Nun bin ich wieder da und starte in ein neues Jahr, für das ich euch, meine lieben Leser, viel Erfolg, Glück, Gesundheit und Spaß am, im und ums Theater wünsche.
Wie so viele andere Leute habe ich über Weihnachten natürlich auch ein paar Vorstellungen besucht und Fotos geschossen. Und wie immer konnte ich nicht still im Zuschauerraum sitzen und das Stück anschauen, sondern bin hinter den Kulissen herumgeschlichen.
Auf meinem Weg durch die Garderoben der Sänger stieß ich auf dieses tolle Bild:
Die zwei Künstler des Bildes heißen Justin und Pascal und sind Zwillinge, die sich zum Verwechseln ähnlich sehen. Aha, anscheinend spielen sie auch im Theater mit, obwohl sie sicher nicht älter als 10 Jahre sind und noch zur Schule gehen. Da steht: "Zar und Zimmermann" und die linke Figur in Rosa ist der Adjutant des Marquis de Chateauneuf und die rechte soll Zar Peter I. als Kind sein.
Was für ein glücklicher Zufall. Gerade heute wird diese Komische Oper von Albert Lortzing gespielt. Da mache ich mich doch gleich auf die Suche nach den beiden.
Hinter den Kulissen treffe ich auf Leute, die sich wohl im normalen Leben kaum begegnen würden: einen Kleinstadtbürgermeister, der sich für sehr klug hält, einen Werftarbeiter, den alle für den Zaren halten, einen russischen und einen englischen Diplomaten im Taucherkostüm und schließlich auch den französischen Gesandten (re) mit seinem Adjutanten (li) in Rosa. Und während alle den richtigen Zar Peter I. suchen, lerne ich von Pascal, wie ich mit einem Schwert umgehen kann und erfahre, dass er überhaupt nicht aufgeregt ist, wenn er auf der Bühne steht. Im Prinzip ist er ja schon Profi, erklärt er mir, denn er und sein Bruder spielten bereits in vier verschiedenen Theaterstücken mit.
Aber wo verstecken sich nun Justin, der als kleines Zarenkind auftritt und der richtige Zar Peter I.? Am besten, ich bleibe in Bühnennähe und verfolge die Handlung, damit mir nichts entgeht. Irgendwann wird sicher der Zar auftauchen.
In der Zwischenzeit erlebe ich die schöne Marie, die mit viel Herz und Verstand um ihren Bräutigam Peter Iwanow kämpft. Und während die beiden noch vom Heiraten träumen, geben sich zwei andere derweil das Ja-Wort. So kommt es, dass ich dem Brautpaar die Ringe anstecken darf und bei der großen Hochzeitssause dabei bin. Alle Gäste tragen original flandrische Trachten in Schwarz und Weiß. Und wisst ihr was? Auf der Bühne gibt es gar keinen richtigen Wein, sondern nur Apfelsaft, Wasser oder Tee. Dabei hatte ich mich schon so gefreut.
Schließlich habe ich sie endlich entdeckt: Zar Peter I. und das Zarenkind. Beide warten auf einen großen Auftritt, denn während der Zar eine wunderschöne Arie singt, in der er sich an seine Kindheit erinnert: "Einst spielt ich mit Zepter, Krone und Stern", lässt Justin als Zarenkind den Traum bildhaft werden und spielt des Zaren glückliche Kindheit.
Bravo! Das war toll! Eine kleine Träne rollte mir sogar über die Wangen. Und jetzt, nach dem Auftritt, sind die zwei zu Scherzen aufgelegt.
Aber nicht nur ich habe den richtigen Zaren gefunden, sondern alle anderen auch. Und so gibt es am Schluss der Oper für (fast) alle ein Happy End.