Wieder am Fluss...
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Diese alten Texte, die ich zur Zeit lese... von Mechthild von Magdeburg und anderen... darin kommen natürlich Ausdrücke vor, die heute veraltet sind, wie zum Beispiel "Pein" anstatt Schmerz oder Leid. Mechthild ist nicht die einzige, die die Pein als wichtig und segensreich für sich entdeckt hat. Plötzlich fielen mir wieder die Worte von Frau Dr. im Seniorenheim ein, die ich damals nicht verstanden hatte. Sie galt als hochgradig dement und es hieß, sie könne kaum mehr etwas verstehen und demzufolge würde sie auch nicht sprechen. Doch mit mir sprach sie bei meinen Nachtschichten sehr viel über ihre Erlebnisse. Ich schrieb manchmal mit, so interessant war das. Oftmals verstand ich intuitiv, was sie meinte, manchmal war es eh klar, manchmal aber auch gar nicht, nur vom Gefühl her war es irgendwie immer stimmig. Ja, und einmal sagte sie (ich schrieb das damals auf):
"Ich ziehe bald um." "Wohin?", fragte ich sie. "In die Peine." Ich: "Peine?" Sie: "Ja, Peine. Sie kennen das!"
Ich wusste nicht, was sie meinte und ließ es so stehen. Irgendwie traf es mich jetzt so wie ein Blitz... sie meinte die Pein, das Leid. Es sollte heißen, dass sie es annimmt. "Sie kennen das", hatte sie gesagt. Ja, ich kenne das. Aber sie war und ist mir weit voraus. Ich weiß, sie wird, wenn ich irgendwann dann hinüberwechsle, an der Türe stehen und mir helfen und mich führen...
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...diese Bilder, diese Klänge und diese Worte...
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Was für ein schönes Wort. Einer, der solche Wörter offenbar auch liebt, hat gleich eine Webseite nur für dieses Wort erstellt, schaut hier: Tandaradei
Daraus zitiert... Was ist Tandaradei?
tan|da|ra|dei!
(Ausdruck der Begeisterung; ironisch Ausdruck des Verdrusses; Anspielung auf sexuelle Tätigkeit; gesangliche Interjektion; Hinweis auf die Farbe rot; Aufforderung zu Aufmerksamkeit; verzichtbarer Luxus)
das ist ja tandaradei! (das ist wirklich großartig!);
tandaradei und tûsent stunt? (wie lange hat er dich geküsst?);
dein Mund ist aber mal wieder sehr tandaradei! (dein Mund ist sehr rot / du hast also eine Kussorgie hinter dir);
jetzt singen wir tandaradei! wie die schöne Nachtigall (jetzt singen wir besonders schön);
tandaradei! - das wär' jetzt schön! (jetzt einen Mann in meinen Armen, ach, wie wäre das schön!);
also dann: tandaradei! (also, ich wünsche dabei viel vergnügen!);
tandaradei! (Höret her, Leute!);
im politischen Raum gelten die Künste als Tandaradei (als verzichtbarer Luxus).
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Zu der träumerischen Musik von Jules Massenet die träumerischen Bilder von John William Waterhouse, dessen Frauen so aussehen wie die Damen Sehnsucht, Erinnerung und Gegenwart, wie ich sie gesehen hatte... Seine Bilder zeigen Bewunderung und Liebe.
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Aus einer Kritik:
Über die Ausgeburten von Waterhouse urteilten die Kritiker mal euphorisch, mal vernichtend. Ein Kritiker maulte, das Personal seiner Bilder entstamme weder „Träumen noch dem Tageslicht"; ein anderer schwärmte, die Kunst von Waterhouse lebe „in einer selbsterschaffenen Welt". In einem Punkt waren sich also alle einig: Der 1847 in Rom geborene Maler hatte eine Welt geschaffen, die sich weder dem Phantastischen noch der Wirklichkeit zuordnen ließ. In seiner Malerei erhielten Hexen, Mischwesen und Märchenfiguren ein neues Zuhause. Er war ein Meister darin, dem Außerordentlichen eine beiläufige, selbstverständliche Gestalt zu geben. (Julia Voss in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 23. Juli 2009)
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Erde,
du warst hart und rau.
Ich habe dich Zärtlichkeit gelehrt.
Du warst nackt.
Ich habe dich bekleidet.
Du hast gefroren.
Ich habe dir zugelächelt
und deine Freude
hat dich gewärmt.
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Furchtsam und starr
entsteigt das Leben
den Wellen.
Mit beklommenem Herzen
blickt es in die Runde.
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Zittere nicht, meine Geliebte.
Ich werde dir ein neues Kleid geben
und es weben
aus tausend und abertausend Blüten
meiner Liebe.
Jedes Jahr, jeden Frühling.
Bis ans Ende der Zeit.
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(aus: "Das Fest der Geburt, F. Leboyer)
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Die Erinnerung und die Sehnsucht - zwei sehr schöne Damen in langen fließenden Kleidern und wunderschönen großen Hüten - kamen dahergeschlendert. Arm in Arm kamen sie näher und näher, direkt auf mich zu. Ihre Schönheit war atemberaubend. Sie waren so sehr sie selbst, und das war es, was sie so besonders machte. Schwestern waren sie, und selten getrennt. Sie schlugen mich in ihren Bann... bis ich noch eine andere Person bemerkte, die sich langsam aber stetig näherte. Und das war die Gegenwart. Auch sie war eine schöne Dame, doch ganz anders gekleidet war sie und eine völlig andere Art zu gehen hatte sie. Während die Schwestern fast schwebten, ging sie auf so eigentümliche und schöne Art... so, als würde jeder ihrer Schritte und ihre ganze Gestalt geradewegs aus der Erde nach oben in den Raum fließen. Auch sie war absolut sie selbst und in dieser großen Präsenz voller Charisma, so dass ich kaum die Augen von ihr wenden konnte. Die Schwestern lächelten der Dame Gegenwart zu und entfernten sich, miteinander wispernd. Und sie, die Dame Gegenwart, kam noch näher... und während ich erwartete, dass sie vor mir haltmachen und vielleicht mit mir sprechen würde, machte sie aber nicht halt, sondern trat auf die allernatürlichste Art und Weise in mich ein und schenkte mir ihr Lächeln und ihr Jetzt.
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"Und wenn morgen die Welt untergeht, pflanze ich heute noch ein Apfelbäumchen"...
Rhetorische Fragen...
Was hat ein Apfelbäumchen in einer Jauchegrube zu suchen?
Wenn ich in eine Jauchegrube falle, was mache ich dann als erstes?
Versuchen wieder rauszukommen
und nicht, es mir darin gemütlich zu machen...
denn egal wie gemütlich ich es mir herrichte, es wird immer stinken...
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aus "Das fließende Licht der Gottheit"
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"Eia, Herr, liebe mich innig und liebe mich häufig und lange!
Denn je inniger Du mich liebst, desto reiner werde ich.
Je öfter Du mich liebst, desto schöner werde ich.
Je länger Du mich liebst, desto heiliger werde ich hier auf Erden."
"Dass ich dich überaus liebe, das habe ich von Natur,
weil ich die Liebe selber bin.
Dass ich dich oftmals liebe, hab ich von meiner Sehnsucht,
weil ich ersehne, dass man mich herzlich liebt.
Dass ich dich lange liebe, kommt von meiner Ewigkeit,
weil ich ohne Anfang und ohne Ende bin."
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...ist bekanntlich alles andere als still, heutzutage. Der Advent. Die Hütten für den Weihnachtsmarkt waren am Dienstag schon aufgebaut... ich musste hindurch um zu Mr. Train zu gelangen. Mir kam automatisch das Geruchsmischmasch von fettigen Bratwürsten, Glühwein und süßem Zeugs in die Nase und ich schauderte. - Diese Woche, die gerade vergangen ist, war irgendwie heilig. Jetzt fällt mir grade ein, dass sie eigentlich adventlich im wahren Sinn war. Still und heilig und glänzend war jeder Tag dieser Woche. Ich habe mich auch gewundert, denn ich war ja ganz normal bei mir, nicht irgendwie schwebend oder träumend. Ich empfand mich als sehr real und machte reale Dinge. Doch ich hatte jeden Tag das Gefühl, es sei Feiertag... oder mindestens Freitag vor einem heiligen Wochenende. Alles schien so aufgeräumt, die Straßen wie gefegt, die Luft glitzernd... Baulärm war da, denn in unserer Straße wird ein neues Haus gebaut, aber ich hörte ihn nicht obwohl natürlich gearbeitet wurde wie schon seit Wochen. Im Wald haben sich die Bäume geregt und mir bewusst gemacht, wie lebendig sie sind, über das Physische hinausgehend. Der Blick in den Wald war rührend. Neue Wörter müsste man erfinden für all das. Ja, und dann war da noch das mit dem Päckchen... Die Gesamtausgabe von Mechthilds Fließendem Licht der Gottheit kam gestern direkt im Wald bei mir an. Das klingt seltsam, aber so war es. Unser Postbote ist zu faul, um Päckchen direkt abzugeben, er wirft jedes Mal Benachrichtigungszettel ohne überhaupt erst zu klingeln. Neben unserem Haus führt der Weg nach oben in den Wald, und dort oben, nach ein paar hundert Metern, ist noch ein Haus, dort wohnen die von uns sogenannten Waldmenschen. Denen muss der liebe Postbote die Post hochfahren. Das zu einer Zeit, zu der ich aber mit Felix normalerweise schon längst wieder zuhause bin. Diesmal jedoch hatte Felix ein bisschen Durchfall und musste nochmal raus. Und so gingen wir also diesen Weg später noch einmal hoch, gerade als der Postbote zu den Waldmenschen fuhr... und da überreichte er mir das Fließende Licht der Gottheit höchstpersönlich im Wald... Was für eine schöne Überraschung. Da waren unangenehme Gedanken gewesen, die verschwanden spurlos als ich ganz glücklich so mit dem Buch unterm Arm geklemmt wartete, bis Felix dann doch nichts mehr machte und nach ausgiebigem Schnuppern wieder nach Hause wollte...
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Wir gehn durch einen toten Wald...
aber nicht weil er tot ist
sondern weil wir das Leben da nicht sehen...
egal ob im Winter oder im Sommer...
Die lebendigen Körper der Bäume,
ihre Arme, ihre Augen, ihre Haare, ihre Haut...
Und was sie wispern, das hören wir nicht...
Wir gehen zwischen ihnen umher
genau wie zwischen den Menschen in der Stadt
gedankenversunken
ohne zu sehen, ohne zu grüßen
die göttliche Seele in ihnen.
Ich lief im Wald, lief und lief
und plötzlich schaute ich hoch,
da standen vier Bäume nebeneinander,
vier lebendige Wesen, die sich bewegten
und große Kraft ausstrahlten...
plötzlich sah ich das... sah auch ihre Körper
wie menschliche Körper... ihre Persönlichkeit...
Dann sah ich die anderen an... um mich herum...
und dachte wie kann das nur sein,
dass ich sie so oft nicht sehe,
obwohl ich immerhin weiß, dass sie da sind...
Ist das nicht noch schlimmer als
sie überhaupt noch nie gesehen zu haben?
So viel Unachtsamkeit...
soviel dumme, nutzlose Denkerei
anstatt wirklich DA zu SEIN...
wo ich BIN...
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"Natur, meine Mutter, liebst du mich?"
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"Natürlich lieb ich dich.
Doch vergiss nicht,
du selbstsüchtiges, grausames Menschenkind,
ein Grashalm
ist mir ebenso lieb
wie ein großer Baum.
Nicht mehr und nicht weniger.
Nicht mehr und nicht weniger als du."
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(aus: "Das Fest der Geburt" von F. Leboyer)
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Nach vielem Hin und Her kam man Mitte des 16. Jahrhunderts beim Konzil von Vienne bezüglich der gefürchteten Beginen zu folgendem Entschluss:
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"Es ist uns berichtet worden, daß bestimmte Frauen, gemeinhin Beginen genannt, von einer Art Wahnsinn befallen, die Heilige Trinität disputieren und das göttliche Wesen, und Meinungen über Dinge des Glaubens und die Sakramente vertreten. ...Da diese Frauen niemanden irgendeinen Gehorsam versprechen und nicht auf ihren Besitz verzichten oder sich zu einer genehmigten (Ordens-)Regel verpflichten, ...haben wir beschlossen und mit der Zustimmung des Konzils erklärt, daß ihre Art zu leben für immer verboten ist, und daß sie alle zusammen aus der Kirche Gottes aufgeschlossen sind."
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Eine Frage an alle Bücherwürmer (klingt ja lustig im Plural): Weiß jemand von Euch, wie bzw. wo man am besten nach alten, vergriffenen, seltenen Büchern suchen kann. Ich stöbere jetzt schon ein wenig im Netz herum, nach dem Buch "Der Spiegel der einfachen Seelen" von Marguerite de Porété, aber leider ohne Erfolg. In den Antiquariaten, die ich gefunden habe, gibt es bei der online-Suche gar keinen Treffer. Bei Amazon existiert das Buch wenigstens theoretisch, ist aber "derzeit nicht verfügbar". Hm... ich MUSS das haben... Vielleicht weiß jemand, wie ich da dran kommen kann... wär klasse.
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