Die Zeiten ändern sich
Nach meinen jüngsten Erlebnissen wäre ich ganz sicher die
Letzte, die ein frühzeitiges Inkenntnissetzen darüber, dass Mann vergeben ist,
nicht zu schätzen wüsste. Aber SO früh? Nachdem ich bei Dick und seiner
legendären 7 Monatsmarke wahrscheinlich an einen der tendenziell späteren
Ehebekenner geraten war, habe ich heute einen Mann aus dem Spitzenfeld
kennengelernt. Drei Minuten. Drei Minuten im Wartezimmer von unserem guten
alten Bekannten Dr. Gellerhaupt. (Absatz) Überhaupt schien er von der schnellen
Truppe. Er hatte noch nicht die Jacke aus, schon eröffnete er mit einem echten
Wartezimmerklassiker: „Haben wir das letzte Mal nicht auch zusammen gewartet?“
– „Ich bin zum ersten Mal hier!“ vermassel ich ihm die Parade und hoffe, dass Gellerhäuptchen, der die
herzliche Geste pflegt, seine Patienten - zumindest die privaten - persönlich
vom Wartezimmer ins Sprechzimmer zu geleiten, mich diesmal nicht mit „Sie haben
aber abgenommen!“ begrüßt. So sehr ich ihn sonst dafür vergöttere. „Sie waren
wirklich noch nie hier?“ hakt der Ankömmling nach und setzt sich direkt neben
mich, obwohl das ganze Wartezimmer leer ist. „Ich bin nur zu Besuch!“ will ich
eventuelle Absichten umgehend im Keim ersticken, zögere aber, weil ich in dem Moment
feststelle, wie angenehm er riecht. „Ich bin nie krank“, signalisiere ich
stattdessen Fortpflanzungstauglichkeit (nicht bewusst, aber die von mir so
geschätzte Tiefenpsychologie würde es sicher so deuten). Prompt sieht der gut
riechende Mann sich genötigt festzustellen: „Ich bin verheiratet!“ Nach nicht
mal drei Minuten. „Und Sie glauben, dass Dr. Gellermann Ihnen da helfen kann?“
frage ich bissig und finde mich nur noch bedauernswert, da ich offenbar so viel
Verzweiflung verströme, dass ein Mann mir nach 180 Sekunden eine solche
Mitteilung macht. „Nein“, stottert
er, „ich weiß auch nicht, warum ich das gesagt habe… eigentlich wollte ich Sie
zu einem Kaffee einladen, aber... ich dachte, ich sage besser, dass ich
verheiratet bin!“ – „Warum? Wollten Sie mir den Kaffee ans Bett bringen?“ frage ich. Ich meine, was soll denn
das? “Ah, da ist ja meine Lieblingshypertonie!“ trompetet Gellerhäuptchen über
den Flur. Dann doch lieber: Sie haben aber abgenommen. Scheißtag. „Haben Sie´s
gehört?“ sage ich, „Der Arzt meint, ich habe Bluthochdruck! Ich fürchte, das
wird nix mit Kaffee!“ (Absatz) Von
7 Monaten auf 180 Sekunden, Gott, wie weit bin ich gesunken!

Wäre das nicht ein perfekter Einstieg für Band 2?