... und vergiss nicht, meine Seele zu küssen ...

22.08.2010 um 21:44 Uhr

That´s what friends are for ...

von: Wari

Ein schönes Wochenende mit wunderbaren Begegnungen, wenn auch völlig anders als geplant. Als ich am Freitagabend todmüde von Arbeit heimkomme und ehrlich gesagt froh bin, die Knirpse bei ihrem Vater zu wissen, um ein wenig Entspannung zu finden, ruft mich ein Freund an, der die Trennung mit einem Zeitversatz von zweieinhalb Jahren durchmacht und nun anfragt, ob ich ihm helfen kann. Er müsste die Wohnung ausräumen und könnte sich nicht aufraffen und würde keinen guten Anfang finden. Ich zögere kurz, weil ich einfach nur knülle bin, führe noch ein wichtiges Telefonat und entscheide mich dann hinzufahren, weil ich weiß, wie schwer es sein kann, wenn man die Kraft aufbringen muss, die ehemals so geliebten eigenen vier Wände zu beräumen. Ich spüre meine Kraftlosigkeit von damals und wie sehr es mir geholfen hat, wenn für mich jemand da war und einfach mit angepackt hat. Zumal Andere einen besseren Blick haben für systematisches Beräumen, für´s Ausmisten und Trennen von Unnötigem. Also fahre ich los, plane ein, zwei Stündchen ein. Es werden vier. Aber wir schaffen viel. Gemeinsam geht es einfach besser und es gelingt mir, mit ein bisschen Zusammenreißen notwendige Kraftreserven aufzubringen, die für dieses Vorhaben einfach notwendig sind. Lustig war der Abend nicht, weil wir beim Abendmahl in Erinnerungen schwelgen. Wir sitzen im Dunkel des Gartens und lassen die letzten Jahre Revue passieren, die vielen schönen, sonnigen Stunden in diesem seeligen Kleinod. Die Nachmittagsstunden gefüllt mit Kinderlachen und Hochzeitsvorbreitungen, mit Windelnwechseln der Kleinsten im Bunde, mit Kirschenpflücken von diesem wunderbaren Baum. Wir sehen uns mit der Kindermeute Kubb spielen oder Hockey. Oder beim Anschupsen auf der Schaukel. All das zieht an uns vorrüber und es legt sich eine Wehmut nieder, die nur schwer zu fassen ist.  Für den Abend muss jeder allein damit klarkommen, denn es bleibt nur noch eine Stunde, bis der neue Tag beginnt und ich brauche dringend eine Mütze Schlaf. Am nächsten Tag sortiere ich Malersachen und muss feststellen, dass ich nicht mehr so viel dahabe, wie ich meinte, kann an diesem Punkt leider nicht helfen. Und da dieser Abend meine Wochenendplanung schon ein wenig durcheinander gebracht hat, plane ich also um und verpasse den gemeinsamen Termin mit einer Freundin. Sch***. Und mal wieder mein Handy weg. Das findet sich ein, als ich abends noch einen schnellen Trip zum schwedischen Möbelgiganten einlegen will und meiner Schwester durchklingelt. Sie lädt mich zum Grillabend ein. Aber erst der Schwede. Auf dem Heimweg schwanke ich kurz, weil ich doch endlich, endlich mal was Kreatives an diesem Tag machen wollte. Andererseits. Es ist schon heute, als ich todmüde ins Bett falle. Todmüde stehe ich auch auf, komme aber pünktlich zu Mom & Dad. Frühstück. Lecka. Und mal keine Verwandtschaft, die just in diesen Stunden anruft. Sehr gut. Auf dem Rückweg zu jener Freundin, die ich gestern so grandios versetzt habe, schlechtes Gewissen inclusive. Sehr schlechtes! Meine Wiedergutmachung wird morgen stattfinden. Wir gehen zusammen schwedisch shoppen :-) Auf dem Rückweg biege ich beim Freund ein, meine Sachen holen und eben mal reinschnuppern. Und bleibe wieder zwei Stunden hängen, klebe Fenster- und Türrahmen ab und pappe Spachtelmasse in die Bombenkrater der Wände. An meine eigene Bude darf ich gar nicht denken, die benötigt dringend einen Budenschwung. Aber dafür bleibt ja immer noch genug Zeit. Die andere Sache ist gerade wichtiger ... denn: That´s what friends are for.

16.08.2010 um 21:41 Uhr

Auf dem Heimweg.

von: Wari

Nach einem herrlichen Wochenende mit Landluft und Kettenkarussellfahrten, fanden wir ein atemberaubendes Wetterschauspiel, das - zumindest aus der Ferne betrachtet - faszinierend schön und bisher einmalig war.

heimfahrt

 

06.08.2010 um 23:51 Uhr

Seelenschmeichler im Anmarsch.

von: Wari

Noch drei Stunden, dann muss es hier blitzen, dacht ich mir so und hatte jede Minute minutiös verplant, eine Stunde ausruhen inclusive. Da klingelt das Telefon. Der Vater der Jungs. Ob sie denn schon eine Stunde eher kommen könnten, die zwei hätten so eine Sehnsucht nach mir. Öhm. Öh. Ja. Na klar. Und kaum ist aufgelegt, verfalle ich in eine ungeahnte Hektik. Mein Konzept steht Kopf, dabei war doch alles so schön ausgeklügelt, alle überflüssigen Holzbretter im Keller verstaut, sogar der noch in Ordnung gebracht, damit ich demnächst mal wieder die Säge rotieren lassen kann (Weihnachten naht *muahahaha*). Also verzichte ich auf´s Ausruhen. Wer braucht das schon? Und pünktlich auf die Minute hab ich alles unter Dach und Fach, als die lieben Kleinen die heimatlichen Gefilde betreten. Es kommt mir mit einem Mal so vor, als wären sie nie weg gewesen, sondern hätten nur mal einen kleinen Ausflug mit ihrem Herrn Papa gemacht. Und keine drei Wochen. Das fühlt sich gut an. Nichts von meinen bisherigen Anflügen nach solch langen Zeiten tritt ein und ich fühle mich mit ihnen von jetzt auf gleich pudelwohl. Als der Kleine sein Zimmer betritt, tönt es von dort: "Mama, das sieht guuuuuut aus!". Muttern mit stolzgeschwellter Brust triumphiert im Stillen! Ich wusste es. Ich wusste es. Kenn ich ihn doch mittlerweile gut genug. Und ich find´s ja auch. Ich hab mal ganze Arbeit geleistet! Und der Große. Geht in sein Zimmer, kommt rückwärst wieder raus, den Kopf zu uns gewendet und strahlt! Bis über beide Ohren. Und zurück. Hah! Es ist so schön einfach mit ihnen, auch wenn es viel Arbeit war. Er freut sich, dass er meinen Schreibschrank bekommen hat, der weniger Platz wegnimmt, als sein bisheriger Schreibtisch und dennoch genug Raum für seine kreativen Anflüge bietet. Klappe auf, Klappe zu. Klasse. Das Spiel muss er natürlich mehrmals machen. Hatte er ja bisher noch nie. Mit Schlüssel und so. Er ist so begeistert, dass er noch nicht mal bemängelt, dass der Schrank einfach nur weiß ist. Wo er doch vor einiger Zeit Großmutterns alte Nachschränke bunt anmalen wollte.

Die Jungs sind so fasziniert, dass die das natürlich unbedingt noch ihrem Vater zeigen wollen.  Der steht etwas unbeholfen da, weil er nicht weiß ob er darf oder nicht. Na nun geh´s dir schon anschauen, wenn sie dich doch drum bitten, sag ich ihm und denk mir: Ja, schau dir ruhig an, was man für seine Kinder alles machen kann, wenn man sie sieht und ihnen zuhört! Das war eigennützig? Och nööööö. Niemals!

Beim Zubettbringen gesteht mir der Große, dass er froh ist, mich als Mama zu haben und nicht die eines ganz bestimmten Klassenkameraden, womit ich ihm recht geben muss! :-)

Und nun da sie im Bett liegen, die Zuckertüte für ihren Freund fertiggestellt im Flur auf ihren morgigen Einsatz wartet, lausche ich andächtig auf die Worte vom Großen, der im Schlaf wahrscheinlich gerade den ganzen Urlaub Revue passieren lässt. Es ist einfach hach!

 

04.08.2010 um 23:17 Uhr

Jetzt aba ma anrucken!

von: Wari

Drei Wochen hatte ich Zeit für die geplante Umräumaktion im Zimmer des kleinsten Mitbewohners. Aber mangels Lust und Ideen hat sich alles bis jetzt rausgeschoben. Ich habe mein Zimmer wohnlicher gestaltet,  den Klavierunterbau vorbereitetm das Zimmer des Großen wohnlicher gemacht, seinen neuen Schreibschrank, auch Sekretär genannt, gestrichen, im Bücherregal aussortiert, sein Zimmer auf Vordermann gebracht und hier und da ausgemistet und nun gefällt es mir. Aber das Zimmer vom Lütten, das es am dringendsten nötig gehabt hätte, ist immer noch nicht fertig. Seufz. Doch als ich vorhin im anderen Kinderzimmer saß, inmitten meiner Freude über deren Fertigstellung, da schossen mir plötzlich die Ideen durch den Kopf. Wusch! Und nun steht es fest. Ich muss also nur noch als allererstes ausmisten und schauen, was wirklich dableiben soll, dem Hochbett die Beine absägen, das darunterliegende Bett von seinen Beinen befeien, damit es dann immer noch unter das eigentliche Bett passt, dann dort Rollen anschrauben, damit mans vorziehen kann, die Regale und das Bett tauschen, den Schreibtisch umstellen und eine Seite rundsägen und den Schrank verrücken. Ochja, dann wird es echt klasse! Mir bleiben insgesamt noch ca. 13 Stunden. Das ist machbar.

Notiz an mich: Zuckertüte für den Sohn meiner Freundin fertigbasteln, Schürze und Süßkram kaufen nicht vergessen. Flur aufräumen.

Tschakka!!!

 

04.08.2010 um 10:29 Uhr

Ein bisschen Farbe ersetzt noch lange keine Sanierung.

von: Wari

Dass der Vater der Kinder jetzt alle unsere Urlaubsorte mit der neuen Liebe aufsucht, kann drei Gründe haben:

Er will Vergangenes verarbeiten, übertüncht es mit neuen Begegnungen, um das Alte auszumerzen.

Er fand es dort so toll, dass er diese Erfahrung unbedingt mit der neuen Familie teilen will.

Sein Einfallsreichtum ist nach nun mehr zweieinhalb Jahren ausgeschöpft.

 

Ich tippe auf Letzteres!

 

01.08.2010 um 14:34 Uhr

Nix mehr unisono.

von: Wari

Hah. Mein Telefon bimmelt und Freund S. ist dran. Hatte er also meinen Zettel im Briefkasten gefunden und das am Sonntag! Ich bin schwer überwältig. Bis sich heraustellt, dass er mich einfach so anruft . Aaaaah, denk ich mir, ihm liegt also was an dir. Wow. Ich lasse seine Woche Klosterarbeit Revue passieren, gebe passend dazu die Schote jenes Tierfotografen zum Besten, der stundenlang im Wald lag, um eine Fuchsfamilie zu fotografiren, lobe sein Durchhaltevermögen, sich Ewigkeiten in den Baum zu hocken, um das Eichhörnchen zu fotografieren und bedanke mich für seine echt liebenswerte Karte. Als ob ich´s geahnt hätte, wollte ich ihn heute Morgen zum Frühstück entführen. Nur wir zwei. Er. Und ich. Das wär´s doch gewesen. Und als ob er es geahnt hätte, lädt er mich zu einer Flasche Wein ein. Heute Abend gemütlich am Ufer des heißgeliebten Stromes dieser Stadt. (Den Unbekannten vergesse ich an dieser Stelle - fällt nicht schwer, er meldet sich nicht.) Ich jubiliere. Wir werden also einen gemütlichen Abend haben. Er. Und ich. Bis zu jener Sekunde, in der Freund S. meint: "Und dann rufe ich nochmal Frau H. an, dann machen wir´s uns zu dritt gemütlich!". Ja. Sicher. Das ist genau das, was ich wollte. Nen flotten Dreier mit dir, darauf steh ich. Vielleicht hätt dieser Abend echt witzig werden können. Kling ich frustriert, genervt, eifersüchtig? Pah. Ich wusste nur bis eben nicht, dass es mich jetzt nur noch im Doppelpack gibt.

Und über mir werden die Hochzeitsgeschenke vom der gestrigen Feier raufgetragen.

Ich werde für das feine Stöffchen, das ich mir eigens für meine eigene Hochzeitsfeier zugelegt habe wohl doch schon mal einen Schnitt für ein Kleid der allerletzten Stunde raussuchen.

Ich brauch erst mal ne Zigarette.

 

01.08.2010 um 12:31 Uhr

Unrund.

von: Wari

Ich hatte in den letzten Wochen viel Zeit für mich, viel Zeit zum Fühlen, zum Sehen, Hören, Riechen, Schmecken. Zeit für Begegnungen mit vielen netten, interessanten Menschen. Und doch gab es so manchen Tag, der sich unrund anspürte, ohne dass ich benennen konnte, was dieses Unrunde ausmachte. Ich genoss die Ruhe, das Ausspannen, das bei mir sein, das Zeit haben und vieles mehr. Ich fand mich ein Stückchen mehr und liebte diese Zeit mit mir. Aber irgendwas. Und heute spürte ich es, dieses Unrunde, dieses scheinbar Fehlende. Denn in all dieser Zeit hatte ich keinen einzigen bewussten Schritt mehr in die linke Hälfte meiner Wohnung gesetzt. Alles spielte sich zwischen Eingang und meinem Zimmer ab, alles in der rechten Hälfte. Links war komplett unbesetzt. Und so begab ich mich also bewusst nach links, ließ mich auf dem einen Bett fallen und ging meinen Gedanken nach, um anschließend ins andere Zimmer zu wechseln. Ich versuchte sie zu fühlen, diese Leere, die von diesen beiden Zimmern ausging und mit einem Mal wurde mir auch bewusst, warum mich gestern Abend so eine unerklärliche Angst überkam. Diese Angst, es könnte irgendetwas. Es war das Mutterherz, das sich so ganz allmählich unterbesetzt fühlte. Es waren die lachenden Kinderstimmen, die nicht hier sind, Sätze, die nicht von den Jungs gesprochen wurden und Kuscheleinheiten, die nicht da waren. Genau das machte dieses Unrund sein aus. Und ich gebe zu, dass ich nach nun mehr zwei Wochen gerne wieder meine Hand durch ihre Haare wuscheln würde, ihre Köpfe in meine Hände legen möchte, die kleinen Kinderhände auf meiner Wange spüren möchte und vorallem eines: Mit ihnen lachen. Ja, das ist es, was hier fehlt! Ja, ich bin mit mir selbst zufrieden, mit meinem eigenen Ich. Aber die Mutter ihn mir wünscht sich gerade die bunte Kinderwelt hierher. So sehr.

Mantra an mich: In einer Woche sind sie wieder da. Alles wird gut. (Bäh, was für´n scheiß Satz!)