Frühlingsrollen und die Gesetze der Schwerkraft

29.12.2014 um 08:42 Uhr

Alles Neu(Schnee)

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Let it snow ...

Frueher setzte der Blick auf weisse Daecher eine ganze Assoziationskette in Gang ... Bahnchaos, Schneeschippen und Co. Heute schaue ich raus und freue mich in echtem Wetterteamgeist ... toll, ein anderer macht's. Denn ich kann ja gemuetlich zu Fuss gehen ... und das Raeumen muss der Kaczmarek unserer Wohnanlage organisieren. Bleibt die Steuer ... ich wusste doch, irgendwas ist immer ...

06.12.2014 um 10:10 Uhr

Zusammen leben (lassen)

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Our house (Madness)

Irgendwann Anfang 20 wurde mir klar, dass ich gerne in Wohnungen lebe, viel lieber als in freistehenden Immobilien. Immobilien ist eh ein Wort, das ich nicht mag, weil die Unbeweglichkeit darinsteckt. Auf meinem kurzen Ausflug in die Welt der zweifachbekinderten Rama-Familien geriet ich in Versuchung. Haus. Haus war ein Synonym fuer Freiheit. Bei mir aber nur die Freiheit vom Spielplatz. Wie ich ihn gehasst habe, diesen Sandplatz mit den paar Schaukeln und dem kleinen Karussell. Weil ich hinmusste. Und mir meine Jungs die Bude abrissen, wenn ich drinblieb. Weil Exmann immer raus wollte. Ich schwitzte und fror dort. Und plagte mich ab, nicht aufzufallen in der Muetterrunde. Einzige Gemeinsamkeit waren die Kinder in gleichem Alter. Nach der Trennung reduzierte ich die Spielplatzzeit drastisch. Und merkte, dass es eher der Gatte gewesen war, der den Spielplatzzwang ausloeste. Und dass es mich gar nicht mehr nach Haus geluestete.

Im Gegenteil. Wohnung passt zu mir. Am liebsten so, dass ich merke, nicht allein zu sein. Meine liebste Wohnung in Dorf war die, in der ich bis Anfang 2011 lebte - der Altbau voller sizilianischer Lebendigkeit. Und nun Citta. Ein Haus voller Wohnungen und voller Leben. Nachts schreit Theo immer noch gegen den Rest der Welt an. Und morgens trampeln er und seine grosse Schwester ueber mein Bett - das Kinderzimmer ist direkt da oben. Es stoert mich nicht. Gar nicht. Die verrenteten Vormieter klagten und motzten staendig. Ich freue mich. Weil gerade oben zweikinderstimmig gesungen wurde. Und gestern abend ein selbst ausgeschnittener Stern mit drei Schokofiguerchen und Nuessen vor der Tuer lag. Ich freue mich ueber Krempel im Flur, angenommene Pakete, ein kurzes Gespraech an der Haustuere ab und an und im Sommer das bunte Kinder- und Katzengewusel draussen.

Und obwohl meine Lebensplanung ganz klar sagt, dass ich mich in ca. sechs Jahren verkleinern muss, werde ich dieses Haus dann wohl auch mit einem weinenden Auge verlassen. Denn diese Wohnung  ist ein wirkliches Zuhause. Und das nicht nur fuer mich. Auch das Miteinander mit Blue und Wirbel ist so viel einfacher geworden.

Ab heute bin ich in der Weihnachtspause. Hart verdient, aufgrund einiger Termine nicht ganz stringent durchzuhalten, aber dringend noetig. Und ziemlich ausgeplant bereits. Wegen der Weihnachtsfeiern in dieser Woche und der Fortbildung plus Patentantenbesuch danach. Weil ich die Hummel noch treffen will und meine Steuer erledigen. Straffes Pensum. Aber ok. Weil es alles Dinge sind, die mir etwas bringen. Selbst finanziell entspannt sich die Lage sichtlich. Auch wegen eines unvorhergesehenen Geldsegens, der mich parallel zum Weihnachtsgeld beglueckte. Die Fortbildungskosten fuer 2015 sind damit kein Problem mehr. Und sollte die Steuer mir wohl gesonnen sein, kann ich sogar meinen Umzugskredit schneller loswerden. Umgeschuldet werden muss er eh, denn Dorfbank hatte mich nicht optimal beraten und von meiner jetzigen Bank bekomme ich - obwohl gleiche Gruppe - wohl bessere Konditionen.

Ich merke, ein Paradigmenwechsel ... frueher waere mir der Kredit egal gewesen und ich waere mit dem Extrageld in Konsumrausch geraten. Bin ich auch. Aber nur ein kleines bisschen diesmal. Besser ueberlegt. In dieser Herbstsaison kaufte ich objektiv immer noch zu viel ein. Aber mehr All time favorites als frueher. Ganz langsam kommt das Shoppen aus der Trostecke raus und ich belohne mich auch nicht mehr so oft. Es ist eine gute Perspektive, mal ein Jahr mit Plus am Monatsende zu stehen. Und noch besser waere, bis Ende 2016 den Umzug abzuzahlen und dann beginnen zu koennen, Ruecklagen zu bilden. Fuer den naechsten Schritt. Aber ... langsam anfangen. Im Moment gefaellt es mir jedenfalls gut, mal ausnahmsweise sorgenfrei zu sein.

Und maennerlos. Es waere zwar schoen, mit einem Mann ueber den Weihnachtsmarkt zu spazieren, aber den Stress des Alltags vor Weihnachten nicht teilen zu muessen, ist ein Segen. Und damit meine ich nicht meinen eigenen ... denn ich habe diesmal wirklich keinen. So schoen, mich nicht um zusaetzliche Befindlichkeiten kuemmern zu muessen. Dafuer halte ich ein bisschen Alleinsein gerne aus. Auch und gerade zu Weihnachten.

Und nun ist Nikolausrollenzeit - Mandeln kaufen und brennen ... fuer die lieben Nachbarn hier im Haus. 

 

21.11.2014 um 11:50 Uhr

Canossa ... noch 150 m

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Chan Chan (Buena Vista Social Club)

Einmal im Halbjahr tun wir Buße für all unsere Verfehlungen. Wir heißt in diesem Fall Röllchenpapa und ich. Und die Verfehlungen gehören Wirbel. Die Rede ist vom Elternsprechtag, in Wirbels Schule unter dem Etikett "Beratungstag" laufend. Die Verpackung ist anders, der Inhalt derselbe: Standpauke für alle, von Wirbel mit Drissegal-Gefühl, von Röllchenpapa mit hilfloser Wut und von mir mit Sorge und Unverständnis aufgenommen. Wir versichern, uns zu kümmern und wissen doch jedes Mal, dass wir gegen eine mit Pickeln bestückte Wand reden. Gegen Pubertät und PC-Spiele anzukommen, ist eine Höllenfahrt. Heute morgen also mussten wir wieder mal hin, nach Canossa. In den Container, in dem Wirbel derzeit lernt, weil das Schulgebäude saniert wird. An den zu niedrigen Tisch mit den normalerweise zwei Lehrkörpern. Heute verstärkt durch einen großäugigen Referendar, der nur gelegentlich Schnappatmung bekam, wenn Frau Rolle mal wieder drastisch wurde. Mal ehrlich: wie bekommt es ein 15jähriger jenseits des Wachkomas eigentlich hin, eine 5 (!) in Religion zu kassieren? Reichen in diesem Fach nicht minimale Vitalzeichen aus für eine Durchschnittsnote? Wenn ich mich an meine eigene Schulzeit erinnere, dann war Religion mein Füllfach. Ich machte Hausaufgaben für Französisch, spielte Mau-Mau mit der Banknachbarin, meldete mich alle paar Minuten und trug meine 1 nach Hause ... der unterrichtende Pfarrer war Fan meines Pfarrers und wusste von meinem Engagement in der Jugendarbeit. Also kein Thema. Aber selbst ohne das hätte einmal Melden pro Stunde für ... sagen wir mal: eine 3 plus gereicht. Und heute tut es das auch noch. Das hat mir eine grinsende Lehrkraft auf meine illustrierende Nachfrage hin bestätigt. Also ist nur eine Folgerung möglich: mein armer Sohn fällt ins Wachkoma, sobald er die Religionsstunde betritt!

Das Französisch-Dilemma (ebenfalls 5) vermag ich nachzuvollziehen (mangelnde Sprachbegabung und mangelndes Interesse). Sogar, wo die Gene dafür herkommen, kann ich zuordnen ... zwei Plätze weiter, der Ex. Fakt ist, dass die Lücken nicht schließbar sind. Er muss sich aber irgendwie auf eine 3 hangeln, um das Fach dann abwählen zu können. Ich hatte Kurse in einem renommierten gallischen Zirkel vorgeschlagen. Will Wirbel nicht. Nachhilfeinstitut wird auch seitens Lehrkraft für Blödsinn gehalten. Also andere Möglichkeit finden. Röllchenpapa tönt wild herum, dass der PC an allem schuld sei. Bis mir der Kragen platzt. Erst auf dem Parkplatz natürlich. Und ich ihn frage, welchen konkreten Beitrag zur Findung von Hilfe er leisten könne. Keinen? Er kenne keine Nachhilfelehrer, Studenten etc.. Ah ja ... na denn lass mich das bitte auch alleine machen, gelle? War er still, der Röllchenpapa.

Fazit von Canossa diesmal: Weckruf. Massiv. Abschluss gefährdet. Und die gute Nachricht: nach wie vor trauen ihm die Lehrer selbst das Abi zu. Wenn er sich nicht durch Faulheit selbst in Richtung Realschule mit miesem Abschluss katapultiert. Und die Frage ist: wenn ihm das so egal ist ... warum gehe dann ICH nach Canossa?

Die Stimmung versauen kann es mir heute nicht. Es ist ein herrlicher Tag draussen und ich liess ihn beginnen mit Musik, die sanft an der Seele zupft ... mit dem guten alten Sozialclub mit der schönen Aussicht aus Cuba. Macht Lust, mir einen Rum einzugießen und an einem Strand zu sitzen. Oder eben einfach gute Laune.

 

17.11.2014 um 07:33 Uhr

Von Sonnenstrahlen und Gewohnheiten

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Happy people (Simply Soleil)

Zum Geburtstag bekam ich geballte Frauenpower. Zum einen die Königin selbst, die mir ein Kulturevent "zum Aussuchen" schenkte und eine gar vielfältige Liste mit Vorschlägen zusammenstellte. Zum anderen ... das, was ich aussuchte. Schon der Name der Band klang nach Sommer und Leichtigkeit. Nach Afrika und nach guter Laune. Genau das Richtige für niesligen November, dachte ich ... und bat um diesen Abend. Gestern. 

Und ALLES passte. Die Königin holte mich zuhause ab, wir aßen im Kulturcafe lecker zu Abend und gingen dann in den Veranstaltungssaal. Schon an der Tür die erste wohltuende Umarmung - im wörtlichen Sinne, denn an der Kasse saß eine Frau, die ich aus Küchen-Kreisen kenne und mag. Platz direkt vor der Bühne ergattert (das Kulturcafe hat keine Stehkonzerte oder Stuhlreihen, sondern man sitzt an kleinen, runden Tischen) ... und dann kam SIE. Eine Diva. Abendcape mit Federn, mandarinenrotes Samtkleid über (wie ich fand) sexy Rundungen, Locken, für die ich (fast) morden könnte und einem unwiderstehlichen Lächeln. Barfuss. Eine Stimme, die mit dem ersten Ton unter die Haut und ins Herz geht. Afro-Amerikanerin ist sie, spricht mit uns auf Englisch. Von ihrer Musik und den ersten Erinnerungen an Chicago am Freitagabend. An Jazz, Swing und Catfish-Gerichte. Sie singt von diesen Zeiten, von fröhlichen Leuten, von Liebe zu Menschen und zu Gott. Gläubig ist sie. Und eine Mutter. Ihre Tochter ist beim Konzert und bekommt eine Liebeserklärung - ebenso wie ihr Partner, der am Schlagzeug sitzt und der kleine Sohn ihrer Nachbarn, der ihren Namen Soleil in seiner Kindersprache verwandelt. In der Pause bekommen die Königin und ich "Zuwachs" - an der Bar versucht eine englisch sprechende Frau Flaschenbier zu bestellen und als ich mich zu ihr umdrehe, um dem etwas geforderten Barmann zu helfen, sehe ich, dass es die Piratin ist. Eine Kollegin der Perfektionistin, die ich vor einigen Monaten kennenlernte. Da sie allein beim Konzert ist, gesellt sie sich zu uns und wir geniessen zu dritt den zweiten Akt von Sonnenschein. Denn genau so fühlt es sich an. Musik und Lebensgefühl wie ein sonniger Nachmittag am Fluss - so drückte es die Königin aus.

Als wir herausgehen, verabschiedet sich die Sängerin persönlich von den Gästen. Ich sage ihr, dass ich sie und ihre Musik und ihren Spirit wunderbar finde und wir umarmen uns zum Abschied. Und diese Umarmung ist echt. Keine Show. So seltsam es klingt ... ich glaube nicht, dass ich diese Frau zum letzten Mal gesehen habe. Damit meine ich nicht die Bühne. Sondern das Leben. Citta ist klein - man sieht sich in der Regel mehr als zweimal hier. 

Angefüllt mit schönen Eindrücken komme ich nach Hause. Und brauche den Nachtschlaf, um mich zu sortieren. Gut war es, das Wochenende. Ich habe gelernt, gelacht, mich vom Leben umarmt gefühlt. Und besondere Menschen getroffen. Mit einem habe ich gestern nachmittag noch weitergeschrieben nach unserer Fortbildung - und auch ihn werde ich wohl irgendwann zum zweiten Mal treffen. In einer meiner Fortbildungen im nächsten Jahr wahrscheinlich.

Und die Gewohnheiten? Nun ... immer noch habe ich diesen kleinen Moment am Abend und am Morgen, der bisher dem D*chungel gehörte ... und einen kleinen Moment des Stockens, bevor ich diese Zeit anderweitig füllen kann. Aber wenn er vorbei ist, der Moment ... dann ist es gut. 

11.11.2014 um 12:21 Uhr

Man darf den Tag auch vor dem Abend loben!

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Summer of 69 (Bryan Adams)

Die guten Dinge des Tages begegneten mir bereits am Morgen.

Die dicken Regentropfen begleiteten mich nur einige Meter auf meiner Walkingstrecke, danach war trocken und angenehm windig. Merci an Petrus und seine Kaczmareks für's Wolkenkehren!

Der Kiosk kurz vor der Brücke verkaufte belegte Brötchen und war eine echte Mogelpackung. Denn mangels Klappfenster war's ein Laden. Innendrin mit schönen Holzregalen und einer tollen Produktauswahl. Sogar fairtrade. Die Brötchen vom kleinen Bäcker (nicht Kette!) in der Nähe waren frisch und wurden frisch geschmiert zu einem Preis, der sogar den Aufbackketten Konkurrenz macht. Ein frisches Baguettebrötchen mit dick Käse für zwei Euro und ein freundliches Lächeln von der Inhaberin. Übrigens: ich komme wieder!

Die Sauna am Ziel (Sportclub gegenüber Küche) war leer und ich genoss meine 20 Minuten Wärme und Sinnieren. Erholsam. Muss ich öfter tun.

Unbezahlbar: mit nassen Haaren nur gerade den neuen Küchen-Mitarbeiterpass abholen wollen, merken, dass ein Foto gemacht werden soll und es noch gerade rechtzeitig schaffen, mit Spangen und Make up sowie Notfall-Jackett einen (präsentablen) Menschen aus mir zu machen. Hübsch isses geworden, das Bild. Muss es auch, denn der Pass gilt ja nur schlappe zehn Jahre ... und DANKE an die Kollegin aus der Personalabteilung, die die Webcam so human bediente!

 

22.10.2014 um 17:23 Uhr

Glück to go

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Walking on the Sunshine (Catrina and the waves)

Manchmal wird das Glück im Vorbeigehen fühlbar. Wörtlich sogar. Meine persönliche Portion Glück to go bestand in einer einfachen Rechnung. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln war mein Ziel 7 Minuten gehen plus evtl. Warten plus 7 Minuten Fahrt plus 10 Minuten gehen entfernt. Fast eine halbe Stunde also. Zu Fuß auch eine halbe Stunde. Also gönnte ich mir die zusätzlichen zwei oder drei Minuten. Zweimal. Hin und zurück. Am Fluss entlang und vom Wind durchgepustet - einfach nur herrlich!

Ganz nebenbei eine Stunde Bewegung gehabt und einfach nur, weil ich mich für eine Fortbewegungsart entschied. Und morgen ... habe ich wieder dort einen Termin. Und freue mich wie Bolle drauf, wieder zu Fuß zu gehen!

22.10.2014 um 09:08 Uhr

Sturm und Regen

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Raindrops are falling on my head ...

Nach dem letzten sonnengetränkten Wochenende nimmt sich nun der Herbst sein Recht. Vielleicht ist es auch die Jahreszeit und der Gedanke an das Rilke-Gedicht "Herbsttag" ... "Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben ...".

Doch die Regengüsse und der Sturm ... sie haben auch eine zutiefst reinigende Wirkung. Gestern abend ging ich durch den Regen und Wind nach Hause und freute mich auf die Wärme und das Licht meiner Wohnung. Auf das gemeinsame Essen mit meinen Söhnen (OK, China Take-Away, weil schon so spät) und einen Abend in Wollsocken auf der Couch (wurde dann Bett und Filmchen, ebenfalls weil spät). Nachts wurde ich wach vom Wind. Und kuschelte mich mit einem unvergleichlich wohligen Gefühl in meine Decken. Auch das ist Herbst. Das Gefühl von Geborgenheit in den eigenen vier Wänden. Dieses Gefühl, das ich letztes Jahr nicht hatte, weil meine vier Wände nicht mehr wirklich meine vier Wände waren. Eigentlich saß ich ja seit Anfang Oktober gedanklich auf gepackten Kisten. Aber jetzt ... bin ich angekommen und glücklich, wo ich bin. Und freue mich wie Bolle darauf, in diesem Jahr in Adventsdeko schwelgen zu dürfen und den Herbst mit seinen vielen Einladungen und Unternehmungen zu geniessen.

Die sentimentale Anwandlung von gestern wird vielleicht nicht die einzige bleiben. Denn auch wenn mein Single-Leben gut und bunt ist, bleibt die Sehnsucht nach dem DU. Aber sie soll mein Leben nicht dominieren.

In einem anderen wesentlichen Lebensbereich läuft es gerade wieder recht gut. Zwar wird sich meine finanzielle Situation in der Küche nicht bessern unter den derzeitigen Umständen, doch zeigte mir ein Gespräch mit Cheffe, dass mein Arbeitsbereich immer freier und unabhängiger wird. Ich habe im letzten Jahr einige Verantwortungen übernommen und gelte nun als Spezialitätenköchin, die weit über die eigene Hierarchieebene hinaus anerkannt wird. Ein Versuch von Cheffe, die neue Sous-Chefin als Zwischenebene zu etablieren, scheitert in Bezug auf meine Person ziemlich unspektakulär. Meine Rezepturen sind so individuell, dass zu viele Köche den Brei verderben ...keine Arroganz, sondern auch die Meinung der Kollegen, der sich Cheffe mehr und mehr anschließt. Dafür pushe ich ihn in anderer Hinsicht. Wir hatten ein gutes Gespräch. Und sind uns einig über Perspektiven.

Das Leben IST bunt ... jawoll! 

P.S. Und für das "Innere Bunte" habe ich gestern abend einen Film bestellt. Einen, den ich schon mal besass, wahrscheinlich verlieh und nie zurückbekam. Ich suchte ihn sogar mal über FB ... mit dem Resultat, dass ich von Freundinnen drei andere, längst vergessene DVDs zurückbekam ...

Online war das gute Stück vergriffen und nur noch zum Liebhaberpreis von rund 30 Euro gebraucht zu haben. Doch gestern morgen ... lachte es mich an. Gleich zwei Angebote in A*zon! Beide inklusive Versand um die 11 Euro für eine neue DVD. Zugegriffen. Und gerade über die Versandbestätigung gefreut.

Welcher Film das war? Der wunderbare Jean Reno als Gastwirt, der seiner todkranken Frau die letzte Grabstelle auf einem kleinen Dorffriedhof sichern will und deshalb versucht, seine Nachbarn am Sterben zu hindern. Köstlich und liebenswert, mit italienischem Flair und absolut sehenswert ... "Rosannas letzter Wille" ist Schokolade für die Seele!

20.10.2014 um 09:35 Uhr

These are some of my favourite Things ...

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Sound of Music (Julie Andrews)

Ich liebe es, morgens mit meiner Tasse Tee im Bett sitzend zu lesen, einen Film zu sehen oder im Netz herumzustromern. Liebe das Gefühl, dass der Tag draußen beginnt und ich meinem eigenen Rhythmus folgen darf. Dass ich in die Küche schlendern darf, statt zu hetzen, weil Bus oder Bahn nicht warten. Dass ich unabhängig war von den Streiks am Wochenende, weil nur zu Fuss unterwegs. OK, nicht ganz ... einmal Sardinenbüchse zum Flohmarkt hatte ich.

Ich liebe Flohmärkte ... und getreu zum Motto dieses Wochenendes die Eisenbahnermützen, die ich dort erwarb und die sich hervorragend auf meiner alten Garderobe machen.

Ich liebe die Herbstsonne, die so viel Kraft entfaltete in den letzten Tagen. Ich liebe den Fluss und den blauen Himmel und das goldene Laub.

Manchmal liebe ich meinen Job. Immer dann,  wenn ich nach Herzenslust mit Ideen und Zutaten spielen darf und mit meinen LIeblingsköchen von ganz-woanders zusammenkomme ... dann ganz besonders.

Ich liebe es, mich nicht "melden" zu müssen. Und ich liebe es, wenn meine Freunde mir zeigen, dass ich ihnen wichtig bin und sie Zeit mit mir geniessen.

Ich liebe schöne Dinge und das Bewusstsein, niemandem ausser meiner Bank Rechenschaft darüber ablegen zu müssen, was ich mir gönne und was nicht.Wie gestern abend, als ich glücklich die Dinge nach Hause trug, die meine liebe Frau Zee bei Glamour Girl gelassen hatte für mich. So schön!

Warum ich mich darauf besinne, was ich mag?

Weil ich das nicht verlieren möchte ...

Und deshalb ziehe ich die Notbremse, wenn ich das Gefühl habe, eine D*chungelbegegnung will mich begrenzen. Mir ein Leben schmackhaft machen, das sich anfühlt wie ein zu enger Mantel. Ich mag Deutsche sein. Einheimische aus der Region sogar. Aber mein Fühlen ist nicht eng und regional. Mit Vororthäuschen und dem Hang zur "gemütlichen Zweisamkeit" kann ich wenig anfangen. 

Und so schaue ich mir lieber das bunte Kaleidoskop an, das mein eigenes Leben mir bietet. Selbst wenn es von außen betrachtet gar nicht spektakulär sein mag ... meine innere Welt ist knallbunt und ständig in Bewegung. Anders ist in Ordnung. Anders ist spannend. Aber eben nicht die Art von Anders, die enge Rahmen schafft, die das Wachsen hindert und das Fliegen unmöglich macht. Nicht physisch, sondern seelisch.

Draussen ist ein herrlicher Herbsttag. Und auch, wenn ich nicht mehr weit von der undenkbaren Zahl 50 entfernt bin ... ich fühle mich so was von lebendig! 

Und das ist es, was ich mir von einem Mann wünsche: Lebendigkeit und positive Weltsicht. Kein Platz für selbstbegrenzende Jammerlappen ... das Leben ist schön! 

 

 

27.09.2014 um 12:21 Uhr

Flussgeflüster

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: She's so fine (Elvis Presley)

Heute morgen erwachte ich mit Haarwurzelkatarrh. Wobei es auch an dem ausgesprochen rauflustigen Kampfkater gelegen haben mag, der es sich auf meiner Schulter bequem gemacht hatte. Geboren aus circa einem Liter Wein. Und zum Glück mit keinerlei sonstigen Spätfolgen. Selbständig nach Hause gegangen unter Mitnahme sämtlicher Habseligkeiten und friedlich im Bett gelandet. Finanziellen Ruin ebenfalls begrenzt, da bei der Weinprobe nur eine Flasche Wein, ein kleines Glas Pastete und einen Pappkanister gekauft. In dem ist aber Birnensaft. Eigentlich lecker. Bloss heute morgen nicht.

Also Plan B - Haarwurzeln auslüften und ab zum Fluss. Was eigentlich nur Katerabschütteln werden sollte, wurde allerdings ein zauberhafter Blick auf die versteckten Seiten von Citta, der Stadt, in deren eigentlich ältestem Teil ich lebe. Eigentlich, weil die ursprünglichen Siedler damals nicht mit Städtebau und "bleibenden" Infrastrukturen anfingen, sondern mit dem seinerzeitigen Äquivalent von "Y-Reisen" unterwegs waren. Nur mit dem Unterschied, dass sie die Straßen zu ihrem Ziel ... erstmal bauen mussten. Wie die Brücken, die Wasserleitungen und vieles andere. Straßennamen erinnern noch an sie. Und Gedenktafeln. Und ein sogenannter Archäologiepark, der aber nur eine Wiese mit ein paar nachgebauten Mauern ist.

Zauberhaft die I. begegnete mir unweit der Doppelgipfel des Mount Matsch. Der Matsch ist drin im Mount. Und biogast vor sich hin, nachdem er die Lage klärte. Gleich neben Mount Matsch erstreckt sich die blühende Heide - die Highlands ganz nah. Ein paar Schritte weiter und ich sehe unter mir den großen Zellophanfluss und neben mir den nicht minder voluminösen Verkehrfluss. Höre Rauschen und Plätschen und ein kurzes Quäken hinter mir. Drehe mich um und kann gerade noch einem dicken Mann in Signaljacke auf einem dünnen Mofa ausweichen, der mit mindestens 40 kmh kurz darauf fast einen Läufer umfährt ... das Quäken war ziemlich leise und der Läufer trug Kopfhörer.

Drüben, über dem Fluss beginnt das, was ich besonders liebe - eine sanfte Auenlandschaft und Trampelpfade direkt am Wasser. Gelegentlich kreuzt ein Hund meinen Weg, schnuppert kurz an meiner Hand und verfolgt seine eigenen Ziele. Manchmal auch nur Teile eines Hundes. Wie das aus einem Erdloch ragende braune Hinterteil, dessen Besitzerin sich einen Wolf pfiff.

Die meisten Menschen, die diesen Weg gehen, sind mit sich, ihren Tieren und ihrer Bewegung, ihren Gedanken beschäftigt. Erst als der Trampelpfad wieder zu Asphalt wird, kommt die andere Sorte Mensch wieder vor. Wie der Läufer, der sein Telefon nicht zuhause lassen konnte und jetzt viel zu laut redend auf einer Mauer am Ufer sass. Oder wie der kleine Asiate mit dem hässlichen Sonnenhut, der auf Petri Heil hoffte und sich die Wartezeit mit Musik aus einem kleinen Radio vertrieb. Ob die Fische sich durch den King motivieren lassen, zu beißen? Oder ob der nächste Barsch eine Tolle trägt?

Zurück an meinem Heimatufer schlendere ich an den Beeten auf der Promenade vorbei. Und freue mich, dass statt teurer Importgewächse heimische Stauden wachsen. Betrachte entzückt ein Gewächs mit hübschen grünen und lila Blättern. Befühle gedankenverloren ein lila Blatt und rieche an meinen Fingern ... et voila ... SALBEI!

Ganz schön bunt für eine einzige Runde Bewegung, gelle? 

26.09.2014 um 08:12 Uhr

Der Geschmack von Freiheit - reloaded

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Freiheit (auch wenn ich MMW eigentlich nicht mag)

Ich war vier Jahre alt, vielleicht auch fast fünf. Meine Cousins kamen zu Besuch. Alleine. Der Älteste war schon 9 ... da durften sie den kurzen Weg innerhalb Dorfs ohne Eltern zurücklegen. Und ich ... ging einfach mit, als meine Mutter gerade beschäftigt war. Durch die Haustür, die Straße herunter, um die Ecke und immer weiter bis zum Horizont ... ehm ... bis zum Sandkasten am nächsten Eckgrundstück. Der gehörte Jockel. Er und sein Freund Ropsi luden mich ein. Die Cousins waren froh, die nervige Cousine los zu sein und ich spielte glücklich im Sand. Irgendwann ging ich nach Hause, kurz vor dem Donnerwetter, das dann doppelt kam. Vom Himmel und von meiner Mutter. Jockel und Ropsi gingen übrigens bis zum Abi mit mir zur Schule und wurde n beide Ingenieure ... einer Autos, einer Flugzeuge. Der Sand hätte eher auf Bunkerbau schließen lassen ...

Mit neun fuhr ich zum ersten Mal allein in den Urlaub. Nun ja .. allein ist relativ mit 200 Kindern und ca. 15 jungen Leuten, die die Meute im Zaum halten sollten. Ich nutzte den Urlaub, um zu lernen, dass Magen-Darm PLUS Seekrankheit lästig ist, dass es wirklich Leute (ehm Kinder, sie waren 11) gibt, die ENG Blues tanzen und mich gegen einen aufdringlichen Verehrer mit einer LEEREN Pet-Flasche zur Wehr zu setzen. Gab Ärger. Aber was im "Lager" war, blieb dort ... die Eltern erfuhren es nie.

Mit 13 sah ich "Kleine Biester" mit Kristy Mc. Nichols ... DAS war Freiheit in meinen Augen. Rauchen, ausbüxen ... sogar S*x hatte sie ... und ich hatte doch noch nicht mal geküsst!

Eine andere Art von Freiheit gewann ich mit 17. Finanzielle. Relativ. Aushilfsjobs bescherten mir ein Einkommen und ich löste energisch Mamas Schere von meinem Kopf und die Einkaufsbindung an Charme und Anmut. Kirchliche Jugendarbeit bescherte mir Ausgangsfreiheit. Wenn "die Jungens" aka meine Vettern dabei waren oder eine ältere Freundin (19) aus der Nachbarschaft ... dann durfte ich sogar über Nacht wegbleiben.

Die große Freiheit verschaffte mir dann St. Exupery. So hieß das Gebäude, in dem ich in meinem Auslandsjahr bei den Ch'tis wohnte. Ich war ausgebüxt aus Deutschland, ich rauchte (ehm, paffte gelegentlich) und ich hatte auch ... siehe oben.

Noch öfter im Leben hatte ich das Gefühl von Freiheit. Die erste Reise ganz alleine. Die erste RICHTIGE Wohnung. Entscheidungen, die ich bewusst anders traf als meine Eltern sie getroffen hätten. Ganz anders.

Später im Leben war das Gefühl von Freiheit mit dem Bewusstsein von Unfreiheit verknüpft. Die Verantwortung wog schwer in den jüngeren Jahren meiner Söhne Da war Freiheit für mich manchmal nur ein kinderloses Wochenende mit Zeit für die Wäsche. Und irgendwann dann der große Sprung ... ehm.... relativ, denn ein 10 km-Umzug ist nichts Weltbewegendes, aber für mich war er Freiheit.

Und heute? Immer noch freue ich mich über unverhofft selbstbestimmte Zeit. Wie heute abend, wenn Blue zwecks Verbringung zum frühmorgentlichen Studienfahrtbus bereits bei seinem Vater übernachtet und Wirbel sich bei einem Freund einquartiert hat. Und ein Treffen mit den Ladies auf mich wartet. 

Aber die größte Freiheit meines JETZT ist es, NEIN zu sagen zu Dingen, die mich innerlich unfrei machen.

Warum das unter "La vie en noir" steht? Nun ... weil sich Entscheidungsfreiheit ziemlich BUNT anfühlt :-)

25.09.2014 um 21:12 Uhr

Tage wie dieser

von: Spring_Roll   Kategorie: La vie en noir

Musik: Wake me up, before you go go

Meine "Pechsträhne" scheint anzudauern. Anders kann ich mir es nicht erklären, dass der Absatz bei gerade drei Wochen alten Schuhen einfach abgeht. Wohlgemerkt, kein Unfall, kein Hängenbleiben im geliebten Kopfstein-Laster von Citta ... nein, im simplen SITZ-Betrieb bewege ich mein Bein und wupps, liegt da das entklebte Absatzplättchen! Es war gerade Mittag, also pauste ich beim Schuster. Der hatte Mitleid und reparierte sofort ... kostete, da direkt beide Absätze gesichert wurden, dann mal eben zehn Euro. Und ich erfuhr, dass meine superbequemen Stiefeletten, über die ich so glücklich war, eher nicht so lange halten würden. Weil die Sohle nämlich ein Luftkissen hat, das sehr löcheranfällig ist. Mist auch. Hätte ich doch Teuermarke kaufen sollen. 

Pechgejammer Ende ... Wechseln wir in den Bunt-Modus. 

Gut allerdings, dass ich dann einer lieben, beruflichen Bekannten in die Arme rannte. Und drei Minuten später Cheffe, mit dem sie verabredet war. Wir hatten dann eine vergnügliche Teestunde zu dritt mit lauter Küchenthemen, was gut war. Kurz darauf kam der Maitre, mit dem ich zum Küchentreffen nach weitweitweg fahre, zur Rezeptureinweisung. Auch das scheint einen guten Weg zu nehmen.  

Bunt war auch das Abendessen. Ein herrliches Kürbiscurry .. seeeeehr empfehlenswert und selbsterdacht. Kürbis (Hokkaido in diesem Fall) in kleinen Stücken mit Zwiebelnwürfeln anbraten, Apfelstückchen hinzugeben, wenn alles angebräunt ist, mit Curry und Ingwer, Salz und ein wenig Vegeta würzen, mit etwas Grand Marnier oder O-Saft und Sahne ablöschen, halbe Stunde köcheln lassen ... genial. Dazu Reis oder Kartoffeln aus dem Ofen. Man kann die Kartoffeln auch mitgaren.

OK ... Trivialcontent Ende ... Wechseln wir in den Deep-Soul-Modus.

Warum eigentlich passieren die wichtigen Dinge in meinem Leben immer, wenn die Zuhörerin in Urlaub fährt?

Ich werde ihr viel zu erzählen haben morgen. Von einer Begegnung mit alten Ängsten und neuen Erkenntnissen. Vom Cineasten und davon, dass das vielleicht irgendwann die alte Freundschaft beendet hat. Von der Chaossträhne und von dem Gefühl, ein bisschen den Elementen ausgeliefert zu sein. Von Überdrüssigkeit und Lebenshunger.