Schatten sind viele

30.05.2014 um 22:24 Uhr

Schicksale

von: Alcide

Musik: Pixies: Greens and blues

Lernte heute beim Mittagessen eine Frau kennen, die bei der Flüchtlingshilfe arbeitet… Sie schilderte ihren Alltag, die Tragik der vielen Einzelschicksale, ihre eigene Verfasstheit bei der Betreuung, die vielen Hindernisse, Rückschläge, Enttäuschungen… Sie betonte, dass man die Befriedigung bei der Arbeit aus den wenigen erfolgreichen Einzelfällen ziehen muss, um nicht selbst daran zu zerbrechen…  und wieder erfasste mich diese Beklemmung angesichts dieses ganzen globalen Elends, das schlichtweg nicht lösbar ist… Menschen, die zu tausenden nach Europa kommen, um hier ein besseres, würdigeres Leben zu haben, (meist auch mit völlig falschen Vorstellungen bezüglich der Lebenswirklichkeit der Menschen hier), und fast alle werden bitterlich enttäuscht, einige verkümmern psychisch, würden sich glücklich schätzen wenn sie nur irgendwelche schlechtbezahlte Aushilfsjob annehmen könnten… was für Schicksale: ein Leben lang von etwas weg und doch niemals ankommen…

26.05.2014 um 21:24 Uhr

Siehe, es scheidet der Tag...

von: Alcide

„Siehe, es scheidet der Tag,
hingeht die Nacht mit den Sternen.
Alles ist Wandel, nur eins
bleibt: das einsame Herz.

Aber eh‘ du mich lässt,
schließ mir leise die Augen,
leg auf den Mund mir Mohn
ewigen Schweigens. Dann geh.

Hinter dir lösch die Sterne!
Blind sei die Nacht, wenn in Tränen
unaufhaltsam das Leben
mir vom Herzen rinnt.“

(Christine Busta: Bitte)

18.05.2014 um 21:21 Uhr

Schweigen

von: Alcide

All die nutzlosen Worte… im Nirwana des Gesagten herrscht dichtes Gedränge… und so schweige ich meine Worte in die Obdachlosigkeit des Nicht-Gesagten…

18.05.2014 um 21:03 Uhr

Abendphantasie

von: Alcide

Am Abendhimmel geht kein Frühling auf… die Rosen verblüht am Firmament…

… und ich verstehe die Botschaft nicht… in der Maßlosigkeit meines Anspruchs Gestalter sein zu wollen… stattdessen sich als Spielball wiederzufinden… mühsame Stunden, mühsame Tage… Strukturverlangen verschmäht… frühere Strategien tragen nicht… Aktivität verwehrt, Traum verwehrt… Nächte nur morsches Gelenk zwischen Elend und Elend… fühllos wäre schön… Ohnmacht erzeugt Unmut… Gefühl der Beelendung angesichts des zivilisatorischen Schiffbruchs… ohne Mitleid… registriere die Lügen… meine Wahrheit ist Wahrheit, deine Wahrheit Propaganda… so geht es alle Tage… ich bin müde... will nicht mehr fühlen müssen, dass andere nicht fühlen…

12.05.2014 um 20:28 Uhr

Traumwelt

von: Alcide

„Sie existiert, meine Traumwelt, sie muss existieren, denn gewiss muss es ein Original der plumpen Kopie geben. […] Es ist, als läge man mit geschlossenen Augen an einem bedeckten Tag auf dem Rücken, und plötzlich bewegt sich die Dunkelheit unter den Lidern und wird erst zu einem matten Lächeln und dann zu einem warmen Gefühl der Zufriedenheit, und man weiß, dass die Sonne hinter den Wolken hervorgekommen ist. Mit eben einem solchen Gefühl beginnt meine Welt: Der Dunst schwindet allmählich, die Luft ist mit strahlender, zitternder Güte gesättigt, und meine Seele weitet sich frei in ihrem angeborenen Reich.“

(Aus: Vladimir Nabokov: Einladung zur Enthauptung)

10.05.2014 um 19:38 Uhr

Standort

von: Alcide

Das eigene Dasein mit Sinn erfüllen. Dadurch Zufriedenheit spüren, Glückserfahrungen sammeln. Fülle erleben durch Austausch, durch geistige Durchdringung und seelische Offenheit.

Doch wie erlebt man Bedeutung und Sinn in Phasen der körperlichen Schwächung? … wenn Sinn sich nicht automatisch durch kraftvolles Tun im Außen einstellen kann? … Wenn der Bezug in das Außen so porös geworden ist, dass Rückzug keine Option mehr ist sondern Notwendigkeit? …

Warten… halbherzige Versuche des Anschließens… vorsichtige Hoffnung, und wieder Rückschritt und Verzagtheit… selbst das Träumen fällt schwer… ist doch auch der Traum auf eigenartige Weise mit der realen Welt verbunden… ist die Realität beschwert, so ist es die Phantasie ebenso… wie ein Vogel, der nicht fliegen kann…