Gedichte,
Kurzgeschichten,
Momentaufnahmen

16.07.2007 um 00:40 Uhr

Trugbild von Glueck

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Die, die in der Dunkelheit leben, sie lieben, sie atmen, und im nebligen Schmerz ihr Dasein endlos spueren, die, die immer nur Schatten sehen, und ernst allem Leben begegnen, sie werden gern hoffnungslos genannt. Und das, obwohl in ihnen oefters ein Feuer lodert. 

Die hingehen, die heiter durchs Leben gehen, stets nach dem Licht lechzen, die, die immer laechelnd durch die Zeiten tanzen, die vor Bluemchen und Herzlich und Freude fast ersticken, denen das Lachen - so meint man - doch sicher irgendwann im Hals stecken bleibt, sie werden als vorbildlich und ideal betrachtet. Und das, obwohl niemand weiss, ob sie wirklich gluecklich sind.

1. Vielleicht ist alles nur Fassade?
2. Vielleicht sind sie nur unbesorgt, weil sie zu dumm sind, das Uebel zu bemerken?
3. Und wie viele der "Gluecklichen" haben einfach nur resigniert?

Es gibt so viele Phrasen dafuer. Es heisst, man wuerde toleranter werden, oder "lockerer" (besonders im Alter). Oder aber, so verkuendet der Mensch oft, er sei ueber Dinge "hinweg gekommen". Dass das bei einigen Menschen tatsaechlich vorkommt, bezweifle ich nicht. Aber -

Wieviel dieser Toleranz ist nur Aufgabe seiner eigenen Ideale, weil man die Hoffnung auf Veraenderung verloren hat? Wieviel wieder Gelassenheit ist Ignoranz, weil man es Leid ist, sich mit den Sorgen zu befassen? Wieviel dieser angeblich ueberlebten, verarbeiteten Sorgen sind in Wirklichkeit noch da, noch tief im Unterbewussten begraben, nur werden sie nicht mehr geaeussert, weil man sich selbst oder anderen ein Trugbild auftischt?

Lieber ehrlich deprimiert, als scheinheilig "gluecklich".
(Ich habe nichts gegen glueckliche Menschen, aber Sorglosigkeit, die auf Ignoranz basiert, kann auch sehr schaedlich sein. Und die Wahrheit steht noch immer ueber allen Dingen. Fuer mich wohlgemerkt, fuer meine Welt.)

cn P

27.06.2007 um 02:47 Uhr

Entfremdung (27.6.07)

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Immer fremder erscheinen mir Gesellschaft und Menschen. Es ist, als triebe ich in einem Boot ohne Ruder immer weiter aufs Meer hinaus, wuerde aber keine Anstalten machen, zurueck zu schwimmen oder mit den Haenden zu paddeln. Stattdessen lehne ich mich zurueck, geniesse meine Einsamkeit und blicke, manchmal etwas wehmuetig, manchmal doch sehr zufrieden, zurueck ans sich entfernende Ufer. Mittlerweile haben die Menschen, die man dort sehen koennte, die groesse von Ameisen erreicht. Ich hoere sie nicht mehr, ihre Sorgen sind mir fremd. Ich erkenne allerhoechstens noch ihre Schemen und schattenhafte Bewegungen. Bald wird von ihnen nichts mehr zu sehen oder zu hoeren sein, und ich habe die ewige Stille gefunden, die ich so lange suchte. Nicht, dass ich nie gewollt haette, die Menschheit zu verstehen - das tat ich! Ich stellte Fragen, wenn mich an ihnen etwas verwunderte. Aber nun, da sie sich von mir und ich mich von ihnen entferne, bin ich erstmals wirklich zufrieden.

cn P

16.03.2007 um 01:47 Uhr

Schlagt die Naegel tiefer

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Martert mich zu Tode
Zerschneidet mir die Wangen
Doch meine wunde Seele
Werdet ihr niemals fangen 

... 

Meine Erinnerungen verschlingen mich. Ich habe den Eindruck, als sei ich nur noch ein Schatten auf dieser Welt, ein Lufthauch, der ab und zu einen Menschen beruehrt und ihn aus dem Nichts erschaudern laesst, und er weiss gar nicht, woher dieses Gefuehl kommt. Es ist, als sei ich unsichtbar und alles, was ich tue, haette kein Gewicht mehr, manchmal bin ich mir nicht einmal mehr sicher, ob ich noch atme. 

Nur meine Lider bluten. Rot im grauen Nebel. 

cn P

16.03.2007 um 01:27 Uhr

Bangkapi, Winter 1988

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

"Das Licht war daemmerig, orange, meine Augenlider wurden immer schwerer. Auch das Atmen war ungewoehnlich anstrengend. Meine Glieder spuerte ich nicht mehr. Ich lag auf einem hoelzernen Bett, mein Koerper war in nasse weisse Tuecher gehuellt. Lange fuehlten sie sich nicht kalt an, binnen weniger Sekunden waren sie wieder lau. Die Naesse verdunstete schnell. Meine Familie, oder das, was ich dafuer hielt, stand um das Bett versammelt und starrte mich an. Meine Mutter und meine Grossmutter weinten. Ich war dem Ausgang dieser Krankheit schon fast gleichgueltig gegenueber gestellt und fuerchtete einen Abschied schon lange nicht mehr."

cn P

03.02.2007 um 01:38 Uhr

Gegen alle ausgeprochen

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

"Mein Leben und Lieben ist in erster Linie Melancholie. Auch die verborgenen, schoenen Seiten des Schmerzes zu erkennen - Auf Friedhoefen sehe ich weniger Traenen, als Grabesrosen. Und ist eine Rose weniger schoen, als ob sie in einer Vase bei Tische stuende, nur, weil sie auf einem Grabe liegt?" 

cn P

03.02.2007 um 01:17 Uhr

Sinful Daylight's Illusion

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Es war muehsam, sich ein Lachen zu verkneifen... Wir zwangen uns, die Fassung zu behalten, kicherten nur leise - Bis nichts mehr half, und lautes Gelaechter durch die gesamte Nachbarschaft schallte. Wie lange kannten wir uns schon? Waren es Monate, Jahre? In diesen Momenten glaubten wir, es haette sich um Jahrzehnte gehandelt. An diesem Fruehlingsmittag verband uns etwas, was mittlerweile schon seit Langem zur Vergangenheit geworden ist. Sie wird nie wiederkehren. 

cn P

(Im Moment angetan von sinnlosen englischsprachigen Titeln.)

03.02.2007 um 01:12 Uhr

Am Morgen des 18. Mai 2003

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Verstoert klammerte sie sich fest, als ob sie drohte, hinunter zu stuerzen. Ein Maedchen von knapp 16 Jahren, bleich und dunkel gekleidet, hing verkrampft am Tisch des feinen Speisesaals, und wirkte so gedankenversunken, als habe sie diese Welt noch niemals klar gesehen. Der Kellner bewegte sich auf sie zu. Sie hatte den Kopf in den Nacken gelegt und sah an die Decke. Nachdem sie die fremde Person neben ihr bemerkt hatte, sah sie sie mit grossen Augen und noch immer schweigend, an. "Moechten Sie ein wenig Obst?", hoerte sie den Bediensteten fragen. Sie bemuehte sich, ihm zu antworten, aber statt einem Wort brachte sie nur ein Kopfschuetteln hervor. "Kein Wunder, ist ja auch viel zu gesund." - Der Kellner entfernte sich, scheinbar leicht aergerlich, wieder vom Tisch. Wie haette er auch wissen sollen, dass es Gruende gab, wieso das Maedchen fuer den Morgen nicht ansprechbar war. (...) 

cn P

01.02.2007 um 01:39 Uhr

Nur ein Moment am 19. September 2000

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Ich oeffnete langsam die Augen. Schwer drueckte sich mein Koerper auf den steinigen Untergrund. Ich muss auf dem Ruecken gelegen haben, denn das erste, was ich sah, war ein hellblauer Himmel mit weissen Schaefchenwolken und grelles, sommerliches Sonnenlicht. Ich lebte noch? Muehsam versuchte ich, mich zu erheben. Da stand ich und blickte an mir herab. Blut, ueberall Blut. Aber ich lebte doch noch, trotz allem? 

cn P

01.02.2007 um 01:03 Uhr

Briefe ueber Vergangenes, Verborgenes und Verstoerendes (1.2.07)

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

An A.:

Wieso weinst du nun, wo ich meine Hand, die ich dir ueber Jahre reichte, zurueck zog, nachdem du sie niemals ergriffst - sondern schmaehtest, in falschem Stolz? Was erwartest du - Dass ich sie dir weiter, bis an mein Lebensende, entgegen strecke, und mich laecherlich mache, meine Ressourcen verschwende? Die Hand wird von anderen Menschen benoetigt, von solchen, die sie zu schaetzen wissen. Nun hast du, und es ist ja nicht so, dass ich dich nie zuvor warnte, deine Chance verloren. Damit musst du leben, wie ich damit leben muss, nun wieder "Einzelkind" zu sein. Ich werde, sicher wird es auch bei dir so sein, wieder neue Menschen finden, vielleicht auch wieder solche, mit denen ich wirklich viel teilen kann. Aber das hier wird mit Sicherheit nichts mehr, liebe A.

~*~

An M.:

Spuerst du das Sehnen, das im Nebel deines Herzens umher wandert, ziellos, wie ein Wanderer, der sich in der dunklen Nacht verirrte? Fuehlst du, wie diese Gedanken an deiner Seele saugen, wie ein naiver Mensch an der Aura einen grossen Geistes - Wie die Kraft, irgendeine Kraft, an deinem Atem zehrt, deine Brust wie ein Bleigewicht gen Boden drueckt? Ich frage mich - Sollten wir nachgeben und uns unserem Schicksal fuegen? Oder muessen wir den Gang der vielen Buesser gehen, die ihre Sehnsucht unterdruecken, und weiter so leben - so tun, als sei das hier zu leben?

~*~

An P.:

Das Leiden ist - nicht nur des Menschen, auch alles Lebens Basis - Wer nun widerspricht, hat noch nicht die Augen geoeffnet: Haetten wir keinen Schmerz, haetten wir nichts, von dem unsere Freuden sich abhoben. Wir benoetigen, ob wir wollen, oder nicht, zwangslaeufig Unglueck, um Glueck zu spueren, Schmerz, um Wohlsein zu fuehlen, Hunger, um zu verstehen, was es heisst, satt zu sein. Ich weiss, dies erscheint im Moment wenig troestlich. Aber an irgendetwas muss man sich klammern, um am Leben zu bleiben. Man kann zumindest versuchen, sich selbst einen kleinen Strohhalm zu schaffen. Wenn man mehr schon nicht tun kann.

~*~

An W.:

Woellte ich laut, im Wahn, besessen, schreien: "Lass uns einigen Menschen ihr Leben versauen!" - Kaeme mir als zweites nur der, traurig-logische Gedanke: Dazu genuegte es wohl bei vielen schon, ihnen zwei Tage ihren Fernseher zu entziehen. Schon haetten viele alles verloren.

~*~

cn P

25.01.2007 um 01:34 Uhr

Gedanken zur Vergaenglichkeit (25.1.07)

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Bald war die blutige Glut erloschen, schwarze Nebel hatten sich ueber die purpurroten Seidenbaender gelegt, die ueber das Firmament ausgebreitet waren. Vergaenglichkeit machte sich in der engen unwissenden Menschenbrust breit, ein Seufzen, ein hastiger Atemzug, ein erstaunter Blick. 

Vanitas! Wieso musste alles Schoene vergehen? Wieso musste das, was eben noch bluehte, schon wieder zu Staub zerfallen?

Das Herz des unschuldigen Menschenkindes schnuerte sich zu. Wieso war es so schwer, zu verlieren, wo doch jeder Verlust auch die Entstehung einer neuen Schoenheit bedeutete? Doch es faellt dem Wesen des Menschen nicht leicht, dies zu begreifen. Der Geist mag es begreifen, Wissenschaftler schreiben von Kreislaeufen, von Logik, von gleichwertigen Energien, doch die Seele - Sie versteht oder verkraftet so vieles nicht.

Im Anblick des Zerfalls dessen, was soeben noch existierte, beginnt das menschliche Kind, in Traenen auszubrechen. Es kann sich nicht dagegen wehren. Wie grausam doch die Natur ist. Die -schoene- Natur.

Ein Bild zerfliesst, das naechste entsteht. 

cn P 

12.01.2007 um 01:09 Uhr

Mitternachtsgedanken (11.1.07)

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Als ich heute Abend am Wegesrand stand und ins Dunkel blickte, die kuehle Nachtluft einatmete, bemerkte ich, wie unendlich tiefblau der Himmel ueber mir lag, nicht so, wie in manchen Sommernaechten, wie ein dichtes Tuch aus Samt, sondern offen, endlos erscheinend, ohne dass man sich irgendeine Grenze haette vorstellen koennen. Ploetzlich erfuellte nur ein Gefuehl meine Seele: Was bringt die Sorge, was bringt das Leid - Heute blute ich, aber es wird weiter gehen. Der Lauf der Zeit wird meinen Koerper weiter tragen, wie auf einem tosenden Meer, immer weiter ins Blau, fortgetrieben vom Ufer... Dinge werden unergruendlich, werden unendlich, und selbst, wenn ich einmal sterbe - Was braechte mir Angst? Was braechte Sorge? Vielleicht muss ich leiden, muss ich sterben... Aber der Kreislauf wird nie unterbrochen werden. Und auch, wenn dieser Gedanke unlogisch erscheint, wenn man ein diesseitiges Leben betrachtet: Irgendwie gab mir diese Idee fuer einige Minuten das Gefuehl, ich braeuchte nichts und niemanden mehr zu hassen oder zu fuerchten.

cn P

22.11.2006 um 22:21 Uhr

Interpretation von J. W. von Goethes "Wandrers Nachtlied"

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Der du von dem Himmel bist,
Alles Leid und Schmerzen stillest,
Den, der doppelt elend ist,
Doppelt mit Erquickung füllest,
Ach, ich bin des Treibens müde!
Was soll all der Schmerz und Lust?
Süßer Friede,
Komm, ach komm in meine Brust!

 

In diesem Gedicht, das J. W. von Goethe unter dem Titel "Wandrers Nachtlied" im simplen Kreuzreim-Schema verfasst hat, wird der Hunger eines Reisenden nach Gefluegel, und seine Sehnsucht nach einem weichen Bett beschrieben. Die Person, als "Wanderer" bezeichnet, scheint eine laengere Reise hinter sich gebracht zu haben, verdeutlicht durch Vers 5: "ich bin des Treibens muede". Dass er sich nach einer Mahlzeit, explizit nach Gefluegel sehnt, wird in den Versen 1-4 deutlich: Es ist die Rede von einem Wesen, das sich in der Hoehe aufhaelt, demnach muss es sich um einen Vogel handeln. Auch die Phrase "doppelt mit Erquickung fuellest" spricht dafuer, denn ein Vogel versorgt den Menschen sowohl mit nahrhaftem Gefluegelfleisch, als auch mit weichen Daunenfedern, mit denen beispielsweise Kopfkissen gestopft werden. Hier finden wir also erneut einen Bezug auf des Wanderers Muedigkeit, auch deutlich in Vers 3: "Den, der doppelt elend ist" - Der Wanderer leidet also nicht nur unter Hunger, sondern auch unter einem hohen Schlafbeduerfnis. Wie dringlich ihm die Nahrungsaufnahme ist, wird in Vers 6 beschrieben, es ist gar von "Schmerz" die Rede, doch auch "Friede" und "Lust" werden mit der Nahrungsaufnahme und dem Schlaf verbunden, was sicherlich uns allen nicht unbekannt erscheint. Ein weiterer Hinweis darauf, dass der Wanderer Hunger verspuert, laesst sich zuletzt noch einmal im 8. Vers entschluesseln, in dem es heisst: "ach kommt in meine Brust". Zwar endet gekaute Nahrung im Magen, unterhalb der Brust, muss diese jedoch erst einmal passieren, bis sie an ihrem Bestimmungsort angelangt ist.

cn P

31.08.2006 um 23:49 Uhr

Lieber denkend und unzufrieden, als blind und gluecklich? (30.8.2006)

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

 

Menschen neigen oft dazu, beurteilen zu wollen, ob etwas falsch oder richtig sei... Machen sie dabei nicht schon den allerersten Fehler, da Dinge nicht immer in Schubladen einteilbar sind, schon gar nicht der menschliche Geist? Kann man sagen, ein Mensch EMPFINDE richtig oder falsch, wo doch jeder ANDERS empfindet? Wenn man sagt, jemand ist krank, weil er anders ist, als die Massen, ist man dann nicht selbst krank, weil man es sich anmasst, einem Menschen persoenliche Dinge, Gefuehle, die eigentlich nur ihn etwas angehen, vorschreiben zu wollen? Menschen moegen vor dem Gesetz gleich sein (Das hoffe ich), das ist richtig so, sie sind koerperlich vielleicht auch weitestgehend gleich, aber seelisch, charakterlich, ist jeder Mensch verschieden. Es gibt solche, die sich aehneln, es ist sehr schoen, wenn solche sich begegnen, aber charakterlich sind eben nicht alle Menschen GLEICH. Daher kann man, zumindest bei Gefuehlen und Gedanken keine Regeln aufstellen. Verhaltensregeln vielleicht... Aber sie sind von Menschenhand definierte "Gesetze", meiner Meinung nach keine biologischen, sagen wir "unabaenderlichen", WAHREN Regeln. Sie sind nichts, was man Naturgesetz nennen koennte, sondern eine Erfindung. Oft sinnvoll, das stimmt. Aber Gedanken sind frei...

Die naechste Frage, die mich beschaeftigt, waere eine "uralte" Diskussion, der Konflikt schlechthin, sozusagen, zwischen den Denkern und den nicht denken wollenden Massen. Ich sage: Es ist schlecht, wenn Menschen nicht denken, wenn sie die Wahrheit nicht erkennen wollen, sondern sich blenden. Andere sagen mir, ich sei krank, da ich mir Gedanken mache, ich solle das Leben doch lieber geniessen, ich haette ja nur eines. Wer hat Recht? Hat ueberhaupt jemand recht? Ich sehe ein, dass man gedankenlos vielleicht eher Spass haben kann, und vielen Menschen scheint Spass das wichtigste im Leben zu sein. Aber jeder hat andere Prioritaeten und eine von meinen nennt sich WAHRHEIT. Sicher kann man daran scheitern, ich stimme auch zu, dass man verrueckt werden kann, wenn man eine Frage loesen will, die sich einfach nicht loesen laesst, wenn es beispielsweise um das Dasein nach dem Tod geht oder um die Entstehung des Universums. Dinge, die niemand von uns beurteilen kann, es wird NIE eine wirklich sichere Antwort geben. Vermutungen, Theorien, wissenschaftliche Arbeiten, Gedanken. Aber eine KLARE Antwort auf die Fragen? Ich kann gut dalegen, wieso ich persoenlich finde, dass das Nachdenken wichtig ist und fuer mich ueber dem ewigen "Spass" steht. Erstens geschehen viele schlechte Dinge, wenn der Mensch nicht nachdenkt... Gedankenlosigkeit fuehrt zu Krankheit (AIDS durch Sex ohne Verhuetung), Elend (Kriegsfuehrung ohne Gedanken an die Opfer) und Unfaellen (Wenn man beispielsweise Schutzmassnahmen nicht beachtet). Sprich: Wenn man nie nachdenkt, dann koennen Dinge passieren, die sich keiner wuenscht. Daher halte ich es nicht nur fuer EGOISTISCH, sondern auch fuer GEFAEHRLICH, komplett gedankenlos, dumpf und geblendet durchs Leben zu gehen! Vielleicht hat es mit meiner Erziehung zutun, ich weiss es nicht. Schon immer sagte man mir, zu lernen sei wichtig und ich habe, das muss ich zugeben, zum Teil auch Spass daran. Ich stelle mir gerne Fragen zu meinen Interessensgebieten und habe Freude, wenn ich neue Dinge erfahre. Was ich schlimm daran? Ich fuehlte mich nicht als vollwertiger Mensch, waere ich geistig hohl, unterbelastet, wuerde nie nachdenken, wie ein toter Schwamm vor mich hin vegetieren - NEIN, danke! Ich moechte denken und ich faende es schoen, wenn mehr Menschen denken woellten und wuerden. Wieso ist Nachdenken "out" geworden? Ja, es macht vielleicht mal ungluecklich, wenn man beispielsweise das Elend der Welt betrachtet, aber ist es der richtige Weg, die Augen einfach zu verschliessen und so zu tun, als gaebe es all das gar nicht, als lebe man in einer "heilen Welt"?! Ist das der richtige Weg? Nein, ich glaube, das vergroessert das Elend noch, weil ALLE wegsehen und damit niemand etwas gegen die Probleme unternimmt! DENKEN ist wichtig. Und ich habe auch einen pesoenlichen "Drang", soetwas wie die Realitaet (Was auch immer sie sei) herausfinden zu wollen. Einfach ein Interesse, eine NEUGIER auf Erkenntnis. Wie kann es sein, dass einigen Menschen das Interesse an ihrer Umwelt vollkommen fehlt? Dass sie sich nur fuer TV-Serien, vielleicht auch noch die Fussball-Bundesliga und dann auch noch irgendeinen Star-Tratsch interessieren und fuer sonst nichts? Sicher, die Interessen jedes Menschen sind verschieden, aber ich finde es doch merkwuerdig, dass einige Leute vor dem Aussen, vor ihrem Umfeld schon, vor Allem um ihre Wohnung herum, die Augen meisterhaft verschliessen. Was meint ihr, sollte jemand sich Zeit genommen haben, dies zu lesen: Lieber blind und gluecklich, als sehend uns daher vielleicht manchmal deprimiert?

Ich persoenlich meine uebrigens, dass man sehrwohl "sehend" sein kann, ohne dauerhaft Depressionen zu haben. Man kann sich Problemen bewusst sein, kann versuchen, sie zu loesen, und trotzdem auch Glueck empfinden. Sich Auszeiten nehmen, sich auch mal ablenken (Lesen, malen, was auch immer - Was einem Freude und ein Stueckchen "heile Welt" bringt, wenn man so will), aber eben nicht blind durch die Gegend laufen. Ich bin dankbar fuer jede Person, die die Augen nicht verschliesst, dagegen vorgeht, sich vielleicht "sogar" sozial engagiert. Und wenn sie nur erkannt hat, dass es wichtig ist, nicht blind zu sein, dann ist das doch schon ein erster Schritt und Lob wert...

cn P

21.07.2006 um 00:54 Uhr

Gewisse Erinnerungen... Ungeschoent.

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Wir kannten uns nicht so gut, trafen uns, nach ihrem Liebesgestaendnis in der Stadt, am A.platz hier in B., an einem markanten Punkt, zuvor war sie hier in B. bei einer Demo gegen den Irakkrieg gewesen, bekam aber Platzangst und so trafen wir uns auch noch frueher, als geplant. Wir besuchten einige Friedhoefe. Es war Mitte Februar, eiskalt, Minusgrade. Ich war zu leicht gekleidet, fror, trug nicht einmal Handschuhe. Sie lieh mir ihre fingerlosen und die habe ich auch heute noch zuhause. Es gab nie ein Wiedersehen und die Handschuhe sehe ich nun als meine an, das ist geklaert. Nun... Aber das wusste ich damals nicht. Ich dachte, wir wuerden uns spaetestens naechstes Wochenende wiedersehen... Ich denke, es war ein Montagabend, oder ein Samstagabend, ich weiss es nicht mehr. Sie machte sogar Fotos von mir. Dann kam das Fatale. Es war der Friedhof an der G.allee, wir waren lange durch einen Park gelaufen, komplett im Dunkeln, alle Wege waren vereist, wir liefen an einem Fluss entlang, schwarzes Wasser, auf dem riesige, kristallene Eisschollen schwammen... Die Temperaturen waren auf minus 20 Grad gesunken, wir waren dennoch dort. "Tapfer" nannte es ein Freund, am naechsten Abend, als ich ihm davon erzaehlte. Auch er ahnte nicht, was kommen wuerde. Wir liessen uns auf einer Bank nieder. Weisse Blumen, welke Kraenze. Vor uns die Schemen der alten Grabmale, dahinter der Fluss, der silberne Glanz auf dem Wasser. Das blaeuliche Licht von einer Werbetafel einige Strassen weiter. Sie sass rechts von mir, stellte links von mir eine grosse schwarze 3-Docht-Kerze. Sie lachte. Sagte mehrmals, ich sei wunderschoen, mein Gesicht leuchte vom Kerzenschein so engelhaft golden. Es kam soweit, dass ich ihr meinen allerersten Kuss schenkte. Einige folgten. Es war ein merkwuerdiges Gefuehl. Meine Zunge war taub, es war so kalt. Ich bekam bei den Temperaturen sogar einen Kuss auf den Bauch. Dann sassen wir, redeten mal, mal schwiegen wir lange. Es war einmalig. Dann bekam sie aber nicht mehr, nicht das, was sie sich wohl erhoffte. Es war so kalt, ich bemerkte meine Gliedmassen nicht mehr. Trug damals nur eine schwarze Steppjacke, schwarze Lederoptik-Jeans, Biker-Stiefel. Meine Zehen spuerte ich zuerst nicht mehr, dann brannten sie. Fuehlte sich nach Erfrierungen an, aber ich blieb 'tapfer', und sie blieb es auch. Irgendwann war es Zeit, zu gehen. Sie musste ihren Zug noch bekommen... Ich sollte um 20 Uhr zuhause sein. Damals war ich knapp 16. So fuhren wir zum Bahnhof... Wenn ich sie kuesste, ihre Hand hielt, dann merkte ich gar nicht, dass wir ein ungewoehnlicher Anblick waren, nein, ich sah es als so selbstverstaendlich an, ich liebte sie so! Mit ihrem unordendlich rot-blond gefaerbtem Haar, ihrem Nietenhalsband, der olivgruenen Jacke, blaue Jeans, soweit ich mich erinnere, und Springerstiefel mit Nieten und Kettchen dran... Ich fand es komisch, dass sie mich nur so verstohlen beruehrte. Erst TAGE spaeter bemerkte ich, wieso sie es tat - Ja, sie hatte Scheu, aufzufallen. Dann standen wir an jenem Bahnhof, am Aufgang zu den anderen Bahngleisen. Sprachen wenig, sie war so verschwiegen, drueckte mir dann noch, aber erst auf meine Erinnerung hin, etwas in die Hand, was sie mir mitbringen wollte, eine bestimmte CD... Nun ja, da kam es mir schon komisch vor. Dann ging ich, sie ging auch, sie blickte sich nicht mehr um. Ich stieg in meine Bahn... Dann musste ich vom Bahnhof zu meinem Vater nach Hause laufen... Ich spuerte meine Beine gar nicht mehr, war aber sehr spaet dran, es ging gegen 9, ich rannte, und bei jedem Schritt fiel ich fast, weil ich nichts mehr spuerte! Dann kam ich heim. Alltag. Was fuer ein Tag. Und dann vergingen Tage... Genau am Tag des Treffens schrieb sie mir noch eine Email, sie haette diesen Tag wunderschoen gefunden. Dann war Ruhe. Fuer immer. Sie hatte nur meinen Koerper gewollt, aber ihn nicht bekommen.
 

20.02.2005 um 23:03 Uhr

Die Zeit

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Ich habe, und das mag bescheuert klingen, Sehnsucht nach dem Fruehjahr. Natuerlich nur nach einer idealisierten Vorstellung dessen, die sich irgendwo in meinem Hirn verfangen hat. Wenn ich alte Fotos ansehe und Bilder sehe wie jenes dort unten, kommen Erinnerungen vergangener Zeiten wieder ans Tageslicht, ueber die hinaus alles in Vergessenheit geraet, sei es Krankheit oder Allergie, die nervtoetende Hitze der Sonne oder laestige Insekten in freier Natur. Es erscheint unwirklich, unwirklich wie wohl das Gluecksgefuehl war, das ich damals hatte, Erinnerungen, bei denen ich mein Leben lang in Angst lebe, ich koennte sie vergessen, im Unwillen des Vergessens, beim Versuch, jede Sekunde, jeden Sonnenstrahl fuer immer zu konservieren, um dieses Glueck erneut verspueren zu koennen. Es wird nicht gelingen und die Fatalitaet des Lebens, so sehr ich sie schon lange zu akzeptieren und verstehen gelernt habe, macht mich krank. Nein, es ist wohl nicht diese Welt. Es ist der Fakt, am Leben zu sein, ein Wesen zu sein, dessen Geburt ein Raetsel ist, dessen Leben und Sterben ein Mysterium. Niemand von uns, die wir uns doch so gern als die Krone der Schoepfung bezeichnen, weiss, wohin die letzte Reise gehen wird. Ich geniesse das, was eine der vielen Reisen uns uebrig laesst, denen, die zurueckgeblieben sind, in dieser Welt. All diese... Nebeneffekte, diese Dinge, die noch fassbar fuer uns sind und wohl ein Ersatz fuer das Unfassbare. Und dabei... Sind auch sie nur vergaenglich und nie wird etwas dem Tod gleich kommen, ihn erklaeren koennen, oder gar besiegen. Denn besiegbar ist nichts, was man nicht einmal kennt.

Ich habe Sonnenuntergaege vor meinem geistigen Augen, die so wohl nie existiert haben. Die Dinge mit einem Filter ohne Selbstkontrolle schoenzeichnen zu koennen, es einfach zu tun, ob man will oder nicht, ist wohl ein Schutz vor der Hoffnungslosigkeit. Saehen wir alles so nuechtern, wie es ist, waere da ein Mut zu leben, gerade fuer jene, die es nie leicht hatten und es wohl auch leider kaum leichter haben werden? Ich erinnere mich an rosane Himmel, reine Explosionen an Abendfarben, oder aber das Schattenspiel auf den unregelmaessig geformten Marmorsteinen auf dem Friedhofsboden, das die Blaetter der hohen Linden im Wind verursachten. Der Stein, schwarz im Schatten, die Risse, aus denen immer mehr Substanz broeckelt. Statuen und metallene Ringe, ueberwuchert von Efeu. Verdorrender Grabschmuck... Darueber das helle Gruen des Laubs. Buchstaben an einer steinernen Wand, die niemand mehr lesen kann, die sich ausser den Wenigen wohl kaum einer ueberhaupt ansieht, an denen niemand versucht, zu verstehen... Ich will zurueck an solch einen Ort und ich kenne einige, doch sie sind nicht erreichbar, zumindest nicht im Moment. Es ist tiefster Winter und selbst wenn ich jene Plaetze besuche, ich werde das, was ich finden moechte, nicht erblickn. Schnee und Eis ueberall... Nur die Zeit kann das Problem loesen.

Und zu gern wuerde ich dennoch jenen einen, ganz bestimmten, Ort erkunden, den ich vor vielleicht einem Monat, vielleicht erinnert man sich, an einem Sonntag besucht hatte. Und zwar nur kurz, denn die Zeit verhinderte ein Verweilen. Doch, ich will auch neue Facetten kennen lernen, auch wenn die alten mir nie wirklich bekannt waren, die ohne Grenzen, und die waren in diesem Fall sehr eng. Ich will dorthin zrueck... Vielleicht... Naechste Woche schon, oder aber erst in Monaten. Die Zeit wird es zeigen.

cn P

~*~

(Eigentlich nur ein 'Nebenprodukt' meiner Tagebuchschreiberei, aber da es scheinbar auf Gefallen stoesst, an dieser Stelle noch einmal unter meinen anderen Werken... Koennt euch uebrigens auch gerne an der Abstimmung - siehe rechter Bildrand - beteiligen oder kommentieren. Das tun erstaunlich wenige...)

06.01.2005 um 19:33 Uhr

Poesie des Himmels

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken

Ich hatte schon am Vormittag die ineinander verschlungenen Gewitter- und Schoenwetterwolken beobachtet, wie sie relativ schnell ueber den Winterhimmel zogen, im seit Tagen vorherrschenden Sturm. Der Himmel schimmerte von hellblau bis dunkelgrau, Schaefchenwolken in von weiss bis schwarz zogen vorueber und die kahlen Baeume schaukelten im Wind. Nun schien alles ein wenig seltsam und Erinnerung ueberkam mich. Es war zuerst ein wenig kalt gewesen, dann jedoch machte sich eine bekannte Waerme breit. Der Himmel schien nicht wie Winter, die Wolken waren nun alle samt grau, die Sonne ging bereits unter und tauchte den Horizont in ein kraeftiges Orange. Gelb erstreckte sich seine Gischt ins helle Blau, die Luft war frisch, Sehnsucht machte sich mit den Stroemungen von kuehlem Hauch breit. April 2003, den 1. Genau so fuehlte ich mich, wie, als ich an jenem Tag meine Wohnung des Nachmittags verliess, doch damals war ich anders gekleidet gewesen, ein wenig weniger, doch, an sich, war dies ein grosser Unterschied? Ich fuehlte mich, als sei ich noch etwa 2 Jahre juenger, eine gewisse, nun vollkommen unbegruendete, Nervositaet machte sich breit. Leichte Aufregung, wie, bevor ich ihn getroffen haben sollte. Doch heute ging ich in die umgekehrte Richtung. Oefters schloss ich die Augen, hoerte nur auf die Toene der Natur, konzentrierte mich auf das Streicheln des Windhauchs, die Waerme der vergehenden Sonne. Wenn ich sie wieder oeffnete, brannte der Horizont... Nein, eigentlich war es bloss ein sanftes Glimmen. Kein seltsames Farbenspiel, wie in den letzten Wochen so oft, keine Varitaet, nur Orange, Gelb, Weiss, Blau und ein kleines wenig Grau. Dennoch malerisch, die orange gluehenden Wolkenraender. Die Gebilde hatten sich langsam ein wenig verzerrt, vergroessert, doch noch immer trennten grosse Stuecke von Himmelblau die grauen Teppiche. Ich spuerte gewissermassen Glueck, eine seltsame Zufriedenheit, trotz Kopfschmerz, trotz dem so viel schief gegangen war, doch fuer kurze Momente war dies alles vergessen. Ich lief weiter, die Schmerzen drangen alle in den Hintergrund, da war nur noch die Waerme, eine Art frischer, kurzer, Verliebtheit, Erinnerung und Melancholie. Ich dachte ueber das nach, was ich heute bereits gesagt hatte. Ja, ich lebe romantisch und Melancholie ist eines meiner gewohntesten Gefuehle. Und ich leide nicht an ihr - Ich habe sie zu lieben gelernt. Ein seltsames Gefuehl hatte die Beherrschung ueber mich gewonnen und ich sagte mir, ich sei nur eine Kuenstlerin auf der Buehne der Welt. Mein Werk wird immer weiter vollendet, mit jedem Atemzug, ich arbeite dran, suche, ohne Zwang allerdings, die Perfektion. Vielleicht werde ich scheitern, so sagte ich mir, doch erst muesse ich wagen, sonst sei alles bereits verloren. So machte ich selbstverstaendlich weiter und diese Kunst wurde zu Lebenssinn und zur Selbstverstaendlichkeit wie das Atmen. Auch die woertliche Kunst, der ich zugeneigt bin, ist eine Selbstverstaendlichkeit geworden. Ich hoffte, durch sie noch einmal leben zu koennen, von ihr leben zu koennen, von dem, was mir etwas bedeutet. Doch wird dies wohl kaum geschehen, fast sicher nicht, niemals. Und die Melancholie trug mich langsam nach Hause.