Anleitung zum Entlieben

22.05.2011 um 16:39 Uhr

Die Liebeskuemmerer

von: Lapared

Viele Leser sind enttäuscht, dass ich gar keinen Liebeskummer mehr habe. Oder zumindest nichts davon schreibe. Das kann ich gut verstehen. 

Schließlich heißt das Blog ja immer noch „Anleitung zum Entlieben“. Und dann klickt man es an und was kommt? Curd, der seinem Mützchem nachtrauert. Das ist keine große Hilfe, wenn man Liebeskummer hat, ich weiß.

Deshalb mache ich heute mal was, was ich hier noch nie gemacht habe. Werbung. Für ein kleines neues Unternehmen, das vielleicht bei Liebeskummer ein bisschen helfen kann.

Von vorn. Vor kurzen schrieb mich Elena an. Sie wolle eine Seite mit Angeboten für Menschen mit Liebeskummer ins Netz stellen. Ob ich da nicht mitmachen wolle. Endlich, dachte ich. Endlich läuft mir eine von diesen Uschis mal direkt vors Visier.

Die, die ich liebevoll „diese Uschis“ nenne, kennen Sie bestimmt auch. Im ersten Leben waren Sie meistens in der Finanzbuchhaltung. Und waren schon damals bekannt dafür, dass sie in der Teeküche immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Kolleginnen hatten.

Dann entdecken Sie eines Tages ihre Affinität zu Kräutern, Yoga und Tarot. Ihre Spiritualität natürlich auch. (Mediale Fähigkeiten werden auch nicht selten entdeckt.) Und so beschließen sie, beim Institut ihres Vertrauens (da, wo sie sonst immer die Wochenendworkshops besuchen) endlich selber eine Therapeutenausbildung zu machen. Mal sehen, was es alles so gibt: Astrotherapie, Klangschalentherapie, Atemtherapie, Ohrkerzentherapie… Liebeskummertherapie! Für die entsprechenden Eurönchen kann man sich jeden Therapeuten-Titel umhängen. Der Begriff ist nicht geschützt.

Dann schrauben sie sich ein Schild an die Tür, basteln sich eine Website und los geht´s. Meine Freundin Wpunkt hat es mal getestet. Sie war bei einer Liebeskummertherapeutin. Fazit: Für hundertzwanzig Euro pro Stunde ist die in erster Linie eins: unheimlich nett. Das tut gut. Und sie hört zu. Das tat sonst keiner mehr. Und sie gibt tolle praktische Tipps, z.B., dass man sich jeden Morgen vorm Spiegel „Ich bin eines starke schöne unabhängige Frau“ sagen soll. Und dabei bitte die Hand auf das Dingsbums-Chakra legen, ganz wichtig. Und richtig atmen, atmen ist auch so wichtig. „Und seien sie lieb zu sich!“ Okay.

Büchlein mit Herzchen drauf gibt´s auch, spezielle Schokolade geben Liebeskummer kann man auch gleich kaufen (damit man am Ende nicht nur allein ist, sondern fett), Duftkerzen, Körperöle, die Uschis sind sehr geschäftstüchtig. Schließlich kommen sie aus der Finanzbuchhaltung. ARRRRRGH.

Ich verachte Sie, schrieb ich der lieben Elena also zurück.

Nicht wörtlich, aber im Subtext. Wörtlich schrieb ich, dass ich die meisten Beratungsangebote für Menschen mit Liebeskummer für unseriöse Geschäftemacherei halte. Dass ich persönlich an Selbsthilfegruppen glaube, in denen Betroffene sich gegenseitig helfen, ohne kommerzielle Absichten. Und an psychotherapeutische Hilfe durch Menschen, die das studiert haben. Und zwar an einer staatlich anerkannten Hochschule und nicht an irgendeinem Privatinstitut, von Privatinstituten hielte ich nämlich gar nichts. Und dass ich mich ganz sicher nicht daran beteiligen würde, wenn man Menschen mit Liebeskummer versuchen würde, schön verpackte Schokoladentafeln und anderen Schnickschnack als seelische Hilfe zu verkaufen. So.

Zu meiner großen Überraschung schrieb Elena zurück, genau das fände sie auch. Und deshalb wären der Austausch mit Leidensgenossen und die Begleitung durch Ärzte und (seriöse) Therapeuten auch das Wichtigste bei den Reisen, die sie speziell  für Menschen mit Liebeskummer organisiere. 

Und in der Tat. Ich war mal auf Elenas Seite (www. die-liebeskuemmerer.de) und kann nur sagen: Hütchen ab. Eine feine Sache. Schöne Hotels, Wellness, Sport, das tägliche Bad im Mitgefühl der Leidensgenossen, die kalte oder warme Dusche durch eine Psychotherapeutin... Wenn ich Liebeskummer hätte, würde ich bei den Liebeskümmerern eine Reise buchen. Im Ausland am besten, denn nach dem bewaffneten Überfall auf eine Pommesbude, den ich wahrscheinlich begangen hätte, um mir die Reise leisten zu können, wäre ein Auslandsaufenthalt vielleicht nicht ganz schlecht.

Nein, das war ein Witz. Soooo teuer ist es auch nicht. Wenn man bei Liebeskummer ansonsten gerne shoppen geht oder im besoffenen Kopp in der Stammkneipe eine Runde Schampus schmeißt, kann es schnell genauso teuer werden.

So, jetzt habe ich also mal ein bisschen Werbung gemacht. Ohne Eigennutz, falls Sie das vermuten. Elena hatte mich dann zwar gefragt, ob ich vielleicht bei ihren Reisen auch Seminare geben möchte. Und ich habe tatsächlich darüber nachgedacht. Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich vielleicht besser bei dem bleiben sollte, was ich am besten kann. Und ich denke, ich kann einfach besser schreiben als coatchen oder therapieren. Trotz Psychologiestudium (denn seien wir ehrlich, man kann auch mit ordentlichem Studium eine miese Therapeutin sein. Und ja, ich gebe es zu… ohne eine tolle.) Aber vielleicht komme ich irgendwann mal auf ein Stündchen zum Vorlesen bei Euch vorbei, hab ich zu Elena gesagt. Bei den chicen Hotels ;)

Na, mal sehen…