Meine Gedanken kreisen... sie kreisen um gestern, wie es hätte sein können, vielleicht auch geworden wäre, wenn es dann zum Schluss nicht anders gekommen wäre. Anstatt den Abend so schön ausklingen zu lassen, wie wir ihn begonnen hatten, haben wir uns dann in die Haare bekommen und so mußte ich in der Nacht auf seine Nähe und Zärtlichkeit verzichten. Was ich mir ganz klar zum Teil selber zuzuschreiben habe.
Denn ich habe ganz klar gesehen, wo es hinführen würde und was ich hätte tun müssen, um wenigstens eben die Nähe und die Zärtlichkeit zu haben. Statt also nur dieses Gespräch über unsere Beziehung zu führen (was ich noch nichtmal schlecht fand, denn nur so lernt man) und uns dadurch näher zu fühlen, haben wir uns eben beide angemault bis jeder Schlichtungsversuch von meiner Seite gegen eine merkwürdige Wand bei ihm geprallt ist. Und die Strafe habe ich die ganze Nacht gespürt.
Verabschiedet haben wir uns natürlich trotzdem voneinander heute Morgen. Trotzdem nicht ohne ein etwas trauriges Gefühl. Bin ich traurig um die verlorene Nacht? Oder ärgere ich mich nur? Über mich? Über ihn? Oder generell über die Sturheit und den Stolz der Menschheit. Der, der es uns so schwer macht, manchmal selbst auf den Menschen, den man am meisten liebt zuzugehen.
Heute fühlt sich meine Wohnung leer an. Nach Hause kommen und er ist nicht da. Einfach merkwürdig. Zuerst habe ich meine Wohnung absuchen müssen. Diese kleine Hoffnung, er könnte irgendwo etwas vergessen haben, etwas hinterlassen haben. Irgendwas, wo ich dran sehen konnte, dass er wirklich hier war. Leider erfolglos...
Am liebsten hätte ich ein T-Shirt von ihm gehabt, damit ich mein Gesicht hätte hineindrücken können und seinen Duft hätte einatmen können. Aber zu fragen traue ich mich nicht...
Und so fühlt sich meine Wohnung ungewohnt leer an und gleichzeitig dieses vertraute Allein sein. Dieses Gefühl, dass man sich nur um sich kümmern muss und niemandem gefallen muss oder möchte oder in irgendeiner Weise Rücksicht nehmen muss.
Ich vermisse ihn und gleichzeitig bin ich froh, nun wieder für mich alleine zu sein. Schöner wäre es nur, es müßte nicht für so lang sein.
Klingt vielleicht alles komisch? Vielleicht, vielleicht auch nicht...
Ich liebe ihn, ja, aber mein Leben besteht nicht nur aus ihm und ich bin das auch gar nicht mehr gewohnt.
Und ich frage mich, wie er es empfindet. Ob er sich auch zwischen vermissen und "dem anderen Leben" genießen hin- und hergerissen fühlt. Wie er sich überhaupt fühlt, nachdem was vielleicht noch von gestern zwischen uns steht.
Für ihn muss es ja fast sowas sein wie zwei Leben. Hier bei mir in einem anderen Land. Vielleicht ist das immer sowas wie ein kurzer Urlaub für ihn. Und dann kehrt er wieder zurück zu Eltern und Geschwistern und Freunden und seinen Hobbies. Eine Welt, die eben nur für sich besteht und mich nicht enthält.
Und so hoffe ich, dass die Zeit bis zu unserem Urlaub schnell vergehen wird. Und dass sie keine Schäden hinterläßt... ich freue mich schon so darauf, sein liebes Gesicht wieder zu sehen und ihn in den Armen zu halten...