Stimmung: Wie der Titel schon sagt...
Musik: Loreena McKennit - Beneath a Phrygian Sky
(c) Siegfried Fries/pixelio
Es ist merkwürdig. Beruflich läuft es gerade gut und erstaunlich stressfrei. Mein Garten erfreut mich mit seiner herbstlichen Pracht. Ich schwelge in schönen Büchern und wohlig warmer Kleidung. Meine Wohnung ist aufgeräumt, sauber und gemütlich. Alles ist wunderbar. Und dennoch bin ich dieser Tage eher gedämpfter Stimmung. Die Sehnsucht hält mein Herz umfangen. Unser Abschied kam in diesem Jahr ungewöhnlich früh und abrupt. Mein Liebster hat sich entschieden, eher als geplant nach Graz zurückzukehren, um dort endgültig die Weichen für unsere gemeinsame Zukunft zu stellen. Mich hat sein Entschluss in einen lähmenden Zustand der Ungewissheit und des Wartens versetzt. Es fällt mir unglaublich schwer, mich zur Umsetzung lang geplanter Vorhaben wie etwa der Durchsicht und Neuorganisation meines Papierkrams aufzuraffen. Die Briefe an liebe Freunde, die ich schon so lange verfassen wollte, bleiben ungeschrieben. Selbst mein Tagebuch rühre ich kaum an. Mein Elan reicht gerade für die Notwendigkeiten des Alltags, für Routinearbeiten und kleinere Pflichten. Ich bewege mich in einem nebulösen Zwischenraum, der sich aus Wehmut und Abschied nährt. Der Sommer geht zur Neige, die feuchte Herbstluft lässt mich frösteln und die letzten warmen Sonnenstrahlen sind nur ein schwacher Trost, weil ich sie allein genieße. Ich kann mir nicht helfen. Ich vermisse ihn.
Astern - schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.
Noch einmal die goldenen Herden
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?
Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du -
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu.
Noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewissheit wacht:
die Schwalben streifen die Fluten
und trinken Fahrt und Nacht.
~ Gottfried Benn