Weil es ist wie es ist

24.03.2008 um 15:59 Uhr

Update

Ein kleines Update nach laaanger Zeit der Abwesenheit. Andreas ist mittlerweile wieder ganz zu Hause, seit fast drei Wochen. Es ist wunderbar, wieder zusammen aufzuwachen und den Alltag zu genießen - auch wenn er momentan noch alles andere als alltäglich ist,da ihm viel Dinge noch immer schwer fallen. Laufen ist nach wie vor nur mit Gehhilfen und nur auf kurzen Strecken möglich, in vielen Situationen ist er nach wie vor auf den Rollstuhl angewiesen. Das macht ihm manchmal schwer zu schaffen, auch wenn er sich immer bemüht, das nicht zu zeigen.

Seine gesundheitlichen Einschränkungen dominieren nach wie vor den Alltag, aber im Großen und Ganzen haben wir uns eingelebt. Ich denke, so schnell kann uns mittlerweile auch nichts mehr schocken. Dennoch ist es schier unglaublich, dass einem die Welt "da draußen" plötzlich wie ein HIndernisparcour vorkommt - und das, obwohl Andreas mittlerweile gut mit dem Rollstuhl umgehen kann.

Wenn ich nur ein paar Monate zurückdenke, scheint mir unser heutiges Leben wie ein kleines Wunder. Ich träume nach wie vor vom Krankenhaus, von schlimmen Besuchen und fatalen Diagnosen. Und ich sehe ihn auch immer noch genau vor mir. Andreas beschwert sich manchmal, dass ich ihn wie ein rohes Ei behandele - wobei ich finde, dass ich mich diesbezüglich schon sehr gebessert habe. Aber auch Körperlichkeit, Berührungen und Zärtlichkeiten müssen wir erst wieder lernen.

Und ich glaube, genau jetzt wäre ein guter Moment, ein wenig zu üben ;)

24.12.2007 um 10:43 Uhr

Es weihnachtet

Mein allerschönstes Weihnachtsgeschenk? Andreas ist seit gestern zu Hause! Allerdings ist das quasi nur die Alltagsprobe, denn am Donnerstag geht es erstmal wieder zurück in die Klinik. Egal, momentan genießen wir jednfallls jede Minute. Momentan ist er bei seinen Eltern, während ich hier noch in den letzten Vorbereitugen stecke. Werde mich nach Weihnachten ausführlicher melden. Bis dahin euch allen Frohe Weihnachten!

12.11.2007 um 15:05 Uhr

Geburtstage

Am Freitag würde Mark 32 Jahre alt werden.

Würde.

Ich hoffe, Andreas wird diesen Tag gut verkraften.

Bin selbst noch etwas planlos, wie ich ihm da zur Seite stehen kann.


 

10.11.2007 um 00:56 Uhr

Berührungsängste

Es gab kaum etwas, das in den letzten Monaten zwische uns unausgesprochen geblieben ist. Ich denke, ich habe noch nie zuvor so intensiv und offen über alle nur erdenklichen Formen von Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen gesprochen wie in der vergangenen Zeit.

Dennoch gab es immer ein Thema, das wir beide im wahrsten Sinne des Wortes nicht berührten.

Die Wochen vor dem Tag X waren geprägt von Berührungen und Zärtlichkeiten in allen Facetten.  Danach war nichts mehr wie zuvor. Und zunächst war das auch gar nicht wichtig. Doch mit der Zeit merkte ich, wie ich seine Nähe vermisste, wie es mir fehlte, in seinem Arm zu liegen, ihn zu spüren. Und, egal wie oberflächlich das auch klingen mag, mir fehlt auch der Sex und diese Form der vollkommenen Nähe.

Natürlich berührte ich ihn - aber eben anders. Sein Körper war sowohl für ihn als auch für mich zu einer großen Unbekannten geworden, der man sich nur mit äußerster Vorsicht nähern konnte. Ich hatte ständig Angst, ihm weh zu tun, etwas falsch zu machen, wie auch immer. Ja, natürlich, ich hielt seine Hand, küsste ihn, streichelte sein Gesicht - aber die Unbeschwertheit war weg. Und ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauern würde bis sie zurückkehrt.

Dennoch ist heute wohl zumindest ein kleiner Teil zurückgekehrt. Als ich Andreas heute Nachmittag besuchte, kam er gerade aus der Therapiebehandlung, lag in Jogginghose und T-Shirt auf dem Bett. Das ist für mich noch immer ein ungewohnter Anblick nach so langer Zeit, in der ich in quasi immer nur "unter der Decke" gesehen habe. Und jedes Mal und so auch heute denke ich, wie wahnsinnig er abgenommen hat. Er war immer sehr sportlich, ging regelmäßig joggen und ins Fitnessstudio.

Jedenfalls haben wir zusammen ferngesehen (eine völlig neue "Errungenschaft" der Reha - es mag unspektakulär klingen, aber es fühlt sich nach so langer Zeit einfach großartig an, wieder ganz alltägliche Dinge zusammen tun zu können. Auch wenn wir vor dem Unfall eigentlich fast nie ferngesehen haben, nun ja), als er irgendwann meine Hand nahm und sie auf seinen Bauch unter sein T-Shirt legte. Ich muss dazu erklären, dass ich diese Geste sehr liebe - die flache Hand auf den Bauch des anderen legen und einfach spüren, wie er atmet - ein großartiges Gefühl, wie ich finde. 

Und heute war es ein schier unglaubliches Gefühl. Ich wagte kaum meine Hand zu bewegen, spürte einmal mehr, wie sehr er abgenommen hatte, spürte aber auch seinen tiefen Atem. Es dauerte einige Zeit bis ich wagte, ihn ein wenig zu streicheln. Als ich seine OP-Narbe am Bauch streifte, zuckte ich kurz zusammen, aber er flüsterte nur "Alles in Ordnung, keine Angst".

Das mag jetzt wirklich trivial klingen, aber für uns war es ein fantastischer Moment körperlicher Nähe, den wir schon so lange nicht mehr hatten. Es tat so gut, ihn zu spüren, seine Wärme, seinen Atem.

Ich habe wirklich länger überlegt, ob ich dieses "Ereignis" hier aufschreibe, einfach weil ich dachte, dass ich die Bedeutung, die es für mich hat, sowieso nicht in Worte fassen kann. Aber eben weil es diese Bedeutung für mich hat, will ich es erwähnt wissen - und ich hoffe, dass der ein odere andere dieses Gefühl nachvollziehen kann.

 
Gute Nacht :) 

 


 



 

08.11.2007 um 23:35 Uhr

Bleibt alles anders

Und vieles auch besser.

Die Reha ist kein Krankenhaus, das macht viel aus. Die Zimmer sehen mehr nach Wohnen denn nach Kranksein aus, es gibt Fernsehen, Telefon und WLAN (ja, ich hätte es auch nicht für möglich gehalten). Die Atmosphäre ist gelöster und der Alltag anders strukturiert. 

Dennoch muss ich zugeben, dass ich mir vieles anders vorgstellt hatte; einfacher, zügiger, ich weiß nicht. 

Andreas arbeitet sehr hart an sich, ist ungeduldig mit seinem Körper und den vergleichsweise kleinen Fortschritten. Auch wenn die einzelnen Behandlungen und Therapien eigentlich nicht anstrengend wirken, zeigen sie doch deutlich, dass sein Körper sich erst sehr sehr langsam wieder an Belastung gewöhnen kann. Hinzu kommen Umstellungen in seiner (Schmerzmittel-) Medikation, die dazu führen, dass es ihm bisweilen sehr schlecht geht.

Die Ärzte sagen, wir dürfen keine Wunder erwarten. Gemessen an der Schwere seiner Verletzungen würde seine Heilung gut verlaufen.

Aber ich will hier auch nicht nur rumjammern, nein. Es ist auch wirklich vieles besser geworden, entspannter und einfacher.

 

Nur meine Ungeduld leider noch nicht ;)