Boys don´t cry

15.08.2007 um 22:31 Uhr

Treibsand und Examen

von: Ryan

Heute war die Praktische - ich weiss gar nicht wie es gelaufen ist. Ich hab gearbeitet wie immer die Prüfer dürfen (anders wie in den Jahren zuvor) KEINERLEI Kommentare zur Einschätzung sagen. Das ist meinem Prüfer sichtlich schwer gefallen. Er hätte mir gerne nen Feetback gegeben, aber das darf er ja nicht. Naja, verständlich - dann lieber gar nichts. Und ich kann meine Situation nicht einschätzen, ich hab gearbeitet wie immer, hab mir 80.000 Mal die Hände desinfiziert weil da mein Hauptproblem von meiner Seite lag - irgendwann hatte ich auch keine Lust mehr auf Vorbereitungen und hab es irgendwie gelassen - aber mir hat auch nichts gefehlt. Ich wollte es irgendwie nur hinter mich bringen.

Ich war auch irgendwie nicht aufgeregt, ich wollte es einfach nur hinter mich bringen - ich wusste ja, dass ich nicht durchfalle. Wie soll man durchfallen? Da muss man schon grobe Fehler machen und die mache ich nicht. Ich bin gut, es ging nur um die Note. 2 oder 1, und da hat sich wieder mein Ergeiz gemeldet - ich wollte die 1. Auf der Intensiv. Ne 1 auf ner Intensiv - das wäre die absolute Bestättigung gewesen an meine Kompetenz als Pfleger.

Und die Patienten waren nicht einfach - sowas nicht-einfach, dass es noch Überlegungen gab, ob man mir das zumuten kann und das durchzieht - oder die Prüfung verschiebt. Und ich hab mich aufgeregt, ich hab Blut und Galle gespuckt auf Station über die Prüferin, die mir die Patienten ausgesucht hat. Wir hatten großartige Prüfungs-Patienten - aber die hab ich nicht gekriegt. Stattdessen die immobilien, fremdaggressiven ... und die Beatmungspatientin, die da schon seit 2 Wochen in Sedierung mit Tubus im Hals liegt - ja toll ... aber ich hab mich nicht über die Patienten aufgeregt, sondern über die Prüferin und die Umstände. Ich bin ja nen beliebter Mensch und ich krieg ja so ziemlich alles mit, was abläuft - dementsprechend auch die Prüfungen meiner Mitschüler ... die wesentlich einfachere Patienten hatten ... mit der Begründung, man wolle im Examen ja niemanden reinreissen ... und ich?? Will man mich reinreissen? Kriegen andere ihr Examen aufm silbernen Tablett serviert und ich muss es mir nicht nur verdienen sondern drum kämpfen? Oder dachten sich meine Prüfer: "Naja, der ist so gut, den lassen wir was Interessantes machen, damit wir auch mal wieder in der Praxis was zum gucken haben." - Ich glaub Letzteres - sie wissen, dass sie mich fordern können ... bei allen anderen stand wärend der Praktischen auch nur Kursleitung der Schule plus Mentor im Patientenzimmer. Bei mir musste noch ein dritter Praxisanleiter dabei sein ... aus "Interesse". Sowas lässt einen nicht wirklich ruhiger werden, aber egal ... ich habs hinter mir.

Ich find die Sache eigentlich gar nicht so schlimm, aber mich nervt diese allgemeine Ungerechtigkeit. In den letzten Monaten ist die Welt ungerecht zu mir und einfach nur ... nur unfair. Im Moment erfahre ich nur "verkehrte Welt". Alles woran ich geglaubt hab, erfüllt sich vor meinen Augen ins Gegenteilige. Ich glaube, dass wenn man hart arbeitet und sich Mühe gibt, irgendwann belohnt wird. Ich arbeite hart und geb mich unwahrscheinlich viel Mühe und krieg nur Treibsand vor die Füße geschmissen, so dass all meine Bemühungen immer noch nicht reichen und ich es noch schwerer hab. Und gleichzeitig kriegen Leute mit extrem vielen Fehltagen und schlechten Zeugnissen (und menschlich absolute Egoisten) Verträge für Stationen, auf denen ich gerne arbeiten würde. Das ist das erste Mal in meinem Leben, wo ich das so erleben, dass die Welt SO DERMASSEN UNFAIR ist, von allen Seiten.

Aus nem anderen Blickpunkt betrachtet: genau zu dem Zeitpunkt bin ich großartig verliebt und hab endlich, endlich, endlich ne großartige Freundin - die ich zwar beruflich verheimlichen muss - also meine Station weiss, dass ich ne Freundin hab. Die fragen auch nicht so absolut neugierig nach wie der Rest des Krankenhauses, und denen sagt ihr Name auch nichts. Das ist dann eher so wie: "Wie war dein Wochenende?" - "Entspannt, ich war bei meiner Freundin." - "Das ist ja auch mal angenehm." und das war´s - ich hab auch nicht vor an die große Glocke zu hängen, dass meine Freundin nen Stockwerk über uns arbeitet. Worauf ich hinaus will: Endlich in Mensch, mit dem ich völlig zufrieden und glücklich bin.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierengast schreibt am 16.08.2007 um 08:19 Uhr:na siehst du ryan! Sooo ungerecht ist das leben zu dir doch gar nicht, was?! du hast steffi! du arbeitest in deinem traumberuf! du hast die prüfung hinter dir! das ist doch kein bisschen ungerecht sondern einfach toll! und zu perfekt sollte das leben doch auch nicht sein, dass wäre doch unheimlich, oder?! so hast immer schön was zum dich drüber aufregen... und so ist das leben eben meistens ;-) es gibt immer was, was einen nervt und ärgert. aber darüber sollte man nicht vergessen, wie gut man es andererseits hat!
    du ärgerst dich über die egoistische kollegin, die schon den vertrag hat? hey... hab doch lieber mitleid mit ihr, dass sie so ein egoistisches stück ist! irgendwann wird sie das zurück bekommen!

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