat mal gesagt, er hätte früher auch nicht mit Menschen in einem Zimmer schlafen können…“ – „Das ist nicht Dein Problem!“ – „…aber dagegen gäbe es eine sehr wirksame Therapie. Ich hielt das für einen Scherz und sagte: Vergiss es, ich gehe nicht zum Bund!“ – „Es war kein Scherz?!“ – „Und ein anderes Mal hat er gesagt, das mit meinem Blog sei ja ganz hübsch, um Dinge mal zu artikulieren, aber ob ich nicht irgendwann auch ein professionelles Feedback bräuchte? Und ich: nö. Ich dachte, er meint das vom literarischen Standpunkt…“– „Sanfte Intervention, er behandelt Dich schon geraume Zeit, Du hast es nur nicht bemerkt…“ – „Meinst Du auch, ich muss zum Arzt, ich meine, ich zahle so viel Krankenversicherung, im Prinzip…?“ – „Ohne Leidensdruck keine Therapie, hast Du Leidensdruck?“ – „Ich dachte nicht, aber…“ – „Er macht Dir welchen?“ – „Naja…“ – „Ich sag dazu nichts!“ – „Aber?“ – „Ich sag dazu nichts!“ – „Okay.“ – „Aber willst Du wissen, was ich denke?“ – „Bitte!“ – „Ich glaube nicht, dass es krank ist, wenn man sein Refugium braucht. Das geht vielen Menschen so, insbesondere – mit Verlaub – alten Schachteln, die immer allein gelebt haben und die dann – sorry - auf den letzten Drücker doch noch jemanden finden! Ich weiß, das glaubst Du mir jetzt nicht, denn sowas kommt in Deinen Hollywoodschmonzetten, die Du für die Realität hälst, weil es alles ist, was Du außer Deiner Arbeit noch siehst, vielleicht nicht vor, aber bei B.s Freunden Karl und Anne ist das auch so!“ – „Sex and the City ist ein durchaus realisti… “ – „Käse! Karl und Anne sind ein Herz und eine Seele - also, was man so sieht - und die meiste Zeit sind sie bei Karl, aber Anne sagt, trotzdem braucht sie ihr eigenes Reich und da hätte Karl nichts verloren…“ – „Hm. Ich weiß gar nicht, ob ich immer mein eigenes Reich brauche, nur im Moment…“ – „Darum geht es doch gar nicht!“ – „Verstehe. Und Karl schickt Anne nicht zum Psychiater?“ – „Anne IST Psychiater. Sie leitet ein psychiatrisches Krankenhaus. Glaub mir, sie ist durchaus auf Zack!“ – „Das hast Du Dir doch jetzt bloß für mich ausgedacht?!“ – „Hab ich nicht!“ – „Hast Du wohl…“

Später rief meine Schwester mich noch mal an. Da war ich längst wieder auf dem Teppich, aber sie inzwischen richtig auf der Palme, manchmal ist sie wie eine Löwenmutti...

„Ich hab Dir einen Termin bei Anne gemacht. Dick wollte doch, dass Du zum Arzt gehst!“ – „Du spinnst! – „Du brauchst ihn wirklich: Um zu lernen, wie man sich gegen Menschen abgrenzt, die einen zum Arzt schicken, nur weil man mal keinen Besuch haben will!“ - „Du sagst doch auch immer, dass ich einen an der Schüssel habe!“ – „Ja, aber ich mag Deine Schüssel, ich will, dass sie bleibt, wie sie ist!“ – „Er meint es lieb! Er macht sich Sorgen! Er will mit mir leben, deshalb…“ – „Das ist keine Entschuldigung!“

Doch. Ich glaube: doch. Die einzige.