Boys don´t cry

28.12.2009 um 21:11 Uhr

Back home

von: Ryan

Back home - endlich. Ich hab´s mal wieder geschafft das Drama anzuziehen. Grade an Weihnachten. Mal wieder im Krankenhaus - mal wieder mein Herz. Es ist zum heulen.

Wo fang ich an? Ich war ja vor 2 Monaten schon mal im Krankenhaus, weil ich zusammen geklappt bin. Anomalien im Herz und noch ne Ryhthmusstörung als anfallsartig auftretende Komplikation. Ja ... soweit sogut. Mir gings auch eigentlich gut. Die Zeit kurz vor Weihnachten war stressig, viel Arbeit usw. Ich war viel müde, viel erschöpft, hab mir aber nichts weiter gedacht. So ist das halt bei Stress. Heiligabend bin ich bei der Bescherrung fast eingeschlafen aber - ach, ist ja auch normal, wenn man vorher Dienst hatte. Und am ersten Weihnachtsfeiertag bin ich morgens aufgestanden ... stand vorm Bett und bin gleich zusammengeklappt. Meine Freundin hörte es nur rumpsen und mein Bruder sprang auch sofort herbei (der wohnt seit 2 Monaten bei uns, aber das ist ne andere Geschichte) und ich lag da und konnte nicht aufstehen, hatte furchtbar Atemnot und mein Herz stolperte und raste. Ich dachte ich muss sterben. Jetzt weiss ich plötzlich was "Vernichtungsangst" ist, wovon Ärzte manchmal sprechen, wenn es um lebensbedrohliche Zustände geht.

Okay ... Notarzt, zentrale Notaufnahme - dort gings mir dann auch schon besser, aber trotzdem musste ich eine Nacht auf der Intensivstation bleiben. Naja was heisst bleiben? Ich LAG da mit Sauerstoff in der Nase, EKG-Elektroden an der Brust, zwei Venenzugänge in den Armen, Sauerstoffsättigung am Finger und natürlich verkabelt am Monitor. Was mir heute endlich mal der einzig vernünftige Arzt in diesem ganzen Krankenhaus (es war nicht das, in dem ich arbeite!) gesagt hat, dass sie dachten ich hätte nen Herzinfarkt gehabt. Daran hab ich aber nicht gedacht und hab mich nur gewundert wieso, die alle paar Stunden nen EKG schrieben. Ja und am nächsten Tag weiter auf die Kardiologie (=Herzkrankheiten). Da durfte ich wenigsten aufstehen und hab was zu essen gekriegt, aber musste immer ne tragbares kleines Funk-EKG mit mir rumtragen. Duschen war natürlich auch nur bedingt drin, weil ich die Elektroden und Kabel die ganze Zeit an der Brust hatte. Irgendwann hab ich auf den Kleber der Elektroden allergisch reagiert und es juckte und juckte - aber sollte das nicht abmachen, weil sie mussten ja mein Herz überwachen ... Drama ...

Ende vom Lied: ich hab heute Stress gemacht. Ich hab keinen Bock mehr gehabt da Tage lang rumzuliegen. Es passierte den ganzen Tag auch nix auf der Kardio, sie haben einmal am Tag nen EKG geschrieben, spazieren gehen durfte ich auch nicht - ist ja doof wenn ich draussen tot umfalle anstatt auf der Station. 3 mal täglich Blutdruck messen ... joah ... und ansonsten hab ich mich viel mit meinem 70 Jährigen Bettnachbarn unterhalten. Heute dann nen Herzultraschall, aber der sah besser aus, als alle dachten. Auf Belastungs-EKG und Langzeit-Blutdruckmessung hatte ich keinen Bock mehr. Immerhin fahre ich viel Fahrrad und hatte da noch nicht Probleme und mein Blutdruck messe ich auch häufig und hab immer nen niedrigen Druck. Also geschenkt. Patient lehnt Untersuchungen ab. Ende, basta, ich wollte nach Hause. Nach dem Echo war ich aber sehr erleichtert, vom dem Ultraschall hing nämlich ab ob sie bei mir ne Herzkatheter OP gemacht hätte oder nicht, und wenn dann morgen schon, erzählte der Oberarzt und ich nur: "Halt, stop, das mit der OP überlege ich mir aber nochmal. Und zwar zuhause!"

Aber um Herzmedis komm ich nicht mehr rum. Jetzt nehm ich auch ne Tablette, die ich sonst meinen alten Omas in die Schälchen drücke. Plus ein Notfallmedikament, was ich immer bei mir tragen muss. Geil. 25 Jahre alt und Herzkrank. Ich muss die ganze Sache irgendwie noch verarbeiten, das ist noch nicht in meinem Kopf angekommen. Ich hatte zwar viel Zeit im Krankenhaus um nachzudenken und mir Gedanken zu machen und vor allem: Um Angst zu haben. Es gab echt Situationen, in denen ich mich arg zusammenreissen musste, um nicht in Tränen auszubrechen. Ich dachte, ich würde alles ausheulen, sobald ich zuhause bin, aber im Moment bin ich einfach nur froh, dass ich ohne EKG durch die Gegend laufen darf, heute Nacht in meinem Bett schlafen kann mit meiner Freundin im Arm, anstatt neben dem schnarchenden Opa, der alle 2 Stunden aufs Klo trampelt.

Schön eindrucksvoll war der Oberarzt, der mir ja gleich die OP machen wollte. Der hat mir mitfühlender Weise gleich klar gemacht, dass ich was ernstes hab. Er fragte ob ich vor habe 100 Jahre alt zu werden. Ich sag: "Nee, 100 ist doch nen bisschen viel." Er fragt: "Welches Alter wäre denn okay um zu sterben?" und ich so zögernd: "Ja, so 70 Jahre alt vielleicht." (man steckt seine Ziele ja nicht so hoch). Und er nur sofort: "Tja, 70 werden Sie mit dem Herz auch nicht." Der Mann hat nen Kurs in Einfühlsungsvermögen verpasst ...  spätenstens zu dem Zeitpunkt hatte ich keinen Bock mehr mit dem zu reden und mir erzählen zu lassen, was ich alles mit meinem Herzen NICHT kann. Und dann setzt er noch einen drauf: "26 werden Sie auch nicht, wenn sie ihr Notfallmedikament nicht immer bei sich haben." Toll ... Blödmann.

Morgen fahren wir spontan zu meinen Schwiegereltern an die Ostsee, abschalten, spazieren gehen und runterkommen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenClarice schreibt am 30.12.2009 um 10:23 Uhr:klingt ja nicht gerade nach besinnlichen weihnachten. wünsch dir eine schöne zeit an der ostsee und alles gute... komm erst mal wieder runter vom schreck - dann schauts vielleicht nicht so düster aus... alles liebe
  2. zitierenKat schreibt am 30.12.2009 um 12:54 Uhr:Kann man in diesem Fall "gute Besserung" wünschen? Ich hoffe es sehr.
    seufz.
  3. zitierentini schreibt am 30.12.2009 um 13:33 Uhr:das kenne ich nur zu gut. ich bin auch dauernd umgekippt und das ende vom lied nach drei jahren ist, dass ich jetzt nen herzschrittmacher habe und das mit 22. aber mir gehts besser als je zuvor :D

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