Sternentanz

07.04.2010 um 10:25 Uhr

Happy Birthday, kleines Blog!

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Musik: Barbra Streisand - The Way We Were

 (c) Almut Bieber/pixelio

Heute auf die Minute genau vor fünf Jahren fing alles an. Damals wagte ich den Schritt in die Öffentlichkeit, hinaus aus den Seiten meines Tagebuchs und munter hinein ins Web 2.0. Mein Garten war damals noch leer und kahl und meine Wohnung erholte sich gerade von einem deftigen Wasserschaden. Ich schwelgte in einer zarten Liebesgeschichte, die, wie ich schon damals wusste, nicht von Dauer sein würde und mir dennoch unendlich kostbar war. Auch der Mann, den ich heute liebe, begleitete schon meinen Weg, obwohl ich nicht im Geringsten ahnte, dass aus uns beiden eines Tages ein Liebespaar werden sollte. Anfangs dümpelte mein Blog noch weitgehend unbeachtet im Blogigo-Einheitsbrei umher, doch wie so oft befeuerte ab Herbst 2005 der unvermeidliche Liebeskummer das allgemeine Leserinteresse. In dieser Zeit begann ich oft und regelmäßig zu bloggen. Wie schon für viele andere hier wurde das Bloggen für mich zu einem wichtigen Heilmittel, um meinen Kummer zu bewältigen. 

Im September 2005 kam es auch zur ersten persönlichen Begegnung zwischen mir und meinem Liebsten - wobei ich noch immer nicht den leisesten Schimmer hatte, dass mir soeben der Mann meines Lebens über den Weg gelaufen war. Parallel zu meinem Liebeskummer hatte ich in diesen Monaten auch mit meiner Doktorarbeit zu kämpfen, die ich noch im gleichen Jahr über die Bühne bringen wollte. Und im Oktober 2005 verewigte sich Constanze in meinem Gästebuch. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft! Damals kommentierte sogar mein Schatz noch auf meinem Blog. Kein Wunder, bahnte sich doch in den letzten Monaten des Jahres 2005 unsere Liebe ihren Weg, die schließlich zur Jahreswende 2005/2006 nach einem ersten Wiedersehen ihre Erfüllung fand. Die Erfahrungen der vergangenen Wochen fasste ich einige Tage später in einem wunderschönen Märchen zusammen und entdeckte Parallelen zu bereits existierenden Geschichten. 

Mit dem Bestehen meiner Doktorprüfung fiel im Februar eine zentnerschwere Last von mir ab. Danach war ich endlich wieder frei, mich mit Dingen zu beschäftigen, die mich wirklich interessierten, zum Beispiel mit Matriarchatsforschung, Büchern, beglückenden Begegnungen, albernen Spielereien und immer wieder mit der Liebe. Mit einer umfassenden Analyse meiner Liebeserfahrung ging schließlich mein erstes Jahr als Bloggerin zur Neige.    

Zur Feier des Tages habe ich alle Bilder der Einträge bis April 2006 repariert und wiederhergestellt, damit auch jene, die vielleicht erst später dazugestoßen sind, sind noch einen Eindruck von jenen Tagen verschaffen können. (Die kleine Linksammlung wird unter Umständen fortgesetzt.)

02.04.2010 um 09:01 Uhr

Grober Schnitzer

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Sonnensehnsüchtig und rückensteif
Musik: Michael Bublé - I'm Your Man

 (c) sparkie/pixelio

Ich habe meine Geschichte bestimmt schon 47-mal Korrektur gelesen, und trotzdem ist mir erst gestern ein gewaltiger Schnitzer in der Handlung aufgefallen, über den ich wirklich schon früher hätte stolpern müssen. Aber selbst meine beiden Lektorinnen haben ihn nicht bemerkt, und vielleicht ist er ja doch nicht so offensichtlich, wie er mir vorkommt. Aber seit mir die Unachtsamkeit aufgefallen ist, kann ich meinen Blick nicht mehr davon wenden. Und nun zerbreche ich mir den Kopf, wie ich sie am elegantesten ausbügeln kann. Zwei Alternativen stehen zur Debatte: Tausche ich lediglich ein paar Begrifflichkeiten, muss ich mir über weitere Änderungen keine Gedanken machen, lasse mir aber damit eine interessante dramaturgische Zuspitzung entgehen. Falls ich die Idee jedoch aufgreife, muss ich sie auch in die bestehende Handlung einflechten, und das erweist sich gerade als ausgesprochen schwierig.

21.03.2010 um 17:02 Uhr

Schreibend die Welt neu erfinden

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Erleichtert
Musik: Alexandra - Illusionen

 (c) Rike/pixelio

Wenn ich das, was mir widerfährt, aufschreibe, erhält es eine neue Qualität. Es wird intensiver und distanzierter zugleich. Indem ich meine Geschichte erzähle, werde ich zur Gestalterin meines Schicksals, tauche bewusst ein in das Geschehen und gewinne gleichzeitig Abstand dazu. Es allein schon als Geschichte zu verstehen, verändert die Beschaffenheit des Erlebten. Vielleicht ist das der Grund, warum ich so gerne blogge und seit 25 Jahren Tagebuch schreibe.

20.03.2010 um 10:12 Uhr

Das literarische Duett

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Frühlingsfroh
Musik: Barbra Streisand - Ordinary Miracles

 (c) berwis/pixelio

Mittlerweile habe ich mich dazu durchgerungen, zwei sehr nahen, vertrauten Freundinnen meine Geschichte zu lesen zu geben. Das hat mich einiges an Mut gekostet und ich war doch ziemlich nervös, als ich die Texte losschickte. Immerhin liegt zweifaches Herzblut darin: Zum einen enthält die Geschichte inhaltlich eine hohe Selbstoffenbarungskomponente und zum anderen ist schon das Schreiben an sich eine ausgesprochen persönliche Angelegenheit. Ich entblöße mich nicht nur durch das, was ich erzähle, sondern auch dadurch, wie ich es tue. Die Worte und Formulierungen, die meiner Geschichte Gestalt verleihen, sind mindestens ebenso sehr Ausdruck meiner Persönlichkeit wie die Inhalte der Erzählung. Von daher bin ich ausgesprochen froh und erleichtert, dass ich bislang in erster Linie positive, ja, sogar begeisterte Rückmeldungen erhalten habe. Natürlich habe ich es mit wohlwollenden Leserinnen zu tun, aber da ich auch kritische Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge geerntet habe, gehe ich einfach mal davon aus, dass das Lob genauso ehrlich gemeint war.

Das größte Kompliment kam von jener Freundin, die meinte, dass sie beim Lesen streckenweise völlig vergessen habe, dass sie ja Korrektur lesen solle, so sehr sei sie ins Geschehen eingetaucht. Am Dienstag rief sie mich an und wir verbrachten Stunden damit, den Text durchzugehen, über ihre Anmerkungen und unsere Gedanken zur Geschichte zu reden, kleinere Unebenheiten zu glätten und lose Enden auszumerzen (von denen es zum Glück nicht allzu viele gab). Ich erzählte Anekdoten aus dem Entstehungsprozess und wir diskutierten gemeinsam über mögliche Hintergründe und Motive der handelnden Personen. Hach, was war das für ein vergnüglicher Abend! Unser literarisches Duett hat mir mindestens ebenso viel Freude bereitet wie das Schreiben selbst.

12.03.2010 um 18:15 Uhr

Lesen

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Wochenendvorfreudig
Musik: Mary Black - Cut By Wire

 (c) kladu/pixelio

Als ich ein junges Mädchen war, war ich eine richtige Leseratte. Ich las und las und konnte gar nicht wieder damit aufhören – ob es nun die Leuchtreklamen über den Läden meiner Heimatstadt, das Kleingedruckte auf der Ketchup-Flasche oder eben richtige Bücher waren. Ich las alles, was mir in die Hände fiel. Nur zu gut erinnere ich mich an jenen Nachmittag, als ich aus der Schule kam und anfing, 'Die unendliche Geschichte' zu lesen. Ich schlug das Buch auf, sprang mitten hinein in die Buchstaben und klappte die Buchdeckel erst wieder zu, als ich spät nachts den letzten Satz entziffert hatte. Die Welt um mich herum hörte auf zu existieren. Ich versank vollständig in Phantásien, nahm nichts anderes mehr wahr. Dunkel erinnere ich mich, dass meine Mutter mir etwas zu essen hinstellte, aber ansonsten löste meine körperliche Existenz sich gänzlich auf.

Noch heute bin ich dem geschriebenen Wort verfallen. Nach eindringlich erzählten Geschichten bin ich geradezu süchtig. Vielleicht ist das der Grund, warum ich kaum noch Belletristik lese, sondern mich eher der Fach- und Sachliteratur verschrieben habe. Wenn ich tatsächlich auf eine Erzählung stoße, die mich packt, dann geht es mir nämlich noch ganz genauso wie damals: Ich kann das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Nein, ich bin nicht dafür geschaffen, in der U-Bahn zu lesen. Bücher, die für mich als U-Bahn-Lektüre in Frage kommen, dürfen höchstens mittelprächtig sein (und dann langweilen sie mich meist zu Tode). Ansonsten kann es passieren, dass ich auch während der Arbeit darin herumblättere, und wenn ich abends nach Hause komme, werfe ich mich auf die Couch, lese das Buch in einem Rutsch zu Ende, und dann wars das auch schon wieder mit dem U-Bahn-Lesestoff.

Mein Liebster mag es gar nicht, wenn ich neben ihm auf der Couch lese, während er fernsieht. Denn er spürt, dass ich dann, obwohl körperlich nah und präsent, doch innerlich ganz woanders bin, weit fort, auf einer Reise in unbekannte Welten. Ich habe den Dreh noch nicht raus, wie ich wahres Lesevergnügen auf Dauer mit meinem Alltagsleben vereinbaren kann. Deshalb gönne ich mir nur von Zeit zu Zeit den bibliophilen Rausch. Dann aber genieße ich ihn von ganzem Herzen.

28.02.2010 um 22:58 Uhr

Fortsetzung folgt ... später

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Berührt
Musik: Beethoven - Symphonie Nr. 7 in A-Dur, op. 92 - 2. Allegretto

 (c) Angelina Ströbel/pixelio

Mein Liebster versucht mich gerade zu überreden, doch gleich eine Fortsetzung meiner Geschichte zu schreiben - und das, obwohl er den ersten Teil noch gar nicht gelesen hat. Er liefert mir schon fleißig Stoff für eine mögliche Fortführung der Handlung und erweist sich dabei als außerordentlich phantasievoll und erfindungsreich. Aber ich werde mich hüten, seinem Locken nachzugeben und von einem Schreibrausch gleich in den nächsten zu verfallen. Immerhin war das ein gewaltiger Ausnahmezustand, der anderen Bereichen meines Lebens beträchtlich Energie und Aufmerksamkeit abzog. Jetzt sind erst einmal  meine Herzensbeziehungen an der Reihe und mein aus dem Winterschlaf erwachender Garten, meine Steuererklärung und mein Frühjahrsputz, mein berufliches Engagement und mein körperliches Wohlbefinden. Alles zu seiner Zeit.

22.02.2010 um 20:59 Uhr

Wortverliebt II

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Voller Sehnsucht
Musik: Johannes Brahms - Klavierkonzert Nr. 1 in d-Moll, op. 15 - 1. Maestoso

 (c) Susanne Schmich/pixelio

Es gibt Worte, die sind zum Verlieben schön. Worte, die eine so vielschichtige Bedeutung in sich tragen, dass sie das Herz und die Phantasie beflügeln. Wenn ein einziger Begriff eine funkelnde Palette an Gefühlen heraufbeschwört, wenn er die Wirklichkeit in tausend Farben schimmern lässt und mit nur wenigen Buchstaben eine ganze Geschichte erzählt, dann schmelze ich dahin. Dann genügt ein einziger Ausdruck, um mich in sinnliche Stimmung zu versetzen. Innig ist so ein Wort. Wollt ihr mal hören, was Wiktionary dazu sagt?

Bedeutungen:
Leidenschaft besitzend, im Sinne von

[1] inständig und/oder flehend
[2] mit einem tiefen, intensiven Gefühl
[3] stürmisch, wild

Hach! *herzchenaugen*

Und täusche ich mich, oder ist das ein typisch deutsches Wort, eines, das es so, in dieser einzigartigen Bedeutungskombination, nur in der deutschen Sprache gibt? (Was mich wiederum daran erinnert, dass Michael Ende einst die Romantik als die erste und bislang einzige originär deutsche Kulturleistung bezeichnet hat.)

20.02.2010 um 00:43 Uhr

Ende

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Zufrieden
Musik: Ludwig van Beethoven - Symphonie Nr. 5 in c-Moll, op. 67 - 2. Andante con moto

  (c) nimkenja/pixelio

Mittlerweile bin ich den gesamten Text noch einmal durchgegangen, habe einzelne Passagen ausgearbeitet, manche gestrichen und andere grundlegend geändert. Mehr kann ich im Moment nicht tun. Wäre dies eine Publikation, die zur Veröffentlichung bestimmt ist, dann wäre es jetzt an der Zeit, sie von kundigen Augen lektorieren zu lassen. Aber da es nur ein kleiner, privater Seelenerguss ist, könnte man sagen, das wars. Mein herzerwärmendes Schreibprojekt, das mich den ganzen Winter über beschäftigt hat, ist hiermit abgeschlossen. Das Leben hat mich wieder. Nun kann der Frühling kommen. 

Natürlich kann es sein, dass ich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal anfangen werde, an den Kapiteln zu feilen, insbesondere dann, wenn mein Liebster den Text doch irgendwann liest und wir im gemeinsamen Gespräch die eine oder andere Idee noch weiterspinnen. Aber für den Augenblick bin ich satt. Satt und zufrieden. Es war schön. Und es ist gut, dass es vorbei ist. Jetzt haben endlich auch wieder andere Dinge in meinem Leben Platz. Umso mehr als der neu entstandene Raum schon verheißungsvoll zu schimmern beginnt...

09.02.2010 um 12:49 Uhr

Lesen, vergessen, fühlen

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Atemlos und berührt
Musik: Wolfgang Amadeus Mozart - Violinkonzert Nr. 2 in D-Dur, 2. Andante

 (c) jutta rother/pixelio

Seit heute Morgen bin ich im Netz unterwegs, lese Texte und Geschichten, die mir durch Mark und Bein gehen und schier den Atem rauben. Es ist unglaublich, zu welcher Schönheit sich die menschliche Sprache aufschwingen kann, wenn es darum geht, Gefühle und Empfindungen auszudrücken. Ich fühle mich ganz weich und zittrig nach meiner Lektüre - und verspüre eine unbändige Sehnsucht nach meinem Liebsten. Etwas mehr als 24 Stunden sind es noch bis zu unserem Wiedersehen. Ach, ich liebe ihn so sehr! 

06.02.2010 um 19:57 Uhr

Vor der Vollendung

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Feierlich
Musik: Barbra Streisand - All In Love Is Fair


(c) Günter Escher/pixelio

Es gibt im I Ging ein Zeichen, das 'We Dsi - Vor der Vollendung' heißt.
Der dazugehörige Orakelspruch lautet:

Vor der Vollendung. Gelingen.
Wenn aber der kleine Fuchs,
wenn er beinahe den Übergang vollendet hat,
mit dem Schwanz ins Wasser kommt,
dann ist das nichts, das fördernd wäre.

Heute Morgen ist mir wohl genau das passiert. Wie der kleine, unerfahrene Fuchs, der das Eis überquert und am Ende, kurz vor der Vollendung, doch noch einbricht, weil er unachtsam wird und zu schnell voran eilt, bin ich kurz vor Abschluss meiner Geschichte noch mit dem Schwanz ins Wasser geraten. Mittlerweile habe ich mich aber wieder gefangen. Ich habe die ersten Kapitel noch einmal gelesen und festgestellt, dass ich mit dem, was ich da geschrieben habe, doch ganz zufrieden sein kann. Es ist müßig, meine Art des Schreibens mit der anderer Autoren vergleichen zu wollen, weil jeder Schreibstil einzigartig ist und ich immer nur so schreiben kann, wie es mir und meinem Wesen entspricht. Das heißt nicht, dass sich meine Art zu schreiben nicht stetig weiterentwickeln ließe. Aber es hat dabei wenig Sinn, andere Schriftsteller kopieren zu wollen. Es ist meine Geschichte und ich habe sie auf meine ureigene Weise erzählt. Andere Geschichten, auch solche, die ich womöglich zu einem späteren Zeitpunkt noch niederschreiben werde, mögen einer anderen Erzählweise bedürfen, doch für diese hier habe ich genau den passenden Tonfall gefunden. Und nun, da die letzten Szenen zu Papier gebracht sind, da ich den Handlungsfaden vollständig ausgestaltet habe und die Rohfassung meiner Erzählung ausgearbeitet vor mir liegt, da ist mir doch ein wenig feierlich zumute.

06.02.2010 um 11:29 Uhr

Verloren im Nirgendwo

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Ausgeschlafen
Musik: Clannad - Darkmere


(c) Georges Bott/pixelio

Ist das normal, wenn sich ein größeres Kapitel dem Ende zuneigt? Plötzlich beginne ich an mir zu zweifeln. Ich lese Texte von anderen Autoren und mit einem Mal erscheint mir das, was ich selbst geschrieben habe, so klein, so unbedeutend, so belanglos. Angesichts des sinnlichen Zaubers, den manche Mitglieder der schreibenden Zunft scheinbar mühelos heraufbeschwören, erscheinen mir meine eigenen Worte plötzlich blechern und gewöhnlich. Die ständige Wiederholung des Ewiggleichen, der mangelnde Realismus, die absurden Dialoge, die fehlende Poesie - ich gehe hart mit mir ins Gericht. Oder liegt es daran, dass ich mit den letzten Szenen ringe? Nach all der Begeisterung der letzten Tage fällt es mir schwer, die Intensität auch in den wenigen verbleibenden Stunden noch aufrechtzuhalten.

Vielleicht sind meine Selbstzweifel aber auch schon die Geburtswehen der Überarbeitungs- und Verfeinerungsphase. Denn mit dem Abschluss des Handlungsstranges ist die Erzählung ja längst noch nicht fertig. Dies ist lediglich der Erstentwurf, die Rohfassung, die Basis, von der aus die eigentliche Geschichte sich entfalten kann. Und man darf auch nicht vergessen, dass ich jetzt wochenlang abgeschnitten war von der wichtigsten Quelle meiner Inspiration. Die Ankunft meines Liebsten wird sicher auch meine Imagination wieder neu entfachen. Vielleicht sollte ich mein kleines Kreativitätstief einfach nutzen, um mal wieder gründlich meine Wohnung zu putzen.

05.02.2010 um 01:19 Uhr

Endspurt

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Verliebt
Musik: Barbra Streisand - This Is One Of Those Moments

 (c) Klaus Steves/pixelio

Bald ist es soweit. In wenigen Tagen werden mein Liebster und ich uns wiedersehen. Bis dahin möchte ich die Rohfassung meiner Geschichte beendet haben. Tatsächlich ist das Ende mittlerweile in greifbare Nähe gerückt. Nur noch einige wenige Szenen warten darauf, formuliert und ausgearbeitet zu werden. Heute hatte ich sogar schon vor Mitternacht mein Soll erfüllt. Dass es nun trotzdem wieder ein Uhr geworden ist, liegt daran, dass ich nach dem Schreiben immer noch ein wenig nachlese und mich bei mittlerweile über 130 Seiten ganz gerne mal festlese. Es ist eine wirklich schöne Geschichte. Mir jedenfalls gefällt sie ausgezeichnet - was auch nicht weiter verwundert, ist sie doch Ausdruck meiner innersten Seele. Sie ist voll großer Gefühle, voller Pathos und Inbrunst, und sicher ist auch eine ordentliche Prise Kitsch dabei. Aber mei, so bin ich halt.

25.01.2010 um 20:56 Uhr

Schreiben als Kommunikationsersatz

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Übernächtigt
Musik: Leonard Cohen - Hallelujah

 (c) wrw/pixelio

Im Grunde trifft es sich ganz gut, dass ich so in meinen Wortwolken versunken bin. Mein Liebster hat nämlich gerade überhaupt keine Zeit für mich. Er ist gänzlich abgetaucht, hat nur noch Augen und Ohren für seine Verpflichtungen und ist so wortkarg wie schon lange nicht mehr. Das erste, was ich höre, wenn ich ihn anrufe (oder er anruft), ist der Satz "Ich hab nicht viel Zeit", und wenn ich versuche, ihm freundlich zu entlocken, was er eigentlich den lieben langen Tag so macht, dann weicht er mir so kunstvoll aus, dass es eine helle Freude ist. Mein Schatz ist in der Lage, eine Frage derart einsilbig und unbestimmt zu beantworten, dass unsere Wortwechsel nicht einmal mehr den Begriff 'Gespräch' verdienen. Es handelt sich dann nur noch um Rudimente eines Gespräches.

Ich meine das gar nicht böse. Ich kenne ihn mittlerweile gut genug, um diese Reaktion einordnen zu können, und nehme sie nicht persönlich. Aber nichtsdestotrotz sind solche Phasen oft bittere Durststrecken für mich, lange, unerquickliche Fastenzeiten, die meiner wortverliebten Seele allerhand abverlangen. Nicht so in diesen Tagen. Wenn mein Schatz mich mal wieder mit einem lakonischen Brummeln abspeist, setze ich mich einfach hin und schreibe einen geschliffenen Dialog. Gerade unterhalten sich meine Protagonisten beispielsweise über ein Buch, das ich kürzlich gelesen habe, und tauschen ihre Ansichten darüber aus. Meinem Liebsten bräuchte ich mit so etwas gar nicht erst zu kommen. Aber das Schreiben bietet mir die ideale Ersatzbefriedigung, um ein mangelndes Gegenüber zu kompensieren. *g*

22.01.2010 um 20:18 Uhr

Bloßfüßig

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Verliebt
Musik: Tarkan - Ikimizin Yerine

 (c) GRASHOFdesign/pixelio

Manchmal tut sich das Österreichische mit bezaubernden Worten hervor. Ich jedenfalls bin hin und weg vom österreichischen 'bloßfüßig', dem das deutsche 'barfuß' einfach nicht das Wasser reichen kann.

16.01.2010 um 23:46 Uhr

Eine Sonate für zwei Liebende

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Inspiriert
Musik: Loreena McKennit - Lullaby

Jahrelang habe ich darüber nachgedacht, ein populärwissenschaftliches Fachbuch zu schreiben, einen praktischen Ratgeber oder einen Leitfaden zur Selbsterfahrung, bezogen auf das Fachgebiet, in dem ich seit vielen Jahren tätig bin. Und nun, da die Muse mich so plötzlich und unerwartet geküsst hat, wird es plötzlich ein Roman oder vielleicht eher eine Novelle, in jedem Fall eine rauschende, erotische Liebesgeschichte. Es ist kein Text, den ich je veröffentlichen könnte. Dazu ist er viel zu persönlich, viel zu privat, viel zu stark inspiriert von den Erlebnissen mit meinem Liebsten und streckenweise wohl auch zu explizit. Nichtsdestotrotz ist es eine helle Freude, diese Geschichte zu schreiben. Während ich mich am roten Faden entlanghangele, webe ich einen dichten Teppich aus Worten, lasse ungeahnte Muster entstehen und staune mitunter selbst über die Szenen, die sich dabei entfalten. Über hundert Seiten und mehr als 60.000 Wörter umfasst meine Erzählung schon und ich bin bei weitem noch nicht am Ende. Seit Wochen schreibe ich. Wenn ich aus der Arbeit komme, setze ich mich an den Computer und beginne zu tippen und ich höre nicht wieder damit auf, bis ich spätnachts todmüde und glücklich ins Bett falle. Es ist, als wäre ich verliebt - genauso sprühend und sprudelnd und manisch wie in der Zeit der ersten Liebe. Hach, schön!

They say if you love someone
Then set them free
If they come back again
Then in the end
It was meant to be.

~ Some Good Things Never Last

Wortwolke by www.wordle.net

12.01.2010 um 01:40 Uhr

Versunken

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Wie der Titel schon sagt...
Musik: Jamie Cullum - All At Sea

 (c) Wikipedia

Schreibend entfliehe ich der Welt. Versunken und träumend tauche ich in der Anderwelt wieder auf. Wann hatten mich Erato und Kalliope das letzte Mal derart am Wickel? Schlaf und Essen werden zweitrangig, meinem Beruf gehe ich nur nebenbei nach. Ich schwelge in Worten, Bildern, Gefühlen. Irgendwann treibt die Erschöpfung mich ins Bett. Dann reiße ich mich schweren Herzens los von den Gestaden meiner inneren Wirklichkeit, doch nur, um im Traum die Geschichte weiterzuspinnen...

09.01.2010 um 15:25 Uhr

Schreiben

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Zärtlich
Musik: Leonard Cohen - A Thousand Kisses Deep

 (c) Moreinput/pixelio

Schreiben ist, als würde man eine Geschichte lesen, während sie entsteht. 

08.01.2010 um 18:34 Uhr

Wortverliebt

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Verwunschen
Musik: Vivaldi - Violinkonzert in f-Moll, op. 8/4, "Die vier Jahreszeiten: Winter" - 2. Largo

Es gibt Geschichten, die sind so schön, dass sie dir den Atem rauben. Worte, die sich in flüssige Glut verwandeln. Bilder, die ein Feuerwerk an Gefühlen entzünden. Formulierungen, bei denen du weiche Knie bekommst. Ich liebe solche Geschichten. Kein Film und kein Foto erreicht je die magische Wirkung geschriebener Worte.

23.12.2009 um 21:03 Uhr

Thesaurus

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Musik: Tarkan - Basina Bela Olurum

Ich versinke in Wortwolken. Schreibend gestalte ich meine Tage. Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, schalte ich als erstes den Computer ein und verschmelze mit der Tastatur, nur unterbrochen von gelegentlichen Anrufen meines Liebsten, bis ich gegen Mitternacht oder sogar noch später todmüde ins Bett falle. Und doch kann ich nicht davon lassen. Ich tanze mit den Worten und manchmal ringe ich auch mit ihnen. Oft genug ahne und spüre ich, dass der gewählte Begriff noch nicht der richtige ist. Er trifft es so ungefähr, seine Bedeutung stimmt, und doch weiß ich, dass er nicht dort hingehört. Ich brauche einen anderen Klang, eine andere Nuance, eine andere Stimmung. Dann bin ich dankbar, dass es den Thesaurus gibt, der ein ganzes Meer an Vokabeln über mir ausgießt. Ich springe hinein und tauche nach dem passenden Ausdruck. Und wenn ich ihn gefunden habe, dann fühlt es sich an, als hätte ich einen Schatz gehoben. (Wortwolke by www.wordle.net)

18.12.2009 um 19:29 Uhr

Erotik in Wort und Bild

von: Nimien   Kategorie: Wortwebereien

Stimmung: Versunken und traumverloren
Musik: Michael Crawford - Music Of The Night

 (c) Sunny6/pixelio

Neulich stieß ich auf ein Blog, in dem eine Frau von ihren sexuellen Erfahrungen berichtete und außerdem erotische Bilder und Videos verlinkte. In ihren Beiträgen fasste sie das, was in den Videos zu sehen war, in eigenen Worten zusammen. Ihre Beschreibungen waren sinnlich und erregend und machten Lust auf mehr. Wenn ich dann aber das eine oder andere Video anklickte, musste ich enttäuscht feststellen, dass die explizite Darstellung des Beschriebenen für mich an Wirkung verlor. Worte machen mich wesentlich mehr an als Bilder. Sie setzen meine Kopfkino in Gang, transportieren Stimmungen und Emotionen und wecken dadurch meine Phantasie. Deshalb lese ich auch wesentlich lieber erotische Literatur, als mir Pornofilme anzuschauen.