Anleitung zum Entlieben

06.11.2011 um 20:25 Uhr

Vier Stepper und ein Knoblauchfall

von: Lapared

Mein Stepper ist kaputt - und ich bin auch komplett aus dem Lot.

Nun dramatisiert sie aber, denken Sie jetzt sicher. Das stimmt. Ein bisschen. Aber schauen wir auch auf die tragischen Fakten.

Vor acht Wochen ereignete sich der Vorfall mit meinem Sportgerät (KRRRRZZCK, Achsenbruch). Zwei Wochen später eilte der Kundendienst heran zum ersten Reparaturversuch. Zwei weitere Versuche und fünf Wochen später stehen nun drei (!) funktionsuntüchtige (!!!) Stepper in meinem 13,5 Quadratmeter-Wohnzimmer. Den vierten erwarte ich morgen, heile wär mal geil. Eine einzigartige Kulmination von fehlgeschlagenen Reparaturversuchen, defekten Ersatzgeräten und Speditionen, die Geräte zwar abholen, aber nur ab Bürgersteig. Wenn ich drei Stepper aus dem Wohnzimmer runter auf die Straße wuchten könnte, liebe Speditionsmenschen, hätte ich keinen Trainingsbedarf!

Aber deshalb bin ich noch nicht aus dem Lot. Ach, was. Ich lebe gerne zwischen kaputten Steppern. Und zum Trainieren fahre ich neuerdings in den feinen Sport-Club, für den ich sonst nur monatlich zahle. Jeden Morgen um sieben flitze ich mit Rolli los und reihe mich ein in die Riege der frühen Vögel unter den Fitness-Jüngern. So trifft man alte Bekannte wieder. Hatte ich mal von Kpunkt erzählt? Auch so ein Vogel, ich kenne und fürchte ihn schon aus früheren Fitness-Phasen.

Kpunkt trainiert jeden Morgen und er ist leider der geschwätzigste Mann des Planeten. Ein kleiner Mann, aber eine riesen Quasseltasche. Federnd in der Hüfte wirbelt er auf dem Stepper auf und ab wie ein Flummi mit einer Tina-Turner-Perücke. Dabei redet und redet und redet er ohne Punkt und Komma. Nein, „redet“ ist eigentlich nicht richtig. Er spult Anekdötchen ab, eins nach dem anderem. Aus seinem schier endlosen, todlangweiligen Anekdötchenrepertoire. Mit dramatischen Gesten, weit aufgerissenen Augen und einer Mimik wie Klaus Kinski in „Die Bestie“ erzählt er, wie er angeblich des Schwimmbads verwiesen wurde, weil er vom Zehner gepinkelt hat. HARG. Ich mag das, vor allem morgens.

Selbst, wenn man kein Wort dazu sagt, aus dem Fenster starrt oder sich schutzsuchend unter die Muscheln seines Kopfhörers verkriecht, redet Kpunkt heiter weiter. Einen Stichwortgeber braucht er nicht. Und das Schlimmste ist: Man kann diesem Mensch für sein Geplapper nicht mal böse sein, unmöglich. Der kleine Mann mit dem Pumuckl-Charme ist nämlich ein Pantomime im Ruhestand. Ja! Einer der letzten Großen dieser - Gott sei Dank - aussterbenden Zunft. Der Mann hat vierzig Jahren Quasseln nachzuholen. Und tut es bei mir!

Mich quatscht er seit acht Wochen voll. Weil ich am Anfang so höflich war zu lächeln, wenn er einen seiner Hammergags vom Stapel ließ. Jetzt stellt er sich jeden Morgen – schwupp! – auf den Stepper neben mir. Auch das wäre normalerweise noch nichts, was mich aus der Bahn werfen könnte. Aber heute morgen hatte der Ex-Pantomime dann auch noch eine Knoblauchfahne. Uuuuuuh. Als er mich ansprach, war ich so erschrocken, dass ich das Gleichgewicht verlor und vom Stepper segelte. Aua. Meine rechte Seite ist grün und rot und  blau. Ich habe Schmerzen, aber nur beim beim Atmen. Aua aua aua. 

Es wird Zeit, dass morgen endlich mein vierter Stepper kommt. Sport außer Haus ist zu gefährlich.