Nur ein paar Memos

24.09.2013 um 18:31 Uhr

Reise-Reise-Extrakt

Möglicherweise habe ich das früher schon einmal irgendwo beschrieben: Es gibt für mich eine Form des Reisens, welche ganz automatisch neben der eigentlichen (äußeren) Reise eine sehr ausgedehnte (innere) Reise in mein Ich mit sich bringt. Und so war es mir vergönnt, den letzten Urlaub vor allem auch als Kreuzfahrt durch meine Lebensphilosophie zu genießen. Viele Aspekte haben sich darin geschärft und präzisiert, so manches wurde neu gefunden und erkannt. Und – wie könnte es auch anders sein – der eine oder andere Zopf wurde abgeschnitten und über Bord geworfen.
Es kann gut sein, dass es an meinem derzeit durchlebten Alter liegt, weshalb ich mich gerade jetzt darauf besinne, meine Prioritäten erneut zu ordnen und dabei mutmaßliche Binsenweisheiten in meinen Fokus zu rücken. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass die Ursachen dafür darin liegen, dass schon wieder eine liebe Bekannte viel zu früh aus dem Leben scheiden musste und ein Herzensfreund dem Sensenmann gerade noch einmal von der Schippe springen durfte.
Nun könnt Ihr dreimal raten, um welche Binsenweisheit es sich wohl handelt, die mir da gerade so im Fokus leuchtet.
Klar doch: „Lebe jeden Tag, als wäre es Dein letzter, denn irgendwann wird er es sein.“
In den letzten Jahren war ich durchaus der Meinung, mich an diesem Spruch zu orientieren. Manchmal räumte ich mir selbst gegenüber aber auch ein, dass diese Orientierung nicht ganz so optimal war, ich mich jedoch zumindest „den Umständen entsprechend“ oder „relativ stark“ daran halten würde. Doch im Grunde sind das alles nur fadenscheinige Selbstrechtfertigungen, und das „Carpe diem“ dümpelt in Wahrheit eher aufgeweicht vor sich hin. Zu vieles hält mich noch gefangen. Zu vieles lenkt mich noch davon ab, meine Tage bis zur letzten Neige zu genießen. So unglaublich das auch klingen mag, teilweise erwische ich mich sogar dabei, wie ich Vermeidungsstrategien entwickle, um mein Leben eben nicht so leben zu müssen, wie ich es meinen Ansichten nach leben sollte.
Sicher, es gibt da zwei, drei Dinge, die ich mir auf die Fahne geschrieben habe; Dinge, die ich unbedingt in diesem Leben noch vollenden möchte. Wie sinnvoll das ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Fakt ist jedoch, dass ich darin durchaus so etwas wie meine Mission, so etwas wie mein Lebenswerk sehe. Und das umzusetzen, braucht Kraft und die Bereitschaft, sich regelmäßig einzuschränken … und eben auch die Überzeugung, dass es gut und richtig ist.
Zu meinem Glück tut es das: Es fühlt sich gut an. Und auch die äußere und innere Anerkennung ist ausreichend vorhanden. Also mache ich offenbar nicht allzu viel falsch. Dennoch bleibt da diese Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit – dieses ratlose Zuschauen, wie ich manchmal meine eignen Ressourcen verschwende, vor allem dann, wenn es um das Kostbarste überhaupt geht: um Lebenszeit.

Dabei kann es so einfach sein, einige schlimme Zeitfresser zu deaktivieren.

Habt ihr euch schon einmal vergegenwärtigt, wie viele offene Entscheidungen bei euch so in der Pipeline vergammeln, weil ihr Zweifel habt; weil ihr noch auf das Urteil oder die Erfahrungen anderer wartet; weil ihr nicht wisst, wie euer Umfeld darauf reagieren wird; weil ihr Verlustängste habt oder falsche Scham euch bremst.
Wie viele dieser ausstehenden Entscheidungen hindern euch tagtäglich am Vorwärtskommen?
Wie viele dieser ausstehenden Entscheidungen trennen euch von euren Idealen?
Wie viele dieser ausstehenden Entscheidungen machen es euch unmöglich, jeden Tag als einen ganz besonderen zu genießen?          

Wie wäre es denn so…

Wenn du eine Frage hast, stelle sie sofort. Egal, was andere von dir denken.

Wenn Du einen Wunsch hast, eiere nicht herum, sondern äußere ihn. Sofort.

Wenn Du eine Entscheidung zu fällen hast, deren Folgen notfalls umkehrbar sind, dann fälle diese Entscheidung aus dem Bauch heraus und zwar sofort.

Wenn Du eine Entscheidung zu fällen hast, deren Folgen unumkehrbar sind, dann suche dir Verbündete, die entweder vor ähnlichen Fragen stehen, oder solche, die diese Frage bereits für sich beantwortet haben. Auch hier gilt: Suche dir diese Verbündeten sofort. Im eigenen Saft der Unentschlossenheit zu schmoren, ist verschwendete Lebenszeit.

Vermeide Situationen, in denen du taktieren musst. Eine Ja-/Nein-Entscheidung liegt oft viel näher als du glaubst.  

Und noch etwas: Manchmal kann es durchaus sinnvoll sein, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Wer die Beule von vorn herein einkalkuliert, wird sich gegebenenfalls auch vom Schmerz des Misserfolgs nicht bremsen lassen.

Was mein ihr, wie viel Lebenszeit lässt sich auf diese Weise gewinnen? Habt ihr eine Idee? Oder eigene Erfahrungen? Es wäre echt interessant, davon zu erfahren.