Anleitung zum Entlieben

11.09.2011 um 20:59 Uhr

Schneckenmanns Rache

von: Lapared

Heute konnte ich mich kaum entscheiden, worüber ich schreiben soll. Über das Date mit diesem Herrn, der mir in der Bäckerei mit den Worten den Vortritt ließ: „Gehen Sie ruhig vor, die Schnecke läuft mir nicht weg.“ Und dann leise hinzu setzte: „Diese nicht.“ (Ich hätte seine Verbitterung spüren müssen! Seine Rachegelüste…)

Oder lieber über HUNG, die Fernsehserie, die ich neu entdeckt habe. Über einen finanziell in Not geratenen Highschool-Lehrer, der sich mithilfe seines ungewöhnlich großen Penis ein zweites berufliches Standbein als Callboy aufzubauen versucht.

HUNG, soviel vorab, war das deutlich größere und längere Vergnügen. Die komplette 1. Staffel auf DVD dauert 291 Minuten. Das Date mit dem Schneckenmann war schon nach 12 Minuten zuende. Aber vielleicht erzähle ich einfach eins nach dem anderen. So, wie es sich auch wirklich zugetragen hat.

Also, der Mann in der Bäckerei sagte: „Gehen Sie ruhig vor, die Schnecke…“ (gemeint war natürlich die von ihm anvisierte Puddingschnecke) „…läuft mir nicht weg.“ (Verbitterte Pause) „Diese nicht.“

Und ich: „Danke. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Ihnen eine Schnecke wegläuft…“ Was klang wie ein Kompliment, sollte eigentlich keins werden. Ich wollte gerade hinzufügen: „… Schnecken kriechen.“ (WU-HAH) Aber dann sah ich, dass der Mann gut aussah, ließ den Gag stecken, bestellte brav meine Quarkbällchen und lächelte nur adrett.

„Essen Sie immer Quarkbälle oder mögen Sie auch Chinesisch?“

Schleimen lohnt sich, schon hatte ich ein Date. 

Das schlimmste meines Lebens. (Wenn was so glatt geht, kann es nichts werden!) Noch schlimmer als das damals mit Hannes, dem Salsa tanzenden Studienrat. Nach 12 Minuten, wir hatten gerade bestellt, vibrierte Schneckenmanns Telefon. Er sagte, es täte ihm schrecklich leid, aber da müsse er schnell rangehen. Zum Telefonieren ging er höflicherweise vor die Tür. Unhöflicherweise kam er nicht wieder. (Ernsthaft: Nie!) Dafür kam der Kellner und ich saß da mit zwei Wan-Tan-Suppen. Die Vorspeise. Den Hauptgang habe ich abbestellt.

Auf dem Rückweg bin ich dann in der Videothek meines Vertrauens eingekehrt. Ich erzählte, ich hätte gerade zwei Wan-Tan-Suppen gegessen, weil mein Date einfach verschwunden sei - welchen Film man mir empfehlen könne!?

„Eigentlich ist der reserviert, aber ich glaube, du brauchst ihn dringender“, sagte Nora, die gute Seele der Videothek, die vor einem halben Jahr einen leichten Schlaganfall hatte, und schob mir eine Cassette über den Tresen.  

So kam ich zu HUNG. Und dem glücklosen Mittvierziger Ray Drecker aus Detroit, der nach der Scheidung und einem Hausbrand versucht, mithilfe seines Penis wieder auf die Beine zu kommen. Ob Sie es glauben oder nicht: Ich hatte trotz des versalzenen Starts mit zwei Teigknödel-Suppen noch einen bezaubernden Abend.