Fabs0rs Medien- und Gezuppelwelt

22.10.2006 um 14:36 Uhr

FTB-News: Eaten Alive (1977)

von: Fabse

 

 

Yes, es ist mal wieder Hooper-Time! Kaum eine Regie-Ikone des Horror-Genres hat in den letzten 35 Jahren gleichermaßen moderne Klassiker wie auch bodenlosen Dreck fabriziert wie Tobe Hooper. Mögen alle Menschen mit Sinn für die Schönheit des Hooper’schen Gesamtwerkes sein Texas Chainsaw-Duo verehren, Lifeforce eine Gedenkstätte errichten und Poltergeist im DVD-Regal streicheln. Ja, dieser Mann hat sich sogar mit dem Gummimonstern des „Invaders from Mars“-Remakes in alle Herzen gekurbelt. Vergessen wir doch besser seine späten Horror-Kloaken wie den unsäglichen „Night Terrors“ oder „Mortuary“. Aber Moment mal,…! Vielleicht war der gute Herr Hooper sogar früher schon Scheiße. Na, was hat der wohl gemacht, als ihm der Buddy Kim Henkel folgende Story hingehauen hat, nachdem man gemeinschaftlich die Kettensäge geschwungen hat?

 

 Der komplett abgedrehte Psychopath Judd führt in der Einöde der texanischen Provinz ein heruntergekommenes Hotel samt angeschlossenem Krokodilbecken. Durchreisende bewirtet man natürlich solange von ganzem Herzen, bis das Kroko gefüttert werden will. Kein Wunder, dass Judd ordentlich die Sense schwingt, denn gerade ist Hochsaison für Urlauber und andere Besucher, die das Hotel in Anspruch nehmen.

 

Nicht mal drei Jahre nach dem Erfolg mit dem Texas Chainsaw Massacre widmete sich Tobe Hooper erneut der Backwood-Thematik und lieferte mit „Eaten Alive“ das zweite Manifest um degenerierte Hinterwäldler, die Interesse an Menschenfleisch hegen. Vorweg gleich zu den positiven Aspekten des Films: An der Darstellerfront finden sich mit Robert Englund, Marilyn Burns (ja, die aus TCM!), Brian De Palma Stammakteur William Finley und Neville Brand als überragender Vollpsychopath einige wackere Genre-Veteranen, die durch die Bank weg ihr bestes geben um den Karren aus dem inszenatorischen Dreck zu ziehen. Sogar in die Kehle von Weltstar Mel Ferrer verschlägt es Judds Sense, doch der gute Mel chargiert unverfroren wie Hupe bevor es in den Krokoschlund abgeht. Man muss auch nicht mal ein kleiner Fuchs sein um schon nach kurzer Laufzeit festzustellen, dass Tobe Hooper hier versucht hat ein psychodelisch gewitterndes Remake von Hitchcocks Filmchen um einen Motel-Besitzer auf die Beine zu stellen. Parallelen finden sich wahrlich genug und daher wohl auch die Leihgabe des Phantoms Finley aus des De Palmas- Suspense Werkstatt. Für Splitscreens hat’s bei Hooper allerdings nicht gereicht wenn das alberne Pappmachekrokodil aus dem Wasser schnellt. Spannung existiert auch nicht wirklich, aber die Regie-Credits von Mr. TCM lassen sich im Nachhinein an einer Inszenierung festmachen, die am ehesten der seiner aktuellen Filme entsprechen: Erstaunlich, dass hier alles nach sterilen Studio riecht. Unter dem Strich bleiben dann auch zwei markante Erkenntnisse des Films am Zuschauer haften:  „ My name’s Buck and I’m ready to fuck!“ sowie die Gewissheit, dass Hooper auch früher schon öde Streifen fabriziert hat.

  

  

22.10.2006 um 13:34 Uhr

FTB-News: Das kleine Arschloch und der alte Sack (2006)

von: Fabse

Ganze elf Jahre durften Fans des ersten Films, um die politisch unkorrekten Späße aus der Feder von Walter Moers, warten und nun präsentiert der deutsche Fließband-Animateur Michael Schaack die zweite Leinwand-Adaption des kleinen Arschlochs. Ist nach Schaacks unsäglichen Werner-Fortsetzungen, dem unlustigen Derrick-Film und seinem platten Dieter Bohlen-Promo-Reel wohl jetzt endlich wieder Besserung in Sicht?

Peppis Besitzerin Frau Mövenpick stirbt und bei der stattfindenden Beerdigung lasse es sich das kleine Arschloch sowie sein Opa natürlich nicht nehmen die Trauergemeinde mit Gehässigkeiten zu überschütten. Durch Unachtsamkeit fällt der alte Sack dabei in eine bereits ausgehobene Grube und landet auch im Handumdrehen in der Hölle, wo 10.000 nackte Krankenschwestern darauf warten, seine wiedererlangte Potenz täglich bis zu 500 Mal auszukosten. Während Opa also das Glück im Jenseits auskostet, versucht sein Enkel ihn mittels satanischer Riten und Experimenten an Hund Peppi der Hölle zu entreißen und arrangiert Wohnungsführungen für schwule Paare.

Obwohl mit Holzhammerhumor und derben Zoten abgerundet, war der erste Ausflug des kleinen Arschlochs ja eine vergnügliche Sache, die auch ordentlich an der Kinokasse einschlug. Jenes Glück wird der Fortsetzung wohl dann aber doch nicht beschieden sein, denn im Gegensatz zum Original gibt sich der zweite Teil über weite Strecken viel Mühe dabei mehr Narkotikum als unkorrekter Filmspaß zu sein. Anstatt der erwarteten neuen Arschloch-Songs, die das Prequel fein aufwerteten begnügt man sich nun mit experimentellen Klimperklängen aus der Feder von Helge Schneider und liefert nur ein neues Lied ab, dass eher wenig Kultpotenzial erahnen lässt. Ganz klare Höhepunkte sind die Höllenszenen mit dem alten Sack, die aber leider durch überflüssige Tanzeinlagen und witzlose Experimente an Hund Peppi ausgebremst werden. Nebenbei verlässt man zu oft das Geschehen um das witzlose Treiben zweier, von der Comedy-Truppe Badesalz gesprochener, Flugenten zu erleben. Ganze fünf lustige Minuten Unterhaltung finden sich diesmal im Film, der den Mythos um Moers Kultcomics zu Grabe trägt. Nicht nur Sterben ist Scheiße, wie der Untertitel sagt, sondern auch gnadenlos uninspirierte Fortsetzungen wie diese hier.

22.10.2006 um 12:50 Uhr

FTB-News: Das Parfum (2006)

von: Fabse

 Es war abzusehen und geradezu nicht zu verhindern, dass der erfolgreichste (merke: erfolgreich zumeist ungleich gut) deutsche Roman der letzten Jahre seinen Übertrag auf die Kinoleinwand erfahren würde. Nur das „Wann, wie und durch wen?“ war die Frage. Verwiesen Regisseure wie Stanley Kubrick auf das „Unverfilmbar-Schild“, so gab Bernd Eichinger nicht nach, wenn es darum ging Patrick Süskind die Filmrechte für seinen Roman aus den Rippen zu leiern. Nach einer gefühlten Ewigkeit also und noch mehr vergangener Zeit auf den Kalenderblättern, hatte der Neue Constantin-Guru allerdings die Rechte in der Tasche – Zum Leidwesen eines Publikums, das auf eine adäquate Umsetzung gehofft hatte. Nach einiger Geheimniskrämerei lies man alsbald die Bombe platzen und gab bekannt, dass Regie-Wunderkind Tom Tykwer, den teuersten deutschen Film seit Metropolis inszenieren dürfte und auch, dass mit einer internationalen Besetzung zu rechnen sei. Der ersten Teaser, den man im TV auf Pro7 bewundern konnte, erwecke dafür aber eher den Eindruck, dass das Geld wohl größtenteils in den Ofen gewandert wäre: Ein popeliges Studio-Ambiente in dem der berüchtigte Jean-Baptiste Grenouille, durch den fehlbesetzten Ben Whishaw dargestellt, einer Maid auflauerte verwies darauf, das kommende Blockbuster-Vehikel besser zu meiden. Klar, dass dem negativen Feedback später ein imposant ausschauender Trailer und eine riesige Medien-Kampagne folgten. Wollte man doch auf der sicheren Seite stehen und das Klingeln an der Kinokasse als Endlosschleife hören wollen. Kurz was zur Handlung, sofern diese noch nicht jedem Bundesbürger durch die Boulevard-Presse zu Genüge in den Kopf geprügelt worden ist:

Im 18. Jahrhundert fällt einer französischen Fischhändlerin bei der Arbeit etwas aus dem Schritt, das von der Madame schnell entsorgt werden möchte, da Kindstötung zu jener Zeit recht populär ist und die Antibaby-Pille rund 200 Jahre später auf den Markt kommt. Leider erweist sich die Idee, das Balg zu töten als doof, denn das Rumgeschrei der Lendenfrucht alarmiert den Pöbel, der sogleich die Marktfrau an den Galgen bringt. Der Spross hingegen wird verhökert und entdeckt im gereiften Mannesalter, dass er eine spezielle Fähigkeit besitzt, was das Riechen angeht. Besessen davon, den Duft schöner Frauen zu konservieren und damit ein einzigartiges Parfum zu schaffen, begibt sich Grenouille in die Lehre bei dem Parfümeur Baldini und des Nachts streift er durch die Straßen um Frauen zu ermorden, deren Geruch das Kölnisch Wasser der Eigenkomposition komplettieren soll.

 

Was sich 1a wie der Plot eines Exploiters aus der Feder von Roger Corman anhört, begeisterte Leser aufgrund seiner stilistischen Ausarbeitung durch Autor Süskind und vielleicht noch durch seinen recht geringen Seitenumfang, der sich für die Klolektüre zwischendurch gut eignete. Sollte es sich da wohl lohnen, genügend Toilettenpapier mit ins Kino zu nehmen? Die Antwort hierauf, sei mit einem „Jein“ umrissen! Anstatt einen anständigen Schmuddelfilm abzuliefern, nachdem das Buch verlangt hätte, glättete das Team um Eichinger und Tykwer all das was irgendwo nicht als mediales Großereignis im Hochglanz-Look der Produktion den Kram gepasst hätte. Man mag Tykwer durchaus als Cineasten, Autor und Handwerker einen roten Teppich ausrollen, aber wenn ein Filmstoff sich komplementär seinen formalen Gegebenheiten verhält, nutzen auch tolle Bildkompositionen und ein internationaler Cast nicht mehr viel. Fast drei Stunden Ästhetik, die mit illustren Gästen wie Alan Rickman oder Dustin Hoffman aufgewertet werden, reichen nicht aus um aus der Sache was Angenehmes zu machen. Kurzum: Immer dann, wenn die Nähe zur Vorlage 100%ig gegeben ist, erscheint der Film unfreiwillig komisch und vermittelt dem Zuschauer den Eindruck einer Trash-Klamotte beizuwohnen. Die FSK 12 Plakette (Wir müssen ja möglichst viele Leute ins Kino bekommen) musste da auch noch her, um der suppenden Vorlage den Wind aus den Segeln zu nehmen. Was bleibt ist ein imposanter Bilderbogen, der ebenso unausgegoren wie gelackt von der Leinwand schielt.

22.10.2006 um 07:52 Uhr

FTB-News: Something Weird

von: Fabse

 

Herschell Gordon Lewis, der Godfather of Gore, hat innerhalb seiner Laufbahn als Regisseur ( Karriere möchten wir das jetzt mal nicht so gerne nennen) einiges an albernen, aber charmant naiven Stuss abgeliefert. Neben Sternstunden des Exploitation-Films wie zum Beispiel „Wizard of Gore“ , Blood Feast“ und „Color me Blood red“, stehen auch üble Langweiler wie „Scum of the Earth“ in die Vita des Splatter-Erfinders eingeschrieben. Sein 1968 entstandener Film der Unglaublichkeiten namens „Something Weird“ führt im Titel schon mehr die Qualität seiner Machart anstatt einfach nur die Hirnblähungen, die uns Lewis als Plot verkaufen will zu erfassen.

 

Cronin Mitchell wird fürchterlich entstellt, als er mit einer herabhängenden Starkstromleitung in Berührung kommt. Als der, vom billigen Make-up belästigte, Cronin im Krankenhaus erwacht, bemerkt er sodann, dass er von nun an mit telepathischen Fähigkeiten ausgestattet ist und verdient fortan sein Geld als Wahrsager. Eines Tages erscheint ihm eine Hexe, die ihm die hässliche Schabracke von nun an, so würde sie sein entstelltes Gesicht mit einem Zauber wieder symmetrisch gestalten. Zunächst wendet sich der beehrte Schönling ab, dann aber verführt ihn die Hexe in Gestalt einer schnieken 60s Schnalle. Mit seiner neuen Partnerin im Schlepptau wird Cronin von Regierungsbeamten abberufen um mit seinen Fähigkeiten dabei behilflich zu sein einen Frauenmörder zu fassen.

 

Übersinnliche Fähigkeiten, Hexerei, LSD-Selbstversuche und ein Scharfschütze, der gefasst werden will, bilden den Rahmen von Lewis kompromisslos bescheuerten Streifen, der an unfreiwilliger Komik sämtliche Grenzen einreißt. Als würde es nicht ausreichen eine Darstellerriege zu präsentieren, die hölzerner als der Wiener Wald agiert, so schießt man mit jedem Auftritt der Hexe wahrlich den Vogel ab. Elizabeth Lee mag  ohne das Hexen-Make-up noch so hübsch sein, doch ihre Performance als Zauberweib mit dem manischen Lachen schlägt sämtlichen Fässern den Boden aus. Hier wird rumgehampelt, der Rotfilter vor der Linse als LSD-Expierience  verhökert und die „Boiling, bizarre Tale of a Mad Love that Crashes Through the Supernatural“ ergibt sich beim Zuschauer nachdem man sich leere Flaschen auf de Schädel prügelt. Trotzdem bleibt der gebotene Schwachsinn durchaus unterhaltsam, sofern man die überaus häufig vorhandenen Längen verschmerzen kann. Ganz klare Highlights sind da schon der Angriff der Killer-Bettdecke und eingeschobene Action-Szenen ( Tipp an Michael Bay-Fans!).  

22.10.2006 um 07:02 Uhr

FTB-News: The Texas Chainsaw Massacre: The Beginning (2006)

von: Fabse

In der beliebten Reihe “Innovationen aus der Traumfabrik” vermeldet die Riege um Produzenten-Guru Michael Bay diesmal gar Sensationelles: Nicht etwa die Verwurstung eines Comics für den Screen oder ein Remake angestaubter Stoffe gibt man dem Kinogänger an die Hand, sondern setzt im Jahre 2006 auf die Mordsidee namens „Prequel zum Remake“. Da ja gerade mal drei Jahre seit Marcus Nispels Neuauflage des Tobe Hooper Klassikers vergangen sind und Horror im Kino wieder salonfähig geworden ist, öffnet sich der Vorhang für die neueste Auflage des Texas Kettensägen Massakers.

Im Jahre 1969 machen sich die Brüder Eric und Dean gemeinsam mit ihren Freundinnen auf einen Roadtrip durch Texas. Nachdem die Truppe, aufgrund einer Attacke durch eine Motorrad-Rockerin, in einen schweren Autounfall verwickelt wird, naht posthum Hilfe in Form des auftauchenden Sheriffs Hoyt. Doch anstatt die Verletzten in ein Krankenhaus zu bringen und die Unfallverursacherin festzunehmen, erschießt Hoyt die Rockerin und entführt die Jugendlichen zu einer abgelegenen Farm. Hier wartet schon eine ganze Familie von degenerierten Hinterwäldlern darauf, ihre neuen Opfer in Empfang zu nehmen.

Was sich liest wie eine leicht modifizierte Version des altbekannten TCM-Plots, fühlt sich auch ebenso an. Bis auf eine kurze Vorgeschichte um die Geburt von Leatherface und die Schließung eines Schlachtbetriebes der Redneck-Familie, spult der aktuelle Ausflug in das Backwood-Genre fast 1:1 die Geschichte von Nispels Film ab. Auch Optik und Schnitte der 2003er Fassung kopiert das Prequel sklavisch ergeben. Dass hier Jonathan Liebesman, dessen „Darkness Falls“ ja auch ziemlich belanglos daherkam, auf dem Regiestuhl saß macht sich irgendwie auch nicht wirklich bemerkbar, da die Inszenierung sich in keiner Weise mit der Nispels unterscheiden mag. Natürlich wurde der Gore-Gehalt etwas erhöht und R. Lee Ermey stielt wieder allen anderen – solide agierenden- Darstellern die Schau, aber irgendwie wird man beim Betrachten des neuen Massakers das Gefühl nicht los, dass hier Schnittabfälle aus dem Cutting Room des Vorgängerwerkes auf einen hernieder prasseln. Die Eigenständigkeit erschöpft sich auf einige Erklärungsversuche für das Verhalten der Familie, doch die fallen mehr als platt aus. Wer die TCM-Parodie „Slaughterhouse“ kennt, der wird mit Schrecken feststellen, dass sich hier mehr als nur dreist bedient wurde. TCM: The Beginning ist alles andere als wirklich schlecht, aber das komplette Werk ist dann doch nur sehenswert für Leute, die die letzten 35 Jahre keinen Horror-Film gesehen haben dürften. Hätte man die vorhandenen Blaupausen im Schrank gelassen, so hätte es auch niemanden gestört.

04.10.2006 um 20:09 Uhr

FTB-News: Crank (2006)

von: Fabse

 

Das momentane Programm der bundesdeutschen Lichtspielhäuser könnte dröger wohl kaum ausfallen als zu Beginn des Herbstes 2006. Die alljährlichen Sommer-Blockbuster hat schon gesehen oder das Interesse am Popcorn-Overkill mit Millionen-Budget ist so schwindend gering, dass der Herr des Hauses lieber in selbigen bleibt und sich aus der Konserve bedient um 70s Schmuddelkram in den DVD-Player zu werfen. Trotzdem ist so ein Blick in den Kino-Spielplan natürlich allzu verlockend und man riskiert das Verätzen der Pupille, das durch stinkend dumme  Filme evoziert werden kann. Der Brechreiz wächst enorm wenn schon die Titel der aktuellen Produktionen in Augeschein genommen werden. Schauen wir uns etwa Oliver Stones Aufarbeitung des 11. Septembers an? Wollen wir wirklich erleben, wie Tom Tykwer aus einem Scheißbuch einen Scheißfilm gemacht hat? Gelüstet uns nach 90 Minuten Janosch im Kino? Alles pfui, denkt man sich und entdeckt im Programmheft einen Film, der vielleicht in Frage kommen könnte ohne dabei bleibende Schäden am Hirn und am Sehnerv zu hinterlassen: „Crank“ heißt er also, der neue Film mit dem ehemaligen Schwimm-Ass  Jason Statham in der Hauptrolle. Worum es da geht ist auch recht schnell auf den Punkt zu bringen.

 

Der Auftragskiller Chev Chelios erwacht in seiner Wohnung und findet eine DVD vor, deren Inhalt erst einmal zu einem destruktiven Wutanfall führt: Konkurrent Verona war kurze Zeit vorher in Chevs Bude und hat seinem Widersacher einen Gift-Cocktail gespritzt, der unserem Protagonisten den baldigen Tod bringen wird. Schon bald findet Chev heraus, dass die einzige Möglichkeit, den Exitus heraus zu zögern darin besteht, möglichst viel Adrenalin auszuschütten. Was liegt da wohl näher als ein gepflegter Amoklauf durch die Stadt, um dem Tod so lange ein Schnippchen zu schlagen, bis die Verantwortlichen aufgespürt sind und es eine Retour-Kutsche für die hinterfotzige Attacke gehagelt hat?

 

Okay, „Crank“ dauert knappe 90 Minuten und legt von vornherein gar keinen Wert darauf, den Zuschauer lange mit einer Einstimmung auf das folgende Geschehen zu belästigen. Kurz gesagt: Das Gaspedal  wird nach knappen 2 Minuten voll durchgetreten. Gegen Chevs D.O.A.-resken Sprint gegen den Tod mutet Franka Potente in „Lola rennt“ wie eine verprügelte Schildkröte an. Welchen Hintergrund das Attentat auf den Anti-Helden des Films hatte wird einfach während des Actionoverkills mit eingeflochten. Was die Big Budget-Debütanten Mark Neveldine und Brian Tayler hier vom Stapel lassen gebärdet sich als visuelles Sperrfeuer, dessen Vorbilder irgendwo zwischen Comicstrips, Pulp Balladen wie etwa „Snatch“ und dem Video Game „GTA: San Andreas“ zu suchen sind. Schnelle Schnitte, Zeitlupen, ästhetische Schnittgewitter und Splitscreens ohne Ende. Um Stathams Todeshatz den richtigen Drive zu verleihen untermalt man das Geschen noch mit einem Soundtrack, der von „Refused“ bis zu „The Sleeping“ Tracks aufbietet, denen sich kein geschultes Ohr entziehen kann. Was halt an Logik auf der Strecke bleibt, macht „Crank“ mit einem überaus politisch unkorrekten Humor wieder wett, der einen die Freudentränen in die Augen treibt. Wo gab es bitte mal einen Protagonisten, der permanent Drogen einfährt, halbnackt mit einer gewaltigen Erektion auf der Flucht ist und sich mit einem Herzkranken um einen     Defibrillator zankt? Haarsträubende Gags gehen hier Hand in Hand mit blutiger Action und einer Dosis State of the Art-Style. Nebenbei erlebt man noch die abgefahrenste Sex-Szene seit „Team America World Police“, in der Amy Smart als Koitus Interruptus-Opfer auf der Strecke bleibt.

 

9 von 10 Talibans

03.10.2006 um 20:13 Uhr

DVD-News: Hell- Gefangene des Jenseits (2005) von Legend Films

von: Fabse

 Bei einem Ausflug wird eine Gruppe von thailändischen  Dokumentarfilmern in einen Autounfall verwickelt und fällt ins Koma. Die Seelen Verunglückten gelangen in die buddhistische Hölle und erleiden diverse Folterungen für ihre Sünden im Diesseits. Da ihre Tode nicht vorbestimmt waren, hat jedes Mitglied des Teams die Möglichkeit der Verdammnis zu entkommen, doch die Folterknechte der Hölle sind ihnen auf den Fersen. 

Der Thai-Horrorfilm boomt und mit Teekayu Thamnitayakuls „Hell“ bekommt man einen der besseren Vertreter dieses Sub-Genres geboten. Zwar gebärdet sich ein Großteil des Films als B-Film mit guten Ansätzen, doch manche, durch die thailändische Kultur determinierte, Sequenzen wirken leicht befremdlich auf den europäischen Rezipienten. Das Höllen-Motiv an sich beispielsweise mag für den westlichen Geschmack da schon recht abgestanden wirken und einige Handlungen der Hauptakteure wirken etwas gestelzt. Wer sich trotzdem  darauf einlässt, den erwarten rund 90 Minuten durchschnittliche Unterhaltung, die sich vor europäischen oder amerikanischen Genre-Vertretern der B-Liga nicht zu verstecken braucht. Schauspielerisch gibt sich die Protagonistenriege solide und gerade bei den Effekten kann „Hell“ außerordentlich punkten. Die Teils recht derb ausgefallenen Folterungen der Komapatienten bieten neben obligatorischen Ketten a la Hellraiser und dem Zertrümmern von Fingern auch einiges an FX, die nicht der Latex-Fraktion angehören. Einen Großteil des Films versüßt man uns mit recht ansehnlichen CGI’s. und in technisch einwandfrei geschnittenen Rückblenden erfährt der Zuschauer, was es denn mit den Sünden der Akteure im Diesseits auf sich hat. Im Gegensatz zu den unzähligen Horror-Schnarchern, die den deutschen DVD-Markt  mittlerweile überschwemmen, kann „Hell“ sicherlich einen Platz im heimischen Silberscheiben-Regal beanspruchen ohne dem Besitzer die Schamesröte ins Gesicht zu treiben. Den Gorehound freut’s und auch Otto Normalkonsument kann damit was anfangen. Untern Strich kann sich „Narok“ ( so der Original-Titel) in die Sparte „ansehnlich“ einreihen. Allein die saubere Inszenierung des Geschehens reißt da viel raus, was an verschenkten Ansätzen mit einem Minus bedacht werden könnte.

  

Die dt. DVD aus dem Hause „Legend Films“ besticht auf der technischen Seite mit tadellosem Bild und Ton. An der Extra-Front finden sich  ein kurzes Behind the Scenes- Feature und sieben Interviews sowie der dt. Trailer, der Original-Trailer und zwei TV Spots. Die, erstaunlicher Weise mit der FSK 16 Plakette freigegebene Veröffentlichung bietet  ein anamorphes Bildformat in 1,85:1  und beinhaltet die  Tonformate Deutsch in Dolby Digital 5.1 und DTS 5.1, wie auch die Thailändische Spur in Dolby Digital 5.1. Ins Haus kommt die Veröffentlichung in einem schmucken Metal-Pack, das überaus hübsch designed wurde.

02.10.2006 um 16:28 Uhr

Death Wish -Feature

von: Fabse

Ab und an beschleichen einen ja auch mal die seltsamen Wandlungen, sich die komplette Packung an schmierigen und schäbigen Exploitation-Happen für den Hausgebrauch zu geben. Aus diesem Anlass wird hier und heute dreimal mit dem Mann scharf geschossen, dessen Gesichtsmassiv und die Rolle des rächenden Architekten maßgeblich an seinem Weltruhm Teil hatten. Vorhang auf für Charles Bronson als Paul Kersey in Michael Winners cineastischen Dreigestirn um einen Mann der rot sah.

 

Death Wish (1974)

   

New York in den späten 70ern: Der Architekt Paul Kersey ist erfolgreich im Beruf und samt Frau, Tochter und Schwiegersohn genießt der bodenständige und gutmütige Mann das Familienidyll. Die heile Welt zerbricht schlagartig, als eine Straßengang die Wohnung der Familie  heimsucht und bei einem erfolglosen Raubzug  Frau und Tochter vergewaltigen. Pauls Frau erliegt ihren Verletzungen während seine Tochter die Attacke, schwer psychisch geschädigt, überlebt. Als die Ermittlungen der Polizei keinerlei Erfolge verbuchen können, macht sich Paul auf um den Abschaum des nächtlichen New Yorks auf eigene Faust auszulöschen und die Täter zu stellen.

 

Michael Winners „Death Wish“ macht keinerlei Anstalten das kontroverse Thema „Selbstjustiz“ kritisch anzugehen und setzt schon kurz nach Beginn die Akzente, die die Mär um Racheengel Kersey zu einem gewaltigen Abgesang auf die Todesstrafe werden lassen. Überaus plakativ und um keine reaktionäre Formulierung verlegen, präsentiert man uns hier einen sleazigen Auftakt, in dem Jeff Goldblum und seine Gang explizit asozial die Frauen schänden, dass es nur so raucht. Beinahe schon volksverdummend überzogen zaubert Winner die Rechfertigung für Bronsons folgenden Feldzug gegen die stereotypen Jedermänner der Slums aus dem Hut. Stimmungs- und Meinungsmache aus der untersten Schublade beherrschen die Szenerie und der erhobene Zeigefinger über dem Publikum weist lautmalerisch darauf hin welches Statement eine Diskussion um das Handeln des Helden für überflüssig erscheinen lässt: „Dieser Mann ist die Stimme des Volkes und sein Werk die Antwort auf alle Fragen, wenn  es darum geht unserer Gesellschaft ihre nötige Struktur zurück zu bringen.“ Kein Wunder also, wenn die ermittelnden Polizisten ihr Pflichtbewusstsein über Board kegeln, wenn Kersey hinter sich die Massen versammelt. Der Richter und Vollstrecker in einer Person ist das Sprachrohr, das in Zeiten der Resignation als unvermeidbar erscheint. Moralische Diskurse mag man zwar anschneiden, aber die Aussage, die hier getätigt wird erstickt jede Kritik im Keim. Differenziert betrachtet kann man sich wunderbar an der gelungenen Inszenierung laben: Das Portrait einer Stadt bei Nacht, deren fiktiven Zerfall man beiwohnen darf reißt in Verbindung mit der Reiseführung  durch einen lonesome  Cowboy  der Moderne einiges raus, doch trotzdem darf das getätigte Statement von „Death Wish“ als überaus fragwürdig angesehen werden.

  

Death Wish 2 (1982)

 

Neues von der Front: Zwar hat Paul Kersey bei seinem ersten Amoklauf auf Raten nicht die Mörder seiner Frau erwischt, doch New Yorks Kriminelle mussten ordentlich was einstecken. Seit zwei Jahren führt der ehemalige Rächer jetzt ein ruhiges Leben in Los Angeles und hat auch neben einem neuen Liebesglück wieder Hoffung geschöpft, dass seine Tochter sich auf dem Weg der Besserung befindet. Als Pauls Brieftasche geklaut wird und er die Diebe etwas aufmischt wartet aber schon bald darauf neuer mies gelaunter Besuch auf der Türschwelle des Eigenheims. Als Kersey zurück nach Hause kommt findet er seine Haushälterin mehrfach vergewaltigt und erschlagen im Flur vor. Damit wirklich nichts mehr anbrennen kann, entführt die Gang um Laurence Fishburne auch noch das Töchterlein. Nachdem auch sie geschändet und tot von der Polizei gefunden wird, kehrt der Racheengel von NY zurück um seine Peiniger nun in LA zu richten.

  

Staunte man bereits bei Bronsons ersten Feldzug über die dargebotene Plattheit der Message, so setzt Regisseur Winner beim Sequel noch einen drauf: Wenn die Haushälterin gleich exzessiv von fünf Gangstern hintereinander weg missbraucht wird und man die Tochter blutig vom Zaun zieht, ist der Ofen komplett aus. Der Rächer aus dem Erstling ist weniger noch die gebrochene Figur, die nach einem Ausweg sucht, als viel mehr ein eiskalter Killer, der keine Gnade mehr kennt. Diesmal startet man total durch! Polizisten, die ordentlich mitmischen bei Kerseys Aufräumaktion, ein stark erhöhter Body Count und Over the Top- Gewalt ergeben einen der widerlichsten Pamphlete, die die 80er zu bieten hatten. Zwar kontrastiert man den Plot mit eingeschobenen Verweisen auf Religionen als Rettung der Gefallenen, doch  noch deutlich extremer als im Prequel  prügelt es stupide Ideologie nach dem Gusto des alten Testaments über den Zuschauer. Das Neon-Licht flackert und der Dreck, den man hier aufbietet suppt förmlich in jedem einzelnen Frame aus dem Bild. Die Großstadt als toller Zoo, in dem die Survival Fans nach Herzenslust das Vieh wegknallen können und Charlton Heston stimmt uns ein „Let’s stay in the N-R-A !“ an. Schmuddel at it’s best!

  

Death Wish 3 (1985)

   

Zurück in New York findet Kersey einen alten Freund tot in dessen Wohnung auf, der wenige Minuten vorher von einer Gangsterschar hingemeuchelt wurde. Die eintreffende Polizei verhaftet Paul unter dringendem Tatverdacht um kurze Zeit später mit einem kleinen Angebot um die Ecke zu kommen: Da der östliche Stadtteil von einer großen Gang kontrolliert wird, die alle Bürger erpressen und terrorisieren, schlägt man vor, Paul wieder auf freien Fuß zu setzen wenn er sich der Sache annimmt. Da fackelt der gute Mann natürlich nicht lange und greift routiniert zu den großen Kalibern um dem Pack das Fürchten zu lehren.

  

Jeder Schuss ein Treffer: Das Gespann Winner/ Bronson dreht nun vollends am Rad und startet den dritten Weltkrieg in New York. Was Kersey hier alles wegballern, erstechen und verkrüppeln kann gehört ins Guiness-Buch! Hier drehen restlos alle Protagonisten auf: Rentner brennen, alles bewaffnet sich bis an die Zähne und der gute Bronson darf neben einer großen MG auch den Raketenwerfen schultern. Das explizite Vergewaltigen hat man zwar etwas zurückgefahren, aber das kreative Killen der Bösewichter findet hier seine Vollendung. Nicht mal John Rambo lässt so viele tote Körper hinter sich wie es in „Death Wish 3“ Leichen regnet. Ein knüppelharter Asi-Kracher, der auf hohes Tempo und Pyrotechnik setzt. Dummdreist, dass es schmerzt, aber unterhaltsam wie Hölle.