Nach dem Telefonat...
Eigentlich sollte ich ernsthaft arbeiten, aber ich muss zuerst mal meinen Kopf frei bekommen.
Am Freitag habe ich zum ersten Mal mit C. telefoniert. Ich war wahnsinnig aufgeregt, und habe versucht dem Gespräch durch banales Verhalten die Wichtigkeit zu nehmen. Ich habe nebenbei gebadet, meine Beine rasiert, eine Maske aufgetragen... ganz alltägliche Dinge. So hatte ich auch was zu tun, ansonsten wäre ich während des Gesprächs unruhig durch die Wohnung getigert. Das Gespräch selbst lief ganz gut. Wir haben uns nett unterhalten, etwas rumgealbert, Informationen ausgetauscht. Aber ich habe auch schon Dinge bemerkt, die mich stören (könnten): Er redet manchmal zu viel, und lässt mich gar nicht zu Wort kommen. Das habe ich aber schon beim Chatten bemerkt. Und manchmal drückt er sich sehr gestelzt aus. Auch das ist mir schon beim schriftlichen Kontakt aufgefallen. Aber ich denke, das sind Kleinigkeiten. Vor allem sind es vermutlich Dinge, die sich im Laufe der Zeit und des Kennenlernens verflüchtigen. Die gewählte Ausdrucksweise - möglicherweise gehört das zum Anfangsprogramm des "Sich-von-der-besten-Seite-zeigens". Und das viele Reden... sicher Unsicherheit. Um diese zu überspielen. Nervosität. Ich rede auch viel, wenn ich unsicher bin und nicht so richtig weiß, was ich von einer Situation halten soll. Auf jeden Fall sind das Dinge, die nicht sofort zu einem "nein" führen. Sowas zeigt sich erst im persönlichen Aufeinandertreffen. Außerdem hat er eine angenehme Stimme. Heute abend telefonieren wir wieder. Ich denke, ich freu mich darauf.
Wir haben auch schon ein erstes Treffen ausgemacht, also das Wo und Wie geklärt. Das Wann allerdings nicht, denn damit wollen wir uns noch etwas Zeit lassen. Wir haben beide Angst davor. Er hat Angst, er könnte meine, seiner Meinung nach hohen, Erwartungen nicht erfüllen. Und ich habe in erster Linie Angst, dass es nicht klappt. Dass das gute Gefühl, welches ich jetzt bei ihm habe, beim persönlichen Kennenlernen weg ist. Warum muss das alles so schwer sein? Es ist einfach blöd, dass er so weit weg wohnt. Man kann sich eben nicht spontan auf einen Kaffee verabreden und gucken, wie's läuft. Man muss sich schon relativ sicher sein, und die Erwartungen steigen immer mehr. Heute morgen hatte ich eine kleine Panikattacke, als mir bewußt wurde, wie weit er weg ist. Sollte es funken beim ersten Treffen, wie soll das dann laufen? Keiner von uns kann es sich wirklich leisten, ständig zum anderen zu fahren. Und die nächsten drei Monate wird sich weder an meiner, noch an seiner örtlichen Situation etwas ändern. Bei J. war das alles so praktisch... Wenn man sich am Anfang eher selten sieht, kann dann überhaupt die notwendige Nähe entstehen? Dann ist mir aber das Wochenend-Ticket eingefallen, und außerdem, dass ich die Sache entspannter angehen muss. Einfach erstmal sehen, was passiert, wenn wir uns treffen. Und bis dahin lernen wir uns per Telefon und Chat besser kennen.
Gestern habe ich meiner besten Freundin von C. erzählt. Sie sieht die Sache genau wie ich: das persönliche Treffen ist entscheidend. Was davor war, zählt in dem Moment nicht mehr. Aber sie hat mich ermutigt, die Sache erstmal langsam so weiterlaufen zu lassen. Und ganz entspannt zu bleiben. Das sagt sich so einfach...
Ach so, der nette junge Mann, der mir eine längere Mail geschrieben hatte... Ich hatte nicht sofort geantwortet, weil ich ja noch Bedenken hatte. Nach zwei Tagen (!) bekam ich eine zweite Mail von ihm. Er war sauer und schmollt, weil ich nicht geantwortet habe. Kindskopf. Ich habe mich natürlich sofort angegriffen gefühlt und ihm geantwortet. Ich habe ihm erklärt, dass ich momentan nicht soviel Zeit habe und außerdem mit jemand anderem in engem Kontakt stehe. Dass er sich noch etwas gedulden soll. Daraufhin hat er mich von seiner "Favoriten-Liste" gelöscht. Gut, dann werde ich ihm wohl nicht mehr antworten.
Was mir noch Sorgen macht... Ich denke nach wie vor sehr viel an J. Ich glaube nicht, dass ich ihn noch liebe. Naja, ich hoffe es zumindest. Aber ich vermisse ihn immer noch sehr. Oder zumindest die gemeinsame Zeit. Und ich habe sehr große Angst, dass ich nur mit C. anbandele, weil ich J. eins auswischen will. Als Trost, und aus Verzweiflung. Weil ich solche Angst habe, allein zu bleiben. Ich hoffe sehr, dass es nicht so ist, bin mir aber nicht hundertprozentig sicher. Auch das ist etwas, was sich erst beim ersten Treffen zeigen wird. Wir sollten damit wirklich nicht mehr allzulange warten...
