Mission Prinz

28.03.2009 um 09:57 Uhr

Dürfen die dat?

Was ich mich gerade frage: Dürfen Chefs das Internet-Verhalten ihrer Angestellten überwachen? Und genau nachlesen, auf welchen Seiten die waren und was sie dort gelesen haben? Und dem Angestellten dann eine Abmahnung wegen privater Nutzung des Internets geben? Hmmm... Gab's da nicht erst kürzlich eine Diskussion und ein Urteil? Mir ist so, als hätte ich was dazu gelesen, irgendwo... Hier sind doch soviele, die vom Bürocomputer aus bloggen...

28.03.2009 um 09:53 Uhr

Eigentlich überflüssig...

... aber trotzdem:

Alles Gute zum Geburtstag, Dr. Jekyll! 

(Leider habe ich ein megamäßig gutes Gedächtnis und vergesse nie einen Geburtstag von jemandem, der mir etwas bedeutet oder bedeutet hat. Oh... mir fällt gerade auf, den von Garfield weiß ich immer noch nicht so richtig... 27. Oktober? Verdammt... Aber ist ja auch nicht genau eine Woche vor meinem und damit superleicht zu merken. Gilt das als Entschuldigung?)

26.03.2009 um 23:41 Uhr

Männer und Frauen...

Gerade bin ich sehr froh, allein zu leben bzw. eine Fernbeziehung zu führen. Ich sitze im Bett, die Haare zerzaust, Zahnpastaflecken im Gesicht. Soll ja angeblich gegen Pickel helfen... hat auch hin und wieder schon gewirkt. Kennt nicht irgendeine/r hier ein supertolles todsicheres Mittel gegen Pickel? Seit ich die Pille nicht mehr nehme fühle ich mich manchmal wie ein Teenager... Wütend

Heute habe ich wieder einmal am lebenden Objekt den riesengroßen Unterschied zwischen Männern und Frauen beobachten dürfen. Das Objekt war mein kleiner großer Bruder. "Klein" ist er leider nur vom Alter her - er ist zwei Köpfe größer als ich. Vor zwei Wochen habe ich von meiner Mutter erfahren, dass er und seine Freundin sich getrennt haben. Die beiden waren anderthalb Jahre zusammen und ganz süß. Erste große Liebe und so. Meiner Mutter hatte Brüderchen nur die Trennung mitgeteilt - ist ja sinnvoll, schließlich nähern sich Ostern und der Geburtstag der, nun, Ex-Freundin. Und meine Mutter hatte schon ein kleines Geschenk besorgt... Das war auch ihre erste Sorge, als sie mir die "frohe Botschaft" verkündete. Leider wußte sie keine Details, also weder wer sich von wem getrennt hat, noch warum oder ob wenigstens "im Guten", wie man so schön sagt. In der Hoffnung, mehr zu erfahren, lud ich Brüderchen zu mir ein. Und auch, weil ich mich noch sehr gut an meine letzte Trennung erinnere und weiß, dass man bzw. frau jede Abwechslung begrüßt. So ganz allein zu Hause, da fällt einem dann schon die Decke auf den Kopf. Heute nun also lud Brüderchen sich bei mir zum Mittagessen ein und ich war sehr gespannt. Normalerweise reden wir ja nicht über sowas... Aber ich war die Erste in der Familie, die von der Freundin wußte, damals... Andererseits hat Brüderchen nie auch nur ein Wort über Dr. Jekyll oder die Trennung verloren. Keine Fragen, keine Kommentare, nichts. Er hat es zur Kenntnis genommen, seiner Freundin erzählt (Die mich dann natürlich nach Details fragte... SO sind Frauen!), und gut. 

Mein Bruder war über zwei Stunden bei mir und hat es geschafft, nicht ein einziges Wort über die Trennung zu verlieren. Ja, er hat C.s Namen einmal erwähnt, als wir über Harry Potter redeten, aber ohne irgendeine Regung. Zwei Wochen nach der Trennung wirkte er wie immer, vielleicht etwas redseliger. Immerhin hat er mir erzählt, dass er über einen Wechsel des Studiengangs nachdenkt. Wußte ich doch gleich, dass Maschinenbau ihn nicht glücklich macht. Auch wenn es ein Studium mit Zukunft ist, jaja. Er denkt jetzt an Psychologie... Wie schön, dann habe ich einen in der Familie, falls ich irgendwann mal einen Therapeuten brauchen sollte. Dann haben wir - neben dem nächsten "Harry Potter"-Film, noch über Brüderchens Irland-Reise letzte Woche geredet, über unser Schwesterherz, über meinen baldigen Geburtstag und diverse Verwandtschaft. Dann ging mir Brüderchen noch handwerklich zur Hand und das war's. Kein Wort über C. Übrigens auch kein Wort über Garfield. Möglicherweise hat mein Bruder schon wieder vergessen, dass ich da mit jemandem zusammen bin.

Zum Vergleich mal dieselbe Situation bei einer Frau - bei mir vor einem Jahr zum Beispiel: Ich habe mit jeder Frau, die mir begegnete über die Trennung gesprochen. Alles analysiert: die Beziehung, Dr. Jekyll, die Trennung, die möglichen Gründe etc. Ich würde mal spontan behaupten, dass sehr viel schneller mehr Leute wußten, dass ich getrennt war, als vorher, dass ich in einer Beziehung war. Ich hatte einfach das ganz dringende Bedürfnis, mich mit jedem weiblichen Wesen auszutauschen. Meine Schwester, mit der ich sonst nie über solche Dinge rede, kam extra am Tag der Trennung abends nach Berlin, damit ich die Nacht nicht allein verbringen musste. Wir haben die halbe Nacht geredet, geheult, Erfahrungen ausgetauscht, sie hat mich in den Armen gehalten. Das war toll! Das wir beide uns nähergekommen sind, war der einzige positive Aspekt dieser Trennung! Danke, Dr. Jekyll... Und nicht nur Frauen fielen meiner Mitteilungswut zum Opfer, auch Männer! Ja, ich sprach sogar mit Schusselchens Freund, jetzt Ex-Freund, A. darüber. Das war auch mal spannend, die männliche Sicht zu erfahren. Übrigens, er hatte das Thema angeschnitten. 

Was ich damit sagen will, ist Folgendes: Frauen verarbeiten Trennungen (und auch sonst alles), indem sie darüber reden. Männer machen lieber alles mit sich aus und schweigen. Wie soll man bei solchen Diskrepanzen eigentlich ein harmonisches Zusammenleben hinbekommen?

Über Garfield gibt es (leider) keine Neuigkeiten. Er ist weit weg, wir sehen uns erst in einer Woche wieder. Wir telefonieren nur noch alle zwei Tage, statt täglich. Darauf habe ich bestanden, weil wir dann doch öfter diesen peinlichen Moment am Telefon hatten, wo wir uns nichts mehr zu sagen hatten. In 24 Stunden passiert nunmal nicht immer soooo viel. Jetzt ist es viel besser, denn in zwei Tagen sammelt sich zumindest bei mir einiges an Gesprächsstoff an. Wir sind dieses Mal 15 Tage getrennt, das ist die längste Zeit bisher. Ich gebe auch zu, ich vermisse ihn. Manchmal mehr, manchmal weniger. Oft habe ich Angst, ich vermisse vielleicht nur den Körperkontakt. Ich weiß auch nicht... Immerhin hatten wir ein wichtiges Gespräch, in welchem ich ihm erklären konnte, das mich seine unterwürfige Art sehr stört. War gar nicht so leicht, ihm das zu sagen. Welcher Mann hört schon gern, dass er vor (s)einer Frau kriecht? Aber genau das hatte er gemacht, immer und immer wieder. Ich stehe aber schon irgendwie auf die klassische Rollenverteilung und erwarte von einem Mann eine gewisse Dominanz. Nicht immer, aber oft. Garfield hat sich leider kein bißchen dominant verhalten bisher, sondern war mir treu ergeben wie ein Hund. Ganz ehrlich, sowas ekelt mich an. Natürlich hat er dieses Verhalten erstmal abgestritten - da ist er dann schon Mann! - aber schließlich eingesehen, dass ich Recht habe. Und er gelobt Besserung, weil er ja eigentlich nicht so ist. Er dachte eben, mir würde das gefallen, wenn er mir die Führung überlässt und alles für mich tut. Auch mal gegen seinen Willen. Aber das ist eben NICHT immer gut! Ich habe mich nämlich so sehr in ihm wiedererkannt. Damals, bei Dr. Jekyll habe ich mich genauso benommen. Ich bin gekrochen, habe mich total zurückgenommen, jedes Wort von ihm auf die Goldwaage gelegt und dahingehend hinterfragt, ob sich seine Gefühle für mich vielleicht geändert haben könnten. Ich habe mich wirklich zur Idiotin gemacht und mich im Nachhinein für mich selbst geschämt. Eine Beziehung funktioniert so auch nicht, denn wie war das bei "Keinohrhasen"? Entweder der Idiot merkt irgendwann, dass er der Idiot ist und bricht aus, oder der andere verliert den Respekt. Da hatte der Til wirklich mal wahr! Ich will nicht, dass es bei Garfield soweit kommt, deshalb habe ich ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er auf dem besten Weg ist, sich zu meinem Idioten zu machen. Wir werden sehen, ob sich was ändert... Ich denke, dass das einer der Punkte ist, die mich bisher, und vor allem in letzter Zeit, am meisten gestört haben. Wenn das also wegfällt - ja auch zu seinen Gunsten! - dann könnte vielleicht doch noch alles gut werden? Ich bin mir doch meistens sicher, dass wir durchaus Potential haben, als Paar...

24.03.2009 um 15:53 Uhr

A wie Arbeitsamt

Heute mal was ganz anderes, ich kann ja nicht immer nur über meine Beziehungsprobleme schreiben. Ich habe heute eine völlig neue Erfahrung gemacht.... (Trommelwirbel) ARBEITSAMT!

(Vorher nur kurz: Was ist das für ein Mistwetter??? Ich will Frühling, Sonne, Wärme, Röcke, rückenfreie Tops! Und was sehe ich da draußen? Sturm mit Schneegriesel! Gemein!)

Also, heute auf dem Arbeitsamt...

Ich bin ja nun mit meinem Studium fertig, bzw. mit Beginn des neuen Semesters am 1. April endlich keine Studentin mehr. Und das ist kein Aprilscherz! Wirklich fertig bin ich ja erst, wenn ich mein Zeugnis in Händen halte. Jedenfalls wäre der nächste Schritt, nach über einem Monat "ausruhen vom Schreibstress", sich eine Arbeit zu suchen. Eine richtige Arbeit! Jeden Tag mindestens acht Stunden keulen, richtig Geld verdienen, Stress, neue Herausforderungen. Hört sich in der Theorie logisch und einfach an, ist es praktisch aber überhaupt nicht. Zwei Dinge behindern mich:

1. Ich habe keine Ahnung, wie bzw. wo ich mich bewerben soll! Ich bin ja nun ein Schöngeist (Geisteswissenschaftler) und habe als solcher keinen "richtigen" Beruf gelernt mit meinem Studium. Leider, kann man da nur sagen. Zwar hatte ich mir während des Studiums ab und zu mal kurz Gedanken darüber gemacht, was ich denn danach mit meinem Abschluss machen möchte, aber so richtig klar wurde mir das nie. Ich dachte immer, das ist noch sooooo lange hin... Und überhaupt, als Geisteswissenschaftler hat man ein sooooo weites Feld von Arbeitsmöglichkeiten. Heute weiß ich: Dieses Feld ist nicht nur weit, es ist riesig. Nein, es ist ein Universum! Eine beängstigende, unüberschaubare Fülle an Möglichkeiten! Hätte ich doch bloß Jura studiert. Oder Medizin. Dann wäre ich jetzt was "Richtiges"... Oder wäre ich doch bei Lehramt geblieben... Wie konnte ich nur so doof sein, auf Magister zu wechseln? Egal, lässt sich jetzt nicht mehr ändern. Kurzum, ich weiß nicht wirklich, wie meine nächsten Schritte aussehen (sollten).

2. Mit dem Abschlusszeugnis, das kann noch dauern... Wie lange? Das weiß niemand. Dazu müssen ja erstmal ZWEI Uni-Dozenten meine Magisterarbeit lesen! Jaha! Wenn ich zum Schreiben schon sechs Monate gebraucht habe, dann brauchen die zum Lesen bestimmt... grob geschätzt... ein Jahr? Kleiner Scherz, aber leider nah an der Realität. Ich habe schon Horrorgeschichten gehört von Leuten, die ein Jahr auf ihr Zeugnis gewartet haben. Nur zum Vergleich: Ich habe im Oktober 2007 (!!!) meine Magisterprüfung geschrieben und bis heute kein Ergebnis gesehen. Ich dachte immer, das hätte ja Zeit. Schließlich musste ich sowieso noch die Arbeit schreiben. Nun ist die Arbeit fertig, über ein Jahr vergangen, und ich wollte mal nachfragen. Vorhin hatte ich die Sekretärin des Prüfers am Telefon. Als sie den Prüfungstermin hörte, rief sie sofort ihren Chef an. Bei meinem Rückruf eben erfuhr ich: DAS DING IST NOCH NICHT MAL BEIM PRÜFUNGSAMT!!! Dabei hatte ich mit dem Prüfer in den letzten Monaten mehrmals kurz darüber gesprochen, dass er ja auch noch meine Klausur hätte... Ich dachte, das wäre alles erledigt und ich müsste nur noch die Note erfahren! Naja, morgen bringt der Herr das Teil mit, die Sekretärin schickt es zum Prüfungsamt und alles wird gut. Hoffentlich! Dann erfahre ich auch die Note, ich soll morgen nochmal anrufen. Was für eine Sauerei! Wenn man da nicht immer wieder nachfragt... Und bei dem Mann habe ich auch die Magisterarbeit geschrieben... Meine Sorge ist also berechtigt! Und ich denke mal, kein Zeugnis = keine Bewerbung, oder?

Die zwei Probleme (Ahnungs- und  Zeugnislosigkeit) machten einen Weg zum Arbeitsamt unumgänglich. Erstens brauche ich dringend Hilfe bei der Berufswahl, und zweitens wird das Geld knapp. Mit meinem Nebenjob, Wohngeld und Unterstützung von den Eltern habe ich mich die letzten Monate über Wasser gehalten. Wenn ich nun aber keine Studentin mehr bin, will die Krankenkasse wesentlich mehr Geld haben, was mein Budget sprengen wird. Außerdem würde ich die Eltern gern endlich entlasten... Es hilft nichts, ich muss ALG II beantragen. Buhääää... ich werde Hartz-IV-Empfängerin Traurig Leider wird das auch heißen, dass ich meinen Job im Schmuckladen verliere, denn die stellen zumindest niemanden ein, der Leistungen vom Arbeitsamt bezieht. Mal gucken, wie das in meiner Situation aussieht, ich werde die Chefin morgen mit der Neuigkeit überraschen. Na, die wird sich freuen... Ich hätte mir den Gang zum Arbeitsamt ja auch gern erspart, aber es geht einfach nicht anders. Ein Vergnügen war das nämlich nicht:

Zuerst mal wußte keiner, wo ich eigentlich hin muss. Erstmal wollte ich ja nur beraten werden, ob sich der Antrag für mich lohnt etc. Die scheinen hier aber nicht oft mit Studenten zu tun zu haben, denn ich wurde von einem Büro zum anderen geschickt. An der Info schickte man mich zur Leistungsabteilung, dort hörte sich ein netter Herr am Kundenservice mein Anliegen an und schickte mich dann zu Büro X. An der Tür stand was von U25... Das bin ich nicht wirklich, nicht mal mit beide-Augen-zudrücken. Ich habe trotzdem gewartet, ich dachte, der Mann wüßte schon, was er tut. Immerhin hatte er meinen Perso, und damit mein Geburtsdatum, gesehen... Was für eine Erfahrung, die Jugendarbeitsvermittlung! Da saß eine Gruppe... wie nennt man das wohl politisch korrekt... Problemjugendlicher rum. Die zischten morgens um 11 mehrere Bier, pöbelten rum, redeten viel zu laut und, das war das Schlimmste, stanken ganz furchtbar! Eine Stunde mußte ich es neben denen aushalten, dann war ich endlich dran. Natürlich hatte ich recht, ich war bei der Dame nicht richtig. Sie war aber nett und "vermittelte" mich weiter. Nach einer weiteren halben Stunde saß ich endlich bei der zuständigen Beraterin im Büro. "Beraterin" ist gut... "beraten" hat die mich nicht! Sie war zwar sehr nett, hatte aber nicht wirklich Ahnung, was sie mit mir machen soll. Meine Fragen konnte sie auch nicht beantworten. Stattdessen bekam ich unbequeme Fragen gestellt:

Was haben Sie denn dann für einen Abschluss? (Ich HASSE diese Frage, weil ich nie eine konkrete Antwort darauf weiß! Peinlich!)

Was wollen sie denn ungefähr machen? (Tja... Ich bete mein Sprüchlein herunter, dass ich in den letzten Jahren schon so oft aufgesagt habe: Ach, ich bin da ganz offen, könnte mir so viel vorstellen. Wir Geisteswissenschlaftler können ja prinzipiell überall arbeiten. Medien, das wäre so ein Traum. Ansonsten Öffentlichkeitsarbeit, Verlagswesen, Tourismus. Personalbereich könnte ich mir auch vorstellen. Auf jeden Fall was mit Menschen. In der Wirtschaft gibt's auch jede Menge Schöngeister, wir haben schließlich jahrelang die ach so gefragten Soft Skills studiert. Alles was mit französisch- oder englischsprachigen Ländern zu tun hat käme in Frage. Also auch was im Handel. Ich sag's ja, ein weites, weites, WEITES Feld!)

Sie haben 7 Jahre studiert? (Ich werde rot...)

Aber Sie haben doch sicher Praktika gemacht, während des Studiums? (Ich möchte vor Scham im Boden versinken! Nein, habe ich nicht. Keine Lust, keine Motivation. Zeit wäre dagewesen, die Semesterferien sind schließlich lang genug. Ich Besserwisser hatte aber keine Lust mich ausbeuten zu lassen, also dachte ich, ich spare mir das. Wer braucht schon Praktika? Tja... die hätten mir bestimmt bei der beruflichen Orientierung geholfen...)

Die Beraterin war etwas ratlos, gab mir einen dicken Packen Formulare zum Ausfüllen und will mich in einer Woche wiedersehen. Um acht. Früh um acht! "Auschlafen", werden jetzt die Berufstätigen unter Euch denken. "Oje, so früh..." die Studenten. Ihr habt ja recht, ich habe lange genug gefaulenzt. Und ausgeschlafen. Jetzt kommt mal wieder mehr Disziplin in mein Leben! Gleich als erstes werden mal die tausend Formulare ausgefüllt! Ach ja, und Gedanken über konkretere berufliche Ziele soll ich mir auch machen, hat die nette Beraterin gesagt... Verdammt! Wieso nochmal habe ich nicht Medizin studiert? Und die Ausbildung zur Hotelfachfrau? Warum musste ich die unbedingt schmeißen? Dann hätte ich jetzt wenigstens was in der Hand! Was Eigenes! Würde mich nicht so nutzlos fühlen... Ich habe ja nicht mal ein Jodeldiplom...

21.03.2009 um 12:48 Uhr

Frauengespräche

Gestern abend habe ich noch fast drei Stunden mit Freundin T. telefoniert. Sie ist ganz glücklich mit ihrer Internet-Bekanntschaft L. Auf dem Foto sieht er auch echt nett aus. Bin ganz neidisch auf so viel rosa Wattetraum... Ungefähr eine Stunde hat sie von L. und dem für sie neuen Universum "Mann und Beziehung" geschwärmt/berichtet, die anderen zwei Stunden habe ich versucht, meine Situation zu erklären. Das kam teilweise echt negativ rüber... Natürlich gab mir T. denselben Rat wie alle: Das scheint nicht so gut zu sein, beende es. Aber dann haben wir eben noch eine Stunde von "unseren" Männern berichtet, und das fühlte sich schon wieder gut an.

Als ich im Bett lag, war ich schon gar nicht mehr so negativ eingestellt. Ich war doch schon mit Männern zusammen, die ich nicht geliebt habe... Das war ganz anders als jetzt! Und nur, weil ich Garfield nicht so sehr liebe, wie damals Dr. Jekyll, muss ich doch nicht gleich Schluss machen, oder? Ich glaube mich zu erinnern, dass das bei Dr. Jekyll auch 'ne Weile gedauert hat. Aber da hat die Anfangseuphorie eben länger gehalten... Ich werde schon mit Garfield reden, wenn er das nächste Mal kommt. Das nehme ich mir ganz fest vor. Soll er entscheiden, wie's weitergeht. Ob er damit leben kann, wenn ich (noch) nicht an eine gemeinsame Zukunft glaube.

Heute abend gehe ich erstmal wieder aus, mit den Mädels. Freu' mich schon drauf, Ü-30-Party. War beim letzten Mal echt toll, auch wenn wir doch noch U-30 sind. Da fühlt man sich mal nicht so alt, wie in den Teenie-Discos beim Kinderschubsen. Und heute ohne "Anhang", da habe ich sowieso mehr Spass, weil ich mich nicht so dafür verantwortlich fühle, dass mein Begleiter sich auch amüsiert. Und das, glaubt mir, ist echt schwer...

Davor heißt es aber noch: fünf Stunden im Laden stehen. Das wird hoffentlich erträglich. Ich wünsche mir nette Kunden, damit ich abends gut drauf bin! Bitte keine Damen, die sich bei C+A ein hässliches Oberteil gekauft haben und dazu dann passenden Schmuck wollen...

20.03.2009 um 21:39 Uhr

Teufelskreise...

Was für eine verzwickte Situation! Wenn ich mit jemandem darüber rede, wird mir erst richtig klar, wie falsch das alles ist. Ich muss da raus, aber wie? Ich werde jemanden sehr verletzen müssen, was ich auf keinen Fall will! Ich bin mir ja auch nicht sicher... Liebe ich Garfield? Oder liebe ich es nur, jemanden bei mir zu haben? Habe ich wirklich solche Angst vor dem Alleinsein? Ich mag ihn doch wirklich und wir kommen gut miteinander aus - im Moment. Aber ich kann mir mit ihm einfach keine Zukunft vorstellen... Muss es in einer Beziehung denn immer darum gehen, dass man mit dem anderen ein ganzes Leben teilen will? DARUM geht es doch schon bei der Ehe... Kann man in einer Beziehung nicht einfach die gemeinsame Zeit genießen und erstmal nicht so viele Pläne machen?

Heute ist mir klargeworden, dass ich gerade in genau derselben Lage stecke, wie Dr. Jekyll damals vor einem Jahr. Er ist da rausgekommen, indem er mich sehr verletzt hat. Er musste das tun, auch wenn sein Vorgehen äußerst fragwürdig war. DAS verurteile ich nach wie vor, aber die Entscheidung selbst kann ich gerade sehr gut nachvollziehen. Man glaubt es kaum, aber nach einem Jahr kann ich diesen Mann verstehen. Und ihm wirklich verzeihen. Diese Erkenntnis ist schön und gut, aber musste ich mich dafür erst in die Lage bringen, jemanden genauso zu verletzen, wie ich damals verletzt wurde? Ist das so 'ne Art Teufelskreis, aus dem man nicht mehr rauskommt? Die Liebe ist doch Mist... Entweder man verletzt, oder man wird verletzt.

Ich werde es noch eine Weile vor mir herschieben, aber irgendwann muss ich es tun. Ich werde mit Garfield reden müssen, anders geht es nicht. Ich habe Dr. Jekyll immer vorgeworfen, dass er damals einfach Schluss gemacht hat, ohne vorher mit mir über seine Probleme zu reden. So hatte ich keine Chance, zu reagieren. Vielleicht hätte ich zugestimmt, es lockerer anzugehen... Wahrscheinlich sogar. Was ich damals eingefordert, und nie bekommen, habe, darf ich Garfield nicht verwehren. Er soll, er muss, reagieren können. Ich werde mit ihm reden. Sobald sich die Gelegenheit ergibt. Sobald ich sicher bin. Sobald ich den Mut dazu habe.

Manchmal möchte man am liebsten einfach abhauen...

19.03.2009 um 13:03 Uhr

Verdammt...

So, jetzt noch ein neuer Eintrag...

Ich musste gestern in Nürnberg umsteigen. Eine gute halbe Stunde Aufenthalt. Ich habe fast geheult, denn dort, inmitten der ganzen Menschen, war der Trennungsschmerz von vor einem Jahr auf einmal wieder so präsent. Wie kann das sein? Nach einem ganzen Jahr? Mit einem neuen Mann? Ich habe versucht, ganz fest an diesen neuen Mann zu denken, aber das gelang nur für Sekunden. Und dann fielen mir auch nur die Sachen ein, die mich an ihm stören bzw. falsch laufen. In der restlichen Zeit habe ich mich bemitleidet, mir vorgestellt, wie oft Dr. Jekyll an diesem Bahnhof wohl schon seine Neue begrüßt oder verabschiedet hat und mir alle Frauen im passenden Alter genau angesehen. Eine von ihnen hätte ja seine Neue sein können. Ich bin so bescheuert! Ich weiß das auch, aber ich konnte diese Spirale gestern einfach nicht stoppen. Dort, an diesem Bahnhof, kam auf einmal alles wieder zurück, die ganzen verdrängten Gefühle. Kaum saß ich wieder im Zug, ging's mir besser.

Was bedeutet das jetzt? War das nur die Erinnerung an große Gefühle, oder sind diese Gefühle noch da? IMMER NOCH? Wie kann das sein? Irgendwann muss doch mal Schluss sein! Ich habe doch einen sehr lieben Freund, der mich wirklich liebt. Klar, es läuft nicht immer super, und wir haben noch viel Arbeit vor uns, aber wenn es läuft, dann ziemlich gut. Die gemeinsamen Tage waren wirklich schön, auch wenn wir uns stellenweise dann schon angezickt haben. Klar, wenn man 13 Tage aufeinanderhockt. Dienstag abend hatten wir auch noch ein gutes Gespräch. Ich habe Garfield gesagt, wie meine Zukunftspläne aussehen: Ausland oder Berlin. Auf gar keinen Fall Süddeutschland. Klar war er schockiert, immerhin bedeutet das, dass wir auf unbestimmte Zeit eine Fernbeziehung führen werden. Aber ich habe ihn auch beruhigen können. So lange da nichts konkret ist, können wir das doch erstmal ausblenden und die gemeinsame Zeit genießen. Jetzt sehen wir uns erstmal zwei Wochen nicht, was auch gut ist. So können wir beide mal wieder zur Ruhe kommen, jeder hat Zeit für sich und für andere Dinge, die in letzter Zeit zu kurz gekommen sind. Das wird mir auf jeden Fall gut tun, bei Garfield bin ich mir nicht ganz so sicher. Ich hoffe aber sehr, dass er die Zeit nutzt.

Und was ist jetzt mit Dr. Jekyll? Ich denke viel darüber nach. Ich glaube langsam, das Problem ist nicht, ob ich noch Gefühle für diesen Mann habe oder nicht, sondern allein dass es diese Gefühle gab. Hätte es Dr. Jekyll nicht in meinem Leben gegeben, wäre ich wahrscheinlich sehr glücklich mit Garfield. So aber... Ich weiß, dank Dr. Jekyll, wie sehr ich einen Menschen lieben kann. Und Garfield liebe ich nun mal nicht so, jedenfalls noch nicht. Vielleicht kommt es ja noch. Ist das ein Grund, die Beziehung zu beenden? Ich glaube nicht, denn im Moment geht es mir doch eigentlich gut mit ihm. Wenn ich nur nicht solche Angst davor hätte, ihm wehzutun. Und das werde ich sicher, irgendwann. Dieses Kartenhaus wird vielleicht irgendwann zusammenfallen, und dann? Ich habe die Macht, diesen Mann wirklich zu verletzen, denn er liebt mich so sehr. Er hat gesagt, er sehe in mir sowas wie seine letzte Chance. Was das für einen Druck aufbaut! Das MUSS einfach klappen, denn ansonsten werde ich Garfield so sehr verletzen... So, wie Dr. Jekyll mich. Das will ich aber nicht, ich bin nicht so! Was für eine blöde Situation! Manchmal hasse ich Schusselchen wirklich dafür, dass sie Dr. Jekyll damals mit zum Stadtfest gebracht hat. Und ich hasse ihn dafür, dass er ein zweites Mal dorthin mitgekommen ist. Warum bloß hat er das getan?

Verdammt, ich brauche dringend Ablenkung, einen 18-Stunden-Job oder sowas. Oder ein Gespräch mit einer Freundin, das könnte vielleicht auch helfen, um die Dinge mal wieder klar zu sehen. Morgen treffe ich mich mit einer ehemaligen Kollegin aus Berlin. Sie weiß alles über Dr. Jekyll. Ich hatte sie kurz vor der Trennung kennengelernt, wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Sie hat dann natürlich alles hautnah mitbekommen: wie ich gelitten und gekämpft habe, meine falschen Hoffnungen, meine Trauer, meine Wut. Während meiner kurzen Affäre mit Dr. Jekyll wußte sie von Anfang an Bescheid. Sie war in einer ähnlichen Lage, so dass wir uns gegenseitig (schlechte) Ratschläge geben konnten. Im August haben wir uns das letzte Mal gesehen, seitdem nichts mehr voneinander gehört. Morgen also sehen wir uns wieder. Ich bin sehr gespannt, wie es bei ihr weiterging. Ob sie ihren Typen bekommen hat? Ich freu' mich wirklich, sie wiederzusehen! Und bin sehr gespannt, was sie zu meinen Neuigkeiten sagt. Und meinem Dilemma...

18.03.2009 um 12:29 Uhr

Sieben Stunden Autobahn...

Wie gesagt, im Auto hatte ich viel Zeit zum nachdenken. Mir sind zwei Dinge klar geworden:


  1. Ich will nicht in Süddeutschland wohnen. Ich mag die Atmosphäre hier einfach nicht, auch wenn die Landschaft schön ist und die Städte hübsch. Die Stadt, die ich mag, und wo ich mir ein Leben vorstellen kann, ist Berlin. Ja, ich gebe es nur ungern zu, aber in Berlin fühle ich mich wohl. Mit dieser Stadt verbinde ich viel, vielleicht fühle ich mich deshalb dort zu Hause. Leider kommt Berlin für Garfield nicht infrage, er hasst diese Stadt. Außerdem hängt er für die nächsten vier Jahre in Ingolstadt fest... Das ist ein Problem.

  2. Ich möchte nochmal ins Ausland. Ich weiß nicht genau, wohin und wie, aber ich kann mir das gerade sehr gut vorstellen. Einfach nochmal weg. USA oder Kanada vielleicht... England wäre auch nicht schlecht. Ich werde mich konkret umgucken wenn ich wieder zu Hause bin. Da wird sich doch was finden lassen... Und ja, auch das ist schlecht für meine Beziehung mit Garfield. Aber ich habe im Auto auch entschieden, dass diese Beziehung erstmal hinten anstehen muss. Jetzt zählt die Karriere, da muss ich meinen Weg finden. Garfield fügt sich da rein, oder eben nicht. Klingt fies, aber im Moment geht es nicht anders. Ich muss Prioritäten setzen, und das Privatleben war lang genug die Nummer eins.


Mir ist nochwas klargeworden. Ich liebe Garfield nicht so, wie ich es sollte. Ja, ich mag ihn sehr und fühle mich auch sehr wohl mit ihm. Aber es gibt so unendlich viele Gegensätze und Probleme. Ich liebe ihn schon, auf eine Art, aber nicht so, wie ich Dr. Jekyll geliebt habe. DAS war etwas ganz anderes. Und ich gebe zu, dass ich in letzter Zeit wieder sehr viel an ihn denke. Und ihn vermisse. Klar, Samstag vor einem Jahr hatte er Schluss gemacht, da kommen die Gedanken natürlich wieder. Es ist so verdammt schwer, einen Menschen aus seinem Leben zu streichen, den man so sehr geliebt hat. Mich erinnert auch so verdammt viel an ihn! Ich schreibe das jetzt mal alles auf, vielleicht ist es dann aus meinem Kopf und hört auf:


  • Wenn ich Rehe sehe oder was über die Jagd etc. höre bzw. lese (Weil Dr. Jekyll Jäger ist und mich mal mitgenommen hatte. Ich fand das faszinierend.) Leider sieht man bei uns viel Wild... Die absurdesten Dinge setzen diese Gedankenkette in Gang. Winnenden zum Beispiel, der Amoklauf letzte Woche. Der Vater hatte Waffen zu Hause, wie Garfields Mutter... (Sie ist Försterin.)

  • Sooo viele Filme, die ich mit ihm zum ersten Mal gesehen habe... Garfield kennt leider kaum Filme und hat auch kein Interesse daran. Und dabei fußt ein sehr großer Teil meines Humors auf Filmen. Dr. Jekyll war da genauso gepolt...

  • Musik... Sehr viel Musik. Vor allem die Ärzte. Auf die steht er. Und die werden bei uns auch sehr viel gespielt. Außerdem Katie Melua, Leona Lewis, Culcha Candela, One Republic, James Blunt, Nelly Furtado... Garfield kennt sich mit Musik leider gar nicht aus und interessiert sich auch nicht dafür.

  • Mandarinen.

  • Leberwurst.

  • Leerdammer.

  • Erdbeeren.

  • Tierärzte.

  • Die Charité... Leider sehr oft in den Nachrichten...

  • Sein Kiez in Berlin. Wird leider ständig im Radio erwähnt, weil dort immer was los ist.

  • Sein Heimatort, der fast täglich in den Verkehrsinfos genannt wird, weil dort eigentlich immer Stau ist oder geblitzt wird. Ich müsste mir wohl eigentlich einen neuen Radiosender suchen...

  • Nürnberg. Von dort kommt seine Neue. Und das stand auf fast jedem Schild an der Autobahn. Außerdem muss ich Mittwoch dort umsteigen.

  • Harry Potter. Der letzte Band war unser erstes Gesprächsthema, darüber sind wir uns nähergekommen.

  • Retro-Boxer... Die trägt er sehr gern und in denen hat er so einen geilen Hintern!

  • Axe... hat er immer benutzt. Und ich hab's ihm teilweise gekauft...

  • Thalia... Da arbeitet seine Schwester. Und ich liebe Buchläden!

  • Kino... Da waren wir sehr oft zusammen.

  • Sophie Marceau und Mandy Moore. Auf die steht er.


Es gibt bestimmt noch mehr, was mir gerade nicht einfällt. Aber das Problem wird wohl auch so offensichtlich: Ich komme nicht um diesen Mann herum. Und um meine Erinnerung an ihn. Verdammt, das war meine große Liebe! Wie soll ich den bloß vergessen? Ich gebe mir ja Mühe, wirklich. Immer wenn meine Gedanken zu ihm schweifen, versuche ich, an was anderes zu denken. Oft klappt das, aber eben nicht immer. Ich weiß, ich bin fies. Dieses Verhalten ist Garfield gegenüber ganz mies, aber ich kann es nicht ändern. Zu meiner Entschuldigung kann ich aber sagen, dass ich, wenn ich mit Garfield zusammen bin, fast nie an Dr. Jekyll denke. Nur wenn wir uns streiten. Wenn alles rosa ist nicht. Ich hatte am 14. März selbst sogar nicht ein einziges Mal daran gedacht, dass Dr. Jekyll da Schluss gemacht hatte. Dabei hatte ich vorher solche Angst vor diesem Tag. Als er dann da war, habe ich ihn komplett ignoriert. Ist mir erst gestern wieder eingefallen. Ich hoffe, das alles wird irgendwann besser... Auf jeden Fall muss ich mich ganz dringend mal mit Schusselchen treffen und REDEN!

17.03.2009 um 15:24 Uhr

Im schönen Bayern...

Ich wollte mit einer Entscheidung auf jeden Fall erstmal abwarten bis ich bei Garfield zuhause war. Da bin ich nun. Sonntag sind wir runtergefahren, inklusive Abstecher zu seinen Eltern. Es war ok, sie sind ganz nett. Waren nur leicht überfordert mit der Situation – nicht so routiniert wie meine Eltern ;-) Aber das wird schon, ich habe mich nicht völlig unwohl gefühlt. Leider aber auch nicht so heimisch und willkommen wie damals bei Dr. Jekylls Familie vom ersten Moment an. Mal sehen... Wichtiger war mir Garfields Wohnung. Und die war... eine Überraschung. Ich war ja darauf gefasst, dass es ziemlich ungemütlich sein wird. Aber diese Wohnung wirkt einfach nur unbewohnt! Dabei ist sie an sich toll! Eine wirklich schöne Wohnung! So großes Potenzial, was man hier alles machen könnte! Ein Fall für Tine Wittler ;-) Die Schränke, soweit vorhanden, sind fast alle leer. Es gibt keine Pflanzen, keine Bilder, Geschirr erst seit gestern (Dank Garfields Mutti, die einiges für uns zusammengepackt hatte.), eben nur das Allernötigste. Irgendwie gespenstisch. Andererseits, wann ist man schonmal bei jemandem zu Besuch, wo man den kompletten Badschrank belegen kann? Normalerweise muss man sich ein Eckchen für seine Waschtasche erobern, aber hier... Ich habe mich erstmal ausgebreitet. Aber Garfield muss dringend was tun, hier kann man sich ja nicht wohlfühlen. Und dabei ist die Wohnung sooooo schön... Perlen vor die Säue, echt. Und dann dieses Bett... Zu zweit auf 90 Zentimetern! Die Nächte sind kein Vergnügen, ich habe das Gefühl, kein Auge zugetan zu haben. Aber langsam finde ich eine halbwegs angenehme Schlafposition. Leider kommt gerade auch noch eine fette Erkältung dazu. Muss das gerade jetzt sein?

Aber meine Grundeinstellung ist wie immer positiv. Ich lasse das alles mal auf mich zukommen und nutze die Ruhe um zu lesen, zu schreiben und eben über meine Zukunft nachzudenken. Das habe ich auf der Fahrt im Auto schon getan, nachgedacht. Die Ergebnisse verdienen einen eigenen Eintrag. Heute nachmittag gucken wir uns mal Ingolstadt an, ich bin gespannt. Es gibt ein Outlet Shopping Village, welches im Internet echt toll aussah. Das lässt mein Herz höher schlagen... Aber wir haben nicht viel Zeit, denn Mittwoch mittag geht’s ja schon zurück. Das Shopping Village muss wohl noch warten...

17.03.2009 um 12:18 Uhr

Diskussionen die Zweite...

Mittwoch kam dann der zweite große Streit. Auslöser war der Hund meiner Eltern, Fräulein A. Wir hatten entschieden, zu meinen Eltern zu fahren, um eine Runde mit Fräulein A. spazieren zu gehen. Ich brauchte dringend frische Luft, außerdem wollte ich, dass meine Eltern Garfield kennenlernen. Alles ganz entspannt, schließlich haben meine Eltern dieses Prozedere jetzt schon mehrmals durch. Grob geplant war eigentlich, dass wir Fräulein A. abholen, ins Auto laden und zum See fahren. Als wir aber vor dem Haus standen, guckte Garfield Fräulein A. sehr komisch an. So, als ob er sich vor ihr ekeln würde. Ich machte einen Scherz, ob sie denn nun in sein Auto dürfe, er wollte das nicht, wir entschieden um und gingen nur durch den Wald spazieren. Ich war natürlich sauer, denn wer meinen Hund nicht mag... Und Hunde im Allgemeinen... Wie konnte man sich nur so anstellen! Der Spaziergang war folglich nicht gerade angenehm, denn wir hatten uns eigentlich nichts zu sagen. Ich gebe zu, ich dachte die ganze Zeit darüber nach, ob ich mit so jemandem überhaupt zusammen sein kann. Immerhin gehören Tiere für mich zum Leben dazu, ich will so bald wie möglich einen eigenen Hund. Würde Garfield damit jemals klarkommen? Ich bezweifelte das sehr stark und dachte unterwegs sehr viel an Dr. Jekyll. Er hatte nie ein Problem in der Richtung. Klar, als Tierarzt. Und Jäger. Er war mit Hunden und Katzen aufgewachsen und auch mit Fräulein A. prima klargekommen. Fies, ich weiß. Solche Vergleiche sind nicht angebracht. Aber was sollte ich machen? Wir gingen auch noch dieselbe Runde wie ich damals mit Dr. Jekyll! Auf diesem Spaziergang vermisste ich ihn so sehr wie schon lange nicht mehr und mir wurde wieder einmal klar, wie hervorragend wir zusammengepasst hatten. Zumindest in vielen Bereichen. Genau genommen, in genau den Bereichen, in denen Garfield überhaupt nicht zu mir passt. Eine blöde Situation.


Als wir dann im Haus auf meine Eltern warteten, kam mir Garfield ziemlich schlecht gelaunt vor. Ich sprach ihn darauf an, er wollte nicht darüber reden. Na gut, dachte ich, bringen wir einfach den Nachmittag rum. Ist ja auch blöd, jetzt einen Streit anzufangen, wo meine Mutter jeden Moment reinplatzen kann. Der Nachmittag bzw. Abend verlief trotzdem ganz gut. Garfield sprühte nicht gerade vor Lebensfreude und war eher ruhig, aber immerhin antwortete er auf Fragen und beteiligte sich zumindest zeitweise am Gespräch.


Die Rückfahrt verlief wieder sehr ruhig, Garfield war ziemlich wortkarg. Ich verstand nicht, warum. Ich hatte seine schlechte Laune auf die Anspannung vor dem Treffen mit meinen Eltern geschoben, aber das war ja nun vorbei und recht gut verlaufen. Was also war los? Kaum zu Hause, sprach ich ihn wieder darauf an, aber er wollte nicht reden. Sein Standardsatz: „Das hat nichts mit dir zu tun.“ Na toll! Ich guckte noch die verzweifelten Hausfrauen und ging dann ohne ein Wort ins Bett. Entnervt. Er kam schnell hinterher und wollte wissen, warum ich sauer bin. Ich sagte es ihm, der Streit war vorprogrammiert. Wir diskutierten also wieder. Im Grunde über dieselben Dinge wie ein paar Tage zuvor. Letztendlich ging es immer um seine seltsamen Angewohnheiten. Offensichtlich beeinträchtigen die unsere Beziehung doch mehr, als er sich eingestehen will. Diese Sache mit Fräulein A. hat mich auch wirklich verletzt. Ich hatte ja nicht erwartet, dass er sich freudestrahlend auf sie stürzt, aber dass er sich vor ihr ekelt??? Nein, sowas geht gar nicht. Das eigentliche Problem ist aber, dass ich jedes Mal, wenn wir so eine komische Situation haben, Zweifel an der ganzen Beziehung bekomme. Dann fange ich an zu grübeln, ob es das wert ist. Und ob das jemals klappen kann. Ich sagte ihm das, Garfield fing von Dr. Jekyll an. Wie gut der doch zu mir passen würde, im Gegensatz zu ihm. Jaja, immer dieselben Themen... Irgendwann konnte ich es auch nicht mehr hören. Ich frage mich, ob bei uns alles in Ordnung wäre, wenn Garfield nicht diese Zwänge hätte. Letztendlich streiten wir doch immer wieder deswegen. Wenn die bloß endlich besiegt wären...


Ich gebe zu, ich dachte in der Nacht daran, Schluss zu machen. Aber so schnell wollte ich nicht aufgeben. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass wir es hinbekommen. Wir haben doch so viele schöne Momente. Wenn wir in meiner Wohnung sind, kochen, fernsehen, den Haushalt schmeißen, einkaufen, ist alles toll. Wir lachen viel, kommen gut miteinander aus. Ich fühle mich wohl in seiner Gegenwart. Aber sobald wir diese vier Wände verlassen, kommen die Probleme. Dann zeigen sich die Gegensätze. Dann passiert es immer wieder, dass ich mich in Garfields Gesellschaft gar nicht wohl fühle. Dann fallen mir auch all die Dinge auf, die mich an ihm stören. Wie lange kann das gutgehen? Kann man so eine Beziehung führen? Einen Knacks hat unsere auf jeden Fall, denn ich denke gerade verstärkt darüber nach. Das Hundeproblem haben wir zwar gelöst (Samstag, zweiter Anlauf, Fräulein A. durfte ins Auto, wir waren am See, Garfield war viel enspannter.), aber es gibt noch so viele andere. Ich werde in nächster Zeit auf jeden Fall sehr viel nachdenken (müssen). Vielleicht brauchen wir einfach mehr Zeit. Möglicherweise ist mir das alles auch schon viel zu eng. Etwas Unverbindlicheres wäre für mich vielleicht erstmal besser gewesen. Ich weiß auch nicht...

16.03.2009 um 12:11 Uhr

Verrat!

Ich bin jetzt fast drei Tage ohne Internet, habe also jede Menge Zeit zum Lesen, über mein Zukunft nachdenken und Blogeinträge schreiben. Das habe ich ja schon länger nicht mehr geschafft. Hier jetzt also ein Überblick über die letzte Zeit, aufgeteilt in leserfreundliche Häppchen.


Garfield war gerade eine gute Woche bei mir, deshalb bin ich auch nicht zum Schreiben gekommen. Es sieht einfach blöd aus, wenn ich mich an den PC setze um zu schreiben, während der Freund gelangweilt daneben sitzt. Mal ganz davon abgesehen, dass ich dann auch nicht wirklich schreiben kann. In der einen Woche haben wir uns zweimal ernsthaft gestritten. Oder eher diskutiert. Mit schmollen (ich) und tausend Entschuldigungen (Garfield). Der erste Zusammenstoß kam gleich am ersten Abend. Ich hatte mich wirklich auf Garfield gefreut, und vor allem auf die gemeinsame Woche. Eine ganze Woche zusammen faulenzen, keine Pflichten im Nacken, einfach nur zusammensein. Lange schlafen, kochen, bummeln gehen, zu meinen Eltern fahren, alles sowas. Nun hatten wir ja einen Tag vorher schon diese Diskussion wegen seiner Zwänge – ich berichtete. In dem Eintrag hatte ich auch laut darüber nachgedacht, was mir so zu schaffen macht. Im Wesentlichen waren das zwei Punkte: seine extreme Aufmerksamkeit und die absolute Konzentration auf mich. Wie gesagt, ich hatte laut nachgedacht. Und, ja, ihn auch mit Dr. Jekyll verglichen. Das war aber alles nicht böse gemeint. Beim Abendessen, kurz nach seiner Ankunft, wollte Garfield unbedingt was mit mir besprechen. Er sprach zwei Punkte an... DIE zwei Punkte. Zufall? So viel Zufall gibt’s nicht! Mir war sofort klar, dass er mein Blog liest. Ich hatte es schon einmal vermutet, als er war gesagt hat, was ich hier angesprochen hatte, aber damals glaubte ich noch an einen dummen Zufall. Dieses Mal aber war es ganz klar, seine Dummheit hat ihn entlarvt. Wie kann man auch so blöd sein, genau die zwei Dinge anzusprechen, die ich da beschrieben habe. Und dabei auch noch beinahe meine Worte benutzen! Und das gleich am nächsten Tag! Männer! Ich habe nicht sofort was gesagt, um des lieben Friedens willen. Und weil ich auch nicht so genau wusste, wie ich das ansprechen sollte. Also hörte ich mir erstmal seinen tollen neuen Vorschlag an: Um mir zu beweisen, dass er tatsächlich an sich arbeitet, sollte ich gleich nach der gemeinsamen Woche mit zu ihm kommen, für ein paar Tage. Danach dann mit dem Zug zurückfahren. Ich fand die Idee gar nicht so schlecht, habe also nach einer Nacht Bedenkzeit zugestimmt. Und hier bin ich nun, in seiner Wohnung... Aber dazu später. Erstmal zurück zu diesem unglaublichen Vertrauensbruch, dass er mein Blog liest. Ich sprach ihn im Bett darauf an, kurz vorm Einschlafen. Ja, ich weiß, man soll im Bett keine Diskussion anfangen, aber es war eben der beste Moment. Zuerst hat er alles abgestritten, aber mein Argument (Dieser unglaubliche ZUFALL!) hat ihn schnell umkippen lassen. Außerdem ist er ein sooo schlechter Lügner. Er hat es also zugegeben, ja, er hatte mein Blog gelesen. Ich war enttäuscht und sauer, gab mir aber selbst die Schuld. Hatte ich ihn nicht immer wieder an meinen Computer gelassen, wo diese Seite ganz offen gespeichert ist? Und ans Netbook, wo die Einträge gleich auf dem Desktop liegen? Einfach zu bescheuert, und echt verlockend. Ich an seiner Stelle hätte auch gelesen, ganz ehrlich. Aber dann kam's: Er hatte von Anfang an mitgelesen! Noch vor unserem ersten Treffen! Nachdem ich ihm damals von meinem seltsamen Traum mit dem Wal berichtet hatte, und davon, wie mir der hier gedeutet worden war, hat er bei Google gesucht und meine Blog problemlos gefunden. Begründet hat er das damit, dass er sich nicht sicher war, ob er mir wirklich trauen konnte. Ich war so wütend! Von Anfang an hat er mich hintergangen. Und es dann noch damit entschuldigt, dass seine Menschenkenntnis eben nicht so gut wäre wie meine, und ich doch damit einen Vorteil hätte. Den wollte er ausgleichen. Ich wusste echt nicht, was ich dazu sagen sollte, habe mich einfach nur betrogen und verletzt gefühlt. Das hier ist schließlich ganz allein meins, meine ganz privaten Gedanken, meine Möglichkeit, mir über Dinge klarzuwerden. Wir hatten einen handfesten Streit über alles Mögliche, haben ein paar wichtige Dinge endlich angesprochen und uns am nächsten Morgen wieder vertragen. Garfield hat versprochen, nie wieder hier zu lesen, und ich glaube ihm. Oder versuche es zumindest. Und Hase, wenn du das hier liest, glaub' mir, ich finde das heraus. Und dann ist Schluss, das kannst du mir glauben!


Danach folgten ein paar schöne Tage, alles war gut. Samstag abend waren wir mit meinen Freunden tanzen, wo ich zwischenzeitlich schon so meine Bedenken hatte. Garfield hätte nicht mitkommen müssen, aber er wollte. Ich wusste vorher, dass er sich nicht wirklich amüsieren würde. Er ist kein Tänzer, und kein Gesellschaftstyp. Am Anfang stand er (gelangweilt) am Rand, was mir vor meinen Freunden schon irgendwie peinlich war. Irgendwann hatte er genug Bier intus, um sich wenigstens zu uns zu gesellen, aber dann wirkte er gleich so blau, dass es auch schon wieder peinlich war. In dem Bereich passen wir echt gar nicht zusammen, ich sollte in Zukunft also lieber allein weggehen... Ist doch auch ein schönes Gefühl, wenn ich weiß, es wartet jemand auf mich, wenn ich nachts nach Hause komme. Jemand liegt schon in dem Bett, in das ich völlig erledigt und leicht angeheitert krieche.

05.03.2009 um 12:39 Uhr

Zwänge...

Man sollte wirklich vorsichtig sein, mit dem, was man sich so wünscht. Nachher bekommt man mehr, als man wollte, und das ist auch wieder nicht gut. Ich zum Beispiel habe gerade das Gefühl, vom Regen in die Traufe geraten zu sein.

Es gibt so ein paar Dinge, die ich bei meinem Herrn Ex-Freund immer bemängelt habe - und bei meinem "Neuen" anders haben wollte. Eins davon war die Aufmerksamkeit, die er mir schenkte bzw. NICHT schenkte. Am Anfang war auch damals alles toll. Nachdem wir uns kennengelernt hatten, schrieben wir uns ein paar Mails und erkannten dabei, dass wir uns beide mehr vorstellen können. Daraufhin kam es zum ersten Date und dann sehr schnell zu einer Beziehung. Diese Mails vom Anfang waren toll: spritzig, witzig, erfrischend, und vor allem, sehr schnell! Das ließ dann genauso schnell nach, als wir erstmal zusammen waren. Ich war ja doch von Anfang an sehr viel bei ihm, allerdings hatten wir auch immer wieder mal 'ne Woche, wo wir uns nicht sahen. In dieser Zeit telefonierten wir etwa jeden zweiten Tag, chatteten (Was ganz, ganz toll war!) und mailten eben. Das heißt, ich mailte. Manchmal hatte ich das dringende Bedürfnis, ihm irgendwas zu schreiben, und das tat ich dann. Allerdings kam von ihm immer seltener eine Antwort, und wenn, dann war es eigentlich keine. Er ging nicht mehr auf die Dinge ein, die ich geschrieben hatte, ich hatte zunehmend das Gefühl, Dr. Jekyll würde meine Nachrichten gar nicht lesen. Denn auch am Telefon oder dann live kam keine Reaktion, selbst wenn ich was wichtiges angesprochen hatte. Das hat mich ganz schnell tierisch genervt. Ich sprach das Problem an, er gelobte Besserung, aber passiert ist nichts. Auch sonst interessierte sich Dr. Jekyll nicht so sehr für mich und mein Leben. Klar, er fragte mal nach und wollte wissen, was bei mir läuft, aber so richtig... Es war irgendwie nur pro forma, denn weder merkte er sich die Dinge, die ich ihm erzählte, noch ging er darauf ein. Das war für mich eine ziemlich unbefriedigende Situation, schon damals, und erst recht im Nachhinein. Also habe ich mir gewünscht, dass das bei einem neuen Freund anders wird. Nun... Es ist anders. Extrem anders! Garfield ist nicht nur aufmerksam und beantwortet alle meine Mails ausführlich, er ist in dem Bereich geradezu pedantisch. Er geht auf alles ein, was ich sage oder schreibe, und merkt sich das auch noch. Alles! Nun ist es bei mir eher so, dass ich nicht lange nachdenke. Wenn ich schreibe oder rede, blubbert es meistens so aus mir raus. Wenn es nicht gerade sehr wichtig ist, habe ich meist schon kurz danach vergessen, was ich gesagt oder geschrieben habe. Nicht so Garfield! Bei ihm ist jedes Wort gut überlegt. Er weiß noch nach Wochen, was er wann gesagt oder geschrieben hat. Und, schlimmer noch, er weiß es auch von mir! Er nagelt mich dann regelmäßig darauf fest, nach dem Motto "Am 04.01. hast du aber gesagt...". Das kann mit der Zeit ganz schön nerven! Klar, manchmal ist es schön, einen so aufmerksamen Freund zu haben. Der sich zum Beispiel gleich gemerkt hat, welche Blumen ich mag. Oder den kleinsten Hinweis auf Geschenke versteht. Aber es gibt auch Situationen, da bin ich wirklich überfordert. Und die häufen sich langsam...

Ein anderes Problem, welches ich mit Dr. Jekyll hatte, hing auch mit der Aufmerksamkeit zusammen. Dr. Jekyll verfügt über ein ausgedehntes soziales Leben. Viele Freunde, mit denen er regelmäßig was macht, gutes Verhältnis zu den Kollegen, wo auch wöchentlich was unternommen wird. Ich stand erst an dritter Stelle, zumindest war das mein Eindruck. Klar, ich konnte ihn verstehen. Bei seiner Ex hatte er seine Freunde komplett vernachlässigt und sich nur auf die Beziehung konzentriert. Das hätte ihn beinahe seine Freunde gekostet, also wollte er bei mir alles anders machen. Allerdings übertrieb er es gewaltig! Ja, ich hatte Verständnis dafür, dass Montags DVD-Abend mit den Kumpels war, Dienstags Kino mit den Kollegen, Donnerstags oft Billiard und Freitags Karate mit anschließendem Kneipenbesuch. Aber muss man das wirklich knallhart durchziehen, selbst wenn die Freundin zu Besuch ist? Ganz oft saß ich abends allein in SEINER Wohnung, auf SEINER Couch vor SEINEM Fernseher und habe gewartet, dass er nach Hause kommt. Er war den ganzen Tag arbeiten und abends dann meistens auch noch weg. Ich war nicht eifersüchtig oder so, aber ein bißchen sauer schon. Schließlich war ich in Berlin, um Zeit MIT IHM zu verbringen, nicht mit seiner Wohnung. Tatsächlich verbrachte ich aber, im Nachhinein betrachtet,  erschreckend wenig Zeit mit Dr. Jekyll. Vor allem, wenn man dagegen hält, dass er nach einiger Zeit überhaupt nichts mehr mit mir unternommen hat. Er war regelmäßig mit anderen weg, nur nicht mit mir. Im Nachhinein sehe ich natürlich, dass das eine Flucht seinerseits war, denn dieses Verhalten begann so richtig, nachdem ich bei ihm eingezogen war. Er fühlte sich in seiner Wohnung nicht mehr richtig wohl, wollte nicht mit mir dort sein, also unternahm er was mit anderen. Nur sah ich das damals nicht so, und war einfach nur froh, wenigstens die Nächte und die Morgen noch zu haben. Das gemeinsame Frühstück, welches wir IMMER durchzogen, war uns beiden sehr wichtig. Heute weiß ich, ich hätte damals klar sehen und ihn zur Rede stellen müssen. Aber ich war so verliebt, ich habe nichts gemerkt. Bei meinem nächstens Freund sollte alles anders sein, das nahm ich mir vor. Und es ist anders. Im Grunde bin ich Garfields einziger sozialer Kontakt. Er hat kaum Freunde, seine Kollegen sind ihm egal und mit seiner Familie versteht er sich nicht so gut. Er konzentriert sich voll und ganz auf mich, was, ehrlich gesagt, anstrengend ist. Er hat so viel Zeit, sich Gedanken zu machen... er grübelt... er findet Probleme, wo für mich gar keine sind... Und überhaupt, man braucht doch einen Ausgleich, oder? So viel Aufmerksamkeit wollte ich dann auch nicht! Wie gesagt, so ist das mit den Wünschen... Klar ist es nicht schön, immer die zweite Geige zu spielen, aber als erste Geige hat man eine wahnsinnige Verantwortung und steht immer im Fokus... Das wird mir manchmal wirklich zu viel.

Das ist aber noch nicht alles, denn es gibt ein viel größeres Problem: Garfields Zwänge. Ja, mein Freund neigt zu zwanghaftem Verhalten. Er hat einen ausgeprägten Waschzwang und kann bestimmten Menschen nicht die Hand geben. Er hat sich da so ein paar blöde Verhaltensweisen angewöhnt, die ich wahrscheinlich noch gar nicht alle kenne. Er hat mir das ziemlich von Anfang an gesagt, und ich hatte kein Problem damit. Bisher hat es mich auch nicht wirklich betroffen, außerdem dachte ich, er bekommt das in den Griff, wenn er erst mal glücklich ist - mit mir. Ja, Frauen denken manchmal sehr naiv. Glücklich sollte er eigentlich sein, aber die Zwänge, die beherrschen immer noch sein Leben. Wenn er bei mir ist, ist das alles nur sehr leicht ausgeprägt, macht ihm eigentlich fast gar keine Probleme. Und ist für mich deshalb auch nicht wichtig. Ich liebe ihn, mit seinen Problemen. Wir reden auch oft darüber, und ich habe ihn schon mehrmals gebeten, sich Hilfe zu suchen. Er aber weigert sich. Klar, er erkennt sein Problem, weiß auch, dass er was dagegen tun muss, aber professionelle Hilfte? Dagegen sträubt er sich. Er glaubt nicht an die Berechtigung von Therapien und glaubt, das selbst in den Griff zu bekommen. Jetzt aber betrifft es mich schon: im April wollte ich das erste Mal zu ihm fahren. Das war eigentlich schon eine Weile geplant und ist ja nur gerecht. Bisher kam er immer nur zu mir. Ich will natürlich auch mal sehen, wie er lebt. Und ihn vor allem in SEINER Umgebung kennenlernen, da sind Menschen ja meist nochmal anders. Nun fing er aber schon neulich an, dass das doch recht bald wäre, mit dem Gegenbesuch. Ob er das überhaupt schafft, die Vorbereitungen und so. Gestern abend dann rückte er endlich mit der Sprache heraus, dass er nicht so richtig weiß, wie er dann reagieren wird. Für mich kam an: Ich weiß nicht, ob ich dich in meiner Wohnung haben will. Letztens war sein Vermieter mal bei ihm, danach hat er zwei Stunden geputzt! Ich habe gesagt, Garfield, das ist deine Entscheidung. Ich würde gern kommen, aber wenn du denkst, dass es keine gute Idee ist, dann eben nicht. Ich bin nicht sauer, aber es beeinflusst mich schon. Heute nun hat er vorgeschlagen, den Besuch auf Juni zu verschieben. Dann hat er auch mehr Zeit, seine Wohnung wohnlicher zu gestalten. Das ist auch so'n Problem... Eben haben wir fast eine Stunde telefoniert und das Problem ausdiskutiert. Er versichert mir, dass er mich auf jeden Fall in seiner Wohnung haben will. Er denkt, dass sich dann alles bessert. Seit er mich kennt, ist das mit seinen Zwängen wohl schon sehr viel besser geworden. Er hat versprochen, wenn er bis Juli nicht "normal" ist, sucht er sich Hilfe. Das ist ein Deal, mit dem ich leben kann. Es war ein ziemlich emotionales Gespräch, ich hätte beinahe geheult. Denn auch wenn ich nicht viel von diesen Zwängen mitbekomme, so belastet es mich doch. Er versteht das nicht oder will das nicht verstehen. Er meint, wenn ich nichts davon merke, ist es auch kein Problem für mich. Hört sich an wie ein Süchtiger... Er vermeidet jetzt natürlich erst recht, dass ich irgendwas von seinen Problemen merke. Insofern ist unser Deal Blödsinn. Verdammt, was soll ich nur machen? Schlimm ist ja auch, dass diese Zwänge mit mir schlimmer oder besser werden. Je nachdem, wie es mit uns läuft. Haben wir Probleme, wird es bei ihm wieder schlimmer. Läuft es gut, wird es besser. Ich werde mir also immer ganz genau überlegen, ob ich etwas anspreche, was mir Sorgen macht oder besser schweige, um ihn nicht zu beunruhigen. Das erzeugt einen ganz schönen Druck! Ich hoffe so sehr, wir bekommen das alles in den Griff.

Sollte nicht im Moment noch alles rosa sein?