Weil es ist wie es ist

15.09.2007 um 16:32 Uhr

Umgezogen

Die ist offiziell der erste Eintrag aus UNSERER Wohnung. Gestern Abend und heute Morgen haben wir die Sachen, die ich mitnehmen möchte, rüber in die Wohnung gefahren. Und im Grunde kann ich damit sagen: Ich bin eingezogen. Ein komisches Gefühl. Aber gleichzeitig auch ein wirklich schönes.

Andreas hat die Wohnung vor zwei Jahren als Neubau gekauft - das heisst Küche, Bäder, Fussböden etc. sind neu und der Großteil der Möbel auch. Er hat mir dennoch freie Hand beim Einrichten gelassen, aber eigentlich will ich kaum etwas ändern, mir gefällt die Wohnung. Also habe ich viele meiner Möbel entweder verschenkt oder bei meinen Eltern zwischengelagert, die haben genug Platz. 

Nur meinen Arbeitsplatz muss ich mir noch einrichten, aber das mache ich irgendwann in den nächsten Tagen. Erstmal möchte ich hier ankommen. 

Und bisher geht es mir hier richtig gut. :)

13.09.2007 um 21:17 Uhr

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Im Anschluss an einen Nachmittag auf der Intensivstation saß ich vor zwei Wochen heulend in meinem Auto auf dem Krankenhausparkplatz und hatte das Gefühl, dass von hier an nichts mehr geht. 

In den Tagen zuvor hatte sich Andreas' Zustand stetig verschlechtert, seine Blutwerte waren ein Alptraum, Röntgenuntersuchungen, Blutbilder und Kontrastmittelaufnahmen reihten sich unerträglich aneinander. 

Schließlich ging alles ganz schnell - OP, gleich am nächsten Tag. Ich verbrachte den Tag bei Dirk und wr sahen den Minuten beim Vorüberkriechen zu. Sieben verdammte Stunden lang. Dann endlich der erlösende Anruf. Gut überstanden. 

Der erste Besuch auf der Intensivstation, ein Horror und gleichzeitig ein Deja Vu, und zwar kein Schönes. Wieder an unzählige Geräte angeschlossen, wieder nur durch einen Nebel aus Schmerzmitteln erreichbar, wieder um so viele Schritte zurückgeworfen. Wieder so weit weg. 

Und wieder saß ich da, hielt seine Hand, versuchte ihn zu beruhigen, zu trösten und diesen ganzen Wahnsinn einfach wegzureden. 

Im Auto entlud sich all meine Anspannung und ich heulte und heulte. Und kam mir so erbärmlich dabei vor.

Ich fuhr direkt vom Krankenhaus zu seiner Wohnung, in der ich seit dem Unfall nicht mehr gewesen war, zu der ich aber seit geraumer Zeit den Schlüssel hatte. Schwer zu sagen, was mich an diesem Abend getrieben hatte, dorthin zu fahren. 

Als ich über die Schwelle trat, war es fast wie ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit. Das hier war konservierte Vergangenheit. Es war "vorher". Alles sah so aus, als sei Andreas nur kurz weg. Um die Blumen kümmerte sich seine Mutter, die scheinbar auch regelmäßig Staub wischte. Sonst war alles unverändert. Ich schlenderte durch die Räume, saß einige Zeit in der Küche, öffnete seinen Kleiderschrank, roch im Bad an seinem Parfum, schaltete im Wohnzimmer den CD Player an und schlenderte zur Musik von Jack Jonson weiter.

"Hallo, ich bin's. Ich kann Dich über's Handy nicht erreichen. Ruf mich doch bitte kurz an, wenn Du zu Hause bist, ja? Ich liebe Dich."

"Dein Handy scheint mittlerweile aus zu sein, so dass ich annehme, dass Du auch meine SMS nicht bekommen hast. Melde Dich bitte unbedingt, wenn Du zu Hause bist. Egal, wie spät es ist. Ich liebe Dich."

Ich sitze heulend und mit einem Kissen im Arm auf dem Sofa, als ich den Anrufbeantworter abhöre, und erinnere mich wieder haarklein an jene Nacht. Und an jenen Morgen.

Außer meinen Nachrichten sind noch acht andere Nachrichten auf dem Anrufbeantworter, allesamt von Leuten, die nichts von Andreas' Unfall wussten und hier und da um Rückruf baten.

Es ist seltsam, wenn man sich selbst auf einem Anrufbeantworter "Ich liebe Dich" sagen hört. Aber in meinem Fall muss es wohl irgendetwas bewirkt haben.

Eine halbe Stunde später war ich zurück im Krankenhaus. Und ich sagte ihm, dass ich bei ihm einziehen werde.

Er hat sich wahnsinnig gefreut.

In jener Nacht habe ich das erste (und bisher auch einzige) Mal in seiner unserer Wohnung übernachtet.

Und seitdem freue ich mich auf den Umzug. Und ich freue mich darauf, dass wir dort zusammen leben werden. Irgendwann. Hoffentlich ganz bald.


 

 

12.09.2007 um 20:31 Uhr

Troubled

Stimmung: überfordert

Alles ist gut-

eigentlich würde ich diesen Eintrag nach Wochen der Blog-Abstinenz gerne mit diesem Satz beginnen. 

Aber, nein, es ist nicht alles gut. Auch nicht vieles. 

Vor drei Wochen gingen Andreas' Blutwerte in den Keller. Er bekam Blutkonserven, auf die er allerdings allergisch reagierte. Intensivstation, zwei Tage künstliche Ernährung. Dann noch zusätzlich Nuklearmedizin und nervenaufreibende CT-Scans, die für ihn jedes Mal eine Tortur sind.

Dann die Hiobsbotschaft: Ein weitere OP, um tiefliegende Vereiterungen (daher die schlechten Blutwerte) zu entfernen, angegriffenes Gewebe zu entfernen, alte Verschraubungen zu lösen und gegen keimfreie auszutauschen. 

Sieben Stunden OP. Drei Tage Intensivstation, wieder Anschluss an eine Schmerzpumpe. 

Mittlerweile geht es wieder bergauf, aber die Angst ist riesengroß, dass es auch genauso schnell wieder abwärts gehen kann.

Meine Entscheidung ist gefallen, dass ich bei ihm einziehen werde. Ich möchte für ihn da sein, wenn er wieder nach Hause kommt. Und ob es mit uns funktioniert, kann niemand wissen - auch nicht, wenn ich erst in drei Jahren bei ihm einziehen würde. Also werde ich umziehen. Die Frage ist nur wann eigentlich. Denn seit drei Wochen bin ich wirklich jede freie Minute im Krankenhaus, voller Panik, dass wieder etwas passieren könnte. 

Außerdem beginnt am 1.10. mein neuer Job.

Keine Ahnung, wie es weitergeht und wie wir das alles auf die Reihe kriegen. Aber ich will gar nicht jammern. Er lebt. Und das ist schließlich das wichtigste.