Das geheimnisvolle Blog ins zauberhafte Nichts

23.05.2006 um 17:35 Uhr

Vom Schlafen und unbunten Tagen

von: Solus

Musik: Radiohead - Melatonin

Im Zuge meiner erneuten Tagesrhythmus-Umstellung, denn inzwischen ging ich schon wieder früh nach 9 Uhr ins Bett, bin ich gestern 16 Uhr Schlafen gegangen. Das Schöne ist ja, daß ich während dieser Phase auch wirklich müde bin, wenn ich mich schlafen lege, ein tolles Gefühl. Und nachdem die beiden "Nächte" davor äußerst schlimm waren, weil mich wahrscheinlich mal wieder diese seltsamen Herzrhythmusstörungen heimgesucht haben, hat mein Gehirn die letzte "Nacht", die nun endlich ohne Vorkommnisse war, genutzt, sodaß ich 11 Stunden geschlafen habe. Normalerweise fühle ich mich nach 11 Stunden Schlaf wie tot, weil zu viel Schlaf genauso schlecht ist, wie zu wenig. Aber diesmal nicht, sodaß ich heute Nacht kurz nach um 3 Uhr gut aus dem Bett gekommen bin. Seitdem fühle ich mich sehr...zufrieden, im Gegensatz zum derzeitigen Rest der Welt sogar fast schon glücklich. Eigentlich müßte ich mir ein paar kleine Sorgen machen, aber heute nicht. Morgen wahrscheinlich auch nicht. Man muß solche weißen Tage auch nutzen. Na Ihr wisst schon - so ein Tag ansich ist ja immer grau. Je nachdem, wie man so generell drauf ist, blendet man hin und wieder alles Weiße aus und spricht dann von einem scharzen Tag. Genauso gibt es auch Tage, da macht man sich mal keine Sorgen, ignoriert also alles Schwarze. So läuft das zur Zeit bei mir, und das nur, weil ich mal gut und lange geschlafen habe. So eine Erfahrung widerliegt solche Filme wie "Nacht der lebenden Toten", denn so einer Toter hat ja noch viel länger gut geschlafen. Der müßte somit eigentlich froh gelaunt aus dem Grab steigen und ganz andere Interessen verfolgen, als Menschen zu töten und zu fressen. Aber ich schweife zu weit ab; was ich eigentlich noch kurz schildern wollte, war mein Zustand vorgestern. Nachts nach 23 Uhr aufgestanden und eine unruhige Nacht gehabt, sodaß ich immernoch müde war. Das ist natürlich eine äußerst interessante Erfahrung. Es ist Nacht, man ist müde, weiß aber auch, daß man ja gerade erst geschlafen hat. Im Fernsehen läuft nichts Interessantes, auf ein Computerspiel hat man auch auch keine Lust, weil man sich dazu gar nicht in der Lage fühlt, und dann schaut man auf die Uhr und liest 0:35 Uhr. Ich erinnerte mich an dieses mäßige Buch, "Momo", das ich in der 7.Klasse lesen mußte. Als hätten mich die grauen Herren, die den Menschen die Zeit wegnehmen, plötzlich vergessen. So viel Zeit übrig und nichts zu tun. Ich sah mir letztendlich einen Film an, und danach noch eine Sopranos-Folge. Wieder auf die Uhr geschaut, 4:15 Uhr, der Tag vergeht aber auch gar nicht. Und wie lange der Tag noch geht, wußte ich auch nicht, denn man will ja, um eine Verschiebung zu erreichen, auf jeden Fall später als am Tag zuvor ins Bett gehen, und am besten erst dann, wenn man wirklich richtig müde ist. Dabei war ich ja schon richtig müde. In solchen Momenten fühlt man sich vom Zeitstrahl losgelöst, irgendwie auch leer und gleichgültig gegenüber allem. Irgendwie kein gutes Gefühl und irgendwie aber doch.
Es ist jedenfalls schon toll, wie man mit ein paar Schlafanomalien Gemütszustände hevorrufen kann, für die andere viel Geld in dunklen Seitenstraßen lassen.
In einer Stunde werde ich wahrscheinlich wieder ins Bett gehen und spätestens am Wochenende schlafe ich dann endlich so, wie es jeder normale Mensch tut. Mal schauen, wie lange das anhält...

23.05.2006 um 12:03 Uhr

Greyday

von: Solus

Musik: Radiohead - Videotape

21.05.2006 um 08:26 Uhr

Germany - 36 Points

von: Solus

Musik: Knorkator - Ich hasse Musik

Na, habe ich zuviel versprochen ? Nein, es war in der Tat ein toller Abend, wenngleich die Stimmenauszählung natürlich jedem die bittere Wahrheit vor Augen geführt hat: Deutschland wird niemals wieder beim Song Contest gewinnen.
Die Jahre davor konnte man eigentlich immer recht schnell eine Ausrede finden, warum der deutsche Beitrag nicht funktioniert hat. Entweder er war von Ralph Siegel und damit chancenlos, oder er war albern (Horn, Raab), oder aber der Interpret hatte schlichtweg nicht so gut gesungen (z.B. Max), bzw. ganz fürchterlich gesungen (Gracia). Diesmal hat aber alles gestimmt. "No, no never" war ohrwurmig, stach aus der Menge heraus und wurde fehlerfrei vorgetragen. Ich hätte sie so auf Platz 8 gesehen, Platz 14 ist es nun nur geworden. Und da kann man auch nicht die Ostblockländereien verfluchen, die sich gegenseitig die Punkte zuschieben, denn der Gewinner Finnland ist ja kein Ostblockland und war letztes Jahr sogar aus dem Vorfinale geflogen. Nein, die Wahrheit ist, daß niemand in Europa Musik aus Deutschland hören will, egal wen oder was wir da hinschicken. Mein Vorschlag für 2007 ist übrigens "Rammstein", denn nächstes Jahr könnten in Finnland doch recht viele "Schockrocker" antreten, um den angeblichen Trend hinterherzurennen, und damit wird wenigstens wieder unseren fantastischen 15.Platz sicher haben, müssen wir natürlich schon die Meister des Schock'n'Roll an die Front schicken.

Zum Schluß noch zwei Aufreger, die ich loswerden muß.

1. Malta gibt 12 Punkte an Ralph Siegel !
Bitte was ? Wie geht denn das ? Hat der Ralph dort irgendwelche Bekannte wohnen, die 10 Minuten lang Dauervoting betrieben haben ? Oder besitzen die Malteser schlichtweg einen kranken Humor ? So oder so wird dem Bundestag am Montag nichts anderes übrig bleiben, als Malta den Krieg zu erklären. Das können wir so nicht auf uns sitzenlassen.

2. Thomas Hermanns Ergebnispräsentation
Entweder lag es an der Angst vor dem Pferd, auf dem Herr Hermanns saß, oder es war der Schock über das schlechte Abschneiden von Texas Lightning, seine Moderation war jedenfalls schlichtweg ein totaler Rohrkrepierer. Paralysiert und verstört wirkend sagte er erst gar nichts, als die Punktvergabe von 1 bis 7 angezeigt wurde, und dann folgte nur noch ein stupides Aufsagen der Punkte mit dem Englischwortschatz eines Viertklässlers. Totalausfall.

Ansonsten gab es nichts weiter zum aufregen...nein, auch über Lordi sollte man sich kritische Worte sparen. Die waren nicht alberner und kommerzieller, als andere "Hardrock"-Bands es sind. Sie sind eben nur geschickter darin, sich zu vermarkten, und der Song ging natürlich auch ins Ohr. Kann man nichts dagegen sagen.

20.05.2006 um 10:28 Uhr

Die Welt blickt nach Athen

von: Solus

Musik: Superformy - Pop Will Save The World

Huihuihui bin ich aufgeregt. Noch ein paar Stunden, dann startet der Eurovision Song Contest. Natürlich werden wir wieder nicht gewinnen, und natürlich werde ich mich wieder über jeden Teilnehmer aufregen, wie grottenschlecht oder gar peinlich er ist, und natürlich werde ich mich am Ende wieder über jeden Punkt freuen, den Ralph Siegel nicht bekommt. Das gehört eben alles zur Song Contest Tradition. Da habe ich schon fast Mitleid mit all denen, die sich für zu cool halten, diesem Event beizuwohnen. Diesen Leuten entgeht ein ganz toller Abend.

Aber noch ist es nicht zu spät ! Schaltet alle heute Abend 21 Uhr ARD ein und lasst Euch von der erotischen Stimme Peter Urbans in eine andere Welt führen, eine Welt der Kirmestechnoschlager und Schleimballaden. Lasst Euch von überdrehten Tanzeinlagen und herumwirbelnden, peinlichen Kostümen verzaubern ! Und haltet gespannt inne, wenn Texas Lightning mit ihrem Song fertig sind, um die Stärke des Applauses auszuloten ! Ob wir zumindest unter den besten Fünf landen werden ? Die Spannung ist kaum noch auszuhalten, der heutige Abend wird magisch.

19.05.2006 um 10:01 Uhr

Me against Nonnen

von: Solus

Musik: Drugstore feat. Thom Yorke - El President

Ein Hauch von Demokratie weht über der Stadt, denn am 11.Juni sind Bürgermeisterwahlen. Kaum wurden am letzten Mittwoch die 5 Kandidaten legitimiert, befindet sich der Wahlkampf schon in der heißen Phase. Z.B. hat der Kandidat der CDU, Detlef Nonnen, der übrigens auch aussieht wie ein typischer CDUler, meiner Mutter eine Tüte in die Hand gedrückt. Inhalt: Ein Wahlprogramm, ein WM-Terminplaner und ein Salzgebäck. Auf den ersten Blick ein durchaus originelles Wahlwerbegeschenk, aber wenn man etwas kombiniert, erkennt man recht schnell den machiavellistischen Plan Detlef Nonnens. Sport, Salzgebäck - na, woran erinnert das uns ? Richtig, an diese Nachricht, die damals durch alle Medien ging, daß George W. Bush beim Anschauen eines Sportevents beinahe an einer Salzbrezel erstickt wäre. Damit wird klar, was Nonnen vor hat: Er vergibt WM-Planer und Salzgebäck an all die Leute, die nicht so aussehen, als würden sie CDU wählen, also alle unter 60. Am 9.6. ist das erste Spiel; Deutschland gegen Costa Rica. All die NichtCDU-Wähler werden dank des Planers vor dem Fernseher sitzen, froh gelaunt ins Gebäck beißen und daran ersticken. Die Einzigen, die überleben, sind somit die CDU-Wähler, die dann zwei Tage später Nonnen zur Macht verhelfen. Und das ist erst der Anfang, denn vom Chemnitzer Oberbürgermeister zum Deutschen Kanzler ist es dann nur noch ein kleiner Sprung. Schon bald werden wir alle unter der Herrschaft dieses Mannes leben müssen. Aber ich werde es zu verhindern wissen. In den nächsten Tagen beginne ich damit, eine Widerstandsgruppe aufzubauen, eine Armee der Freiheit. Am 11.6. um 17:59 Uhr werden wir dann mit einem Heißluftballon, den ich diesen Sonntag vom "Zweiten Chemnitzer Ballonfest" entwende, in den städtischen Sendemast fliegen und ihn zum Einsturz bringen. Dadurch wird die WM-Übertragung ausfallen und die Machtergreifung Nonnens verhindert.

Wahrscheinlich werde ich bei diesem Einsatz sterben, aber der Preis ist gering, wenn Deutschland, nein die ganze Welt, davor bewahrt werden kann, in ein dunkles Zeitalter zu stürzen.

Für ein nonnenfreies Deutschland ! Viva la Liberté, mes amies !

Ach übrigens, es gibt auch schon ein Spiel zum Chemnitzer OB-Wahlkampf. Und wer führt da wohl die Highscore an...

17.05.2006 um 09:26 Uhr

Nierensteinenews

von: Solus

Nur ein kleines Update: Am 30.5. muß ich zum Urologen.

P.S. Ich habe vollstes Verständnis, wenn sich nach der Lektüre dieser brisanten Information einige Leser dazu entscheiden, dieses Blog nicht mehr zu besuchen.

17.05.2006 um 07:59 Uhr

Die tun das doch mit Absicht

von: Solus

Musik: Björk - It's oh so quiet

Wahrscheinlich ist jeder Arbeitende ziemlich frustriert darüber, daß er täglich früh raus muß, Stunden lang irgendeine stupide Tätigkeit durchführt und Abends zu Müde ist, um noch irgendetwas Sinnvolles zu tun. Und dann sind da noch diese ganzen anderen Menschen, die nicht arbeiten müssen und deshalb ausschlafen können und einen schönen Tag haben. Die wenigsten Arbeiter können ihren Frust darüber herauslassen, weil sie entweder während des gesamten Tages keinen Kontakt zu Nichtarbeitern haben oder es ein Teil ihres Berufes ist, zu jedem Menschen freundlich zu sein. Aber es gibt da ein paar glückliche Berufsgruppen, die können jeden Tag bedenkenlos sämtliche Agressionen freien Lauf lassen, und davon machen sie auch Gebrauch. Wer ? Ganz einfach, die Straßenarbeiter, die Gärtner, die Handwerker - eben alle, die ihre Arbeit dazu benutzen können, Nichtarbeitern so richtig den Tag zu verderben. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, warum z.B. die Straßenarbeiter vor meinem Haus früh um 6 Uhr mit lautem Gehämmer die gesamte noch schlafende Nachbarschaft aus den Betten klopfen, nur um eine Minute später damit wieder aufzuhören und sich für eine Stunde in ihren gemütlichen Baucontainer zurückzuziehen, wo sie wahrscheinlich mit Bier und Blondinenwitzen die Zeit totschlagen. Natürlich nur für eine Stunde, denn Punkt 7 Uhr dürfen sie ja dann offiziell ihren Presslufthammer und Bagger anwerfen. Das tun sie auch, für etwa zwei Stunden. Danach sollte auch der letzte Faulpelz hellwach sein, sodaß man sich für den Rest des Tages mit ruhigeren Arbeiten beschäftigen kann. Gepresslufthammert wird natürlich erst wieder am nächsten Tag Punkt 7 Uhr.
Ähnlich gehen auch die Handwerker vor, die ihre Steine ebenfalls nur von 7 bis 9 durch ihr Rohr nach unten in den Container poltern lassen. Selbiger wird natürlich auch öfters geleert, damit es richtig schön kracht, wenn die Steine auf das Metall fallen. Oder die Rasen- u. Heckenpfleger, auch sie fahren nur in der Frühe mit ihrem lauten Rasenmäher herum. Später wird nur noch gemütlich Gras zusammengeharkt. Das geht schnell, sodaß sie auch mal eher Schluß machen können. Dafür sind sie natürlich am nächsten Morgen wieder pünktlich zur Stelle, um mit ihren Motorsägen die Hecken zu schneiden. Alles Schikane. Ich kann es natürlich nicht beweisen, aber spätestens wenn früh halb 8 Uhr ein Bauarbeiter an der eigenen Tür klingelt, weil er den Keller aufgeschlossen haben will - sich beim Hausbesitzer den Schlüssel abholen wäre ja absurd, da wird auch der Letzte mißtrauig. Die machen das doch alle mit Absicht. Wie zufrieden sie sich wohl fühlen, wenn sie sich mal wieder sicher sein können, daß mehrere Leute dank ihrer Zeitplanung nicht mehr weiterschlafen können.

Irgendein findiger Journalist sollte sich einmal bei den Bauarbeitern einschleichen und undercover Beweise für dieses Verhalten sammeln. Das wäre ein toller Skandal. "DEUTSCHE BAUARBEITER TERRORISIEREN SCHLAFENDE BÜRGER - KEIN EINZELFALL". Wolfang Tiefensee müßte zurücktreten, seine Nachfolgerin Heide Simonis würde sofort stärkere Kontrollen versprechen, dicht gefolgt von einer etwa zwei Wochen andauernden Nachrichtenflut über diverse Inhaftierungen bösartiger Vorarbeiter.
Danach würde dann natürlich niemand mehr darüber reden und die Straßenarbeiter und Rasenmähermänner könnten wieder fröhlich herumlärmen, aber immerhin...ähm...nun, immerhin hätte Heide Simonis wieder einen Job.

16.05.2006 um 07:32 Uhr

Music for the masses

von: Solus

Mein Masterplan sah vor, erst zum 100.Eintrag hier etwas Musikalisches zu veröffentlichen, aber da Blogigo ja vielleicht demnächst explodiert, also schon jetzt.

Solus präsentiert: Die Langeweile

Bitte nichts Großes erwarten; das Lied habe ich irgendwann einmal in einer Nacht zusammengebastelt und die Vocals eingesungen. Mit denen war ich dann aber nicht zufrieden, weil meine Stimme ja nicht audiogen ist, ich auch nicht wirklich gut singen kann und mir das nötige Equipment fehlt. Also lag das Lied viele Wochen auf der Festplatte herum, bis ich die Vocals noch einmal neu eingesungen habe, die ebenfalls für schlecht befand und letztendlich nun doch wieder die Alten benutze. Diese und das Lied schnell noch durch ein paar Audio-Plugins gejagt und nun ist sie fertig, Die Langeweile. Die unzähligen Stammbesucher kennen den Text ja schon und können fröhlich mitsingen. Die Lange-weile-bohrt sich-durch meine Stirn...

12.05.2006 um 08:20 Uhr

Ist es ein Stöckchen ? Nein, es ist "14", das Superstöckchen...

von: Solus

Da "Stöckchen", so heißen diese ganzen Fragebogen, die sämtliche Blogs unsicher machen, ja eigentlich eine weitere bösartige Erfindung der Sammler sind, um an Informationen zu kommen, fülle ich ja eigentlich solche Fragebogen niemalsnie aus. Aber weil ich heute meinen guten Tag habe, also im Grunde ist er nicht besser, als all die anderen Tage, aber dennoch habe ich mich dazu entschieden, nicht nur selbst ein eigenes Stöckchen zu entwerfen, nein, ich fülle es sogar noch aus. Also aufgepasst, hier kommt "14, das Superstöckchen":
 
Vierzehn !
...Badezusätze, die Du besitzt
Elcurina Frucht&Milch, Elcurina Oxygen, Braeco Exotic Frucht, Alpiflor Latschenkiefer, Meister Frühlingsblumen, Lavati Eukalyptus & Minze, ALGI Wilde Orange, Lavati Lavendel & Limette, Altapharma Rheumabad (Fichtennadel), Tetesept Moorbad, Kneipp Wacholderöl, Kneipp Rosmarinöl, Kneipp Lavendelöl, Kneipp Mandelöl
...Minerale, die bei Dir im Schrank herumstehen
Howlith, Citrin, Markasit, Amthyst, Vanadinit, Pyrit, Azurit, Coelestin, Leopardenjaspis, Moosachat, Moosopal, Thymermikit, Chalkantit, Fluorit
...verschiedene Computerzeitschriften, die sich in Deinem Zimmer stapeln
Atari Magazin, Amiga Joker, Play Time, Gamers, Amiga Magazin, Amiga Games, Amiga Special, Amiga Plus, Amiga Dos, PC Games, PC Joker, Gamestar, Powerplay, CT
...Orte, deren Toilette Du schon mal betreten hast
Wohnung, Schule, Universität, Krankenhaus in Chemnitz, Krankenhaus in Dresden, Wohnung eines Freundes, Reisebus, Zug, Hotel in Bulgarien, Ferienhaus auf Mön in Dänemark, Ferienhaus auf Falster in Dänemark, Voxxx-Club in Chemnitz, Fastfood-Restaurant in Berlin, Club in Dresden
...schöne Momente in Deinem Leben
Passe.
...Schandtaten, die Du im Kindergarten begangen hast
-Alle Kinder während des Mittagsschlafes aufgeweckt
-jemanden ausversehen mit der Schaufel auf den Kopf gehauen
-das vordere Ende eines Alu-Löffels abgebogen
-den kaputten Löffel unter dem Schuhregal verschwinden lassen anstatt, wie gefordert, ihn zur Kindergartenchefin zu bringen
-der Erzieherin vorgelogen, die Chefin hätte "nichts" zum kaputten Löffel gesagt
-mit Bauklötzern die Bauklotzbauten anderer Kinder eingeworfen
-dabei ein Kind an den Kopf getroffen
-einem Kind Hustentabletten gegeben sodaß die Mutter einen Schock bekam, als er zu hause erzählte, er hätte Tabletten gegessen
-das Kissen eines Kindes in den Dreck geworfen
-beim "Wir formen aus Knete einen Pilz" einen Penis geformt
-beim "Wir malen einen Schneemann" nur eine weiße Kugel gemalt
-Mittagessen nicht gegessen
-ein dummes Kind dazu gebracht, eine Vogelbeere zu essen
-am letzten Kindergartentag vergessen das Handtuch aus dem Zimmer zu holen, sodaß die Chefin nachmittags das Zimmer noch
einmal aufschließen mußte und mir dann zum Abschied hinterher schrie, daß es bei mir in der Schule nur Vieren und Fünfen hageln würde
(ging in der DDR nur bis zur 5...)
...Leute, über die Du Dich hinter ihrem Rücken lustig gemacht hast
Tomek, Ronald, Robert, Corina, Anja, Henrick, Andre, Alex, Nico, Jan, Martin, Frau Wolf, "Sunni"
...Vokabeln, welche Du Dir aus dem Französischunterricht gemerkt hast
Je, suis, dans, la, cuisine, avec, chat, vite, gare, tortue, ordinateur, le, les, terrible
...Vierzehnjährige, die Du kennst
Passe.
...in Deinem Nachtschrank herumliegende Medikamente
Bisoprolol Sandoz, Paracetamol, ASS, Aspirin Plus C, Berlosin, Loperamid akut, Imodium akut, Vivinox Beruhigungsdragees, Novalgin Tropfen,
Zirkulin Magenpastillen, Otobacid Ohrentropfen, Paodontal Mundsalbe, Solupen N, Dexa.Siozwo Nasensalbe
...Puzzlemotive, die Du besitzt
"Zwerge gehen schlafen", "Zwerg Nase", Sinbad, Tom&Jerry, Graf Duckula, Duck Tales, "Die Wunderlampe", Donald Duck und Löwe, Asterix, "Familie Feuerstein Felstal Boogie", "Die Indianer", "Popeye Partie", "Kätzchen mit Rosen", Goofy im Wasser
...Lottozahlen, die Du in den letzten 3 Wochen getippt hast
4,6,9,14,19,20,23,24,26,30,31,34,39,44
...Orte, an denen Du schon Glühwürmchen gefangen hast
Passe.
...Lieblingscomputerspielmusikkomponisten
Alexander Brandon, Jesper Kyd, Chris Hülsbeck, Stephane Picq, Tim Wright, David Whittaker, Rob Hubbard, Richard Joseph, Jason Brooke,Frédéric Motte,Raphael Gesqua, Matthew Seldon, Christophe Fevre, Alain Lambin
...Leute, die dieses Stöckchen annehmen und ausfüllen sollen
Tomek, Ronald, Robert, Corina, Anja, Henrick, Andre, Alex, Nico, Jan, Martin, Frau Wolf, "Sunni"
 

08.05.2006 um 08:19 Uhr

Der Lehrer

von: Solus

("Der Lehrer", 2006)

08.05.2006 um 08:12 Uhr

Achtung, Hammerthema: Schuluniformen !

von: Solus

Musik: Björk - Cover me

Es spukt mal wieder dieses eine, leidige Thema in den Medien herum: Schuluniform. Schuld daran ist Frau Zypries, ihres Zeichens Justizministerin. Nachdem sie mit ihrer Neuauflage des Urheberrechtsgesetz kürzlich Millionen von Bundesbürger, darum unzählige Jugendliche, kriminalisiert hat, brutzelt in ihrem Kopf schon die nächste schlaue Idee: Einheitskleidung für Schüler, und schon müssen die Moslems sich ordentlich anziehen und keiner wird mehr aus der Gruppe ausgegrenzt, wenn er keine Markenkleidung trägt. Friede, Freude, Eierkuchen.
Nun, so einfach ist das alles natürlich überhaupt nicht; würde Frau Zypries ihre spontanen Geistesblitze etwas überdenken, käme sie sicherlich auch zu der Erkenntnis, daß wenn man die ganzen Kinderlein in hübsche Schuluniformen steckt, zählt dann eben ab sofort, wer den teuersten Füller besitzt, aufbewahrt im Edelfederkästchen, transportiert im Marken-Schulranzen. Man müßte also auch noch sämtliche Schulsachen stellen - ob sich das der Staat leisten kann ? Und selbst wenn, die "Kids" sind da in der Beziehung äußerst kreativ, denn Uhr, Handy samt Klingelton, Piercing und Co. bieten ebenfalls wunderbare Möglichkeiten, den Familien-Reichtum untereinander auszuloten. Also müßte das alles verboten werden, nur damit sich der Nachwuchs dann eben gegenseitig vorhält, was die Eltern so beruflich machen. "Was, Deine Mutter ist nur Verkäuferin ? Verpiss Dich ! Und von dem dort ist der Vater arbeitslos, den können wir dafür gleich mal verprügeln..." Klingt übertrieben, aber in Grundzügen gab es das schon zu meiner Schulzeit.
Kurz gesagt, mal davon abgesehen, daß eine Schuluniformspflicht kaum zu finanzieren ist, bringt es für die Eingliederung von Jugendlichen sozialschwacher Familien rein gar nichts, die Konkurrenz und das gegenseitige Vergleichen geht auf anderen Ebenen weiter. Und das Gemeinsamkeitsgefühl wird auch nicht gestärkt - hat zumindest das in der DDR auch nicht funktioniert, nachdem ich in den zwei/drei Jahren als Jungpionier auch schon mal von anderen Jungpionieren ein paar auf die Schnauze bekommen habe. Und ich gehe jede Wette ein, daß das auch in der Hitlerjugend nicht hundertprozentig funktioniert hat; trotz der forcierten Zucht und Ordnung, die heutzutage im übrigen ja fehlen würde.

Bleibt also nur der Nutzen, daß die Muselmädchen keinen Mummenschanz mehr betreiben können. Nur dafür braucht man keine Schuluniform, da reicht auch ein gesetzliches Verbot, wobei natürlich der Sinn dahinter extra mal zu klären wäre. So ein Mädchen in einer Burka kann den Lehrer doch nicht mehr stören, als das stinkende Schmuddelmädchen aus der Fensterreihe, der kahlgeschorene Nachwuchsnazi hinten links, das tiefschwarzgekleidete Gothmädchen in der letzten Reihe, die während des gesamten Unterrichts auf kariertem Papier kleine Kreuze zeichnet, oder gar der gutaussehende, intelligente Typ in der vorletzten Reihe, der sich entweder nach hinten dreht, um beim Kreuzemalen aufzupassen, oder dem Typen neben ihm selbsterdachte Witze über das Schnuddelmädchen und dem Nachwuchsnazi erzählt, der in der siebten Klasse noch normal und sein guter Freund gewesen ist...ähm, also so viel schlimmer kann das doch für den Lehrer gar nicht sein, oder ? Also lassen wir doch den muslimischen Schülern ihre Vermummungen und schauen lieber interressiert zu, wie es auch bei denen losgeht, mit "Geh weg ! Mein Kopftuch ist viel teurer als Deins !" - "Achja ? Dafür ist meine Burka von Al-Adidas !"

05.05.2006 um 08:01 Uhr

Review zu "Verbotene Früchte", Blumfeld

von: Solus

Gemächlich und schwer, aber keinesfalls traurig klingen die ersten Akkorde der Gitarre. Es scheint für den Briefträger beschwerlich zu sein, sich mühsam seinen Weg durch den in der Nacht angesammelten Schnee zu bahnen. Oben am Fenster, im Warmen, da steht Jochen Distelmeyer und tut das, was er schon auf dem letzten Album für sich entdeckt hat, als er jenseits von jedem saß und einfach das Geschehen beobachtete. Nun observiert er wieder und notiert, was er so sieht. Das ist der schon genannte Briefträger, aber auch der Nachbar, eine Krähe, Möwen oder Eisblumen. Wahrscheinlich sieht er auch, wie Autos nicht anspringen, wie alte Frauen auf der Straße ausrutschen und sich ein Obdachterloser den Tag warm säuft, aber darum geht es diesmal gar nicht. Die Devise heißt "Sich an den kleinen Dingen des Lebens erfreuen". In Ansätzen steckte diese Idee schon in "Die Welt ist schön", aber nun möchte uns Herr Distelmeyer noch so viel mehr kleine, schöne Dinge zeigen, und beginnt eben mit dem Schnee. Dieses Wort "Schnee" fällt sehr oft in diesem Lied, und jeder andere würde vom Deutschlehrer dafür einen roten Strich samt "Wortwiederholung" auf seinen Aufsatz gemalt bekommen, aber weil nun mal im Winter überall, wo man hinsieht, immer nur Schnee zu sehen ist, hat der Jochen natürlich Recht. Und selbst wenn nicht, hätte er es trotzdem gedurft, denn der Jochen darf alles, das wissen nur einige noch nicht. Zum Beispiel darf er den Apfelmann besingen, wie er es im zweiten Lied auf dem Album sogleich tut.
Gewitzt und voller Energie setzen Blumfeld diesem ganz speziellen Verkäufer, mit all seinen merkwürdigklingenden Apfelsorten ein musikalisches Denkmal. Über diese erfrischende Idee staunt natürlich der Leihe und der Kenner wundert sich, denn Blumfeld ist doch eher eine ernste Band, oder doch nicht ? Das ist eben immer so eine Sache mit Blumfeld. Ohne auch nur in Ansätzen ironisch oder zynisch zu sein, weiß man bei dem einem oder anderen Lied trotzdem nie so richtig, wie das nun gemeint ist. So hört dann jeder das heraus, was er gern hören möchte und Herr Distelmeyer ist fein aus dem Schneider. Diesmal hat er sich jedoch bei zwei Liedern von der eindeutigen Uneindeutigkeit zu weit erfernt. Das ist zum einen der erwähnte Apfelmann, an dessen Humorigkeit es nichts zu rütteln gibt, und das ist zum anderen seine Freundschaftserklärung an die lieben Tiere. Aber nicht so schnell, davor wird der Zuhörer erst einmal mit einem rasanten, lauten "Strobohobo" aus dem Sessel gerissen, ein kraftvolles Irgendwas zwischen dem typischen Sound, wenn Blumfeld auf aggresiv machen, und einem neuaufgesetzten Gipfeltreffen illustrer Gestalten. Das macht Laune. Und der Elan, den das Album bis jetzt aufgebaut hat, bleibt mit "Heiß die Segel" noch für ein weiteres Lied erhalten, das vom Aufbau her auch eine elektronische Tanznummer sein könnte. Soweit sind Blumfeld aber dann nicht gegangen, dennoch ganz toll auf jeden Fall das Spinett im Hintergrund, und natürlich auch sehr schön, daß sich mit Jochen endlich mal ein Populärmusiker dem Thema "Schifffahrt" zuwendet, welches ja sonst in dem Bereich eher gemieden wird (auch schon vor der Rechtschreibreform).
Nach dem kleinen Abstecher in den weiten Ozean wird das Album nun zum ersten Mal wirklich blumfeldig, denn "April" ist auf jeden Fall eines dieser Lieder, bei denen den Blumfeldhassern die Ohren bluten, während sie sich über weißem Porzellan erbrechen. Dabei singt der Jochen nur vom schönen April, wie sich die Natur in ihren schönsten Farben zeigt, die Tiere ihre Frühjahrsmütigkeit überwinden und das Wetter mit den Menschlein "Lass Dich überraschen" spielt. Ein wunderschönes Lied ist das, voller Wärme und Glückseeligkeit. Man muß es einfach gern haben, es sei denn, man isst kleine Kinder. Doch genug davon, denn mit "Tiere um uns" folgt nun ein wahrer Meilenstein im Schaffen Distelmeyers, wenngleich, wie schon erwähnt, er mit seiner euphorischen Aufforderung, den Tieren eine Chance zu geben und ihnen ein Freund zu sein, es diesmal übertrieben hat. Das kann er einfach nicht ernst meinen, nein, stattdessen parodiert er mit diesem Lied eindeutig das naiv-verklärte Denken von einem typischen Frosch-über-die-Straße-Träger. Zu diesem Lied könnte die Klasse 3B der Hans-Christian-Ströbele-Gesamtschule direkt eine Tanz-Aufführung in der Aula veranstalten. Die Jungs wären alle als Tiere verkleidet und würden im Kreis herumlaufen, während in der Mitte die Mädchen eine Choreografie vortanzen und bei der Zeile "unzählige Arten sehen Dich an" mit ihren Händen weit um ihren Körper kreisen - so, wie es sich die Musiklehrerin, die früher mal ein Hippie war, ausgedacht hat.
Wer Blumfeld bisher immer zu ernst genommen hat, ist spätestens nach diesem Lied äußerst verwirrt und verschreckt - der perfekte Zeitpunkt also, sich erst einmal entspannt zurückzulegen, die Augen zu schließen und den fernöstlichen Klängen zu lauschen, die urplötzlich den Raum erfüllen. Mit Percussion, Gitarre und Sitar bewaffnet, lassen Blumfeld nun indische Folklore aufleben und malen uns die schönsten Wälder und Wiesen in unsere Denkblasen. Es geht um einen herumfliegenden Schmetterling, und so ganz nebenbei wird auch noch eine kleine Fabel gestrickt. Wieder eines dieser Lieder, die man auf diesem Album nicht erwartet hätte. Da wirkt der darauf folgende, etwas schnellere Popsong "Tics" schon fast zu konventionell für das Album. Es ist übrigens die erste Single-Auskopplung und soll ganz speziell das Album repräsentieren, das ist immer so bei Blumfeld. Und es macht sogar Sinn, denn der Song über Unzufriedenheit und der Ungerechtigkeit des Lebens ist eine grobe Collage einiger Gründe, warum man sich nur an den kleinen Dingen im Leben erfreuen kann. Weiter hätte man im übrigen das Thema auch nicht ausbreiten dürfen, weil das auf den anderen Alben schon zur Genüge getan wurde. Das liegt ja diesmal auch gar nicht in der Absicht Distelmeyers, stattdessen besingt er nun nach Schnee und Schmetterling einen weiteren [i]natural eyecatcher[/i], den Fluss. Schließlich stand jeder schon einmal auf einer Brücke und blickte fasziniert ins fließende Wasser, mit den Gedanken dort, wo dieses Wasser hinfließen könnte, oder auch beim Überlegen, wie aus einem kleinen Bächlein im Wald so ein reißender Strom werden kann. Jochen nimmt uns einfach mal mit zur weit abgelegenen Quelle, und von dort erst als Bach, dann als großer Fluss, an dem sich ganze Städte niedergelassen haben, bis zum unendlichen Meer, um irgendwann als Regen wieder seinen Weg zurück zur Quelle zu finden. Ein Hauch von Fernweh, aber auch der Wunsch, irgendwann wieder nach hause zurückzukehren, durchzieht dieses Lied - ein wiederkehrendes Gefühl auf diesem Album.
Doch bevor man sich darüber Gedanken machen kann, schläfert uns Herr Distelmeyer mit seinem kleinen Lied ganz flink ein. Einen Schandfleck gibt es eben doch auf fast jedem Album, und wenngleich das zehnte Lied auf dem Album ansich ganz nett klingt, ist es doch recht banal und überflüssig. Vielleicht soll es ja den Kritikern, die Blumfeld langweilig finden, einmal zeigen, was Langeweile wirklich bedeutet. Mission erfolgreich abgeschlossen, Herr Distelmeyer. Glücklicherweise sind diese 205 langen Sekunden irgendwann schließlich vorbei und alles wird wieder gut. Flott und auf dem Punkt gebracht blättert Distelmeyer nun durch das gesamte Philosophie-Lehrbuch Sekundarstufe II und liefert die Antworten auf Fragen nach dem Sinn des Lebens oder Prädestination, aber auch, was nach dem Tod kommt. Nichts übrigens, also zumindest kein neues Leben. Wir leben nur einmal, und das völlig ohne Grund, können aber wenigstens selbst bestimmen, was wir mit diesem grundlosen Leben anfangen. Na endlich mal eine klare Antwort. Und so völker- und menschenverbindend, das alles, denn wir sitzen alle im selben Boot. Anstatt uns gegenseitig fertigzumachen, sollten wir uns also untereinander helfen. Klingt nett, ist aber auch irgendwie leicht vermessen, daß man hier so die ultimative Wahrheit serviert bekommt. Aber so ist der Jochen, der hat da feste Ansichten, und nach früheren Liedern wie "Eintragung ins Nichts" (...das sind wir) ist das auch alles nicht mehr so überraschend. Also erfreuen wir uns einfach am typischen Blumfeldsound, den weniger typischen Kollektivgesang und schon geht es weiter zum Finale des Albums, dem Mann, "Der sich dachte".
Ganz groß ist dieses Lied, das uns die Lebensgeschichte eines Mannes mit Idealen erzählt, der am Ende zwar nichts von seinen Zielen erreicht hat, es aber keinesfalls bereut, sich engagiert zu haben. Obwohl dieser leicht bluesige Song weniger konkret ist, als das vergleichbare "So lebe ich", wird man auch hier die Vermutung nicht los, daß ihm gewisse autobiographische Wurzeln zu Grunde liegen. Er könnte fast eine leise Rechtfertigung sein, warum Blumfeld nicht mehr das ist, was es mal war, und warum das auch gut so ist, aber Jochen Distelmeyer braucht sich natürlich vor nichts zu rechtfertigen. Der tut es im letzten Lied dem Mann von eben übrigens gleich und schaut ebenfalls den Vögeln hinterher. Und nicht nur das, in Gedanken wird er selbst ein Rabe und fliegt mit seinen Artgenossen in die weite Welt, um sich am sorglosen Rabendasein und der Natur um ihn herum zu erfreuen. Erst, als er nach einem Jahr von seiner Liebsten (?) träumt, kehrt er zurück und negiert die Transformation.
Auch in diesem Lied treffen wieder die zwei konträren Verlangen, einmal nach der Ferne und der damit verbundenen Freiheit, einmal nach der Heimat und den dort lebenden Menschen, aufeinander. In "Strobohobo" erst nur als Aufforderung, fremde Großstädte zu bereisen, taucht diese Problematik vorallem in "Heiß die Segel" auf, als er zusammen mit anderen die Freiheit auf der weiten See genießt, dann aber an seine Liebe zurückdenkt, die scheinbar zu hause geblieben ist. In "Schmetterlings Gang" scheint Jochen Distelmeyer fast neidisch auf den fliegenden Falter zu sein, daß er sich von jeglicher Bindung so leicht losreißen kann und dadurch permanent frei ist. Oder, wie schon erwähnt, "Der Fluß", einmal Ferne und zurück, und das als natürlicher Prozess, von dem Distelmeyer so fasziniert ist. Und letztendlich eben "Ich fliege mit Raben". Wieder mit anderen in die Ferne, zur Freiheit.  Es scheint sich hierbei um den ganz persönlichen Kern des Albums zu handeln. Nimmt man alles ganz wörtlich, will Jochen Distelmeyer weg  und dableiben, will frei sein, und sich im sicheren Heim seiner Liebe widmen. Es geht hier vielleicht um das zwiespältige Gefühl, welches man als Musiker hat, wenn man weit weg von der Familie, mit [b]anderen[/b], nämlich der Band, auf der Bühne und in der Fremde genauso viel Spaß hat, wie zu hause mit seinen geliebten Menschen. Und weil diese beiden Dinge unverbindbar sind, ist man eben so hin und hergerissen. Da ist es natürlich auch äußerst ungünstig, wenn man Abend für Abend auch noch "Wer frei sein will, hat keine Wahl. Wir müssen uns entscheiden." singt, denn eine Entscheidung wird es nicht geben. Die Dinge bleiben für Herrn Distelmeyer kompliziert, dabei sollte er eigentlich froh sein, daß er einen Job hat, der ihm Freude bereitet.
Bleibt zum Schluß noch die Frage, warum das Album denn "Verbotene Früchte" heißt. Nun, was war die erste verbotene Frucht der Welt - Richtig, der Apfel. (Durfte man im Paradies nicht essen etc...) Und zu welchem Lied bringt uns das ? Ebenfalls richtig, "Der Apfelmann". Ein Lied, das Spaß macht. Und weil die anderen Lieder ebenfalls Spaß machen, sind es dann eben gleich mehrere verbotene Früchte, die uns Blumfeld serviert. Es ist in der Tat kaum zu glauben, aber Blumfeld hat noch nie soviel Spaß gemacht.

05.05.2006 um 08:00 Uhr

Vorwort zum "Verbotene Früchte"-Artikel

von: Solus

Es ist dieses Jahr scheinbar ein wirklich gutes Jahr, um ein Album herauszubringen. Das letzte Jahr, da kam sehr viel Müll und vorallem kleine und große Enttäuschungen heraus, aber dieses Jahr wird toll. Die Flaming Lips haben schon ein feines Album herausgebracht, das Neue von Patrick Wolf wird bestimmt ebenfalls wieder toll und Radiohead - nun, auf den neuerlichen Studiobildern spielen sie einmal Banjo, auf einem anderen Foto sieht es so aus, als würden sie die Gitarre mit dem Geigenbogen streichen. Das neue Album könnte also eine Mischung aus Travis und Sigur Ros werden, na wenn das mal nicht innovativ ist. Auf jeden Fall wir es natürlich auch ganz toll.

Aber genug von den Mutmaßung und hin zu den Fakten, denn noch eine weitere Band hat nämlich schon jetzt ein tolles Album auf den Markt geschmissen. Es heißt "Verbotene Früchte" und ist von Blumfeld. Wie gesagt, großartiges Album, aber irgendwie finden alle, daß das eigentlich ein total schlechtes Album ist, und das einigen Liedern darauf sogar das Existenzrecht verweigert werden sollte. Selbst Fans sind äußerst unzufrieden, anstatt froh zu sein, daß es kein weiteres "Jenseits von Jedem" geworden ist. Das war nämlich, bis auf drei, vier Ausnahmen, wirklich nicht so toll.

Kurz gesagt, die haben alle keine Ahnung. Pack ! Darum habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, ein eigenes Review zu dem Album zu verfassen, um dieser schrecklichen Ignoranz entgegenzuwirken. Also bitte die Türen abschließen, den Fernseher abschalten und meine Kritik, die einzig Wahre, aufmerksam lesen. Bitte schön...

02.05.2006 um 08:06 Uhr

Futtern wie bei Muttern

von: Solus

Mein liebes Mütterchen, sie ist nun seit 16 Jahren Hausfrau, und irgendwann ist das passiert, was sie selbst niemals zugeben würde, dieses Hausfrauenzeugs ist zu ihrem Lebensinhalt geworden. Also das heißt jetzt nicht, daß sie ganz euphorisch den Putzteufel spielt oder nur an irgendwelche Einkäufe denkt, nein, so meine ich das nicht. Ich will damit sagen, daß sie ihre Leistung als Mensch durch ihre Haushaltstätigkeit definiert. Und um diese Leistung und sich selbst nicht schmälern zu wollen, kann sie sich schlichtweg nicht vorstellen, daß z.B. ich, ohne jahrelanges, intensives Studium der Haushaltologie, irgendetwas in diesem Bereich zu Stande bekomme. Entsprechend nutzt sie jede Chance, sich dies selbst zu beweisen. Gestern Nacht war es nun wieder soweit. Meine Mutter hatte mir gesagt, daß sie champignonloses Ragout fin (@Rütli-Kids: zermatschtes Huhn mit Soße, das man mit Käse überbackt) vorbereitet hat, welches ich diese Nacht essen könnte, oder auch noch morgen oder übermorgen Nacht. Das klingt jetzt wahrscheinlich etwas widersprüchlich gegenüber dem, was ich eben geschrieben habe, aber man muß dazu wissen, daß wenn mir meine Mutter etwas vorbereitet, was ich mir Nachts selbst zubereiten soll, so ist das so vorbereitet, daß ich nur noch die Microwelle, bzw. den Toaster anschalten muß, an dem im übrigen auch immer noch eine idiotensichere Anleitung klebt, in Form von Zetteln, auf denen steht, daß z.B. die Toasts Hawaii zehn Minuten brauchen, weil ich das ja trotz der unzähligen Toasts, die ich schon des Nachts getoastet habe, natürlich nicht selber weiß. Im übrigen versucht dann meine Mutter am nächsten Tag, mein Vorgehen nachzuvollziehen, um mich über gemachte Fehler zu informieren. Und selbst, wenn ich tatsächlich perfekt nach Lehrbuch vorgegangen bin, heißt es dann zumindest von ihr "Die Küche sah wieder aus. Wenn man das einmal nicht selber macht..." Ja, so eine Tütensuppe zubereiten macht eben schon gewaltig Dreck... Jedenfalls, als ich nun gestern Nacht die Küche betrat, staunte ich nicht schlecht, denn es war schlichtweg nichts vorbereitet. Scheinbar hatte es meine Mutter vergessen, wohl weil sie sich im Unterbewußtsein gedacht hatte, daß ich, nachdem es Mittags schon Huhn gegeben hatte, ich Nachts nicht noch einmal etwas Ähnliches esse. Dem war jedoch nicht so. Aber kein Problem für mich, also holte ich die entsprechenden Gefäße aus dem Schrank, füllte sie mit Hühnerbrei, nahm den Käse aus dem Kühlschrank, mit dem ich die Hühnchenstücke bedeckte und dann ab in die Microwelle, auf Umluft u. Grill gestellt, fertig. Sollte etwa 35 Minuten dauern, wahrscheinlich etwas länger. Alles kein Problem. Während ich nun als nächstes das Weißbrot zum toasten aus dem Schrank holte, fragte ich mich, welchen fürchterlichen Fehler mir meine Mutter morgen wohl vorhalten würde. Ich tippte auf "Du hast die Schüsseln viel zu voll gemacht ! Das hat doch bestimmt scheiße geschmeckt..." als ich plötzlich ein Geräusch hörte. Ich schaute nach und erblickte meine Mutter, die schlaftrunken den Vorsaal in Richtung Küche entlangschlurfte. "Ich...ich hatte Krach gehört und wollte mal schauen, ob das die Minka ist. Was sie da so macht..." Ja, natürlich. Wenn meine Katze etwas wirklich gut kann, dann ist das die Microwelle bedienen und den Küchenschrank auf und zu machen. Wahrscheinlicher war wohl eher, daß meine Mutter durch die Geräusche aufgewacht war und ihr plötzlich voller Panik einfiel, daß sie gar nichts vorbereitet hatte. "Wie soll den der Junge wissen, wie man Ragout fin macht ?!" wird sie sich gedacht haben, "Ich muß sofort in die Küche ! SOFORT IN DIE KÜCHE !!!". In Selbiger stand sie inzwischen und blickte tränenden Auges in die Microwelle. Na was sie wohl gleich zu meckern hätte ? Die Schalen sind bestimmt zu voll. LOS, SAG ES ! DIE SCHALEN SIND ZU VOLL ! - "Du hast da den falschen Käse draufgemacht. Da ist anderer im Kühlschrank, der dafür viel besser ist !" Der Käse also. Meine Mutter war schon halb am Käseheraussuchen, als ich sie mit den Worten "Lassen wir das jetzt so. Ist ja nicht so schlimm. Schlaf schön weiter !" wieder aus der Küche geleitete. Sie nuschelte noch etwas von "mindestens 35 Minuten" aber da habe ich nicht mehr so genau hingehört. Eine halbe Stunde später machte ich jedenfalls die überraschende Erfahrung, daß das Ragout fin genauso schmeckte, wie immer. Trotz "falschem" Käse. Das teilte ich meiner Mutter heute auch mit, als sie sich noch einmal vergewissern wollte, daß das doch bestimmt scheiße geschmeckt hat, was ich mir da zubereitet habe. Tja, so ist sie, meine Mutter. Und dann gibt es von ihr hin und wieder tatsächlich die Kritik, daß ich auch mal was im Haushalt machen könnte. Als ob die mich wirklich lassen würde, und als ob ich mir hinterher immer anhören wöllte, was ich alles angeblich falschgemacht habe. Nein, das lassen wir lieber sein. So fühlt sie sich ja auch weiterhin nützlich, was sie ja eigentlich auch ist. Nur eben nicht als "Hausfrau", sondern als Mutter.

01.05.2006 um 05:54 Uhr

Wer ist mit dabei...

von: Solus

Musik: Rocko Schamoni - Freiheit

...am ersten Mai ? Damals natürlich alle. Mußte man ja in der DDR, das wurde schon vom Betrieb aus organisiert. Aber für mich als Kind war das natürlich toll, so mit ganz vielen Leuten dort zu stehen, wo man sonst nicht stehen durfte, nämlich auf der Straße, und sein Papierfähnchen zu schwingen, bis es der Wind vom Plastestiel abriss. Meine Mutter hatte mir natürlich auch mit Hilfe einer Sicherheitsnadel eine rote Nelke an den Pullover geheftet, oder was immer ich damals als Kind so getragen habe. Irgendwann setzte sich dann die Menschenmenge in Bewegung - das Signal für meine Eltern, die Gespräche mit den Kollegen einzustellen und sich mit mir beim fröhlichen Marschieren langsam in der Menge zu verlieren. Und sobald ein günstiger Moment gekommen war, verließen wir den Zug und gingen wieder nach hause, was ich äußerst bedauerlich fand. Aber so war das eben; hauptsache, die Chefin hatte gesehen, daß man da gewesen ist. Wobei, wenn ich mich richtig erinnere, sind wir gegen Ende der DDR gar nicht mehr hingegangen, wohl weil es zu dem Zeitpunkt schon niemanden mehr interessiert hat. Aber dafür gab es ja dann diese schöne Zeit, in der sich mindestens einmal in der Woche alle Leute auf der Straße trafen, auf jeden Fall immer Montags. Auch die Kollegen meiner Eltern waren da mit dabei, sogar die Chefin, die irgendwann einmal "Wendehals" zu einem der Redner rief. Das war das erste Mal, daß ich dieses Wort gehört hatte. Fand meine Mutter sehr überraschend, daß gerade sie das gerufen hatte.

Tja, so war das damals. Und heute ? Da riecht die Stadt am ersten Mai so, als hätte es einen Großbrand gegeben, weil, aus welchem Grund auch immer, es plötzlich total angesagt ist, in Stadtnähe große Lagerfeuer zu entfachen und den Zuschauern dieses spektakulären Events überteuertes Bier zu verkaufen. Wenn man dort wenigstens Knüppelkuchen backen würde. Sehr lecker. Habe ich in meinem Leben nur zweimal gegessen - einmal 1995 in Dänemark und dann irgendwann in den Achtzigern auf einem "Pressefest". Ha, als ob die Presse in der DDR etwas zu feiern gehabt hätte. Und da regen sich einige über die Paradoxie auf, daß am "Tag der Arbeit" nicht gearbeitet wird...