Treibgut und Beute

19.02.2007 um 00:46 Uhr

Das Universum und die menschliche Dummheit

von: PhoenixFeather   Kategorie: Nachdenken   Stichwörter: ökologisch, Klimaschutz, Konsum, Werbung, Gesundheit

Stimmung: müde

Beides befand Albert Einstein für unendlich, räumte aber ein, sich beim Universum nicht ganz sicher zu sein. Ich tendiere dazu, ihm in beiden Punkten zuzustimmen.


Einkaufen. Man fährt mit dem Auto, auch wenn der Supermarkt nahebei ist. Muss man doch schleppen: Wozu eine Stofftasche/einen Einkaufskorb von zu Hause mitnehmen? An der Kasse hamse doch Plastiktüten. Irritation, wenn jemand die Einkäufe irgendwo hin mit nimmt, weil der Laden auf dem Weg liegt. Viele können sich gar nicht mehr vorstellen, wie es ist, nicht einfach ein Mal wöchentlich die Stinkkiste anzuschmeißen und den Großeinkauf für die ganze Woche bequem im Kofferraum nach Hause zu transportieren. Oder die unterwegs gekauften Sachen bei einem Zwischenstop nicht eben im Auto lassen zu können. Heute hat jeder mit 18 den Führerschein. Scheint zumindest so. Jedenfalls blicke ich, 26, in große Augen, die mich anstarren wie ein Wesen aus der Urzeit, wenn ich "gestehe", keinen zu haben.
Man kauft billig. Oder Marke. Wen interessiert es, dass Müllers Kühe genetisch verändertes Futter bekommen, wenn die Werbung so toll ist? Die auch gezielt wirkt. Plusminus sechsjähriger Junge vorm Kühlregal: "Ich will Müllermilch!" Sagste jetzt was oder nicht? Bock hätte ich. Aber ich sage natürlich nichts, interessieren tät's den Papa doch nicht. Der hat derweil den Becher in den Einkaufswagen getan. Ganz davon unabhängig ob Genfutter oder nicht, sind also wirklich schon die Kleinsten drauf gedrillt, dass die billigere Hausmarke oder das Bio-Produkt keinesfalls so toll sein können wie das Original aus der Fernsehwerbung.
Woanders wird gnadenlos nach dem Billigsten gegriffen, das zu haben ist. "Gentechnik? Hat uns bisher auch nicht krank gemacht. Die da oben wissen schon, was sie auf den Markt lassen." Wie die Erhöhung der Grenzwerte für Pestizide in Deutschland und mangelhafte Kontrollen derselben ja gerade gezeigt haben. Bloß nicht selber denken, nur ja nicht mündig werden. Könnte ja unbequem sein.
Pfandfrei! steht wie eine Auszeichnung auf verschiedenen Getränkeflaschen aus Kunststoff, die vornehmlich suspekte Energydrinks und sogenannte Wellness-Drinks enthalten, bestehend aus Mineralwasser, Aroma und dubiosen Konservierungsstoffen. Und einige Leute greifen gerade des Pfandfrei!-Schriftzuges wegen besonders gerne zu diesen Flaschen: "Dann muss ich die nicht immer wegbringen."
Der Wischmopp ist out, heute sind sogenannte Putzsysteme mit Einmal-Wischtüchern angesagt, die überall hin kommen. Klar, vorher hatten wir alle total dreckige Ecken. Meine Mutter brachte mir mal so einen mit, als ich noch keinen Staubsauger hatte. Nachdem ich das erste Mal damit geputzt hatte, konnte ich nicht glauben, dass es das in Sachen Putztuch wirklich schon gewesen sein sollte. Doch während ich entgeistert auf das Tuch starrte, drängte sich durch den Schleier meiner Naivität die Erkenntnis, dass diese Putztücher tatsächlich nur für den Einmalgebrauch gedacht sind. Vor 15 Jahren hätte sich niemand getraut, sowas zu erfinden.
Wieso die Wäsche auf dem Ständer trocknen? Im Trockner geht's doch viel schneller. Dass der ein Energiefresser ohnegleichen ist, ist doch egal. "Elektrogeräte ganz ausschalten statt auf Stand-by? Wozu?" Genau, was hat der Einzelne schon mit CO2-Reduktion und ergo mit dem Klimaschutz zu tun.

Wo ist das ökologische Bewusstsein hin, das in meiner Kindheit noch auf dem (wenn auch allmählichen) Vormarsch schien? Befinden wir uns angesichts von häufiger und größer werdenden Umweltkatastrophen auf dem Weg in ein Zeitalter der Egoistenschweine? Nach uns die Sintflut, schon klar. Und was, wenn sie nicht so lange wartet? Leider sieht es ganz danach aus. Und dann wird uns auch kein Gott und keine Göttin mehr helfen.
Und selbst wenn wir die globalen Folgen mal ausklammern: Ist euch eure Gesundheit eigentlich scheißegal?

Es ist längst überfällig, zu begreifen, dass jede und jeder Einzelne von uns verantwortlich ist. Und dass jede und jeder von uns das Steuer zu gleichen Teilen in der Hand hat.

08.02.2007 um 20:15 Uhr

Schneeee!

von: PhoenixFeather   Kategorie: Alltägliches   Stichwörter: Schnee, Wald

Stimmung: Gemütlich
Musik: Von den Dachbalken tropfender Schnee

Es hat geschneit! Und es ist alles liegen geblieben. Die Straßen sind natürlich geräumt und matschig, aber alles andere ist von einer geschlossenen Schneedecke überzogen.
Und ich werde niiiie wieder eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang in den Wald gehen. Hätte mich doch fast verlaufen. Die Phoenixfeder bleibt natürlich nicht auf den Wegen, naaaaain, wenn sie plötzlich sieht "Awwww, ein toller Baum!", klettert se auch schon mal durchs Gestrüpp. Tja, und auf diese Weise habe ich heute mindestens zwei hübsche kleine Plätzchen gefunden (nein, nicht die zum essen), aber als mir dämmerte, dass um mich herum das selbe geschah, und ich mich schnurstracks auf den Rückweg machte, verwechselte ich aus einer bestimmten Perspektive einen umgestürzten Baum mit jenem, unter dem ich auf dem Hinweg durch gegangen war, und prompt wusste ich nicht mehr, wo ich mich überhaupt befand. Das wäre mir unter normalen Umständen kein Problem gewesen, aber da es minütlich dunkler wurde, bekam ich allmählich Panik.
Na ja, gerade als es wirklich dunkel wurde, habe ich dann doch noch den Rückweg gefunden, nachdem ich einige Zeit umhergeirrt bin. Aber der Schreck war nicht ohne. Ich mein, nachts im eingeschneiten Wald festzusitzen ist nicht die tollste Aussicht.

Also, macht das nicht nach, liebe Kinder! Fröhlich

04.02.2007 um 19:44 Uhr

Normal geht nicht mehr

von: PhoenixFeather   Kategorie: Alltägliches

Stimmung: den Sonntag genießend

Anscheinend bin ich zu dick.
Ich trage zwar Größe 36-38 und meine Jeans in 28 Inch rutschen mittlerweile, aber es scheint, als wäre ich dennoch ein ganz schöner Brocken. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass die Hersteller von Leggings und Strumpfhosen sich offenbar an den künstlichen Polypropylenbeinen und -Hüften orientieren, die in Kaufhäusern graziös in die Luft gestreckt Strumpfhosen und dergleichen präsentieren und in Bein- und Hüftumfang einem etwa 8jährigen Mädchen entsprechen, in der Länge hingegen einer zwei Meter großen Drag Queen.

Wenn ich zu Hause rumgammele, gibt es an und für sich nichts Bequemeres als Leggings. Sie sind dehnbar, machen jede Bewegung mit, unten kann keine kalte Luft an die Beine ziehen und ich bleibe nicht dauernd an meinem Sitzkissen hängen, wenn ich aufstehe.
Aber die vermaledeiten Gummizüge in der Taille sind imm-är zu eng und zu fest. Manchmal denke ich nach ein paar Stunden, ich hätte eine Blasenentzündung oder eine Eierstockzyste, was sich nach einem schmerzgekrümmten Beinkleidwechsel aber stets nur als Gummizugquetschung entpuppt.
Das Problem hatte ich übrigens schon als Kind. Mit Erwachsenenleggings.
Wenn ich nach den Jazzpants gehe, die ich vorhin in Schmerzen von meinem Körper gepellt habe, sind meine Beine für eine normale Frau übrigens gut 15 cm zu kurz und meine Taille 10 cm zu dick.

Ich bin ganz glücklich, offenbar keine normale Frau zu sein. Aber leider werde ich wohl lernen müssen, Gummizüge in Hosenbünde einzunähen. Traurig

 

21.01.2007 um 16:35 Uhr

Medien II

von: PhoenixFeather   Kategorie: Feminismus   Stichwörter: Stoiber, Pauli, Medien, Politik

Ich bin nicht gerade der Politik-Crack, gebe ich zu. Dennoch horchte ich auf, als ich von Stoibers Ende erfuhr, und dass es eine Frau war, die maßgeblich daran beteiligt gewesen ist, machte mich natürlich neugierig.

Suchen wir doch mal im Internet nach Meldungen über Gabriele Paulis Anteil am Sturz Stoibers.

So. Ich weiß jetzt, dass Frau Pauli die Leute mal im Dirndl, mal im schwarzen Kostüm beeindruckt, habe eine Fotostrecke von ihr gesehen und weiß immerhin (!), dass sie den Beitritt der Türkei zur EU befürwortet. Diese Information konnte man im Zusammenhang mit dem Stoiber-Sturz aber auch wirklich nicht weglassen.

Über Paulis Arbeit, zu ihren Zielen oder sonst etwas, das eine Politikerin ausmacht und das an ihr interessant sein könnte, habe ich nichts gefunden. Dafür sätzelang Geseihere über ihr Aussehen und wie hingerissen türkische Reporter von ihr sind.

Aber Feminismus is out, ne? "Was wollt ihr eigentlich noch?"


Ja, genau. Was wohl?

 

21.01.2007 um 16:03 Uhr

We take your bags and send them in all directions

von: PhoenixFeather   Kategorie: Gesehen und gelesen   Stichwörter: Sturm, Zeitung, Medien, Stilblüten

Stimmung: sonntäglich faul

Ich bin ja ein neugieriger Mensch. So wollte ich am Freitag zum Beispiel wissen, welche Folgen Orkan Kyrill in anderen Teilen Deutschlands hatte, und stieß dabei auf einen interessanten Artikel der SZ Online.

Hier der Artikel

Ich zitiere mal ein paar Stellen, Hervorhebungen von mir:

"Orkan tötet 18 Monate altes Mädchen
[...] Eine "Kiryll"-Bilanz aus München.
[...]
Gegen 14 Uhr am Donnerstag hatte der Vater des Kindes versucht, den Balkon der Wohnung in Milbersthofen sturmfest zu machen. Dabei riss der Wind die Terrassentür aus der Verankerung und stürzte auf das Kind.

[...]

Noch bevor der Orkan seine volle Wucht erreichte, wurden Dächer abgedeckt.

[...] auch auf der Website der Ludwig-Maximilians-Universität ploppte kurz nach 15 Uhr die Meldung auf

[...] wurde der Aufzug für alle nicht dort Beschäftigten dicht gemacht.

[...] "Da kann nichts wegfliegen‘‘, sagte ein Sprecher beschwörend."

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber für mich sagt dieser Artikel aus, dass der Wind auf ein kleines Mädchen stürzte, nachdem er die Balkontür aus den Angeln gehoben hatte. Des Weiteren kann man lesen, dass vor dem Höhepunkt des Sturmes Dächer abgedeckt wurden, jedoch bleibt die Ursache unklar. Haben die Bewohner der Gegend vielleicht vorsorglich die Dächer ihrer Häuser selbst abgedeckt? Die anderen hervorgehobenen Satzkonstruktionen sowie die Schlagzeile, die etwas unglücklich formuliert ist für eine Zeitung, die Journalisten 2005 zum Leitmedium Nummer Eins gewählt haben, legen hingegen die Vermutung nahe, dass dieser Artikel von einem dreizehnjährigen Schülerpraktikanten verfasst wurde, der bevorzugt nicht die SZ liest, sondern die Konkurrenz mit den vier Buchstaben.

Mal ehrlich: Jeder Mensch macht Fehler und selbst das beste Lektorat kann mal was übersehen. Aber an eine derartige Ansammlung von Stilblüten in einem einzigen Text erinnere ich mich nur aus meiner Abendschulklasse, als ein Mitschüler in einer Deutschübung, in der wir einen Bericht über den Tod des Tierfilmers Steve Irwin zusammenfassen sollten, schrieb "Der Stachelrochen griff an und Irwin wurde sein Schwanz direkt ins Herz gerammt."

Nur, dass das nicht veröffentlicht wurde.

Gaaah.