Soulsick & Skindeep

29.04.2009 um 23:08 Uhr

Mohnheimat

von: skindeep   Kategorie: Alice / Soma

Auf einem Platz in meinen Herzen steht dein Name an der Wand.

Reiß mich fort, reiß mich fort von hier, ich will nicht bleiben, meine Augen sehen jeden Tag und immerzu das Gleiche, sehen alles, nur nicht dich. Soma steht vor der Mauer mit dem Wort aus Karmesin, mohngeschmückt. Mohn in den Augen, schwarze Samen auf der Haut, kleine unscheinbare Punkte. Haut, fahl, nackt und errötete Wangen. Wärst du, wo du hingehörst, könnte Soma mit ihren abgekauten Fingernägeln deinen Namen langsam von der Wand kratzen, dabei mit den Zähnen knirschen und sich katzenhaft winden, unter Schmerzen, doch nur lustvoll.

Ich hätte meine verdammte Heimat wieder. Und du würdest leiden, blutig unter meinen Händen, Zähnen, Lippen. Sei jetzt Wind und Wärme. Sei Stille, Leid und Hoffnung, Sorgenfalten auf der Stirn. Sei Blut, Kraft, Mensch und Raubtier, doch untergeben, stöhnend und winselnd. Sei Wunde, klaffendes Rot dein Fleisch. Sei blind und stumm, ertragend, wehrlos, wunderschön, du kannst mich nur und musst mich doch hören, spüren, riechen. Genugtuung, gieriges Grinsen, I am all. Haut an Haut bei dir, zartes Zerfleischen, zärtlicher Tod in drei Sekunden, ich will dich leiden sehen.
Bebend atmen, ich lecke deine Tränen von den Wangen. Deine Augen offen, die Lippen auch.
Ich bereue schon, nur Minuten und gefühlte Ewigkeiten Zwischenraum. Bereue und lege mich neben dich, Augen abgewandt, ich ertrage deine Schönheit und die Stille in dir nicht. Ich bin klein und einsam.haltlos.kraftlos. Gib mir Trost und Halt, Beständigkeit und trockne meine heißen Tränen. Bedecke mich mit deinen Händen, mein Zittern. Bleib' bei mir. Du kannst, mein Sehnen heilen, mir Heimat geben.
Soma weint mit mir, dein Name ist nicht fort von der Wand, er leuchtet nur noch stärker und ihre Fingerkuppen sind blutig, der Mohn blüht so rot.

No place like home. So... where are you, far from here?

22.04.2009 um 22:42 Uhr

Karmesinpurpurfeuer

von: skindeep   Kategorie: Daily

Steppin' on the trail of Ultimate
I would never choose to die
So give me the rest of all the secrets
Give me new culture of life
(Gogol Bordello - Ultimate)

Ich bin mir nicht sicher, was ich denken, fühlen, tun soll. Die Gedanken fließen gleichzeitig, in bunten Farben, ein jeder in eine andere Richtung und ich kriege sie nicht zu fassen, jage ihnen hinterher und stolpere auf dem Weg. Mein Kopf tut weh und lässt mich nur unruhig schlafen. Freude, Aufregung, Übermut, Einsamkeit, Unsicherheit, Angst, Sehnsucht, Wissensdurst. Zu viel, und alles zugleich. Überwältigt, überfordert - Reizüberflutet.
Ich bräuchte einen Plan. Einen Zeit- und Lernplan für das Semester. Einen Reiseplan für die Zeit danach. Etwas mit Struktur, etwas was gut funktioniert. Ordnung und einen roten Faden, an den ich mich klammern kann. Natürlich habe ich nichts davon. Nur einen vollen Kopf und tausendundeine Idee, mit denen ich nicht umgehen kann. Vielleicht falle ich ordentlich auf die Schnauze, aber wenn nicht... 

Heute erzählte sie mir von ihrer Reise nach Mexiko, sie und der Reiseführer, der Sand und Berge und Wind nur mehr schlecht als recht überstanden hat. Ihr dagegen geht es prächtig. Ich sehe mich jetzt schon mit genauso einem Reiseführer, wenn auch mit dem Namen eines anderen Landes auf dem Umschlag, am Ende der Welt sitzen. Auf einem Stein zwischen staubigen Straßen, knorrigen Bäumen und buntgekleideten Menschen. Leid und Lebensfreude. Ein wenig Endlosigkeit und kein Zeitgefühl. Ein wenig Verlorenheit und karmsinpurpurfeuer:rot. Vielleicht allein und zweifelnd. Vielleicht übermütig unaufhaltsam. Oder beides.

Halt mich, damit ich nicht auseinanderbreche. Ich bin zu wohlbehütet, mit dem Kopf in den Wolken. Wenn ich vergesse, zu atmen... in kleine Stücke zerfalle. Ich will und kann nicht und kann und will es doch nicht nehmen, es liegt dort willig und bereit, sich selbst aufzugeben. Versteh' doch, ich muss meine Seele zusammenhalten. Und das ist gar nicht so leicht.

14.04.2009 um 23:42 Uhr

people...

von: skindeep   Kategorie: the desperate

.I see my red door and must have it painted black.

Erzähl' mir nichts von Freiheit, wenn du nicht mal die Bedeutung dieses Wortes kennst, geschweige denn das, was dahinter steht. Nein, ich behaupte nicht, objektiv betrachtet, frei zu sein. Nur in mir springt ein Herz gegen alle vier Wände, taktlos. Nenn mich nicht mutig, wenn ich doch bloß nichts zu verlieren habe.
Aber du, was weißt du schon? Du hattest immer nur Angst. Angst vor dem, was kommen mag, Angst vor dem, was niemals wird und vor allem aber Angst vor dir selbst. Warum die Angst, was soll schon passieren? Vielleicht stürzt du ins Eis oder vergisst zu atmen, für ein bis zwei Sekunden. Vielleicht fragst du dich, wo die Zeit geblieben ist und woher nun plötzlich die kleinen Falten um deine Augenwinkel stammen. Vielleicht hast du hinterher Bauchschmerzen und bist erschöpft wie nie zuvor. Der Tod ist immer das Ende und warum soll es nicht ein besonders Schönes werden?
So what. It was worth it. 

I wanna see it painted, painted black
Black as night, black as coal
I wanna see the sun blotted out from the sky
I wanna see it painted, painted, painted, painted black.
(Rolling Stones - Paint it black) 

10.04.2009 um 23:32 Uhr

Regen...

von: skindeep   Kategorie: the desperate

Wenn das Leben nur ein Lufthauch ist, was bin dann ich? Regen und Wind, Naturgewalt? Eine sanfte Schneedecke über knackendem Eis. Ein fegender Sturm, der durch die Gassen heult. Dann bricht das Eis und alles, was darüber liegt, wird niedergerissen.

Als ich dort bei ihm lag, musste ich daran denken, wie ich manchmal mit dem Kopf auf deinem Arm lag, mit der Nase an deiner Achsel oder deinem Hals und mir fiel wieder ein, was Heimat bedeutet. Oder mich beschlich zumindest die ferne Ahnung davon.
Ich glaube, ich muss dir danken. Selbst wenn du vielleicht nicht verstehst oder meine Worte überflüssig sind, weil sie mit den nächsten Wogen ins Dunkel geschwemmt werden. Wofür...? Dafür, dass du mich in einer der schwersten Zeiten angenommen hast, als das, was ich war, und mich weiter geführt hast. Für eine Menge Zeit, trotz allem, ein paar lange Jahre, in denen du mal weniger und mal viel mehr bei mir warst. Heimat und Nähe, die mich um einiges weicher aber auch freier machten, trotz schwerer Tränen hast du mich nicht aufgehalten. Für all die Kleinigkeiten, die sich eingebrannt haben und manchmal zurück an die Oberfläche kommen, daran kratzen. Für be-dingungs.losen Rückhalt, auch wenn ich es dir nicht nur leicht gemacht habe. Ich glaube, du hast damit zu großen Teilen zu dem beigetragen, was aus mir geworden ist. Zu der Freiheit, die ich nun überall in mir spüre, die mich denken lässt, ich kann tun und lassen, was ich will, selbst wenn sie haltlos macht. Zu dem Lächeln zwischen Mund und Augenwinkeln.
Mehr kann ich nicht sagen, die Worte reichen nicht. Es war bloß das Gefühl, dass es Zeit dafür wäre... ich wusste einiges nicht zu schätzen, als ich es hatte und das tut mir leid.

Nun bin ich Feuer und Eis. Regentropfen auf der Fensterscheibe; ein schleichendes Gefühl oder ein alles einnehmender Sturz ins Leere. Ich bin wer ich sein will und doch niemand anderes. Manche Dinge ändern sich nicht. "...Und dann durchfließt sie mich wie Regen."

 

Alles was wir tun können
ist verlieren...
(Subway to Sally - So fern, so nah)

08.04.2009 um 15:55 Uhr

Helhel, winterlich

von: skindeep   Kategorie: On the road

 
~ This seemed rather to belong to some story heard long before, an instant in the life of another, ill told, ill heard, and more than half forgotten ~

Nun, wo ich wieder zurück bin und draußen vor dem Fenster die Bäume grünen und auf meinem Schreibtisch ein Strauß Tulpen in lila und rot blüht, wirken die letzten Tage unwirklich, wie Bilder aus einem fast vergessenen, eisigen Traum.

Nur das Gefühl ist geblieben, das der Kälte in den Knochen, der regennassen Straßen unter den Füßen und knackenden Eisschollen auf dem Ostseewasser. Ich war damit beschäftigt, aufs Meer zu sehen und über schneebedeckte Felsen zu klettern und du hast mit großen Augen Fotos gemacht. Die Stadt ist nicht schön, sie ist weitläufig und die Straßen sind breit und grau und leer. Es hat mich an Moskau erinnert anfangs, doch ist noch stiller und atmosphärischer. Die eh schon wenigen Einwohner, gemessen an der Fläche der Stadt, schienen sich nur im Flüsterton zu unterhalten, sie erwiderten mein Lächeln schüchtern, verzogen die Mundwinkel kaum merklich. Sie sind freundlich, intelligent und schön, aber auf ihre nordische Art reserviert. Und passen damit perfekt ins Bild, das Land macht die Hülle hart und das Herz umso weicher. Die Frau am Bahnsteig sagte, es sei schön, dass es Menschen gäbe, die offen sind, mit einem Lächeln auf den Lippen. Ich habe mich gefreut.

Noch viel schöner als zwischen den alten Gebäuden war es ein paar Schritte weiter, am Hafen, wo die Fischerboote noch still im Eis ihren Winterschlaf hielten. Dort wo die Möwen auf den kargen Felsen saßen, oder auf der beinahe gruselig vernebelten Insel, von deren einsamen Hügeln man die Nebelhörner der großen Kreuzfahrtsschiffe hörte und die See gegen moosbewachsene Klippen schlug.

Wenn ich eines Tages zurückkehren sollte, dann an einen Ort fernab der Stadt, irgendwo zwischen hohen Kiefern und einem Haus, das aussieht, wie den Geschichten von Astrid Lindgren entsprungen. Ein Platz für mich, wenn ich das Rastlosleben satt habe.

~ Some closed, but endless space, once so twain. It makes me wanna listen to sad music. It makes me wanna remember the nights we tried to die... ~

 

Kiitos, auch dir. Dafür, dass du mich mitgenommen hast, in diese mir bisher nur aus der Ferne bekannte Welt. Für ganz viele Tassen warmen Kakaos und das Lied, dass du leise vor dich hingesungen hast. Erst jetzt kenne ich seine volle Bedeutung.

08.04.2009 um 13:26 Uhr

Heimatlos und sehnsuchtsschwer

von: skindeep   Kategorie: On the road


.
Ein Platz zum Sein. Tief im Norden. Dort möcht' ich leben.
Vielleicht eines Tages, zwischen Schären, Wind und kargen Felsen, einem kleinen Boot am Steg. Innen wäre es warm, ein prasselnder Kamin umgeben von endlosen Bücherregalen. Geborgenheit, jemand der auf mich wartet, vielleicht dort.
.
 Wind und Wogen flüstern leise
von Le Maire und Magellan,
von den Strömen und Gezeiten...

Wer gießt Blut durch meine Adern,
wer schickt Vögel über's Meer?
Ach ich harre schon so lange,
heimatlos und sehnsuchtsschwer.
(Subway to Sally - Seemannslied)

02.04.2009 um 00:36 Uhr

Frühlingsnacht

von: skindeep   Kategorie: floating.

In mir ist Frühling.

Es ist toll, abends durch die Stadt zu laufen, wenn die Luft so mild ist und es langsam immer später dunkler wird. Ich liebe diese lauen Abende, die auf warme und laute Tage folgen. Wir sind bis zum Spielplatz gelaufen, mitten zwischen hohen Häuserwänden und breiten Straßen. In den Wohnungen um uns herum brannten vereinzelt Lichter, ein paar junge Männer spielten Boccia im Halbdunkel. Ein anderer saß auf einer Bank neben dem Sandkasten, mit einem Laptop auf dem Schoß. Ich habe mich auf eine Schaukel gesetzt und in den Himmel geschaut. Und bin mit dir auf dem Klettergerüst auf und ab gesprungen bis mir übel war.

Es gibt Nächte, in denen möchte ich nicht schlafen. In denen möchte ich tanzen oder durch die Straßen streunen. Die Welt in mich aufsaugen. Oder einfach nur irgendwo in eine Decke gehüllt sitzen und Kakao trinken. Mir eine Geschichte erzählen lassen. Was ist schon Schlaf, wenn es so viele wunderbare Dinge gibt, die man stattdessen tun kann. Tagsüber ist das Holz der Terasse, über die ich laufe, ganz warm. Die Wiese ebenso. Eine Ahnung von Aufbruch durchfährt mich.

Es tut gut, wieder ein wenig zu fiebern, zu ahnen und hoffen. Zu sein. Deine klaren blauen Augen sind groß und undurchdringlich, sie machen neugierig. Und wenn ich etwas gut kann, dann neugierig sein. Ich habe dich gewarnt und du hast verstanden und dich entschieden. Für das "alles". Einer der großartigsten Sätze, die seit langem jemand zu mir sagte. Vielleicht bist du auch du Frühling, hinter deiner milchigen Undurchdringlichkeit.

Für mehr Frühlingstage und Sommernächte. Für mehr Veilchen auf den Wiesen und Kindgebliebene abends auf Spielplätzen. Mehr Leben. Tieferes Einatmen. Einfach mehr.

01.04.2009 um 00:08 Uhr

Almond-eyed II

von: skindeep   Kategorie: Monsters under my bed

 
Zart, mein Herz. Und unglaublich nah.
Auf einem Bett von Blüten will ich taumelnd in dir sterben.
Für dich.