Das Universum und die menschliche Dummheit
Stimmung: müde
Einkaufen. Man fährt mit dem Auto, auch wenn der Supermarkt nahebei ist. Muss man doch schleppen: Wozu eine Stofftasche/einen Einkaufskorb von zu Hause mitnehmen? An der Kasse hamse doch Plastiktüten. Irritation, wenn jemand die Einkäufe irgendwo hin mit nimmt, weil der Laden auf dem Weg liegt. Viele können sich gar nicht mehr vorstellen, wie es ist, nicht einfach ein Mal wöchentlich die Stinkkiste anzuschmeißen und den Großeinkauf für die ganze Woche bequem im Kofferraum nach Hause zu transportieren. Oder die unterwegs gekauften Sachen bei einem Zwischenstop nicht eben im Auto lassen zu können. Heute hat jeder mit 18 den Führerschein. Scheint zumindest so. Jedenfalls blicke ich, 26, in große Augen, die mich anstarren wie ein Wesen aus der Urzeit, wenn ich "gestehe", keinen zu haben.
Man kauft billig. Oder Marke. Wen interessiert es, dass Müllers Kühe genetisch verändertes Futter bekommen, wenn die Werbung so toll ist? Die auch gezielt wirkt. Plusminus sechsjähriger Junge vorm Kühlregal: "Ich will Müllermilch!" Sagste jetzt was oder nicht? Bock hätte ich. Aber ich sage natürlich nichts, interessieren tät's den Papa doch nicht. Der hat derweil den Becher in den Einkaufswagen getan. Ganz davon unabhängig ob Genfutter oder nicht, sind also wirklich schon die Kleinsten drauf gedrillt, dass die billigere Hausmarke oder das Bio-Produkt keinesfalls so toll sein können wie das Original aus der Fernsehwerbung.
Woanders wird gnadenlos nach dem Billigsten gegriffen, das zu haben ist. "Gentechnik? Hat uns bisher auch nicht krank gemacht. Die da oben wissen schon, was sie auf den Markt lassen." Wie die Erhöhung der Grenzwerte für Pestizide in Deutschland und mangelhafte Kontrollen derselben ja gerade gezeigt haben. Bloß nicht selber denken, nur ja nicht mündig werden. Könnte ja unbequem sein.
Pfandfrei! steht wie eine Auszeichnung auf verschiedenen Getränkeflaschen aus Kunststoff, die vornehmlich suspekte Energydrinks und sogenannte Wellness-Drinks enthalten, bestehend aus Mineralwasser, Aroma und dubiosen Konservierungsstoffen. Und einige Leute greifen gerade des Pfandfrei!-Schriftzuges wegen besonders gerne zu diesen Flaschen: "Dann muss ich die nicht immer wegbringen."
Der Wischmopp ist out, heute sind sogenannte Putzsysteme mit Einmal-Wischtüchern angesagt, die überall hin kommen. Klar, vorher hatten wir alle total dreckige Ecken. Meine Mutter brachte mir mal so einen mit, als ich noch keinen Staubsauger hatte. Nachdem ich das erste Mal damit geputzt hatte, konnte ich nicht glauben, dass es das in Sachen Putztuch wirklich schon gewesen sein sollte. Doch während ich entgeistert auf das Tuch starrte, drängte sich durch den Schleier meiner Naivität die Erkenntnis, dass diese Putztücher tatsächlich nur für den Einmalgebrauch gedacht sind. Vor 15 Jahren hätte sich niemand getraut, sowas zu erfinden.
Wieso die Wäsche auf dem Ständer trocknen? Im Trockner geht's doch viel schneller. Dass der ein Energiefresser ohnegleichen ist, ist doch egal. "Elektrogeräte ganz ausschalten statt auf Stand-by? Wozu?" Genau, was hat der Einzelne schon mit CO2-Reduktion und ergo mit dem Klimaschutz zu tun.
Wo ist das ökologische Bewusstsein hin, das in meiner Kindheit noch auf dem (wenn auch allmählichen) Vormarsch schien? Befinden wir uns angesichts von häufiger und größer werdenden Umweltkatastrophen auf dem Weg in ein Zeitalter der Egoistenschweine? Nach uns die Sintflut, schon klar. Und was, wenn sie nicht so lange wartet? Leider sieht es ganz danach aus. Und dann wird uns auch kein Gott und keine Göttin mehr helfen.
Und selbst wenn wir die globalen Folgen mal ausklammern: Ist euch eure Gesundheit eigentlich scheißegal?
Es ist längst überfällig, zu begreifen, dass jede und jeder Einzelne von uns verantwortlich ist. Und dass jede und jeder von uns das Steuer zu gleichen Teilen in der Hand hat.
