Ab und an beschleichen einen ja auch mal die seltsamen Wandlungen, sich die komplette Packung an schmierigen und schäbigen Exploitation-Happen für den Hausgebrauch zu geben. Aus diesem Anlass wird hier und heute dreimal mit dem Mann scharf geschossen, dessen Gesichtsmassiv und die Rolle des rächenden Architekten maßgeblich an seinem Weltruhm Teil hatten. Vorhang auf für Charles Bronson als Paul Kersey in Michael Winners cineastischen Dreigestirn um einen Mann der rot sah.
Death Wish (1974)
New York in den späten 70ern: Der Architekt Paul Kersey ist erfolgreich im Beruf und samt Frau, Tochter und Schwiegersohn genießt der bodenständige und gutmütige Mann das Familienidyll. Die heile Welt zerbricht schlagartig, als eine Straßengang die Wohnung der Familie heimsucht und bei einem erfolglosen Raubzug Frau und Tochter vergewaltigen. Pauls Frau erliegt ihren Verletzungen während seine Tochter die Attacke, schwer psychisch geschädigt, überlebt. Als die Ermittlungen der Polizei keinerlei Erfolge verbuchen können, macht sich Paul auf um den Abschaum des nächtlichen New Yorks auf eigene Faust auszulöschen und die Täter zu stellen.
Michael Winners „Death Wish“ macht keinerlei Anstalten das kontroverse Thema „Selbstjustiz“ kritisch anzugehen und setzt schon kurz nach Beginn die Akzente, die die Mär um Racheengel Kersey zu einem gewaltigen Abgesang auf die Todesstrafe werden lassen. Überaus plakativ und um keine reaktionäre Formulierung verlegen, präsentiert man uns hier einen sleazigen Auftakt, in dem Jeff Goldblum und seine Gang explizit asozial die Frauen schänden, dass es nur so raucht. Beinahe schon volksverdummend überzogen zaubert Winner die Rechfertigung für Bronsons folgenden Feldzug gegen die stereotypen Jedermänner der Slums aus dem Hut. Stimmungs- und Meinungsmache aus der untersten Schublade beherrschen die Szenerie und der erhobene Zeigefinger über dem Publikum weist lautmalerisch darauf hin welches Statement eine Diskussion um das Handeln des Helden für überflüssig erscheinen lässt: „Dieser Mann ist die Stimme des Volkes und sein Werk die Antwort auf alle Fragen, wenn es darum geht unserer Gesellschaft ihre nötige Struktur zurück zu bringen.“ Kein Wunder also, wenn die ermittelnden Polizisten ihr Pflichtbewusstsein über Board kegeln, wenn Kersey hinter sich die Massen versammelt. Der Richter und Vollstrecker in einer Person ist das Sprachrohr, das in Zeiten der Resignation als unvermeidbar erscheint. Moralische Diskurse mag man zwar anschneiden, aber die Aussage, die hier getätigt wird erstickt jede Kritik im Keim. Differenziert betrachtet kann man sich wunderbar an der gelungenen Inszenierung laben: Das Portrait einer Stadt bei Nacht, deren fiktiven Zerfall man beiwohnen darf reißt in Verbindung mit der Reiseführung durch einen lonesome Cowboy der Moderne einiges raus, doch trotzdem darf das getätigte Statement von „Death Wish“ als überaus fragwürdig angesehen werden.
Death Wish 2 (1982)
Neues von der Front: Zwar hat Paul Kersey bei seinem ersten Amoklauf auf Raten nicht die Mörder seiner Frau erwischt, doch New Yorks Kriminelle mussten ordentlich was einstecken. Seit zwei Jahren führt der ehemalige Rächer jetzt ein ruhiges Leben in Los Angeles und hat auch neben einem neuen Liebesglück wieder Hoffung geschöpft, dass seine Tochter sich auf dem Weg der Besserung befindet. Als Pauls Brieftasche geklaut wird und er die Diebe etwas aufmischt wartet aber schon bald darauf neuer mies gelaunter Besuch auf der Türschwelle des Eigenheims. Als Kersey zurück nach Hause kommt findet er seine Haushälterin mehrfach vergewaltigt und erschlagen im Flur vor. Damit wirklich nichts mehr anbrennen kann, entführt die Gang um Laurence Fishburne auch noch das Töchterlein. Nachdem auch sie geschändet und tot von der Polizei gefunden wird, kehrt der Racheengel von NY zurück um seine Peiniger nun in LA zu richten.
Staunte man bereits bei Bronsons ersten Feldzug über die dargebotene Plattheit der Message, so setzt Regisseur Winner beim Sequel noch einen drauf: Wenn die Haushälterin gleich exzessiv von fünf Gangstern hintereinander weg missbraucht wird und man die Tochter blutig vom Zaun zieht, ist der Ofen komplett aus. Der Rächer aus dem Erstling ist weniger noch die gebrochene Figur, die nach einem Ausweg sucht, als viel mehr ein eiskalter Killer, der keine Gnade mehr kennt. Diesmal startet man total durch! Polizisten, die ordentlich mitmischen bei Kerseys Aufräumaktion, ein stark erhöhter Body Count und Over the Top- Gewalt ergeben einen der widerlichsten Pamphlete, die die 80er zu bieten hatten. Zwar kontrastiert man den Plot mit eingeschobenen Verweisen auf Religionen als Rettung der Gefallenen, doch noch deutlich extremer als im Prequel prügelt es stupide Ideologie nach dem Gusto des alten Testaments über den Zuschauer. Das Neon-Licht flackert und der Dreck, den man hier aufbietet suppt förmlich in jedem einzelnen Frame aus dem Bild. Die Großstadt als toller Zoo, in dem die Survival Fans nach Herzenslust das Vieh wegknallen können und Charlton Heston stimmt uns ein „Let’s stay in the N-R-A !“ an. Schmuddel at it’s best!
Death Wish 3 (1985)
Zurück in New York findet Kersey einen alten Freund tot in dessen Wohnung auf, der wenige Minuten vorher von einer Gangsterschar hingemeuchelt wurde. Die eintreffende Polizei verhaftet Paul unter dringendem Tatverdacht um kurze Zeit später mit einem kleinen Angebot um die Ecke zu kommen: Da der östliche Stadtteil von einer großen Gang kontrolliert wird, die alle Bürger erpressen und terrorisieren, schlägt man vor, Paul wieder auf freien Fuß zu setzen wenn er sich der Sache annimmt. Da fackelt der gute Mann natürlich nicht lange und greift routiniert zu den großen Kalibern um dem Pack das Fürchten zu lehren.
Jeder Schuss ein Treffer: Das Gespann Winner/ Bronson dreht nun vollends am Rad und startet den dritten Weltkrieg in New York. Was Kersey hier alles wegballern, erstechen und verkrüppeln kann gehört ins Guiness-Buch! Hier drehen restlos alle Protagonisten auf: Rentner brennen, alles bewaffnet sich bis an die Zähne und der gute Bronson darf neben einer großen MG auch den Raketenwerfen schultern. Das explizite Vergewaltigen hat man zwar etwas zurückgefahren, aber das kreative Killen der Bösewichter findet hier seine Vollendung. Nicht mal John Rambo lässt so viele tote Körper hinter sich wie es in „Death Wish 3“ Leichen regnet. Ein knüppelharter Asi-Kracher, der auf hohes Tempo und Pyrotechnik setzt. Dummdreist, dass es schmerzt, aber unterhaltsam wie Hölle.