Zettel An Meiner Wand

14.04.2013 um 02:15 Uhr

Daniel Glattauer - Alle sieben Wellen

von: Sterntalermaedchen   Kategorie: Bücher

Musik: Meatloaf - You took the words right off my mouth

Heute morgen kam mein kürzlich ersteigertes Buch an: 
"Alle sieben Wellen" von Daniel Glatthauer. Den ersten Teil "Gut gegen Nordwind" hatte ich natürlich schon gelesen. Seitdem (Herbst 2012) war ich - genau wie viele andere Leser - sehr enttäuscht vom Ende, aber auch irgendwie fasziniert. Leo und Emmi erzählen uns eine Geschichte, in der wir nur stille Mitleser sind. Sie lassen uns unwissentlich teilhaben und sehr oft hatte ich das Bedürfnis auch einmal eine nette Email an Emmi zu schreiben, damit sie endlich ihren Mann verlässt oder alternativ anfängt an ihrer Ehe zu arbeiten. Und wie oft wollte ich Leo virtuell boxen, wenn er sich mal wieder in sein Schneckenhaus zurückgezogen hatte. :D Das wurde zwar nicht erfüllt (was aber auch eine tolle Idee wäre... ein interaktives Buch mit Emmi und Leo!), aber es scheint, der Autor habe sich bei der Fortsetzung ganz an die Wünsche seiner Leser angepasst, denn Vieles, was zuvor unbeantwortet blieb, wird nun aufgedeckt.

Es gibt Aufreibendes, Spannendes, Romantisches... alles, was das Leserherz erfreut. Man fliegt förmlich über die Seiten, ich habe das Buch heute innerhalb weniger Stunden ausgelesen. Ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen. Und das, obwohl ich es mir eigentlich deshalb gekauft hatte, um sicher zu sein, dass es wirklich nicht so gut ist. :D Aber kann man ein Buch schlecht nennen, wenn es so fesselt? Wahrscheinlich nicht. Das Bedürfnis nach einem Happy End wird befriedigt, soviel steht fest. Aber mir fehlte der Tiefgang. Kurzweiligkeit ist nicht grundsätzlich schlecht, aber man möchte mehr über Leo und Emmi erfahren. Und ich im Speziellen möchte gern wissen, was nun mit Pamela passiert oder Bernhard und den Kindern? Auf einmal erscheint die Trennung vom alten Leben so einfach und sie wird ohne Erklärung hingenommen. Was mich zusätzlich (auch schon im ersten Teil) irritiert... sie stellen einander keine wirklich wichtigen Fragen. Nichts über die Kindheit, nichts über tiefergehende Wertevorstellungen. Da muss man doch davon ausgehen, dass dieses Verliebtsein mehr auf Illusion beruht als auf gegenseitigem Verständnis? 

Wer nach dieser Art von Buch sucht, dem empfehle ich:
Erika Pluhar - Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation? 

Ein Emmi/Leo- ähnliches Buch ohne technischen Schnickschnack, dafür aber mit einer realistischen Gesprächssituation und einem faszinierend authentischen Gesprächsverlauf. - Eines meiner Lieblingsbücher!