Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

31.07.2014 um 18:46 Uhr

(zurück)geben ist seliger denn nehmen

von: Spring_Roll   Kategorie: Das Beste zuerst ...

Musik: Material Girl (Madonna)

Ich brauche zurzeit Retail Therapy. Und weiß doch, dass es Blödsinn ist. Also betrachtete ich mir gestern abend meine beiden letzten Super-Schnäppchen, probierte sie heute früh noch einmal an und entschied mich, sie zurückzubringen. Etikett dran, Quittung da, kein Problem. Denn die Super-schöne Walkjacke kratzt ein bisschen und die hochwertige Bluse hat ein Muster, das mir gut gefällt, aber eigentlich langweilig ist. Und außerdem habe ich ja eigentlich genug bis zuviel. Die schöne schmale Jeans allerdings werde ich wohl behalten. Die gefällt mir doch zu gut.

Heute habe ich das Ticket zur Lebenskünstlerin gekauft. Ich freu mich! Und auch die Begegnung mit einem unserer Chefköche heute mittag hat mir gut getan. Er ist nicht mein Chefkoch, sondern in einer anderen Schicht. Aber die Anerkennung ist schön. Es wird.

Ab dem Wochenende endlich Urlaub ... und ein straffes Zeitmanagement. Zum Glück gelang es mir, Feline auf einen bestimmten Tag einzuschwören und ich erspare mir den Familienkaffee zum Patensohngeburtstag. Stattdessen ein Ausflug mit unseren beiden Söhnen - in der Hoffnung, dass wir eine gute Idee finden.

 

 

30.07.2014 um 22:12 Uhr

Menschen wie Sternschnuppen

von: Spring_Roll   Kategorie: Herzliches

Musik: Stars (Simply Red)

Es gibt Menschen, die sind Sternschnuppen. Sie tauchen auf, du darfst dir etwas wünschen und schwupp ... ziehen sie noch eine Runde um die Milchstraße, bevor sie wieder einmal kurz vor deinen Augen aufblitzen. Sternschnuppen sind gut. Die Wünsche ... wie gesagt. 

Und dann gibt es noch die Kometen. Die glitzern dich nicht an, sondern sie versengen dir mit ihrem Schweif  mal eben kurz das Leben. Reißen dich auch der Routine und lassen dich fallen, bevor du noch "Vorsicht" denken kannst. Kometen habe ich getroffen in meinem Leben. Der Mann, der mich am Abend vor meinem 40. verließ ... das war ein Komet. Und Breathless auch.Als weiblichen Kometen würde ich eine Frau bezeichnen, die mich beruflich begeisterte und durch ihre Unzuverlässigkeit brüskierte. Und einen ehemaligen Kollegen, der mit mir ein Leidenschaftsprojekt durchzog und dann das Honorar nicht teilte.Nun gut, ich verdanke diesem Projekt unter anderem meine heutige Stelle in der Küche. Also Schwamm drüber und ...

... zurück zu den Sternschnuppen. Gestern mailte mich eine Sternschnuppe an. Die Lebenskünstlerin lernte ich an einem dunstigen, kalten Sonntagmorgen um acht Uhr auf einem Parkplatz im Wald kennen. Kontakthof für Läufer ... Lauftreff. Wir liefen, begannen irgendwann zu reden und verstanden uns sofort. Und gaben uns gegenseitig Motivation und Unterstützung. Sie ist eine Künstlerin darin, das Leben anderer besser zu machen, meine Lebenskünstlerin. Und ihre grundpositive Lebenseinstellung mag ich einfach nur gern. Und so begann eine Freundschaft, die nun schon über zehn Jahre andauert. Elf, wenn ich richtig rechne. In dieser Zeit  trennte ich mich von meinem Mann. Sie hatte ein halbes Leben im Big Apple und eines am Zellophanfluss. Irgendwann warf sie den Apfel weg und zog den Fluß herauf ... und dann klingelte alle paar Monate oder Jahre mein Telefon: ich bin da, willst du laufen? Und jedes Mal waren wir sprachlos darüber, wie dieser Kontakt uns immer wieder bereichert. Sie ist meine stärkende Stimme aus dem Off, immer wieder ...

Gestern hatte sie ein Anliegen - ein schwieriges Rezept, für das sie meinen Rat brauchte. Und da sie das Ergebnis verkaufen wird, bekomme ich davon auch etwas ab ... sinnbildlich jedenfalls. Eine Einladung nämlich zu ihr in ihre neue Heimat flussaufwärts. Zwei Tage Wellness und Motivation pur. Unf natürlich gemeinsames Probekochen. Ich freu mich. Darüber, dass ich ihr helfen kann und darüber, dass wir uns wiedersehen.

Als ob sie gespürt hätte, dass ich sie gerade sehr gut brauchen kann ... sie und ihre Lebenskunst.

29.07.2014 um 08:19 Uhr

Magical Moments?

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: Station to Station (David Bowie)

Zunächst eine Richtigstellung: die Tangoqueen distanziert sich von dem Begriff unvermittelbar ... unsere Partner leben halt nur in der Zukunft.

Warten wir halt auf den magischen Moment. Den Großen. Und im kleinen halten wir die Augen offen, um die "kleine Magie" zu erkennen. Die Momente, in denen Entscheidungsfenster sich öffnen. Wie heute morgen unter der Dusche. Ich habe einen Entschluss gefasst in diesem Moment. Und ich bin gespannt, wie ich mit ihm umgehe. Kein Communiqué hier. Noch nicht. Ich will mir erst sicher sein, ob ich diesen Weg gehen kann. Es geht nicht um große Entscheidungen, aber um etwas, das mir schwer fällt und gut für mich ist.

Zen hat sich gestern abend gemeldet - mit einem Bild vom Konzertplatz in entfernter Stadt. Ich habe ihm per Rück-SMS ein tolles Konzert gewünscht und es damit bewenden lassen. Morgen abend werden wir unsere Habseligkeiten austauschen - das, was bei mir von ihm war und umgekehrt. Es ist gut, dass es zu Ende ist, auch wenn es sich nicht immer gut anfühlt, alleine zu sein.

Der Hirnwerker und ich mailen viel. Er ist im Urlaub. Alleine in den Bergen. In einer Ferienwohnung. Mein persönlicher Albtraum und ich bewundere ihn dafür, dass er diese Einsamkeit aushält. Ich würde zumindest in ein Hotel fahren, wo ich andere Menschen sehe. Wenn er zurück kommt, werden wir wandern gehen. In eine Gegend, die ich sehr mag. Je besser wir uns kennen, desto mehr weiß ich ihn zu schätzen. Ich werde mich nicht in ihn verlieben und er sich nicht in mich. Diesen Fehlstart haben wir hinter uns und wissen beide, dass wir nichts füreinander wären. Und eine gewisse körperliche Anziehung ist halt einfach Teil dieser Freundschaft. Ich nenne ihn immer emotionales Fast Food ... kein Nährwert, schmeckt oberflächlich lecker und man hat sofort wieder Hunger.

Nachdenkend über SweetFreedoms Kommentar kann ich ein paar Häkchen machen. Manche noch mit dünnem Stift, aber insgesamt passt es:

- Ich komme finanziell und logistisch allein mit meinem Leben und meiner Verantwortung gut klar, brauche weder einen Ernährer noch einen Beschützer ... und auch in Stressphasen fehlt mir nur manchmal ein Moment des "auf den Arm", den Freunde und Familie nicht geben können in dieser Art.

- Ich habe wichtige Menschen in meinem Leben weit über Familie hinaus. Meine Freundinnen und Freunde machen mein Leben reich und bunt, nicht nur durch gemeinsame Unternehmungen, sondern vor allem durch ihre Persönlichkeiten.

- Ich habe nur selten das Gefühl, mich allein nicht beschäftigen zu können - auch, weil ich viele Ideen habe, die ich alleine verwirklichen mag und Dinge, die ich gern allein unternehme.

- Ich fühle mich nicht (mehr) wirklich inkomplett ohne Partner. Oft geniesse ich es sogar, allein zu sein. Für mich ist ein Mann der Zuckerguss auf dem Lebenskuchen. Und eigentlich will ich vorerst auch nicht, dass er im Tortenboden aka Alltag herummengt.

- Wenn ich mich im D*chungel umschaue, dann mit etwas innerer Distanz vom Pirschen und Suchen, aber großer Ernsthaftigkeit bei dem, was ich finde. Denn ich bin nicht (mehr) der Meinung, dass der Erste auch der Beste ist. Mir sind einige Dinge wichtig und wenn ein Mann diese Kriterien nicht erfüllt, dann ist er nicht der Richtige. Damit meine ich jetzt nur am Rande die Optik, sondern die Kombination aus Intellekt, Lebensweise, Lebenseinstellung und Commitment. Richtig: Verbindlichkeit ist mir wichtig. Verbindlichkeit nicht in der Form, dass ein Mann Schritte vorgibt, sondern dass er mir das Gefühl gibt, sich auf unser Miteinander einzulassen, so wie wir es gemeinsam definieren.

 

Es ist, wie es ist ... und ich kann mich auch gut damit anfreunden, eines Tages alleine in eine kleine Wohnung zu ziehen, umgeben von weniger Dingen ... der Drang, Ballast abzuwerfen ist gerade immens ...

 

 

28.07.2014 um 09:48 Uhr

Ja, wo wechseln sie denn???

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: Manhunt (aus dem Film Flashdance)

Ja ... wo denn? Wo ist der Wildwechsel für "eligible bachelors", womit ich nicht die Sorte auf Dreitage-Macho gestylte Weicheier meine, die sich auf der Mattscheibe am großen Barbie-Buffet bedienen dürfen.

Eligible Bachelor bedeutet Männer im passenden Alter und in einigermaßen passender Lebenssituation. Solche, die wissen, was sie tun und wollen. Idealiter ebenso wie ich am Ende der Aufzucht- und Hegezeit für den Nachwuchs fast angekommen und ihr Leben selbst gestaltend. Männer, deren Geist anregt und mit denen sich auf jeder Ebene Spass haben lässt. Männer, die wissen, dass eine wadenlange Bermuda, Sandalen und labbriges T-Shirt KEINE adäquate Abendkleidung sind. Solche, die schon viel mehr als ein Buch gelesen haben. Und die - jetzt kommt das typische Frauenkriterium - ich nicht aus der Vogelperspektive anschauen muss.

Ja ... sorry Jungs: groß, intelligent und humorvoll, dabei ungebunden- der "Klassiker" zieht immer noch! Genau in dieser Reihenfolge. Da bin ich ein typisches Mädchen. Humorvoll heißt dabei nicht dumme Witzchen und ungebunden nicht kinderlos. 

Und ... doppelsorry ... mit einem Lebensstil, der zu meinem passt. Denn ich mag meine Wochenenden nicht da verbringen, wo es mir nicht gefällt. Also weder in einem Reihenhaus auf dem Land noch mit einem Einsiedler, der seine Wohnung nicht verlässt. Ich mag Freiräume und gönne sie auch meinem Partner. Und ich brauche sie auch. 

Aber wo sind sie ... die "guten" Männer?

Wo trifft frau sie im realen Leben?

Die Tangoqueen sprach von Ausgehen. Aber wo?

Nun tanzt die Tangoqueen seit Jahren in ganz Deutschland und anliegenden Ländern fast jedes Wochenende. Und sie kennt viele gute und auch sympathische Tangueros. Aber trotzdem lernte sie in fünf Jahren niemanden kennen, der mehr werden konnte für sie. Also abgehakt. 

Ausgehen die nächste: Kneipen. Scheitert für Frau Tangoqueen daran, dass sie keinen Rauch verträgt. Und die spannenderen Männer sitzen meist ... richtig: im Raucherbereich. Bliebe Biergarten. Vielleicht. Denn Männer gehen gar nicht so viel aus. Generell. Und sie haben nicht diesen Tross von Freunden, der das Ausgehen bei Frauen zu einem Gruppenerlebnis machen kann, das garantiert jeden Mann im Umkreis von Kilometern abschreckt. Wenn Männer in Gruppen ausgehen, steckt ein Zweck dahinter: saufen. Und einen besoffenen Mann, den will keine kennenlernen ...

Tagsüber im Cafe? Definitiv Potenzial. Scheitert aber an eigener Berufstätigkeit, die zu Anwesenheiten in männerlosen Zonen aka Küchen verpflichtet. 

Gehen interessante Männer aus? Viele haben einen anspruchsvollen Job und bleiben am Wochenende lieber zuhaus. Andere gehen schon beruflich bedingt aus, haben dann aber Scheuklappen. Wobei die Grundmenge in dieser Gruppe verschwindend gering ist ... ist ja auch logisch, denn einen interessanten Mann möchte frau natürlich behalten, wenn sie ihn einmal erobern konnte.

Partys? Private Partys haben einen riesigen Nachteil: einen unglaublichen Frauenüberschuß. Egal, wen frau fragt: es gibt sie nicht, die mitbringbaren Single-Freunde. Oder wenn, dann kommt direkt der Zusatz: "der wäre nix für dich". Und es stimmt dann auch meist! Wenn die Tangoqueen ihren Kollegen als schüchternen Korinthenkacker bezeichnet, dann ist das kein interessanter Mann. Und andere Freundinnen haben ähnlich begehrenswerte Exemplare im Kollegen- und Bekanntenkreis. Zu jung, zu alt, zu eigenbrötlerisch, zu durchgeknallt oder einfach ... zu klein (siehe Vogelperspektive).

Kuppeln ist in meiner Generation eine ausgestorbene Branche. Unsere Generation ... die verließ sich noch auf Bekannte, den Sport, die Kneipe an der Ecke und den Supermarkt. Leider alles Auslaufmodelle. Auch beim Wandern lernte ich in über drei Jahren gerade mal einen Mann kennen, mit dem es dann doch nicht wirklich gut lief. Die Nachbarschaft war eine Katastrophe (visavis, sage ich nur), im Sportstudio sind meist Frauen und die Kneipe an der Ecke ist ein hübsches, südamerikanisches Restaurant, das Paare anzieht wie die Motten. Wenn ich meine Freundinnen und Freunde nach Kuppelei frage, zucken sie resigniert die Achseln ... keine Chance, liebe Rolle, aber hast du schon mal im Internet????

Unsere Generation ... und das sage ich auch dir, liebe Tangoqueen ... ist die unvermittelbare. Die Männer, die wir wollen, finden uns zu alt. Die Männer, die uns wollen, sind UNS zu alt. Und obwohl wir intelligent, beruflich in interessanten Positionen und trotz ein paar Kilos mehr hübsch sind, müssen wir uns allmählich damit abfinden, dass wir zu armen Seelen werden. Leider, leider aber ist die männliche Variante der armen Seele meist so indiskutabel, dass auch das keine Lösung darstellt.

Upcycling ist der Trend dieser Tage ... aber wie Männer upcyclen? Ein Styling-Relaunch reicht da nicht aus. Also Abendschule, Antidepressiva, Benimm-Kurs, Say-it-don't spray it-Seminar? Hirntransfusion? Rückgrattuning? 

Yepp ... beschissen und arrogant, dieses Posting. Aber mir war so verdammt danach ... 

 

P.S. Und hier der Klopper des Tages:

Mann, leere Lichtung, schreibt: bist du bereit für ein Treff? Ich frage logischerweise: Warum? (Und meine damit: was an dieser leeren Lichtung sollte mich überzeugen, in weiter entfernte Stadt zu fahren?)

Die Antwort: nur für ein F*** ... löste einen mehrminütigen Lachanfall aus, was ich ihm auch schrieb, bevor ich die Delete-Taste drückte ... 

28.07.2014 um 08:38 Uhr

Non-Date ... tz tz tz

von: Spring_Roll   Kategorie: Error (m)

Musik: Heul doch! (La Fee)

Es war kein Date. Sondern nur ein Treffen zu einem Abend-Bier eine Straße weiter. Der Mann war ein paar Jahre jünger als ich. Und für ein gelungenes Bier sprach seine Eloquenz und sein Humor. Also ob des geringen Aufwandes von fünf Minuten Fußweg (für beide) kein Telefonat, sondern einfach eine Stunde und ein Bier, von mir ausdrücklich als Non-Date deklariert.

Optisch ... naja. Unterhaltung gut. Bis er zutraulich wurde und ich das etwas abblockte. Nachdem die Kneipe draußen zumachte, schlug er vor, noch in einen Biergarten zu gehen ... war mir aber zu weit entfernt. Daraufhin erklärte er mir, er werde sich nicht in mich verlieben. Ich grinste innerlich. Denn genau das war mir - meinerseitig - seit zwei Stunden klar. Er war weder mein Typ noch zog er mich körperlich an. Ich sage nur: kleine Hände. Und dieses ständige Blinzeln irritierte mich. Aber ein angenehmer Gesprächspartner war er, also hätte ich nichts gegen gegelegentliches Bier gehabt.

So diskret, mein innerliches Grinsen nicht nach außen zu lassen, fragte ich ihn lächelnd, ob wir uns dann jetzt mangels Verliebens ein gutes Leben wünschen würden. Und dann kam die wirkliche Lachnummer ... den Fehlversuch in Sachen leidenschaftlicher Abschiedskuss zu blocken, war kein Problem, aber dann kam es "Nein, denn ich würde so gerne mit dir spielen"!!!! Ich bewahrte contenance und murmelte, dass es zu jedweder Annäherung dann doch wohl Gefühle meinerseits bedürfe (und unterdrückte heldenhaft mein Lachen und war mir an diesem Punkt sicher, dass ich etwaige Vorschläge für Bier künftig eher ausschlage). Worauf er mir (wohl ziemlich angepisst) theatralisch (so theatralisch das mit eher sanfter Stimme geht) ein schönes Leben wünschte.

Ich drehte mich um und ging. Und war froh, den Lachanfall zurückdrängen zu können, bis ich und damit auch er außer Hörweite war ... 

Und wenn ich ihn charakterisieren soll ... arme Seele, die sich als Predator gefällt ... *seufz* 

 

 

27.07.2014 um 18:18 Uhr

Achtung, fertig ... Märchen?

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: Treulich geführt ...(Here comes the bride)

Es ist ebenso unglaublich wie wunderbar: ich habe meinen Traumprinzen gefunden, er wird mich heiraten und ein romantisches Hochzeitsfest mit mir im Kreise meiner zerstrittenen Familie feiern und er wird mich nie nach meiner Vergangenheit fragen ... ich bin immer noch völlig baff!!!

Stopp ... das habt ihr jetzt nicht geglaubt, gelle?

Stimmt auch nicht, sondern war der Plot eines Karamellfilms, den ich gestern sah. Und über den ich mich weißglühend ärgerte. Nichtssagendes Blondchen mit folgsamem Mann im Gepäck reist ins schöne Schottland in ein "Ferienhaus", um Hochzeit zu feiern. Das "Ferienhaus" ist ein ausgewachsenes Schloss. Mann wollte ja nie heiraten, aber für "Steffi" läuft er mit Schafblick durch das Castle, lässt sich von seiner Mutter und ihrem Vater dumm anmachen und verzeiht seiner Herzdame lächelnd, dass sie seinen romantischen Ausflug zu Macbeth im Original desinteressiert abtut, seinen Hochzeitsanzug nicht vom Schneider abholt und so eine Kleinigkeit wie ihren Exfreund nicht erwähnt, mit dem sie immerhin fast nach Australien auswanderte. Stattdessen macht er sich im Kilt zum Depp, während seine Holde nichts besseres zu tun hat, als ihn im Komplott mit ihrem genauso opportunistischen Vater anzulügen und mit Exfreund gleitschirmzufliegen. Natürlich mit fotografischer Doku, die leiderleider der verlobte Kiltdepp noch vor der Kirche findet. Und statt die kleine Prinzessin nun endlich in die Wüste zu schicken, macht ihr das Weichei einen Heiratsantrag ... der erste kam nämlich von ihr ... häh? Doppelhäh? 

Weitere Sympathien handelten sich übrigens die Brauteltern ein .... Vater reiste mit Freundin an und baggerte seine Exfrau wieder mürbe. Grosses Kino halt.  Und ich frage mich:

- Welcher Mann, der nicht heiraten will, tut es trotzdem?

- Welcher Mann lässt sich so verarschen und steht immer noch anhimmelnd vor seiner Holden?

Richtig: KEIN Mann. Nur ein Idiot.

Und jede nicht-fiktionale Frau wäre ihren Kerl spätestens nach der ersten Kapriole los ...

Grrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr ..... 

Aber ein bisschen nachdenklich hat mich die Geschichte doch gemacht. Darüber, dass ich mir im Grunde meines Herzens wünsche, dass jemand ja zu mir sagt. Rückhaltlos. Aus Liebe. Ich weiß, das passt alles nicht zusammen. Komfortzone und so. Aber die Tangoqueen und ich sprachen heute darüber. Sie möchte ja am liebsten eine sommerleichte Affäre. Vertraut, aber nicht eng. Romantisch, aber nicht gebunden. Er sollte nicht rauchen, nicht Motorrad fahren und keine kleinen Kinder oder Tiere haben, die ihn zu sehr binden. Aus Gründen.

Das mit den Kleinkindern muss ich ehrlich gesagt auch einschränken. Denn ich habe zwei Kinder aufgezogen. Und mag nicht wieder von vorne anfangen mit Spielplätzen und Betreuungsnot. Wenn ich schon das Nachzügler-Kleinkind von BesteFreundin nur in kleinen Dosen um mich haben mag, will ich auch nicht jedes Wochenende Kinder bespassen, die nicht meine sind. Ich mag erwachsen. Bei Hunden sehe ich es differenziert. Lebt der Mann in der gleichen Stadt, ist es kein Problem. Fernbeziehungen sind eh nicht meins .... aber ein fremdes Haustier in der Wohnung oder immer nur aushäusig? Nein Danke. Moderates Rauchen ist mir übrigens egal. Motorradfahren auch ... vorausgesetzt, ich muss da nicht mit.

Prinzessin?

Oder vielleicht doch arme Seele? 

27.07.2014 um 00:37 Uhr

Die kaum erträgliche Leichtigkeit des Single-Seins ...

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: Love me do (The Beatles)

Samstagnacht. Der erste wirklich "freie" Samstag seit Monaten. Nachdem der Haushalt halbwegs erledigt und der Tee mit der Tangoqueen getrunken ist, ist der Abend noch nicht einmal angebrochen. Ich bin nicht mutig genug, alleine essen zu gehen. Auch nicht, allein nach Nachbargroßstadt zu fahren und ein Chorkonzert zu hören, das der Wandervogel empfahl. Ich kaufe ein, esse Salat. Kaufe noch mal ein, diesmal Süßkram und Waschmittel. Für ein Essen mit Wein hätte ich 25 Euro ausgegeben. So war es das Doppelte. Aber immerhin .. ich habe wieder Waschmittel und Jungs-Duschgel auf Vorrat und der Kühlschrank ist für die nächsten Tage gefüllt. Nach dem Essen gehe ich nochmal raus. Ruhelos bin ich. Ich fasse mir ein Herz und trinke im Restaurant nebenan einen Cocktail. Es ist eine Mutprobe. Ich kenne Besitzer und Kellner ... aber die Gäste sind wieder nur Pärchen und Gruppen von Pärchen. Ich gehe eine Extrarunde nach Hause, will noch etwas trinken in der Kneipe an der Ecke, als mich ein verwahrloster Mann anspricht. Ich wiegle ab ... er erzählt von Bahnen, ich verweise auf den Fahrplan. Er beschimpft mich ... vielleicht kann er wirklich nicht lesen ... aber als Frau allein nach Einbruch der Dunkelheit werde ich nicht stehenbleiben, um ohne Brille einen kleingedruckten Fahrplan zu entziffern. Es ist nicht allzu einsam an dieser Stelle. Wenn er wirklich Hilfe brauchte, wird ein männlicher Passant vielleicht geholfen haben. Aber ich hatte die Horrorszenarien von Trickbetrügern und die eklige Begegnung während der Weh-Emm im Hinterkopf ... ich musste aus der Situation heraus.

Zuhause Eiskrem, ein Single Malt und ein Karamellfilm, passend zum Eis.Und das Gefühl, dass da mehr sein kann... ich übe es noch, das Gehen auf meinen knallroten Single-Schuhen ... 

And why the hell schreibt, wenn ich vier Lichtungen im D*chungel besuche und drei davon desinteressiert bis panisch verlasse, nicht der einzige interessante Lichtungsinhaber, sondern ausgerechnet das langweiligste Exemplar??? 

26.07.2014 um 11:03 Uhr

Undead and unwed ...

von: Spring_Roll   Kategorie: In the Jungle

Musik: Zombie (Kassav)

Auf meinen Streifzügen durch den D*chungel sehe ich sie hinter den Lianen herhuschen .... die Untoten. Meine Kollegen, denn aufgrund meiner wiederholten Anwesenheit auf dieser Lichtung muss ich mich wohl inzwischen zu ihnen rechnen. Nicht zu den Predatoren  in diesem Revier, die den D*chungel gar nicht verlassen wollen, weil die Beute gar zu fett ist. Nicht zu den armen Seelen, die ruhelos Tag und Nacht heulen, da sie zu schwach sind, sich gegen die Predatoren zu behaupten. Nicht zu den Fährtensuchern, die eigentlich ihren eigenen Weg wiederfinden wollen ... wie der Cineast oder der Weißwäscher, der irische Frühling oder der Lampenmann.

Auch nicht zu den Touristen. Denen, die ein paar Tage Urlaub in einer Urwaldlounge machen und dann unter Mitnahme einer Einheimischen wieder verschwinden. Der Hirnwerker ist so einer. Ein Trip alle paar Monate und zurück in den Alltag. Die Einheimischen haben keine hohe Halbwertzeit bei ihm. Aber unter den Touristen gibt es Glückspilze. Die, die auf Anhieb richtig greifen und ihren Urlaub in einmaliger Erinnerung behalten.

Bin ich noch Touristin? Ehrlich gesagt: nein. Dazu war ich zu oft hier. Und für viele meiner Freundinnen war ich sogar die Reiseleiterin auf ihrem Weg auf die Lichtung. Bin ich die Einzelgängerin, die nicht für's Rudel taugt? Oder nicht taugen will? Werde ich langsam zur Predatorin oder gar zur armen Seele? Denn je älter ich werde, desto weniger bin ich saftige Beute. Und manchmal freut es mich auch, zäh zu sein. Ich bin listig geworden über die Jahre. Erkenne die Predatoren in jeder Verkleidung und bin sanftmütig, aber bestimmt zu den armen Seelen, die wiederum bei jeder meiner neuen Verkleidungen hoffnungsvoll an meinem Rocksaum schnüffeln. Den Fährtensuchern winke ich freundlich ... sie kenne ich ja schon lange und einige zählen sogar zu meinen realen Freunden.

Die Touristen schaue ich mir an. Und bei den meisten weiß ich, dass sie nicht mehr wiederkommen ... und eine andere Einheimische mitnehmen. Bei einigen beobachte ich die Entwicklung zum Predator. Schmunzelnd.

Und wonach suche ich?  Nicht nach Beute. Nur ein bisschen nach mir selbst ... ich habe viel von mir gefunden. Nicht nach dem Einheimischen, den ich für einige Zeit mitnehme. Vielleicht nach dem Touristen, der mit mir weiterreist ... nicht sofort nach Hause, sondern erst einmal in unbekannte Welten? 

Ja ... auch ich bin eine Untote ... hasse es .... brauche es ... und manchmal macht es mir auch Angst. Das Suchen. Es ist kaum Reiz mehr darin. Eine Predatorin werde ich nie. Gut so. Aber ich denke, ich werde eine Zeitlang ins Urlauberlager wechseln ... der Zerstreuung halber ... und weil die armen Seelen an meinen Hacken gerade zu nerven beginnen ...

25.07.2014 um 08:14 Uhr

Rolle in NO-Wonder-Land

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Complicated (Avril Lavigne)

Rastlosigkeit ist das Gefühl, das sich seit ein paar Tagen mehr und mehr in mir ausbreitet. Dieses vage Gefühl von innerem Bewegungsdrang, von Suche und nicht wissen wonach. Nach außen ist alles ganz ruhig. Ich arbeite, gehe wieder regelmäßiger zum Sport, treffe Freundinnen, kümmere mich um meinen Haushalt. Ruhig und regelmäßig. Wenn da nicht dieser Drang wäre, der mich schier platzen lässt. Der Drang nach Ausbruch, Verrücktheit und ganz weit weg vom Normalen. Der Drang nach Tempo. Es ist mir zu langsam in diesen schwülen Sommertagen. Mir deucht, dass die Welt um mich herum in Zeitlupe lebt, unter einer dunstigen Hitzeglocke, die jede Bewegung und jeden Gedanken verlangsamt. 

Gestern saß ich mit GlamourGirl und der Limette zusammen. Und mir fiel selbst auf, wie unruhig ich bin. Ich fluchte, aber eigentlich war der Regenguss auf dem Rückweg gut, um mein Gemüt zu kühlen.

Sie wundert mich nicht, diese Rastlosigkeit. Nur, dass sie so schnell einsetzt. Da kommen zwei Dinge zusammen. Zum einen akuter Sommer-Überdruss. Zum anderen ein tückisches Single-Syndrom.

Ersteres ist normal, wenn es zu lange zu heiß war. Sommer ist nicht wirklich meine Jahreszeit. Jedenfalls nicht tagsüber. Aber das Arbeitsleben findet nun einmal tagsüber statt. Und außerdem weiß ich im Sommer nie, was ich anziehen soll. Für die leichten Spaghettikleidchen habe ich nicht die passende Figur. Das was mir steht, passt in die restlichen Jahreszeiten ... Stiefel mit Röcken und schönen Jacken. In dünnen Sommersachen sehe ich immer irgendwie fehl am Platz aus. Ich mag mich darin nicht. Bin kein Sommerkind.

Beim Single-Syndrom habe ich eine feige Allianz aus Zudick, Ms. Need und den streikenden Latinas im Verdacht. Letztere waren ja mit meiner Entscheidung nicht einstimmig einverstanden. Und inzwischen beklagen auch die Pro-Hardliner Mangel an Grundversorgung. Die Latina-Garderobe ist ein Hexenkessel - dicke Luft, nicht nur wegen des Sommers. Zudick mit seinen Einflüsterungen kam gerade zurecht. Und so stellen mir die Chicas grinsend die Kalorienbomben in den Weg. Ms. Need ist ein ganz anderes Kapitel. Sie hat sich das Seelchen geschnappt und flüstert kleine Gifttropfen in das Ohr des verängstigten Wesens. Ich befürchte, das Regime von Frau Ratio wird noch etwas andauern müssen ... SO lasse ich die Latinas auf niemanden los ... und das Seelchen braucht eine Schlafkur!

Ich habe keinen Liebeskummer. Ich habe Nicht-Liebens-Kummer. 

 

 

24.07.2014 um 09:21 Uhr

Error (w) und das ganz normale Leben

von: Spring_Roll   Kategorie: In the Jungle

Musik: Super-Trooper (ABBA)

Nun gut. Ich habe mich diesmal freiwillig für's Singlen entschieden. Ich brauche also keinen "Trost". Trotzdem gehe ich aus Zerstreuungsgründen seit ein paar Tagen wieder im D*chungel spazieren. Auf der altbekannten Lichtung. 

Und unterwegs sind die üblichen Verdächtigen - das alles ist in den Jahren 2012 und 2013 ausführlich nachzulesen, inklusive Typologie. Wen traf ich also an auf meinen vorsichtigen Erkundungen?

Natürlich den Weisswäscher. Er gehört zum Inventar. Und solange seine Ehe ist, wie sie ist, dürfte sich daran auch nichts ändern. Wer in zwei Wohnungen unter einem Dach lebt, einen gemeinsamen Hund hat und so gut wie alles außer dem einen gemeinsam tut ... der ist trotzdem nicht wirklich frei.

Der Lampenmann natürlich auch ... hier weiß ich, warum, rede aber nicht drüber. Lieber Kerl, aber nicht mehr als das. Wir gehen Wein trinken demnächst.

Wieder mal der Hirnwerker. Nachdem seine Mutter mit drei Kindern zu anstrengend war, ist er wieder auf der Pirsch. Da er unter emotionales Fastfood fällt, nähern wir uns gerade dem Zustand zwischen Bekanntschaft und Freundschaft. Er wird ein paar Tage pirschen und sich dann wieder aus dem D*chungel davonmachen.

Der Querulant traf mich schon öfters auf der LIchtung. Irgendwann telefonierten wir sogar mal. Und was ich hörte, liess Alarmglocken losgehen. Er arbeitet nicht, sondern lebt von Mieteinkünften und hat viel zu viel Zeit, die er darin investiert, anderen unbequem zu sein. Bloss nicht ... bloss weg .... das war mein damaliger Impuls. Und auch, wenn er sich manchmal verkleidet oder tarnt ... ich erkenne ihn und will ihm nicht wirklich über den Weg laufen.

Dann hätten wir noch Herrn Absolut. Benannt nicht nach dem Wodka, sondern der Tatsache, dass Monsieur eine zehnjährige Lust-Diaspora aufzuarbeiten hat und statt Experimentierfeldern die EINE sucht, die seinen Ehe-Rückstau komplett bearbeitet. Das hört sich anstrengend und pädagogisch an. Nach Nachhilfestunden und Reduziertheit. Eigentlich ein guter Kerl ... aber mir wäre lieber, er tobte sich erstmal ohne mich aus.

Spannend finde ich den Forscher .... der ist mehrsprachig, schnell und ironisch. Aber leider auch zeitarm.

Fazit: Ein guter Freund (Weisswäscher) und zwei gute Bekannte, die ich eh auch so treffen würde, ein Kontakt, den ich lieber vermeide und zwei mit dicken Fragezeichen. Aber es zerstreut. Manchmal. Vielleicht bin ja auch ich der Irrtum?

Gestern habe ich lieber ferngesehen, vorgestern auch. Ich bin nicht wirklich motiviert ... im Gegensatz zur Perfektionistin, der ich den D*chungel am Wochenende zeigte und die seitdem eine Mail-Standleitung in die verbotene Stadt am Rhein hat. Ist zwar weiter weg, aber das Gegenüber scheint sympathisch.

Ansonsten ist aufräumen. Meine Bude sowieso. Und allmählich sieht es hier auch wieder so aus, dass ich mich wohlfühle. In der Küche kümmere ich mich um Liegengebliebenes.

Und in den nächsten Tagen treffe ich mich auch mit Zen ... allerdings nur zu einer "Übergabe". Sein Wunsch. Meine Folgerung: das wird nichts mit Freundschaft. So höflich unsere gesamte Beziehung und die Trennung verlief, scheint es unter seiner sanften und verständnisvollen Oberfläche mehr zu gären als vermutet. Ich bekam ja nur die Oberfläche zu sehen. Also ist das wohl nicht meine Baustelle, auch wenn es mir natürlich leid tut, ihn verletzt zu haben.. Schade finde ich auch, dass es meinen Wanderhobbybereich berührt. So, wie er jetzt auf mich wirkt, tue ich wohl besser daran, mich in der Gruppe vorerst nicht einzuklinken. Gut, dass ich den Wandervogel und die Wüstentaucherin auf der Hochzeit der Vogelschwester und des Dichters sehe. Vielleicht kann ich das Thema dann zur Sprache bringen - es würde mir ja auch reichen, öfter mal mit den beiden loszugehen. Und die Professoressa ist auch noch da.

Im Moment ist mein Leben sowieso eher zu voll als zu leer. Der Nachteil guter Freundschaften, der ja eigentlich ein Vorteil ist. Und inzwischen hat sich auch klar herausgestellt, dass Blue und Wirbel Präferenzen für meine Wohnung haben. Waren sie früher stets glücklich über mehr Zeit mit dem Röllchenpapa, so ergreifen sie jetzt jede Gelegenheit, doch in Citta zu bleiben. Besonders Wirbel. Weshalb mich besonders wunderte, dass er bei seinem Vater Geburtstag feiern wollte gestern. Das zweite Jahr in Folge Salatshuttle also. Und Tischservice für die Gäste (Exschwiegermutter und meine Eltern). Denn Exmann grillte natürlich. Bedeutete, dass alles andere meine Sache war. Verdammt anstrengend, zumal ich mich in seiner Küche nicht auskenne. Im nächsten Jahr wird zuhause gefeiert. Bei MIR zuhause. Wenn ich eh die ganze Arbeit habe, dann möchte ich auch die Vorteile des eigenen Arbeitsbereichs dazu. Dann fahre ich nicht mehr mit geschlagener Sahne in der Tasche eine Stunde durch die Hitze, weil er keinen Mixer besitzt oder schleppe Schüsseln Treppe rauf Treppe runter bei meinen Eltern (letztes Jahr). 

Und ich habe dem lieben Wirbel gestern, nachdem er die zwei als hauptsächliche Papa-Wochen angekündigten Wochen dann hauptsächlich bei MIR verbrachte, ein verlängertes Wochenende im August vorgegeben, an dem er von Donnerstag bis Dienstag einschließlich "Papazeit" hat. Damit ich an diesem Wochenende Hochzeit feiern und mal zwei Tage vorher und nachher einfach durchatmen kann. Ich habe nämlich auch Urlaub. Und den brauche ich auch mal für mich selbst. Ohne Zeitkorsett und ständige Kocherei und Einkauferei. Davor und danach habe ich immer noch drei Tage mit Wirbel.

Das insgesamte Gefühl von mehr Freiheit ist da ... aber die Freiheit in den eigenen vier Wänden wurde kleiner. 

 

23.07.2014 um 01:23 Uhr

Schlaflose Nacht

von: Spring_Roll   Kategorie: Wahres Leben 2.0

Musik: Guildo hat euch lieb (Guildo Horn)

Schlaflos schaue ich in den Baum vor meinem Fenster. So wie damals. Ich bin voller Gedanken. Wie damals. Es ist das Datum und die Erinnerung, die mich wachhält.

Damals wanderte ich schlaflos und halb wahnsinnig vor Hunger über lange Flure. Ich hatte panische Angst. Und trauerte um etwas, das es nie gab. Hatte ein schlechtes Gewissen dabei. Und Angst, Angst, Angst. Es war die Nacht vor einer Geburt. Keine Wehen. Nur ein Termin zum Kaiserschnitt. Im Nachbarbett schlief eine junge Orientalin, nachdem sie und ihre ganze Familie vor meinen Augen Cremetorte aßen. Ich durfte nicht. Und schwanger war der Hunger schier zerfetzend. Ab Mitternacht kam der Durst hinzu. Und die Gedanken, die ich zu verdrängen versuchte. Irgendwann brach es aus mir heraus, bei der gefühlt 15. Runde am CTG. Nachts um drei weinte ich hemmungslos um die Tochter, die es nie gab. Nie wirklich gab, denn meine Ärztin hatte mir seit dem 5. Monat ein Mädchen vorausgesagt. Ich hatte Angst, ihr zu glauben, weil ich es mir so sehr wünschte. Und nach außen hin stellte ich die Geschlechtsdiagnose immer lächelnd infrage. Irgendwann suchten wir Namen aus. Mädchennamen. Und dann kam dieser Ultraschall im Krankenhaus. Mit der Gewissheit, dass Mädchen definitiv ein Junge ist.

Abends suchten wir einen Namen aus. Und dann war ich allein mit dem Hunger, der Angst und hochsteigender Trauer und einem unendlich schlechten Gewissen, weil es mir so schwerfiel, meine Tochter gehenzulassen. Der Kaiserschnitt geschah ja nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil mit mir etwas nicht in Ordnung war. Damals ahnte ich und kurz darauf wusste ich, dass ich keine weiteren Kinder bekommen würde. Unabhängig davon, dass ich mit diesem Mann nicht mehr gewollt hätte ... ich konnte nicht mehr. Dieser Weg war versperrt.

Also trauerte ich um die nie existiert habende kleine Tochter. Und versprach derm kleinen Sohn meine Liebe, die mit schlechtem Gewissen begann. Gegenüber diesem dem Schicksal, einer schlechten Ehe und einer Krankheit abgetrotzten Kind. Die Angst hielt mich wach. So sehr, dass die Narkose nicht anschlug und ich nach der eilends veranlassten Vollnarkose von meinem eigenen Schreien erwachte. 

Nein ... es sind keine schönen Erinnerungen, die mich heute nacht begleiten. 

Die guten Erinnerungen kamen später ... wie Guildo, der am Abend nach der Geburt laut für mich sang aus dem nahegelegenen Park. Wie zahnloses Lächeln von einem Baby wie ein Buddha. Wie kleiner sonnengebräunter Junge im Sommer. Wie kleiner Stromer in der Grundschule. Wie viel zu coole Sau mit Disziplinarverfahren in der fünften Klasse. Wie der große kleine Kerl mit Schüchternheit und Schlafwandelei. Wie der Pubertierer, der jetzt nebenan schläft. Nicht mehr Kind, noch nicht Mann. Irgendwo dazwischen.

Ich kann nicht sagen, dass ich nicht gerne eine Tochter gehabt hätte. Das hätte ich. Aber es ist so, wie ich es in dieser furchtbaren Nacht fühlte. Die Tochter ist nie geschriebene Geschichte - und der Sohn ist da und willkommen.  

 

22.07.2014 um 09:14 Uhr

Freiheit

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: Je veux (ZAZ)

Wie fühlt sich Freiheit an?

Ich bin nicht frei ... frei. Nur ein bisschen frei. Niemand, der Teenagerkinder, ältere Eltern, Freunde und einen Vollzeitjob hat, ist wirklich frei. Aber subjektiv ... da fühle ich mich gerade so frei wie selten zuvor. Daran ändert weder Zeitdruck noch finanzielle Enge etwas. 

Diese Freiheit ist eine kleine Freiheit. Sie bedeutet, abends noch mal wegzukönnen, weil kein Kindersitter mehr nötig ist. Sie bedeutet, selbst zu entscheiden, was ich an einem Wochenende tue. Sie bedeutet, zu Fuß fast alles erreichen zu können, was ich will. Sie bedeutet, nein sagen zu können zu Dingen, die ich nicht will.

Fühlt sich gut an, die Freiheit ... mehr davon! 

21.07.2014 um 09:02 Uhr

Komfortzone

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: La Ouate (Caroline Loeb)

Meine Komfortzone. Ihrer war ich mir früher nie bewusst. Vielleicht, weil sie nicht existierte. Mit kleinen Kindern fühlt es sich nicht nach Komfort an, zuhause zu sein, wenn davor acht Stunden Arbeit lagen und die Haushaltspflichten warten. Dann ist es schon Komfort, wenn die Kinder um 20 Uhr schlafen und in der Wohnung Stille herrscht.

In der Beziehung mit Zen jedoch wurde ich mir meiner Komfortzone bewusst. Meine Wohnung ist meine Oase. Selbst wenn Job und Haushalt sich von der Arbeitsbelastung her kaum geändert haben, ist mein Rhythmus entspannter, seit die Jungs größer sind. Das ständige "Mama" gibt es nicht mehr. Stattdessen mehr und mehr auch Abwesenheiten und den Wunsch, eigene Dinge zu machen. Bedeutet im Umkehrschluss, dass ich inzwischen auch ausruhen kann, wenn die beiden zuhause sind. Und ich habe den Eindruck, dass der Umzug uns als Familie unglaublich gut getan hat.

Warum nun habe ich das mit Zen so deutlich gemerkt? Nun ... weil ich in seiner Wohnung und seiner Lebensweise ständig das Gefühl hatte, unbequem zu leben. Vor einigen Tagen sah ich einen Film ... irgendein Karamellfilmchen im Regionalprogramm. Da ging es um einen jungen Autor, der wunderbare Bücher schrieb, aber in einer Wohnung eingekesselt von Bücherregalen, Zeitungsstapeln und Papierkartons lebte. Genauso lebte Zen. Eingekesselt von hohen Regalen mit Kopierpapierkartons voller Papiere, CDs und, und, und ...

Es war nicht Messie - aber ich habe mich sehr unwohl gefühlt in dieser Wohnung. Und ich musste mich den Wohnungssitten sehr anpassen (gefühlt). Alles nur Kleinigkeiten - die Papiere auf dem Bett, die weggeräumt werden mussten, wenn ich schlafen wollte, Rückenschmerzen vom zu harten Bett (auch dieses nicht gemütlich, sondern zwischen Hochregalen), die Klotür mit der Glasrein-Flasche offenhalten und den blöden Frotteevorleger jedesmal wieder glattlegen, wenn die Türe ihn erwischt hatte. Die Klorolle, die auf dem Spülkasten stand und für die ich mich jedesmal verrenken musste. Nachts immer etwas überziehen, wenn ich ins Bad musste, weil es Roommate gab. Mein Glas auf dem Sofa nicht abstellen können, weil die Fensterbank tabu war. Die Vorhänge meist vorgezogen wegen eines Nachbarschaftsproblems mit der Obermieterin, die draußen abendaß, während wir drinblieben auch bei Hitze . Alles nichts schlimmes ... aber es hat mir gezeigt, was ich nicht brauche. 

Zen umgekehrt fühlte sich wahrscheinlich bei mir genauso unwohl. Zu kleiner Fernseher, Mini-Musikanlage mit sehr beschränkter Auswahl und eine Frau, die manchmal und insbesondere morgens lieber Ruhe hat. Eine zu weiche Matratze (die habe ich allerdings ausgetauscht und bin froh, dass ich eine erwischte, die mir jetzt gerade noch weich genug ist, um keine Rückenschmerzen zu bekommen), meine Kinder, die auch nicht besser waren als sein roommate (aus seiner Perspektive denkend). 

Auch inhaltlich gab es Komfortzonen - ich wandere sonntags lieber, er samstags. Ich etwas später, er sehr früh. Ich brauche Pausen und Nahrung, er nicht. Er geht gerne auf große Konzerte, ich fühle mich da unwohl. Er mag brunchen, ich kann dem seltenst etwas abgewinnen. Ich mag Stadtbummel und shoppen, ihm ist das ein Graus. Ich liebe Weinbars und Lounges, er die rustikalere Variante. Es gab viele Brücken. Aber igendwo hatte ich den Eindruck, dass unsere Komfortzonen weit auseinanderdrifteten.

Ist meine Komfortzone eine Diva? Ist sie überhaupt kompatibel zu der eines Mannes? Bin ich doch die Prinzessin auf der Erbse?

Wenn ich unabhängig von einem Mann meine Komfortzone betrachte, dann kommt folgendes dabei heraus:

Meine Wohnung und mein "Kiez" gefallen mir. Hier lebe ich, statt nur zu wohnen. Ich mag die meisten Dinge, mit denen ich mich umgeben habe und habe das Gefühl, hier atmen zu können. Ich möchte meine Wohnung weder wesentlich verändern, noch möchte ich "Prüll" hier haben. Solange Blue und Wirbel hier wohnen, wird es für einen Mann eher eingeschränkt Platz geben. Das heißt: er kann eine Zahnbürste haben, vielleicht auch ein Schrankfach, aber kein Mitwohnrecht.

Überhaupt ist das Leben mit einem Mann momentan außerhalb der Komfortzone. Ich stelle mir mit Grausen vor, wie meine schöne Rattancouch einem kastigen L-Modell weichen muss und jede freie Fläche mit Technik vollgestellt wird. Wie mein gemütliches 1,40 Bett einem breiteren Modell mit harten Matratzen Platz machen muss und meine alten Holzschränke durch Pax deckenhoch ersetzt werden, weil ja sonst nicht die Sachen von zwei Personen ins Zimmer passen. Meine Wohnung ist weiblich. Manchmal selbst mir zu sehr "Puppenstube" ... aber im Großen und Ganzen  finde ich sie schön.

Und warum zum Teufel finden die meisten Männer die Farbe blau so toll? Ich mag kein blau ... und ich will kein blau in meiner Wohnung. Die Handtücher sind leider ein Relikt aus einer längst vergangenen Wohnung, in der das Bad blau war. Aber wenn die "durch" sind, gibt es weiß oder grün oder braun.  

Mein Samstag ist Komfortzone. Ich brauche diesen einen Tag mit "Freigang" pro Woche. Um Einkäufe zu machen, auf den Flohmarkt zu gehen, Freundinnen zu treffen und die Beine baumeln zu lassen. Abends habe ich dann Zeit. Aber erst dann.

Meine Freundschaften sind Komfortzone. Die will ich pflegen. Und zumindest bei meinen Frauenfreundschaften  bleibt ein Partner auch auf Dauer nur "und Begleitung".  

Mein Sport ist Komfortzone. Den versuche ich gerade wieder zur Routine werden zu lassen. Tut mir gut.

Meine Ernährung ist Komfortzone. Ich möchte regelmäßig essen und gesund essen. Drei Mahlzeiten am Tag. Wobei mir das Frühstück die unwichtigste ist.

Doch, doch, ich weiß ... ziemliche Prinzessin auf der Erbse! Aber das gönne ich mir jetzt mal. Weil es mir gut tut. 

20.07.2014 um 12:17 Uhr

Der Tag danach ...

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: Latino-Mix by E.

Die Limette hatte Geburtstag. 30 Leute in einem Restaurant mit Heimatküche.Viel mehr Frauen als Männer. Tolle Frauen. Schöne Musik vom kolumbia.nischen Kumpel. Essen, trinken, tanzen. Spät ist es geworden. Schön war es. Auch ohne Flirts.

Eine Nacht voller wirrer Träume. Gut, dass es nur Träume waren.

Ein Ausflug in den Dschungel. Ich scheine ein gutes Zeitfenster erwischt zu haben ...auch wenn ich mir noch gar nicht wirklich vorstellen kann, den Zirkus wieder mitzumachen ...

Feststellung: ich scheine wirklich fotogen zu sein. Mein Dschungelbild ist ein Schnappschuss, ein Selfie. Und ich bin überrascht über die Resonanz.

Wirkung hatte auch mein Besuch bei der Professoressa am Donnerstag. Sie schrieb, der Abend habe sie geerdet. Gut so. Sie hat keinen leichten Weg, die Professoressa. Und wenn ich "von der Seite" ein wenig unterstützen kann, freut mich das sehr.

Am Samstag habe ich mir selbst Gutes tun wollen und war auf dem Flohmarkt. Es ist die Suche, die Freude macht mehr als das Finden. Das wurde mir einmal mehr klar. Und ich hatte diesmal gleich zwei Suchmissionen ...ein kleines Flugzeug für den Geschenkgutschein (gefunden für einen Euro) und im Hinterkopf die vergebliche Suche von Mutter Courage nach Handschuhen für die Hochzeit ihrer Tochter (gefunden für 1,50 Euro). Zusätzlich wurde es dann noch eine neue Teekanne fürs Büro  (1,20 Euro). Und das war's dann auch. Keine Spontankäufe. Kein Geldausgeben für Irrsinn.

Später landete ich dann doch noch im Lieblingsoutlet. Aber nicht für mich. Ein Schal für die Professoressa zu ihrem Geburtstag im August. Und ein Shirt für Wirbel zu seinem Geburtstag diese Woche. Geld gab ich eigentlich nur im Supermarkt aus. Viel sogar, denn für die Vogelschwester-Hochzeit soll ich zum Buffet beitragen ... und da mein Rezept Wein und Zucker erfordert, investierte ich in veganen Merlot und Fairtrade-Roh-Rohrzucker.

Draußen ist es immer noch schwül. Zum Glück etwas kühler als gestern. Und die Stimmung ist immer noch irgendwie .... aufgeheizt .... 

 

18.07.2014 um 23:39 Uhr

gestaute Gefühle

von: Spring_Roll   Kategorie: Seelische Gärung

Musik: Besa me mucho (Cecilia Evora)

Erst heute morgen habe ich der Zuhörerin all das erzählt, was ich gestern nacht und heute morgen hier schrieb. Es ist so unendlich lange her, dieses Gespräch. Dazwischen Arbeit, ein Mittagessen mit einem guten Gespräch und ein Nachmittag, an dem sich die Hitze wie eine viel zu dicke Decke über Citta legte. Dem Münchner Kindl war ich dankbar für eine Absage. So konnte ich schon gegen 16 Uhr nach Hause radeln und mich ins Kühle verziehen. Ein Abendessen mit Blue und plötzlich unendlich viel Zeit. Ich war einkaufen. Zweimal sogar. Einmal im Billigmarkt für den normalen Bedarf, einmal im Teuermarkt für das Lebensgefühl.

Eine gewisse Rastlosigkeit ist mir heute eigen. Es kühlt immer noch nicht ab draußen und ebenso überhitzt sind meine Gefühle. Ich kann noch nicht sagen, wie ich in einigen Wochen fühle. Aber gerade eben schüttle ich mich, um wieder zur Besinnung zu kommen.

Das Gespräch heute mittag hat mir einen Menschen nähergebracht, den ich bislang nur beruflich kannte. Seit einem Monat sind wir per du. Ich schrieb schon von ihr.Und ich denke, sie braucht einen Blognamen. Denn sie könnte irgendwann eine Freundin werden. Über Liebe sprachen wir heute mittag. Über meinen Versuch, mich in Zen zu verlieben und ihre Schwärmerei für den Cafebesitzer next door. 

Allmählich wird die Nacht zu Samt ... ich will tanzen ... 

17.07.2014 um 23:02 Uhr

Und plötzlich ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Perspektivwechsel

Musik: Johnny B. (The Hooters)

Eigentlich. 

Eigentlich wollte ich heute bis 17 Uhr arbeiten und dann meinem gemuskelten Kater eine Langhantel in die Pfoten drücken. Eigentlich sollte ich danach Besuch bekommen. Von der Professoressa, die gerade stolz ihre Wohnung entrümpelt und neue Schränke gekauft hat und die ihre Ferien genießt, ab dem Wochenende auch einen Kontinent weiter.

Uneigentlich.

Uneigentlich bekam ich eine Mail. Mit einer Absage, die Hilfe schrie. Ich telefonierte mit einem heulenden Bündel Elend. Keine Katastrophen. Nur ein zuviel von allem. Zuviel Arbeit, zu viele Menschen, zu viel Plackerei und zu viele herausgekramte und schmerzende Erinnerungen. Zu viel für eine Frau, die ihre Depression jahrelang wegtrank und der diese "Krücke", seit sie trocken lebt, fehlt. Ebenso wie die Fähigkeit zur sozialen Entspannung. Denn Ausgehen ist für sie immer noch mit Alkohol verknüpft. Also stubenhockt sie. Einerseits nicht ungern, andererseits immer wieder an die Grenzen der Einsamkeit stoßend.

Ein Trauerkloß ist sie selbst weinend nicht. Zu sehr beherrscht sie das Spiel mit der Selbstironie und dem Galgenhumor. Aber sich selbst trösten, das gelingt ihr nicht. Noch weniger, sich selbst ein wenig duldsamer zu behandeln.

Ich entschloss mich spontan. Und verbrachte den Nachmittag und abend mit ihr in Nachbargroßstadt. Und ich hoffe, dass sie sich jetzt ein wenig auf die große Reise freuen kann ...

Und ja ... für mich war der Abend auch angenehm. Plus ein Blick auf einen samtenen Nachthimmel beim Heimkommen. 

Ich werde übrigens bei der Professoressa in die Lehre gehen ... ausmisten und beschränken, das kann sie mir vorleben.

Der Kleiderschrank der Professoressa, der hat mich nämlich sehr beeindruckt. In ihrem Büro steht ein 1 m breiter und 2,20 hoher Schrank. Darin hängen ca. 10 Jacken und Mäntel und zwei Kleider oder Oberteile (so genau habe ich nicht geschaut). In den Fächern Handtücher und Bettwäsche in überschaubaren Mengen und einige Haushaltsteile wie Hausapotheke oder Sportbandagen. Im Schlafzimmer steht ein 1,80 breiter, 2,20 hoher Schiebetürenschrank. Und der ist alles andere als voll!. Fünf Kleider, ein paar leichte Jacken und Westen, eine locker hängende Stange mit Blusen und Jeans auf Bügeln. Zusammengenommen vielleicht acht Hosen und zehn Blusen. Das ist es. Keine Jacketts. Und drei von den fünf Kleidern sind Outdoor-Mode aus Funktionsstoffen. 

Sie ist Lehrerin an einer Grundschule, die Professoressa. Und braucht keine Businessmode. Aber dieser Schrank, den sie selbst als voll bezeichnet, ist von der Übersichtlichkeit und Menge her schon .... vorbildlich. Mein Ziel ist etwas weniger ehrgeizig gesteckt ... aber irgendwann möchte ich mit aller Kleidung, die ich besitze, nur noch einen meiner beiden Schränke füllen. Inklusive Accessoires und Hauswäsche.

Im Internet lese ich von Capsule Wardrobes - einem Kleiderschrank aus wahlweise 10, 30 oder 50 Stücken. Darin enthalten auch die letzte Strumpfhose. Das werde ich niemals schaffen. Allein wegen meines Jobs nicht, denn die Küche hat doch so einige Termine mit Dresscode. Und auch wegen meiner eigenen Eitelkeit nicht. Ich denke über 100 Items per season und auch per reason  nach. Also 100 Teile Oberbekleidung für den Sommer, 100 für den Winter. Und weitere 100 mit Funktion. Darunter würde dann der gesamte Sportkram fallen, Wanderkram, Fitnesszeugs, Nachtwäsche, Bademantel und Schwimmzeug. 100 für darunter - alles vom BH bis zum Socken. Und 100 "Extras" - Accessoires vom Schal bis zur Ansteckblume, vom Handschuh bis zum Hut und Dinge, die ich nur sehr selten und zu bestimmten Gelegenheiten trage (wie die goldene Hose zum Fasching oder die weiße Jeans für das Diner en blanc einmal im Jahr) - 500. Klingt irre viel. Und lässt sich bestimmt auch noch eindampfen. Ich werde dieser Tage durchsortieren.

Bei Schuhen erscheint mir 10 eine gute Zahl ... 50 insgesamt. Auch hier 10 Winter, 10 Sommer, 10 Dresscode, 10 Sport, 10 flach. Punkt. 50. Ist ungefähr die Hälfte von meinem derzeitigen Bestand. Ich sortiere aus. Am Ende jeder Saison müssen fünf Paar gehen, die dann ihren Zweck erfüllt haben.

Und ja ... das ist alles viel zu viel und ich weiß das. Aber jemand, der jahrelang kompensationskaufte, braucht ein bisschen Zeit, um die Mechanismen zu durchbrechen. Ich dachte ja schon, ich sei viel weiter ... aber der "Rückfall" im Juni/Juli war schon ziemlich übel. Auch wenn die Dinge, die ich kaufte, schön und dauerhaft sind und mich lange begleiten werden. Auch, wenn ich sehr gute Qualität sehr günstig gekauft habe. Die Menge und der Nicht-Bedarf machts. Klar hätten die Bogner-Stiefel das dreifache gekostet ... aber dann hätte ich sie nie gekauft. Klar ist das Joop-Jackett toll und 100 Euro dafür nicht zu teuer - aber für 350 wäre ich mit einem bedauernden Lächeln vorbeigegangen. Also eigentlich nix gespart. Im Gegenteil.

Jetzt bleibt nur, die Dinge so oft wie möglich zu tragen. Damit der Kauf zumindest die Trage-Berechtigung bekommt. Es gibt ja diese tolle Formel der Kosten per Tragetag. Mein Joop-Blazer hat bisher 50 Euro pro Tag gekostet. Und ich habe in meinem Schrank noch "teurere" Sachen. Also ist jetzt das dran, was GlamourGirl (die in Sachen Einkaufen mich um Längen schlägt, was aber nicht erstrebenswert ist) "Shopping my wardrobe" nennt. Und am Wochenende ... also ab heute abend ... wird kritisch betrachtet und vorsortiert, was ich nicht mehr so gerne trage. Denn ich möchte in meinem Schrank nur noch Dinge haben, die ich gerne anziehe. Gestern zum Beispiel trug ich eine vormalige Lieblingshose ... und fühlte mich darin so furchtbar, dass sie direkt auf den Weg-Stapel kommt. Falsche Farbe - schlamm. Und der Stoff hat unschöne Verfärbungen, die nicht mehr rausgehen, was ich leider erst nach dem Rausgehen bemerkte. Weg. Trennen. Ich werde es machen wie eine Bloggerin, bei der ich neulich las: lange nicht getragenes einmal anziehen und danach entscheiden ....

To be continued ... mit allerbesten Vorsätzen und der üblichen Streiterei mit Ms. Need und Frau Inconsequentia ... 

 

 

 

 

17.07.2014 um 13:39 Uhr

Selbsterkenntnis ...

von: Spring_Roll   Kategorie: Genuss on a Budget

Musik: Fade to grey (Visage)

Manchmal fühle ich mich alleine, alt, fett und erfolglos. In wechselnden Konstellationen. Und immer dann, wenn der Frust groß ist, suche ich etwas, das mich tröstet oder mir das Gefühl gibt, wunderbar zu sein.

Essen ist Trost und Selbstbelohnung. Schöne Kleidung ist Verwöhnprogramm und "Rüstung" gegen die böse Welt. Wenn ich eine gut sitzende Hose habe, bin ich mir meiner Extra-Kilos nicht mehr so bewusst. Das kleine Schwarze und die Heels machen mich stark und begehrenswert. Schöne Stoffe streicheln meine Haut und der Blick in den Spiegel zeigt mir den Menschen, der ich sein will.

Teufelskreis.

Essen und Kleidung sind keine Komplettverzichts-Drogen. Ich brauche beides. Immer. Aber die Wertigkeit ist eine zu hohe derzeit.

Manchmal bin ich glücklich. Und dann esse ich instinktiv gesund und kaufe gar nicht oder kaum ein. Dieses Glück, das mich bedürfnisarm sein lässt, will ich stärker fühlen.

Ein Blog ist ein Blog. Hier darf ich jammern, mich selbst auf den Pranger stellen und auch meine eigene Inkonsequenz ehrlich betrachten. Meine Sucht, Defizite durch Konsum zu kompensieren. Denn nichts anderes ist es.

Und nun? Nun stehe ich hier auf meinem Pranger und werfe mir selbst faule Tomaten ins Gesicht ...

 

17.07.2014 um 10:13 Uhr

Den Gürtel enger schnallen

von: Spring_Roll   Kategorie: Genuss on a Budget

Musik: Money, money, money (ABBA)

Schluss mit lustig.

Mit dem Umzug ins Stadtzentrum habe ich mir einen Traum erfüllt. Dieser Traum ist teuer. Das habe ich ein paar Monate lang erfolgreich ignoriert. Kann ich aber nicht mehr. Die gestern erhaltene Nebenkostenabrechnung hat mir gezeigt, dass ich entweder sofort sparen muss oder mit einer sehr, sehr saftigen Nachzahlung zu rechnen habe. Die Fortbildungskosten hatte ich ebenfalls unterschätzt. Und .... das muss ich auch der Ehrlichkeit halber gestehen ... der Stress der letzten Wochen hat bei mir im Juni/Juli nach langer Abstinenz einen Shopping-Schub ausgelöst. Wenn ich das alles zusammenrechne, waren es 600 bis 700 Euro. Viel zu viel, obwohl jedes einzelne Teil wertig und lange tragbar ist.

In einem Blog kann ich ehrlich sein. Auch zu mir selbst. Das Schreiben hilft mir, mich anders aufzustellen. Denn ich bin ein Westentaschenshopaholic. Zum Glück nur in einem preislich moderaten Feld, aber in der Kumulation ungesund. 

Ich habe gestern meine Jacken inventarisiert. Alles vom Wintermantel bis zur Sportjacke. Es waren genau 50. Von denen ich 9 ungern anziehe. Und 30 gerne und regelmäßig. 11 sind "zu gut zum Weggeben". Konsequenz: ich werde zum Ende der nächsten drei Saisons jeweils 6 Teile aussortieren, ohne dass Neues einzieht. Dann bin ich Ende nächsten Sommers auf 30 Jacken und Mänteln, inklusive Sport und Regenschutz.

Genauso werde ich es demnächst mit jeder "Kategorie" im Schrank halten. In Blogs las ich vom Kleiderfasten ... 50 Teile für die gesamte Fastenzeit. Das kann ich nicht schaffen. Will ich auch gar nicht. Ich habe einen Job, der eine gewisse Auswahl "guter" Kleidung einfach erfordert. Aber wesentlich weniger Teile - das könnte ich irgendwann schaffen, wenn ich konsequent aussortiere, was kaputt geht und was ich nicht (mehr) trage  und erstmal nur in Ausnahmefällen neu kaufe.

In einem Forum verglichen Frauen ihre Kleiderschränke. Eine hatte 10 Schranktüren, eine andere ein Schrankzimmer. Bei mir sind es zwei Holzschränke. Der eine 1,70 breit, der andere 1,50. Beide ohne zusätzliche Aufbauten und ungefähr 2 m hoch. Stangenlänge 2,50, drei Borde von 1 m Breite und insgesamt zehn kleinere Fächer und sechs Schubladen. Dazu eine Kommode mit drei Schubladen (normale Größe 80 breit und 40 tief) und zwei hohe Billys für die Schuhe. Viel. Zu viel. Das Schuhregal wird ab jetzt auch mindestens um fünf aussortierte Paare pro Saison schrumpfen. Da einige meiner Schuhe schon ziemlich alt und abgetragen sind, macht das Sinn. Von nicht mehr getragenem habe ich mich schon beim Umzug fast vollständig getrennt. Da ist dann aber alles drin, vom Pumps bis zum Wanderschuh. 

Rosa hat es hier mal geschrieben: ich definiere mich (auch) über Kleidung. Aber eigentlich nicht über den Anteil neuer Kleidung, sondern über die Suche nach dem perfekten Teil. Eigentlich hätte ich gern weniger. Aber dann auch kompromissloser. In between muss ich mich an die Kandarre nehmen. Und vielleicht auch die Perfektion zurückstellen zugunsten des Budgets. Perfektion heißt: vielseitig, gute Qualität, lange tragbar. Es heißt nicht: Label, Marken, neu, neu, neu. Ich mag auch second hand. Gerne sogar.

Vielleicht ist ja gerade die Perfektion selbst die Lösung: noch anspruchsvoller werden und zu allem nein sagen, was nicht absolut perfekt ist.  

Und: ich muss mir Regeln geben, die ich auch einhalten kann. Ein Budget, das "erlaubt" ist. Und stärkere Ausgabenkontrolle. Vor allem bei Kleidung. Das muss jetzt erstmal fast auf Null.

Sparen kann ich an unnötigen Ausgaben ohne Genusswert. Wie dem Mittagessen im Büro. Hier werde ich wieder auf Mitgebrachtes zurückgreifen müssen. Ist ja auch in Ordnung. Und spart by the way nicht nur Geld, sondern auch die bösen kleinen Tierchen, die im Kühlschrank sitzen und nachts meine Hosen engernähen.

Und ich muss endlich drei Jahre Steuer nachmachen. Damit die Haben-Seite auch mal wieder Zugänge verzeichnet.

Gut ist, dass ich dieses Jahr keine Urlaubsentscheidung getroffen habe. Gut ist, dass die Seminare für 2015 erst im September gebucht werden müssen. Ich denke, ich werde erst einmal einen Lehrgang fertig machen. Vielleicht vier oder fünf Kurse buchen für das nächste Jahr. Nicht zehn wie in diesem Jahr. 

Ich bin undiszipliniert und eine leidenschaftliche Geniesserin. Das betrifft Shoppen. Ausgehen. Essen ... und einiges mehr.

So komisch es klingt, aber das Alleinsein unterstützt meine Disziplin. Ich lebe preiswerter, wenn ich allein bin. Weil alle Ausgaben nur von mir selbst verursacht werden. Und von den Jungs natürlich. Aber Blue ist viel sparsamer als ich und Wirbel gebe ich seine Ausgaben vor.

Der Plan ist gutes Leben für weniger Geld. Ich glaube, ich richte mal eine neue Kategorie ein ...

 

 

16.07.2014 um 21:05 Uhr

DAS glaub ich jetzt echt nicht!

von: Spring_Roll   Kategorie: Miscellaneous

Musik: Das bisschen Haushalt ... (Johanna von Koczian)

Aaaalso ... ich sitze hier gerade mit Schnappatmung!

Nicht wegen wirklich Wichtigem. Sondern wegen etwas unglaublich Trivialem. Wegen meiner Kaffee-Minna nämlich. Die Kaffee-Minna ist so ein Gerät, das mir aus einer Plastikdisk Kaffeespezialitäten zaubert. So eine Art Raumschiff-Replikator, dem ich sage: Latte Macchiato, heiß. ... und normalerweise kommt genau das raus. Normalerweise. Seit drei Tagen allerdings ist normal Wunschdenken. Statt leckerem Kaffee kommt nur eine rote Lampe. Die Gebrauchsanweisung gab Aufschluss: Entkalken! Nachdem ich erstmal den Schreck verdaut hatte ... "Wääääh??? Eine Kaffeemaschine, die ENTKALKT werden muss????!!!!????" fand ich heraus, dass für das Entkalken mitnichten Accessoires mitgeliefert worden waren. Nein, erstmal musste ich Tabs bestellen. Gesagt, getan. Die Anweisung auf der Homepage klang nicht kompliziert, also befüllte ich frohgemut den Wassertank, löste Tabs auf und legte die gelbe Reinigungsdisc ein. Drückte wie angegeben auf den Knopf über fünf Sekunden. Und .... es passierte nichts. Nach acht bis zehn Fehlversuchen war ich nur noch sauer. Und ging wieder ins Netz, dahin, wo die schlauen Antworten sind. Bei Herrn Gugl nämlich.

Erkenntnis 1: ich bin nicht allein. Wir sind Legion.

Erkenntnis 2: ich bin zu blöd dafür, eine Plastikdisk schönheitschirurgisch zu bearbeiten und ihr eine Vergrößerung von A auf C-Cup zu verpassen, damit der verd*mmte Scanner sie lesen kann.

Erkenntnis 3: scrollen hilft, denn da hatte jemand rausgefunden, dass es auch hilft, den Diskträger zu entfernen!

Erkenntnis 4: es funktioniert! Was für eine seltsame Welt, in der man die Dinge kaputtmachen muss, damit sie funktionieren!!!

Haushaltsüberraschungen auch sonst. Eine etwas unglaubliche Heizkostenabrechnung für nur zwei Wochen im letzten Jahr und die Ankündigung, dass mein kaputtes Küchenfenster (zieht Kondenswasser zwischen den Scheiben) morgen früh nun doch getauscht wird.

Ein schöner Tag war's trotzdem ... in der Stadt traf ich nämlich überraschend Mutter Courage und wir hatten spontan ein sehr schönes Kaffeetrinken ...

16.07.2014 um 07:35 Uhr

Selbst überholt?

von: Spring_Roll   Kategorie: In my single shoes

Musik: etwas von Norah Jones

Ich war noch niemals in New York ... so sang Herr Bökelmeier vor Jahrzehnten (er hieß doch ursprünglich Bökelmeier?). The Ballad of Lucy Jordan sprach von Paris im Sportwagen mit warmem Wind im Haar. Ride like the wind riet Herr Kreuz. 

Und ich ... tat nichts von alledem. Und nun bin ich nur noch ein Jahr von der bösen Zahl entfernt. Der, die man in Silber an die Haustür hängen kann. Ich war zwar oft in Paris, aber niemals mit dem warmen Wind in meinen Haaren. Ich war niemals in New York ... und von ride like the wind bin ich weit, weit, weit entfernt.

Heute morgen drücken die Single-Schuhe. Und ich habe Angst, mit ihnen über das Kopfsteinpflaster zu gehen. 

Ich glaube, ich habe mich selbst wieder eingeholt ...