Nur ein paar Memos

29.12.2008 um 14:53 Uhr

Der Sprung über den eigenen Schatten

Wenn es uns an Glauben und Gewißheit fehlt, um unser Leben zu verstehen; wenn wir eigentlich Schüler sein müßten, aber keinen Meister finden, der uns dieses Wissen vermitteln könnte - dann sollten wir beginnen, zu lehren.
Indem wir Anderen Dinge lehren, die sich uns noch verschließen, werden wir uns selbst zum Schüler und letztendlich zum Meister.

23.12.2008 um 14:12 Uhr

Summary 2008

Ich habe gerade noch einmal meinen Eintrag "Summary 2007" gelesen und dabei hat mich eine sentimentale Welle gepackt. Wie gerne hätte ich auch dieses Jahr einen abschließenden Eintrag formuliert, der von einer so tiefen emotionalen Befriedigung geprägt ist, wie der vom letzten Jahr. Doch jedes Jahr ist anders - jedes...
Nein, ich bin nicht unzufrieden, und mein Verstand erklärt mir ganz bestimmend, daß man nicht jedes Jahr so viel Neues erfahren kann, nicht so viele neuen Entdeckungen machen kann, wie in diesem ganz besonderen Jahr 2007. Also laß ich mir von meiner Ratio auf die Schulter klopfen und mir sagen, daß ich im Grunde stolz auf mich sein sollte - stolz auf das Geleistete, stolz auf die wiederholte Überwindung des inneren Schweinehundes, stolz auf die vielen Aktivitäten, stolz auf das materielle Ergebnis und letzten Endes auch stolz auf die Zufriedenheit meines unmittelbaren Umfeldes, mit dem ich an manchen Stellen so schmerzhaft verwachsen bin.
Dennoch. Es fühlt sich nicht halb so gut an, wie es sich darstellt. Vieles ist auf der Strecke geblieben, und nur allzu oft war ich nicht wirklich bei mir. Ich weiß, ich sollte mir keine Fragen stellen, doch sie bleiben nicht aus. So manche Weiche, die ich stellen mußte, führte mich weg von dem, was ich mir erhofft hatte. In einigen Sachen habe ich mich verzettelt, und einmal mehr habe ich zu viele Dinge begonnen, die ich beim besten Willen nicht durchziehen kann.
Zum Glück funktioniert mein emotionales Gedächtnis ganz gut. Ich weiß noch sehr genau, wie es sich damals angefühlt hat, und ich bin zuversichtlich, daß sich diese Gefühle zurückholen lassen. Anders vielleicht. Auf einer abweichenden Basis vielleicht. Doch es wird gehen.
Ich sollte nicht nach ihnen suchen - sie werden mich finden. Die Zeichen beachten, ohne in allem ein Zeichen zu erwarten. Geduld haben - auch mit mir selbst.
Es ist ein ehrbares Ziel, sich selbst zu genügen. Doch davon bin ich noch weit entfernt. Oft fehlt mir Feedback und mehr noch der Freund "über die Straße", mit dem man mal schnell ein paar Stunden verblödeln kann, dem man aber ebenso für eine Weile aus dem Weg gehen darf, ohne daß seine Welt gleich einbricht... Hohe Ansprüche, ich weiß. ;)
Nun kommt bald ein neues Jahr, und ich bin schon gespannt darauf, was es so alles bringen wird. Eines steht jedoch fest: es wieder anders werden. So, wie jedes Jahr anders ist.

Ich möchte es an dieser Stelle nicht versäumen, all jenen ganz herzlich zu danken, die mich in den letzten Monaten wieder ebenso kritisch wie liebevoll begleitet haben. Das tut einfach nur gut.
Euch allen wünsche ich ein wunderschönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
Wir sehen, hören und lesen uns wieder... mit neuer Frische und neuen Gedanken... in diesem Theater. ;)

17.12.2008 um 10:22 Uhr

Impression's overflow

Die Tickets lagen schon seit Monaten bereit. Meine Frau hatte sie sich gewünscht, und ich besorgte sie, ohne groß nachzudenken. Warum auch? Paul Carrack - eine tolle Stimme, Soul, Blues, Jazz - das konnte nur gut werden.
Die Anfahrt war entspannt. Keine großen Erwartungen, aber auch keinerlei Bedenken. Das alte Kino... Wir reden über vergleichbare Häuser in unserer Stadt. Wenig Leute. Das ist ungewöhnlich. Dafür schmeckt der Rotwein. Doch dieses alte, baufällige Haus hat etwas. Es strahlt eine gute Energie aus. Ich kann es nicht deuten.
Keine Ahnung, weshalb ich nicht gleich darauf kam. Verdrängt hatte ich den Gedanken bis zu diesem Moment jedenfalls nicht. Er blieb einfach aus.
Dann die ersten Akkorde. Spontane Gänsehaut. Da war mir plötzlich klar: Ich tanze in Deinen Fußabdrücken. Ein weiterer Kreis schließt sich in genau diesem Moment. Die Energie nimmt Formen an - Deutung, Bedeutung.
Vor einundzwanzig Monaten bekam ich zum ersten Mal einen Eindruck davon, was es heißt, spirituelle Energien zu bündeln, und was sich damit bewirken läßt. Und eine der Energiequellen befand sich damals an dem Ort, wo in diesem Moment eine Textzeile mein Ohr erreicht: " I just wish I could have told him in the living years."
Es durchströmt mich. Die Musik ist perfekt, der Sound ist perfekt. Die kaum dreihundert Zuhörer feiern, daß man glauben könnte, es wären Tausende... Da ist er wieder, der Ausknipsschalter. Meine Gedanken verflüchtigen sich und mein Herz ist gleichzeitig nirgends und überall. Ein magischer Moment...
Meine Frau ist derweil in einer anderen Welt. Aber auch ihre Welt ist eine gute. Es ist ein schönes Gefühl, jetzt mit ihr genau hier zu sein.

Ein gelungener Abend, der letztendlich nur die Frage offen läßt, weshalb eine Stadt wie diese es nicht schafft, ihre Clubs und Säle zu füllen, wenn solch großartige Künstler auf der Bühne stehen. Der Sache tat das keinen Abbruch, denn die Wenigen waren echte Fans und haben's auch gezeigt. Paul wußte das zu würdigen. Nur selten durfte ich bisher einem so intimen Dialog zwischen Bühne und Publikum beiwohnen.
Unglaublich, was man in einem alten Kino so alles erleben kann...

12.12.2008 um 16:35 Uhr

Vorweihnachtlicher Zwiespalt

Da bin ich mal wieder... Hin- und hergerissen zwischen "Nimmt dieses Jahr denn überhaupt kein Ende?" und "Verdammt, schon Mitte Dezember!" mache ich heute ein Häkchen hinter diese Woche und freue mich auf einen Glühwein-Sonnabend in weiß.
Einmal mehr hat sich heute der Spruch bestätigt: "Jede Krise birgt eine neue Chance" - zumindest geschäftlich. Was die Sache nicht schmälert, weil es privat keine Krise gab. Alleine die Firma mit Erfolg durch dieses schwierige Fahrwasser zu manövrieren, ist äußerst befriedigend.
Der Preis dafür war die vorübergehende Vernachlässigung einiger Freunde - auch hier. Doch ich gelobe Besserung. Gebt mir noch ein paar Tage Verschnaufzeit, dann lasse ich die Tastatur wieder klappern und das Telefon glühen.
Bis dahin wünsche ich Euch ein schönes Wochenende.

Ganz viele liebe Grüße, Knuddels und Küßchen (nehmt Euch davon, was Ihr gerade mögt ;) )
Euer Z.

01.12.2008 um 11:53 Uhr

...bis man jung wird

Ich möchte heute auf einen Kommentar von anima_cara in meinem vorletzten Eintrag zurückkommen. Sie zitierte Pablo Picasso mit den Worten:

Es dauert sehr lange, bis man jung wird.

Dieses Zitat hat mich doch sehr beschäftigt, und ich muß eingestehen, bislang noch keine für mich akzeptable Interpretation gefunden zu haben. Vielleicht hab Ihr Lust, ein bißchen dabei zu helfen. ;)

Meine Gedanken dazu sehen im Moment noch so aus:

Als heranwachsender Mensch integriert man sich automatisch in sein soziales Umfeld und übernimmt dabei zunächst kritiklos die Konventionen und Wertesysteme seiner engeren und weiteren Bezugspersonen. Das Kind wird erzogen, ohne daß es bewußt wahrnimmt, dabei "geformt" zu werden.
Später, meist in der Pubertät, kommt es dann bei nahezu allen zu einer Rebellionsphase, die, bedingt durch die allmähliche Bewußtmachung gesellschaftlicher Prozesse und Verhaltensweisen, alles in Frage stellt, was der persönlichen Entscheidungsfreiheit und Spontaneität entgegensteht. "Ich bin nicht wie Ihr, und ich möchte auch niemals so werden!" - Wem ist dieser Satz nicht mindestens einmal im Leben durch den Kopf gegangen? ;)
Sigmund Freud schreib einmal sinngemäß: "Die pubertäre Rebellion ist die Quelle aller sozialen Entwicklung." - Da mag etwas dran sein, wenn auch die Wirkung erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung einsetzt.
Zunächst ist es aber erst einmal so, daß jede Form von Rebellion auf Widerstand stößt und mit den langen Hebeln der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gesetze unterdrückt wird. Dem jungen Menschen wird dabei nur wenig Spielraum gelassen. Er gelangt zu der "Einsicht", daß es gut und richtig für ihn ist, sich diesen Gesetzen und Regeln unterzuordnen. Er etabliert sich und tut im wesentlichen das, was alle anderen auch tun. Von der ursprünglichen Rebellion bleiben bestenfalls ein paar Verhaltensweisen übrig, die geeignet sind, kleinere Akzente zu setzen, die sich im engen Rahmen der gesellschaftlichen Fesseln bewegen. Auch wenn im inneren Denken die Rebellion weiter lebt, spricht das äußere Verhalten die Sprache der Konventionen. Und am Ende wird es so sein, daß die jugendlichen Ideale um so schneller verblassen, je stärker die Unterordnung zu gesellschaftlicher Anerkennung und materiellem Wohlstand führt.

Aber wo ist er denn nun geblieben, der jugendliche Sturm und Drang? Wo bleibt die Freudsche Quelle der sozialen Entwicklung? Ausgelöscht? Erstickt?
Nein, das glaube ich nicht. Vielmehr glaube ich, es braucht zunächst diese persönliche Konsolidierung innerhalb des Systems, um wieder Energien zu wecken, die es ermöglichen, die Türen zu den alten Idealen erneut aufzureißen. Dann schaut man in den Spiegel und stellt fest, im Grunde doch so geworden zu sein, wie man niemals werden wollte.
Mancher wird vor dieser Erkenntnis vielleicht resignieren, die übrigen aber beginnen in diesem Moment eine neue Rebellionsphase - eine Phase, in der die alten Ideale wiederbelebt oder neue Ideale und Ziele geboren werden. Da werden die persönlichen Werte neu ausgerichtet, der Blick aufs Wesentliche konzentriert und alte Bindungen auf den Prüfstand gestellt.
"Sturm und Drang", die Zweite. Diesmal jedoch basierend auf einem erheblich größeren Erfahrungsschatz, der von vielen Unsicherheiten und Ängsten befreit, welche in der Jugend den Idealismus bremsten.

Ich habe keine Ahnung, ob Picasso wirklich DAS meinte. Letztendlich sind solche Zitate ja immer aus dem Kontext gerissen. Doch wie dem auch sei, interessieren mich Eure Gedanken dazu sehr.