Anleitung zum Entlieben

15.11.2009 um 16:39 Uhr

Ein bisschen

von: Lapared

Letzte Woche wollte ich mal ein bisschen kürzer treten. Ein bisschen vom Gas gehen. Ein bisschen das Seelchen baumeln lassen, bim bam. Es war weiß Gott kein leichtes Jahr.

Aber ein bisschen (in Lautschrift: ein bisschen) geht ja bei Lchen nicht. Ein bisschen ist ein Fremdwort. Innerhalb von drei Tagen fiel ich von Tempo Zweihundert in den totalen Stillstand. Nichts ging mehr. Innerhalb von drei Tagen mutierte Lchen, das fleißige Bienchen, zu Lpunkt, dem faulen Sack.

Es begann an Tag 1 noch relativ harmlos damit, dass ich um acht statt um sieben meinen Popo auf Rolli hievte, um zum Frühschwimmen zu radeln. Eine fatale Tendenz. An Tag 2 öffnete ich mein schlafverklebtes Auge (ja, erstmal nur eins) erst am frühen Nachmittag, um den DHL-Mann mit Blicken zu töten, der es wagte, mir meine letzte Amazon-Bestellung an die Tür liefern zu wollen: ein preisreduziertes Funktionsunterhemd für Outdoor-Aktivitäten (Aktivi-WAS?). Und den dritten Tag verbrachte ich dann schon komplett im Pyjama. Ein Funktions-Pyjama für Extrem-Couchsitzen und extrem traurige Filme gucken. Das Seelchen baumelte nicht, das Seelchen hing – ächzend und quietschend - durch. Durch, durch, durch.

Weshalb ich auch – und deshalb erzähle ich das alles – nicht mal mehr den kleinsten alltäglichen Pflichten nachkommen konnte. Auch nicht denen als Curds Sekretärin. All denjenigen Junior-Muttis und -Vatis, die letzte Woche versucht haben, dem Chef eine Mail zu schreiben, aber eine Fehlermeldung bekommen haben, auf diesem Wege: Entschuldigung.

Ab morgen schwingt sich die Sekretärin wieder pünktlich um sieben auf ihren treuen alten Drahtesel Rolli. Und macht auch alles andere, was am Tag so ansteht, leert zum Beispiel Curds Mailbox, die leider nur 12 MB fasst. Lpunkt back in the saddle again.

P.S. In irgendeinem Film gibt es doch diese Szene, in der ein Mann mit dem Löffel an sein Glas schlägt, um eine Rede zu halten. Pling! Pling!

Er ist schrecklich nervös. Es ist wirklich eine wichtige Rede, vor wichtigen Menschen, er hat sich wochenlang darauf vorbereitet. Und als es nach dem Pling! Pling! still wird und alle ihn ansehen und gespannt seine Worte erwarten, ist das erste, was ihm entfährt – natürlich unwillentlich entfährt – ein Pups.

Es könnte sein, dass ich gerade dieser Mann bin (ich glaube, es war Peter Sellers, aber ich bin nicht sicher…). Es könnte sein, dass ich gerade um Aufmerksamkeit für eine Peinlichkeit bitte, ich tue es trotzdem, denn ich habe es Liz versprochen... Pling! Pling!

Nächsten Sonntag, den 22.11. um 15.15 Uhr im NDR-Fernsehen: „LIEBESLEID“. Die TV-Dokumentation von Liz Wieskerstrauch über Menschen mit Liebesschmerzen, bei der ich im Sommer mitgemacht habe. Jetzt wird sie also gesendet und ich habe sie leider vorher nicht ansehen dürfen (warum eigentlich nicht? Warum nicht??? Au weia…). Ich hoffe (bete!!!) es wird kein – Ruhe bitte! – Pfffffffffft.