Spiel und Sieg.
Endlich Morgen. Ich habe kaum geschlafen und sitz schon kurz nach dem Aufwachen im Auto auf der Rückbank Richtung Stadion. Derbyspiel. Eigentlich freu ich mich jedes Mal auf ein Spiel und gegen den verhassten Verein sowieso, aber heute ist es seltsam, heute ist es anders, es ist mir egal. Alles ist mir gerade egal, denn meine Träume waren leer heute Nacht genau wie mein Inneres. Habe ich gestern wirklich diesen Mann getroffen, bin ich diesem Menschen wirklich begegnet oder war das der eigentliche Traum. Keine SMS. Kein Anruf. Aber was wollte er auch von mir? Er, der sportliche Typ mit Sixpack, Stiernacken, blauen Augen, blondem Haar und diesem charmantem Lächeln und ich, die 94 Kilo Frau, mit Durchschnittsfrisur, unsportlich und Langweile versprühenden Aura. Mich hat noch niemand in der Disco angesprochen oder auf der Straße nachgepfiffen. Das war ok, weil ich einen Mann hatte, einen tollen und es mir egal war, was die anderen Männer dachten in ihrer Oberflächlichkeit und ihrer 90-60-90 Fantasie, die mindestens 95 % der Frauen nicht erfüllten. Es war mir egal. Nur nicht jetzt. Jetzt gerade wünschte ich mir, dass er mich anspricht, dass er mir nachpfeift, mich toll und attraktiv findet und nicht langweilig und fett. Fett. Jetzt komme ich mir richtig dumm vor. Mia, hast Du ernsthaft geglaubt dieser Mann könnte sich in dich verlieben? Hast du? Ja Du hast. Wie Armseelig. So ein Mann könnte jede Frau bekommen und zwar wirklich Jede. Mia mein Baby was ist los mit Dir Du bist heute so still freust Du Dich nicht auf das Spiel? Was? Ach ja. Ich sitz ja im Auto und wir sind auch schon fast da. Freddy hat sich vom Beifahrersitz nach hinten umgedreht und redet mit einem zarten lächeln und dieser kindischen Vorfreude auf seine Lieblings- Fußballmannschaft wohlwollend auf mich ein. Er weiß, dass mich diese Samstagsspiele absolut nerven, weil ich eben eine Frau bin und dann lieber mit ihm shoppen gehen würde als mehrere Stunden im kalten Stadion zu stehen und mir den Arsch abzufrieren. Andererseits fährt er schon lange nicht mehr zu den Auswärtsspielen, was die Hälfte der Samstage schon mal sichert. Trotzdem. Manchmal ist es schwierig mit einem Fußballbekloppten zusammen zu sein. Nein Hase, alles ok, bin ein wenig müde und hab hunger ansonsten ist alles gut. Nichts war gut, aber was sollte ich sagen, schließlich wusste weder er was in mir vorgeht, noch konnte ich offen sprechen, da sein Vater direkt neben ihm auf dem Fahrersitz saß und uns wie immer brav zu dem Spiel fährt, damit Freddy auch sein Halbzeitbier trinken kann. Perfekt. Steck doch mal dein Handy weg und hör auf zu texten, das macht mich wahnsinnig und Du verlierst das Ding gleich noch, obwohl dann hätte ich endlich meine Ruhe, heute Nacht hast du auch ständig damit geleuchtet und mich genervt, wartest Du auf eine bestimmte Nachricht? Vor Schreck lass ich das Handy los, was direkt in meinen Schoß fällt und starre Freddy mit einem erschrockenen Gesichtsausdruck an, der mich allemal verraten musste, dass ich mich ertappt fühlte. Weiß er was? Hat er meine Nachrichten etwa gelesen? Wir sind da, am besten ihr steigt hier aus, da vorn ist zu voll, ich hole euch dann um 18:00 Uhr genau hier wieder ab. Viel Spaß. Freddys Papa längt den Wagen halb von der Straße auf den Gehweg, um uns raus zulassen. Wenigstens kann ich jetzt diesem blöden Gespräch aus dem Weg gehen. Ich will gerade mein Telefon in meine Jacke stecken, da bemerke ich es. 1 neue Kurzmitteilung. Mein Herz bleibt fast stehen und ich habe Angst diesen Knopf zu drücken. Doch dann besiegt innerhalb von Sekunden die Neugier meine Angst und schon öffnet sich der Text auf meinem Handy. Die Nachricht ist von ihm.
Hallo Süße. Hoffe Du hast gut geschlafen. War ein schöner Tag gestern und ich freue mich, dass wir uns endlich getroffen haben. Du bist wirklich süß. Fischis.
Süß? Hat er gerade gesagt, dass ich süß bin? Ja! Mein Herz macht einen riesen Sprung mit einem Mal habe ich die beste Laune dieser Welt, strahle über beide Ohren und würde am liebsten schreien. Ja. Er findet mich süß und es hat ihm gefallen. Er denkt an mich und sicherlich treffen wir uns nochmal. Ich kann mein Glück kaum fassen.
Ja endlich kommst du auch mal in Stimmung und jetzt komm, sonst kriegen wir unseren Stammplatz nicht. Freddy nimmt mich bei der Hand und schleift mich hinter sich her ins Stadion. Das Spiel beginnt. Sieg.
