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22.11.2006 um 22:21 Uhr

Interpretation von J. W. von Goethes "Wandrers Nachtlied"

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!

 

In diesem Gedicht, das J. W. von Goethe unter dem Titel "Wandrers Nachtlied" im simplen Kreuzreim-Schema verfasst hat, wird der Hunger eines Reisenden nach Gefluegel, und seine Sehnsucht nach einem weichen Bett beschrieben. Die Person, als "Wanderer" bezeichnet, scheint eine laengere Reise hinter sich gebracht zu haben, verdeutlicht durch Vers 5: "ich bin des Treibens muede". Dass er sich nach einer Mahlzeit, explizit nach Gefluegel sehnt, wird in den Versen 1-4 deutlich: Es ist die Rede von einem Wesen, das sich in der Hoehe aufhaelt, demnach muss es sich um einen Vogel handeln. Auch die Phrase "doppelt mit Erquickung fuellest" spricht dafuer, denn ein Vogel versorgt den Menschen sowohl mit nahrhaftem Gefluegelfleisch, als auch mit weichen Daunenfedern, mit denen beispielsweise Kopfkissen gestopft werden. Hier finden wir also erneut einen Bezug auf des Wanderers Muedigkeit, auch deutlich in Vers 3: "Den, der doppelt elend ist" - Der Wanderer leidet also nicht nur unter Hunger, sondern auch unter einem hohen Schlafbeduerfnis. Wie dringlich ihm die Nahrungsaufnahme ist, wird in Vers 6 beschrieben, es ist gar von "Schmerz" die Rede, doch auch "Friede" und "Lust" werden mit der Nahrungsaufnahme und dem Schlaf verbunden, was sicherlich uns allen nicht unbekannt erscheint. Ein weiterer Hinweis darauf, dass der Wanderer Hunger verspuert, laesst sich zuletzt noch einmal im 8. Vers entschluesseln, in dem es heisst: "ach kommt in meine Brust". Zwar endet gekaute Nahrung im Magen, unterhalb der Brust, muss diese jedoch erst einmal passieren, bis sie an ihrem Bestimmungsort angelangt ist.

cn P


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