Anleitung zum Entlieben

01.06.2007 um 21:52 Uhr

Überlegungen über ungelegte Eier

von: Lapared

Bisher war ich ja immer die Gute. So im Prinzip. Die unerwidert Liebende. Die Beschissene. Die Verlassene. Sehr komfortabel, jetzt mal sympathiemäßig gesehen.

Heute, bei meiner kleinen Badepause, hat mich ein Mann angesprochen. Ich kannte ihn. Vom Sehen, wie man so sagt. Er ist fast täglich da. Dieses Jahr, letztes Jahr, vorletztes Jahr. Er kommt, schwimmt eine halbe Stunde, geht wieder. Wie ich, nur, dass ich in der halben Stunde fünf Meter zurücklege und er fünf Kilometer, ungefähr. Unsere Beziehung war bis zu einem „stummen, aber nicht zur Kommunikation ermunternden Nicken zur Begrüßung“ plus „Nicken mit schüchternem Lächeln bei beschleunigtem Abflug“ gediehen. Nun hat er mich also angesprochen. Sehr sympathisch, wirklich. Sehr klug, sehr zurückhaltend, sehr... egal, nett eben. Mein Alter.

Und ich dachte, Lpunkt, was, wenn er dich vielleicht nach Deiner Telefonnummer fragt? Was, wenn er dich eventuell zu einem Kaffee einlädt? Was, wenn er sich möglicherweise gar mit dir treffen will (der alte Draufgänger)? Was, wenn er dir danach immer noch gefallen würde? Gut? Vielleicht sogar ziemlich gut? Was dann?

Ja, ja, ja. Aber ich mache mir eben solche Gedanken. Ich lasse nichts einfach so auf mich zukommen, ich halte nichts von schaun ma mal, ich bin der festen Überzeugung: In bestimmten Situationen sollte man sich vorher überlegen, ob man ins Karussell einsteigt, denn wenn es erstmal fährt, kommt man nicht so leicht wieder raus. So. Und überhaupt. Bin ich nicht langsam zu alt für diesen Rummel? Neue Fahrt, neues Glück - alles Schwindel. Wenn ich mir eins wünsche, wenn ich mir eins wirklich wünsche, dann ein sicheres, warmes Plätzchen und... Ruhe im Karton. Bitte.

Andererseits... (Achtung, wir wechseln das Bild)... Andererseits, wenn man schon alle Eier in einen Korb legt, sollte man dann nicht einigermaßen sicher sein, dass es der richtige Korb ist? Und gesetzt den Fall, dass man nicht sicher ist, nicht ganz, weil es dazu noch viel zu früh ist und weil man tief im Inneren so seine Zweifel hat an der Tragfähigkeit wesentlich jüngerer Körbchen... Ist es dann erlaubt, ein zweites Körbchen aufzustellen? Nur um (eben doch!) einfach mal zu schaun? Oder ist man, Lpunkt, dann... BÖSE?

Wir reden übrigens über ungelegte Eier. Er hat mich nicht gefragt. Nicht nach meiner Nummer, nicht nach einem Kaffee, nichts. Vielleicht nächstes Jahr, oder übernächstes. Und wer weiß, wo ER seine Eierchen... ich meine, in wieviele Körbchen... jedenfalls, es war ja nur so eine... Überlegung. Puuuh.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenpocoos schreibt am 01.06.2007 um 22:56 Uhr:jüngere körbchen neigen zu jüngeren eierchen, das ist ein altes wahrheitchen.
    und freundlichkeit schadet nicht und die kluge frau baut vor (oder besser, dahinter).
    (eine reserve nämlich, for rainy days). ich habe gesprochen, howgh !
  2. zitierendieFee schreibt am 02.06.2007 um 16:18 Uhr:Schon mal was von Freunden gehört?! Sowas solls geben. Noch schwerer dran zu kommen als an Liebhaber und NOCH schwieriger, sie zu behalten. Aber zumindest ein ganz brauchbares Übergangskonzept um das Gewissen gegen allzu viele bad girl Gedanken zu feien…

    Und man darf durchaus auch ganz allgemein mit Leuten sprechen mit denen man keinen sexuellen Kontakt plant, haben möchte oder hatte.
  3. zitierensunnysightup schreibt am 02.06.2007 um 17:07 Uhr:Interessant, dass solche Gedanken immer dann aufkommen, wenn man sich in Sicherheit wiegt...
  4. zitierensimetra schreibt am 02.06.2007 um 17:52 Uhr:geben sie we doch eine ordentliche chance, ohne sich ein hintertürchen offen zu lassen. es läuft doch offensichtlich wirklich gut, oder? und überlegen sie doch mal, fänden sie es ok, wenn sie feststellen würden, dass we sich ein jüngeres körbchen als "sicherheit" hält? würde natürlich ins schema passen, dann wären sie wieder die unerwidert liebende, die beschissene, die verlassene.

    jaja, ich bin jetzt hier wieder der moralapostel (sorry), aber egal wie man das zusammensein von zwei menschen definiert, ob nun "nur" bettgeschichte oder beziehung oder was auch immer - meiner meinung nach sollte fairness immer dabei sein.
  5. zitierenSally schreibt am 02.06.2007 um 18:01 Uhr:@dieFee - womit wir wieder bei der alten Frage wären: Können Männer und Frauen Freunde sein?
  6. zitierenpocoos schreibt am 02.06.2007 um 18:37 Uhr:@simetra: womit wir wieder bei der basisfrage wären: wieviel vertrauen soll man investieren ? (vor allem, wenn man in der vergangenheit zuviel investiert hat)
  7. zitierendieFee schreibt am 02.06.2007 um 23:28 Uhr:@Sally: Ich gebe die Hoffnung einfach nicht auf. ;-) Wobei ich nicht so weit gehen würde, den Freunden (in spe) jegliche sexuelle Attraktion absprechen zu wollen. Im Gegenteil. Aber ich möchte auch nicht auf den reichen Kontakt zu wundervollen Menschen verzichten, dann schon lieber auf den sexuellen (mit denselben!).
  8. zitierensimetra schreibt am 04.06.2007 um 08:48 Uhr:@pocoos: da gebe ich dir recht, das ist ein schwieriger punkt, für den es kein allgemeingültiges rezept gibt. ich war nie jemand, der gesagt hat, "ich bin so oft verletzt worden, also vertraue ich nicht mehr". ich habe mich immer vorbehaltlos auf neues eingelassen. oft mit herben verlusten, aber letzten endes dann auch mal mit gewinn ;o)

    es ist halt die frage, wodurch man sich mehr kaputt bzw. das leben schwer macht - mit zuviel oder zuwenig vertrauen.

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