Mohnheimat
Auf einem Platz in meinen Herzen steht dein Name an der Wand.
Reiß mich fort, reiß mich fort von hier, ich will nicht bleiben, meine Augen sehen jeden Tag und immerzu das Gleiche, sehen alles, nur nicht dich. Soma steht vor der Mauer mit dem Wort aus Karmesin, mohngeschmückt. Mohn in den Augen, schwarze Samen auf der Haut, kleine unscheinbare Punkte. Haut, fahl, nackt und errötete Wangen. Wärst du, wo du hingehörst, könnte Soma mit ihren abgekauten Fingernägeln deinen Namen langsam von der Wand kratzen, dabei mit den Zähnen knirschen und sich katzenhaft winden, unter Schmerzen, doch nur lustvoll.
Ich hätte meine verdammte Heimat wieder. Und du würdest leiden, blutig unter meinen Händen, Zähnen, Lippen. Sei jetzt Wind und Wärme. Sei Stille, Leid und Hoffnung, Sorgenfalten auf der Stirn. Sei Blut, Kraft, Mensch und Raubtier, doch untergeben, stöhnend und winselnd. Sei Wunde, klaffendes Rot dein Fleisch. Sei blind und stumm, ertragend, wehrlos, wunderschön, du kannst mich nur und musst mich doch hören, spüren, riechen. Genugtuung, gieriges Grinsen, I am all. Haut an Haut bei dir, zartes Zerfleischen, zärtlicher Tod in drei Sekunden, ich will dich leiden sehen.
Bebend atmen, ich lecke deine Tränen von den Wangen. Deine Augen offen, die Lippen auch.
Ich bereue schon, nur Minuten und gefühlte Ewigkeiten Zwischenraum. Bereue und lege mich neben dich, Augen abgewandt, ich ertrage deine Schönheit und die Stille in dir nicht. Ich bin klein und einsam.haltlos.kraftlos. Gib mir Trost und Halt, Beständigkeit und trockne meine heißen Tränen. Bedecke mich mit deinen Händen, mein Zittern. Bleib' bei mir. Du kannst, mein Sehnen heilen, mir Heimat geben.
Soma weint mit mir, dein Name ist nicht fort von der Wand, er leuchtet nur noch stärker und ihre Fingerkuppen sind blutig, der Mohn blüht so rot.
No place like home. So... where are you, far from here?
