Epochenkurs

29.06.2012 um 16:32 Uhr

Einige Aspekte der Globalisierung

von: kulturfanzwo   Kategorie: Globalisierung   Stichwörter: Globalisierung, Glokalisierung, Franchising

Inhaltsverzeichnis

 Was ist Globalisierung

Historische Wurzeln der wirtschaftlichen Globalisierung

Wirtschaftliche Globalisierung nach dem 2. Weltkrieg

Internationale Handelsabkommen

Der globalisierte Konsum

Die globalisierte Produktion 

Nebenwirkungen der wirtschaftlichen Globalisierung

Konzerndominanz in neuer Qualität

Gefahr einer "Erosion" der Nationalstaaten? 

Franchise-Unternehmen

Mc Donald's
Ray Kroc

Franchising in Deutschland

Glokalisierung

 

 


 


29.06.2012 um 15:35 Uhr

Glokalisierung

von: kulturfanzwo   Kategorie: Globalisierung   Stichwörter: Glokalisierung

„Glokalisierung“ ist ein Schlagwort, das gegen Ende des 20. Jahrhunderts aus den Adjektiven „global“ und „lokal“ gebildet wurde. Der Begriff hat viele "Väter".Heute verwenden ihn Wissenschaftler, wenn sie die Wechselwirkungen zwischen globalen Handlungen und lokalen Entwicklungen beschreiben wollen. Der Begriff wurde aber auch von einem amerikanischen Soziologen für eine globale Marketingstrategie gebraucht, die auch heute noch angewendet wird. Wir beobachteten sie schon bei McDonald’s. Als diese ihre globalen Produkte den Geschmacksrichtungen asiatischer Märkte anpassten, folgten sie dieser neuen Strategie. Aber nicht nur Fast Food-Produkte erlebten eine „Lokalisierung. Auch andere Branchen passen sich an, denn das brachte weltweit eine höhere Akzeptanz. Der Musiksender MTV stieg zum Beispiel von seinem ursprünglich englischsprachigen globalen Pop-Programm auf viele spezielle lokale Programme um. Und Übersetzungsbüros bieten heute selbstverständlich  „gut lokalisierte“ Übersetzungen an, die so aussehen, als ob sie in der betreffenden Region entstanden wären,

Wissenschaftler, die über „Glokalisierung“ forschen, haben eine andere Zielrichtung. Sie benutzen das Wort als Oberbegriff für mannigfaltige lokale Zustände, wie sie in und nach der Globalisierung beobachtet wurden. Die Forscher untersuchen insbesondere die kulturellen, politischen, ökologischen und wirtschaftlichen Resultate globaler Strategien in lokalen Räumen. Die Suchmaschienen bieten viele Artikel zu diesem Thema an. 
Als Beispiel sei hier der Artikel
Mikroglobalisierung in Frankfurt am Main
"Glokalisierung" – Perspektiven und Chancen
, Teil 3
von Robert Lohde Reiff genannt.
Link:
http://www.oeko-net.de/kommune/kommune02-01/alohde.htm

Einen Gesamtüberblick bietet ein Artikel aus „Anettes Philosophenstübchen“ unter http://www.thur.de/philo/glokalisierung.htm
dessen Lektüre vielleicht hilfreich ist.

15.06.2012 um 11:21 Uhr

Franchising in Deutschland

von: kulturfanzwo   Kategorie: Globalisierung   Stichwörter: Franchising

In Deutschland gibt es seit 1978 den „Deutschen Franchise-Verband e. V.“ (DFV) als  Spitzenverband der deutschen Franchise-Wirtschaft. Er versteht sich als ein Sprachrohr sowohl der Franchise-Geber als auch der Franchise-Nehmer. Nach seiner Satzung können aber nur Franchise-Geber ordemtliche Mitglieder werden. Zur Zeit sind 288 Vollmitglieder eingeschrieben. Der Verband  hilft auch Franchise-Gründern.
Auf
Veranlassung des DFV wurde im Jahre 1990 die Deutsche Franchise-Institut GmbH (DFI) ins Leben gerufen. Es ist das Bildungsinstitut für die Franchise-Wirtschaft im deutschsprachigen Raum und bietet Seminare, Workshops und sonstige Trainingseinheiten für alle im Franchising agierenden Personenn an. 
Außerdem hat sich 1992 eine Interessenvertretung speziell für Franchise-Nehmer in Deutschland gebildet. Dieser Verband (DFNV) unterhält zum Beispiel eine Akademie für Franchise-Recht. Weitere Einzelheiten erfährt man auf den Websites der genannten Institutionen.

Der vorsichtige Umgang von deutschen  Unternehmensgründern mit Franchise-Verträgen ist vermutlich zum Teil auf das deutsche Arbeitsrecht zuückzuführen, das eine  so genannte „Scheinselbständigkeit“ nicht gestattet. Und Franchise-Verträge können sich oftmals hart an der Grenze zur Scheinselbständigkeit bewegen, das ist mir bei der Recherche zu Ray Kroc auch aufgefallen. Vermutlich fürchten potentielle Franchise-Geber das „Risiko, von den Arbeitsgerichten, Sozialversicherungsträgern und dem Finanzamt als Urheber von Scheinselbstständigkeit angesehen und nachträglich mit rückständigem Arbeitsentgelt, Sozialabgaben und Einkommensteuern belastet zu werden.“(Aus Wikipedia).
Aber die Deutsche Franchise-Wirtschaft hofft auf weiteres Wachstum. Ihr Artikel „Megatrend Franchising“ http://www.kmuinnovation.com/franchising.htm wendet sich an kleine und mittlere lokale Unternehmen (abgekürzt KMUs) und erklärt: Der lokale Anbieter eines bisher vorwiegend regionalen Marktes sieht sich immer stärker einer global agierenden Konkurrenz ausgesetzt. Die neuen Möglichkeiten der Kommunikations- und Informationstechnologien (E-Business) in Verbindung mit Franchise-Expansionstechniken ermöglichen es dem global tätigen Anbieter, mittels Tiefpreispolitik die lokale Konkurrenz zu verdrängen. Das ist wohl ein Rat an ortsgebundene kleine Unternehmer, vorbeugend unter das Dach eines großen Franchise-Gebers zu schlüpfen. Aber das ist auch nicht ohne Risiko für den potentiellen Franchise-Nehmer. Er muss damit rechnen, dass hohe Lizenzgebühren anfallen, die bis zu 33 Prozent seines Umsatzes ausmachen können. Außerdem wird dann sein vielleicht traditionsbehafteter alter Firmenname bald hinter dem weltbekannten Markennamen des Franchise-Gebers verschwinden.

10.06.2012 um 21:14 Uhr

Ray Kroc

von: kulturfanzwo   Kategorie: Globalisierung

Der 1902 geborene Ray Kroc baute die mittelständische Firma, die ursprünglich McDonalds Systems Inc. hieß, zu einem Weltunternehmen auf. Er ließ sie als McDonalds Corporation in seinem Bundesstaat registrieren. Das hatte nach US-Recht den Vorteil der beschränkten Haftung. Er betätigte sich nicht nur als Franchise-Geber, sondern auch als Immobilienhändler. Er kaufte für die Firma interessante Immobilien auf und verpachtete diese später an seine Franchise-Nehmer, nicht ohne dafür ansehnliche Mieten und nette Umsatzprovisionen zu kassieren. Das brachte ihm zusätzliche Einnahmen und letztendlich einen großen Immobilienbesitz ein (nur der Vatikan besitzt zur Zeit noch mehr Grund und Boden).  
Die Organisation der Firma stützte Kroc auf folgende Eckpfeiler: Zum einen konnte er mit hoch motivierten Franchise-Nehmern arbeiten, die sich vor Ort um den Vertrieb kümmerten. Die Qualität und Frische der von ihnen verarbeiteten Lebensmittel sollte durch Zulieferer aus der jeweiligen Region sichergestellt werden. Und die Corporation übernahm die Logistik, organisierte den Produktionsablauf, die Menüplanung, das Marketing, die Werbung sowie die Ausbildung von Führungskräften.
Kroc zog die Sache sehr penibel auf. Wie gründlich er war, zeigt sein erstes „Operations Manual“. Dort war zum Beispiel festgelegt, dass 453,6 Gramm Hackfleisch zehn Burger ergaben, die Brötchen genau 17 Sekunden getoastet werden mussten  und zur Reinigung der Shake-Maschinen je 9,5 Liter Wasser mit einer Packung Reinigungsmittel vermischt werden sollten.
Aber Krocs Konzepte waren so griffig, dass sich fast überall in den USA Franchise-Nehmer fanden. 1967 begann dann die Auslandskarriere des Franchise-Gebers. In Kanada und Puerto Rico wurden die ersten McDonald’s Restaurants außerhalb der USA eröffnet. 1971 gab es das  erste europäische McDonald’s Restaurant in Amsterdam. Im gleichen Jahr eröffnete auch in München erstmals ein McDonald's. 1990 fand Mc Donald‘s dann die ersten Franchise-Nehmer in der ehemaligen DDR und 1993 eröffnete das erste McCafé in Australien. I
nsgesamt findet man heute Mc Donald’s-Gastronomie in 118 Ländern. Dort zu essen, ist in vielen Regionen noch ein Statussymbol, in anderen, wird seine Kost als fett und minderwertig eingestuft. Die Lokale bemühen sich daher heute um mehr Lokalkolorit. Zum Beispiel servieren sie auf dem indischen Subkontinent den „Chicken Maharaja Mac“, eine Hühnchen-Variante des Big Mäc, in Japan kann man einen „Teriyaki-Burger“ bekommen und der „China Rice Burger“ soll chinesische Kunden erfreuen. Sogar in Israel ist McDonald’s seit 1993 vertreten und hat dort Restaurants eröffnet, die die Koscher-Regeln beachten. Diese Aktivitäten laufen unter dem Stichwort "Glokalisierung".
Ray Kroc wurde mit seiner Corporation ein reicher Mann. Sein Vermögen wurde auf 500 Millionen US-Dollar geschätzt. Er starb im Jahre 1984 mit 82 Jahren. Seine Geschäftsnachfolger führen den Konzern in seinem Sinne weiter. passen ihn aber recht flexibel den jeweiligen Trends an.

07.06.2012 um 18:18 Uhr

Mc Donald's

von: kulturfanzwo   Kategorie: Globalisierung


Wenn wir schon die „Mc Donaldisierung“ der Welt erwähnt haben, dann wollen wir uns jetzt auch mit der  Geschichte dieses „Marktführers  der Systemgastronomie“ befassen. Sein Markenzeichen ziert gegenwärtig mehr als 32.000 Restaurants in über 100 Ländern weltweit. Als Gründer gelten die beiden Brüder Mc Donald, Dick und Mac gerufen  Sie waren Söhne irischer Einwanderer, die in den USA ein Restaurant betrieben. Die Söhne besuchten eine High-School. Danach waren sie zunächst in verschiedenen Berufen tätig, zum Beispiel als Bühnenbildner in Hollywood. 1940 eröffneten sie ein „Drive in-Restaurant“ in Kalifornien. Diese Autofahrer-Schnellrestaurants lagen damals im amerikanischen Trend. Es kam darauf an, das Essen möglichst schnell so zu servieren, dass die Kunden ihr Auto nicht zu verlassen brauchten. Das Restaurant lief gut. Es wurde vorwiegend von männlichen Teenagern besucht, denn den Service besorgten Car Hoppers, hübsche Girls auf Rollschuhen.
1948 schlossen die Brüder ihr Drive-in Restaurant und entließen die Car Hoppers. Sie gestalteten die Lokalität nach ihrem neuen Konzept völlig um. Es sollte familienfreundlich werden und die Kids ansprechen und so dem sich ändernden Trend folgen. Und das gelang sehr gut. Die Besitzer  führten die Selbstbedienung ein, optimierten ihre Küchentechnik mit dem Ziel, das Essen möglichst schnell zu servieren, trafen mit ihrer auf Burger und Pommes frites ausgerichteten Speisekarte sowie den Milch-Mixgetränken voll den Geschmack der Kinder und erfreuten sie mit kleinen Werbegeschenken. Als in einer Zeitung ein Bericht über ihre neuartige Gastronomie erschien, wollten viele Besucher das Restaurant besichtigen. Darauf reagierten die Brüder sofort. Sie meldeten ihre wichtigsten Produkte zum Patent an und warben Interessenten mit Franchise-Verträgen.

Und dann kam Ray Kroc, ein Handelsvertreter für Milchgetränke-Mixmaschinen in die Gastronomie und war von dem Konzept begeistert. 1955 wurde er Franchise-Nehmer der McDonalds und eröffnete sein erstes Restaurant im US-Staat Illinois. Weitere Filialen folgten, ebenso neue Franchise-Nehmer. 1961 kaufte Kroc das gesamte McDonald’s-Unternehmen für 2,7 Millionen US-Dollar auf. Das Geld hatte er von Investoren geliehen.
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03.06.2012 um 09:36 Uhr

Franchise-Unternehmen

von: kulturfanzwo   Kategorie: Globalisierung

Die fortschreitende Globalisierung der Märkte und die schnelle und weltweite Verbreitung besonders der  amerikanischen Produkte, werden von den Globalisierungsgegnern kritisiert. Sie sprechen von der „Mc Donaldisierung“ der Welt und sehen darin eine Gefahr für die lokalen Kulturen. Ich denke, diese Entwicklung wurde speziell von dem bei den Amerikanern so beliebten Vertriebssystem des „Franchisings“ vorangetrieben, einer Unternehmensform, bei der ein Rechteinhaber seine Privilegien an  Dritte verkauft - oder eher verpachtet, und das geht so:
Wenn jemand ein Privileg an einer Ware oder einer Dienstleitung besitzt, zum Beispiel ein Patent auf eine Technologie, ein Urheberrecht, ein Geheimrezept oder eine bestimmte Produktionsform, so braucht er sein Know-how nicht selbst zu vermarkten. Er kann auch bequemer Nutzen daraus ziehen und seine Rechte oder sein Wissen an einen oder mehrere Dritte verkaufen. Er ist damit ein Franchise-Geber. Seine „Franchise-Nehmer“ können dann mit den erkauften Lizenzen eigenverantwortlich am Markt tätig werden und versuchen, damit für sich einen Gewinn zu erzielen. Geber und Nehmer agieren partnerschaftlich jeweils als selbständige Kaufleute, wobei allerdings die Franchise-Geber meist eine stärkere Marktmacht haben.
Heute gibt es weltweit über 12.000 Franchise-Geber, vorwiegend in Amerika, und etwa 800.000 Franchise-Nehmer in aller Welt. Auch in Europa nimmt Franchising als Vertriebsform langsam zu. „Spitzenreiter“ ist hier Deutschland mit etwa 950 Systemen.
Franchising ist aber keineswegs die Erfindung amerikanischer Globalisierungsfreunde. Vielmehr hat der Begriff seinen Ursprung im mittelalterlichen Frankreich. Dort bezeichnete man damit den Verkauf von Privilegien der Krone an Vertrauensleute, die dann auf eigene Rechnung diese Privilegien wahrnahmen. In Großbritannien übernahmen die Königshäuser das Verfahren und verkauften vertrauenswürdigen Gefolgsleuten zum Beispiel das Privileg zur Steuereinnahme. Im   19. Jahrhundert übernahmen die Amerikaner den Begriff  in ihr Vokabular und bezeichneten zunächst damit die Vergabe von Rechten zum Bau der neuen Eisenbahnlinien,

Die ersten „Pioniere“ des Franchising in der heutigen Form kamen mit dem Amerika der Frühindustrialisierung. Den Beginn machte 1860 die "Singer Sewing Machine Company". Sie gestattete fahrenden Händlern, die Singer-Nähmaschinen auf eigene Rechnung und in eigenem Namen zu vertreiben. General Motors, Coca-Cola und Snap on Tools wählten dann ebenfalls dieses System.






25.02.2012 um 10:44 Uhr

Gefahr einer "Erosion" der Nationalstaaten?

von: kulturfanzwo   Kategorie: Globalisierung

Diese Konzerndominanz wird auch in der aktuellen Finanzkrise sichtbar. Zum Beispiel erlebte unsere Regierung, wie arrogant die Manager des Weltkonzerns General Motors bei den Opel-Verhandlungen auftraten.
Globalisierungskritiker befürchten sogar für die Zukunft einen zunehmenden Einfluss der multinationalen Konzerne und der Banken auf die Politik und damit schwindende politische Einflussmöglichkeiten der Regierungen. Die Kritiker sprechen schon von einer „drohenden Erosion der Nationalstaaten“ und sehen darin sogar eine Gefahr für die Demokratie.
Aber „Globalisierung ist kein Schicksal; eine andere Welt ist möglich“, sagen die Zukunftsforscher. Hoffen wir, dass positivere Lösungen für die Gesellschaft von morgen gefunden werden. Daran arbeiten insbesondere zahlreiche Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs). Bekannt ist zum Beispiel die weltweite Organisation „Attac“ (association pour une taxation des transactions financières pour l'aide aux citoyens, zu Deutsch: „Vereinigung für eine Besteuerung von Finanztransaktionen zum Nutzen der Bürger“). Attac wurde 1998 gegründet und bezeichnet sich als globalisierungskritische Nichtregierungsorganisation.
Eine schweizerische Organisation mit ebenfalls globalisierungskritischem Charakter ist die „Erklärung von Bern“. Dieses Aktionsbündnis sorgte mit seiner jüngsten Recherche „Rohstoff – Das gefährlichste Geschäft der Schweiz“ für Aufsehen. Das Buch hat den internationalen Rohstoffhandel zum Thema, in dem mehrere in der Schweiz ansässige Konzerne mitmischen. Man sagt, dass die Schweiz zum Beispiel an jeder dritten Tonne Erdöl, die weltweit gehandelt wird, beteiligt ist. Das Buch berichtet nicht nur über die Funktionsweise des Rohstoffhandels, die komplizierten Konzernstrukturen im Hintergrund und die Konflikte und Opfer in den Herkunftsländern, sondern auch darüber, wie man überall die Steuerbehörden austrickst, Dabei entsteht das Bild einer mächtigen Branche, die große Gewinne macht und deren Geschäftspraktiken zumindest problematisch sind. Am Beispiel der Kupferminen in Sambia werden auch die ökologischen Folgen dieses Handels sichtbar gemacht. Die Verfasser der Recherche hoffen, dass durch diese Publikation die schweizerische Öffentlichkeit sensibilisiert wird.

 

10.12.2011 um 10:57 Uhr

Konzerndominanz in neuer Qualität

von: kulturfanzwo   Kategorie: Globalisierung

Die globalen Produzenten sind meist große Konzerne, deren Kapital von einflussreichen Investoren stammt, die gute Renditen erwarten. Die Manager dieser Konzerne verfolgen vorrangig das Ziel der Gewinnmaximierung. Sie planen die Produktion ausschließlich unter Kostenaspekten. Mit ihrer Marktmacht können sie auf ihre Subunternehmer Druck ausüben. Soziale oder humane Aspekte interessieren meist nicht.
Diese Konzerndominanz ist einer der Aspekte der Globalisierung, den Kritiker beanstanden. Man kann hier eigentlich nicht mehr von Liberalisierung in dem Sinne sprechen, dass sich alle Anbieter gleichwertig am Markt beteiligen können. Trend ist vielmehr, dass wenige multinationale Konzerne bestimmte Branchen unter sich aufteilen - und das klingt dann eher nach Oligarchie als nach Demokratie. Besonders die Gewerkschaften kritisieren diesen Trend. Sie befürchten, dass die Auslagerung von Produktion in Billiglohnländer massive Arbeitslosigkeit in die Industrieländer bringt. Man muss sich nur an das Beispiel eines finnischen Handy-Herstellers erinnern.


10.12.2011 um 10:44 Uhr

Nebenwirkungen der wirtschaftlichen Globalisierung

von: kulturfanzwo   Kategorie: Globalisierung

Der dargestellte Herstellungsprozess ist zunächst von der Logistik her beeindruckend, aber er hat schädliche Nebenwirkungen, nicht nur beim Verbrauch von Energie für die vielen Transporte. Man muss sich nur einmal fragen, ob die mittelständischen Textilfabriken in unserer Region diesen internationalen Prozess leisten könnten. Aber diese Frage stellt sich nicht mehr, denn sie sind verschwunden. Die „Marktbereinigung“ hat in dieser Branche schon vor knapp zwanzig Jahren begonnen. Die großen Marken konnten ihre Produktion international ausrichten, aber die Kleinen in der Regel nur, wenn sie eine Marktnische fanden. „Unsere Textilindustrie ist sehr leise gestorben“ sagte kürzlich eine deutsche Näherin in einer Dokumentation über diesen Vorgang. Sie wurde arbeitslos, denn es gibt hierzulande kaum noch einen Textilbetrieb mit einem eigenen Nähsaal.

Solche „Nebenwirkungen“ befürchtet man auch andernorts, zum Beispiel in Indien, das seit 2007 mit der EU über ein Freihandelsabkommen verhandelt. Schon heute hat man im Rahmen der alten Regelungen gute Handelsbeziehungen. Für Indien ist die EU heute der wichtigste Handelspartner und die EU mit ihren kriselnden Volkswirtschaften blickt hoffnungsvoll auf den großen indischen Wachstumsmarkt. Aber einem ungehemmten Freihandel stehen die Inder doch skeptisch gegenüber. Unter anderem fürchten sie um die Existenz ihrer vielen Kleinhändler, wenn sie den großen europäischen Supermarktketten ihren Binnenmarkt voll öffnen würden. Auch die bäuerliche indische Landwirtschaft könnte wohl der Konkurrenz der hoch subventionierten und mechanisierten europäischen Agrarindustrie nicht standhalten. Trotz aller Vorteile, die ein solcher Freihandel vielleicht auf anderen Gebieten für sie brächte, sehen die Inder angesichts dieser großen Risiken bisher keine Möglichkeit für ein Freihandelsabkommen. Und so wird – auch in der deutschen und der indischen Öffentlichkeit -  weiter kontrovers diskutiert,  und die Verhandlungen dauern.

 

10.12.2011 um 10:35 Uhr

Die globalisierte Produktion

von: kulturfanzwo   Kategorie: Globalisierung

Wie stark die Herstellung der Produkte schon global vernetzt ist, soll am Beispiel einer Jeanshose verdeutlicht werden. Die Baumwolle für dieses Kleidungsstück wird vielfach in Usbekistan oder Indien angebaut. Versponnen und gewoben wird die Baumwolle in China, Indien, Taiwan oder der Türkei und eingefärbt mit chinesischen Farbstoffen zum Beispiel in französischen Färbereien. Das personalintensive Zuschneiden und Nähen vergibt man an die Billiglohnländer Osteuropas oder an China, Honduras oder die Türkei. Vor dem Verkauf wird die Jeans noch gewaschen, um überschüssige Farbe zu entfernen oder um einen „stonewashed“ Effekt zu erzeugen. Das lässt man in Nordafrika oder Osteuropa erledigen. Danach bekommen die fertigen Jeans noch das Etikett einer bekannten Marke und gelangen dann in die Läden Amerikas oder Europas zum Verkauf. Der Käufer stellt mit Stolz das Label seines Erwerbs zur Schau und fühlt sich voll trendy.


09.12.2011 um 18:02 Uhr

Der globalisierte Konsum

von: kulturfanzwo   Kategorie: Globalisierung

 Durch den weltweit liberalisierten Freihandel war sehr schnell eine internationale Warenvielfalt im Angebot, der sich der einzelne Konsument kaum entziehen kann. Selbst den Senn auf der einsamen Almhütte verfolgt noch die Globalisierung. Er trägt vielleicht ein Baumwollhemd aus China, hat eine Hose aus australischem Hirschleder, telefoniert etwa mit einem Handy made in Korea oder hört Nachrichten auf dem im Supermarkt gekauften japanischen Weltempfänger über internationale Satelliten. Vielleicht ärgert er sich dann auch noch über die gesunkenen europäischen Milchpreise.

Neben dieser Marktvielfalt sehen wir aber auch eine weltweite Vereinheitlichung bestimmter Angebote, die von den großen Markenfirmen ausgeht. Es gibt überall auf der Welt die Marke Coca Cola und die Nestlé Babynahrung, Restaurant-Ketten von Mc. Donalds oder Autos von VW oder Toyota. Wenn man der internationalen Werbung glaubt, bekommen wir heute schon alle Genüsse der Welt und leben im Schlaraffenland. Die Werbung ist allerdings gut „lokalisiert“, also auf die jeweiligen Verbraucher abgestimmt-

09.12.2011 um 12:37 Uhr

Internationale Handelsabkommen

Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen GATT von 1948 (General Agreement on Tariffs and Trade) ist eine internationale Vereinbarung über einen freien Welthandel. Seine Ziele sind unter anderem der Abbau von Zollschranken, die Schlichtung von Handelskonflikten und die Verhinderung von Protektionismus. 1995 wurde die Organisation des GATT von der WTO (World Trade Organization) abgelöst, die als Sonderorganisation der UNO installiert wurde. Ihr gehören fast alle Staaten an. Die WTO stützt sich maßgeblich auf drei Abkommen: Das GATT (engl. General Agreement on Tariffs and Trade; GATT) ist nach wie vor in Kraft und regelt den freien Welthandel. Das Allgemeine Abkommen für den Handel mit Dienstleistungen (engl. General Agreement on Trade in Services; GATS) betrifft die Bereiche Banken und Tourismus. Das Abkommen über den Schutz geistigen Eigentums (engl. Trade-Related Aspects of Intellectual Property Rights; TRIPS) schützt Patente, Marken und andere Urheberrechte. Zusammenfassend kann man sagen, dass die WTO zwei Kernaufgaben hat. Zum einen soll sie die Wirtschaftspolitik der Mitgliedsstaaten koordinieren, zum anderen hat sie die Befugnis zur Streitentscheidung zwischen den Mitgliedern.

 

09.12.2011 um 11:44 Uhr

Wirtschaftliche Globalisierung nach dem 2. Weltkrieg

von: kulturfanzwo   Kategorie: Globalisierung   Stichwörter: Veränderungen, in, neuer, Qualität

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Welt zunächst von der Phase des „Kalten Krieges“ bestimmt. Der vom Kommunismus beherrschte Einflussbereich der Sowjetunion stand dem vom Kapitalismus geprägten liberalen westlichen Wirtschaftsblock - angeführt von der Supermacht USA - gegenüber. Die nicht in diese Blöcke integrierten Staaten ordnete man der „Dritten Welt“ zu. Mit dem Zusammenbruch der kommunistischen Wirtschaftssysteme und dem Aufbruch der „Schwellenländer“ der Dritten Welt in die Industrialisierung begann dann die jetzt aktuelle Phase. Zunächst ausgehend von den westlichen Bündnissen schotteten sich die Nationalstaaten nicht mehr gegeneinander ab, sondern versuchten, mit internationalen Abkommen, die es so vorher nicht gab, eine neue Qualität in den weltweiten Handel zu bringen. GATT und WTO waren die internationalen Rahmenwerke, die bewirkten, dass der internationale Handel heute grundsätzlich als positiv und nützlich für die Volkswirtschaften angesehen wird.

Allerdings sehen Zukunftsforscher und Kritiker in der fortschreitenden Globalisierung nach wie vor in vieler Hinsicht eine Gefahrenquelle für die Zukunft. 

08.12.2011 um 17:09 Uhr

Historische Wurzeln der wirtschaftlichen Globalisierung

von: kulturfanzwo   Kategorie: Globalisierung

Wenn man unter wirtschaftlicher Globalisierung den weltweiten Austausch von Gütern, Dienstleistungen, Arbeit, Kapital und Technologie versteht, hat diese in der Tat historische Wurzeln. Johannes Rau hat vielleicht an das Römische Reich gedacht, das vor 2000 Jahren mit einer effizienten Infrastruktur sein Weltreich führte oder an den unrühmlichen Dreieckshandel der Kolonialzeit, der sich zwischen Afrika, Amerika und Europa abspielte. Richtig ins Rollen kam der Prozess etwa ab 1770, als durch neue Entdeckungen und Erfindungen bis dahin nicht gekannte Mobilität und technischer Fortschritt entstanden. Bis zum Ersten Weltkrieg gab es einen wirtschaftlichen Aufschwung in Europa und Amerika. Während des 1. Weltkriegs stagnierte er und danach kam eine Phase des Protektionismus und Isolationismus. Die Nationalstaaten schotteten ihre Märkte gegeneinander ab. Dennoch gab es schon gewisse Abhängigkeiten, denn die 1929 einsetzende Wirtschaftskrise zeigte weltweit ihre Spuren.

08.12.2011 um 16:49 Uhr

Was ist Globalisierung

von: kulturfanzwo   Stichwörter: Globalisierung

Schaut man in die Lexika, so werden für den Begriff gleich mehrere Definitionen angeboten. Vielleicht kann man verkürzt sagen, dass der Begriff einen Prozess beschreibt, der die Welt und ihre Bevölkerung auf vielen Gebieten enger vernetzt und der durch die fast unbegrenzt scheinenden technischen Entwicklungen vorangetrieben wird. Johannes Rau, der ehemalige Bundespräsident, hat diesen Prozess im Jahre 2002 in seiner „Berliner Rede“ treffend beschrieben: 


„Wir sehen, dass sich internationale Beziehungen in bisher nicht gekannter Weise verdichten. Wir erleben das in der Wirtschaft, in der internationalen Arbeitsteilung.. Wir erleben das im Verkehr und in der Kommunikation, in der Begegnung mit fremden Menschen und Kulturen, in Umweltfragen und in Rechtsfragen. Wir erleben, wie internationale Netzwerke entstehen. All das zeigt sich besonders deutlich (auch
) an den Finanzmärkten:“

„Was heute Globalisierung genannt wird, hat historische Wurzeln. Heute wird nicht mit einem Mal alles ganz anders und doch erleben wir mehr als nur die Fortsetzung des Gehabten. Wir erleben Veränderungen von neuer Qualität.“



27.09.2010 um 15:01 Uhr

Französische Staatsformen im 19. Jahrhundert

Inhaltsverzeichnis

Formell konstituierte parlamentarische Republik 1875

Die provisorische parlamentarische Republik 1870 - 1875

Das zweite Französische Kaiserreich 1852 - 1870

Die zweite Französische Republik (1848-1852)

Die Februarrevolution 1848

Der Bürgerkönig (1830 -1848)

Juli-Revolution 1830

Die Fortsetzung der Restauration unter Karl X. 1824 - 1830

Die zweite Restauration der Bourbonen unter Ludwig XVIII. 1815 - 1824

Napoleons Regierung der hundert Tage (1815)

Die erste Restauration der Bourbonen 1814/1815

Das erste Französische Kaiserreich 1804-1814

Die französische Konsulatsregierung 1799 - 1804

 

27.09.2010 um 14:57 Uhr

Formell konstituierte parlamentarische Republik 1875

Auf Thiers folgte der schon erwähnte Marschall Mac-Mahon. Dieser wurde von den Monarchisten und anderen konservativen Kräften in der Nationalversammlung unterstützt und 1873 zum zweiten Präsidenten der Dritten Republik gewählt. Er galt als Platzhalter für das bourbonische Königtum  und  berief folgerichtig ein monarchistisch-klerikales Kabinett.

Während der Präsidentschaft Mac Mahons wurde die 3. Republik konstituiert. Sie hatte keine eigentliche Verfassung, sondern beruhte nur auf einigen Gesetzen, die 1875 von der Nationalversammlung beschlossen wurden. Diese sahen  eine Legislative mit Abgeordnetenkammer und Senat vor, also ein Zwei-Kammer-System. Das "Chambre des Députés" mit mehr als 600 Abgeordneten wurde mit einem Allgemeinwahlrecht gewählt. Der Senat bestand aus 300 Senatoren, gewählt für neun Jahre. Seine Mitglieder  wurden von Wahlkomitees (collèges électoraux) der Départments oder der Dorfgemeinschaften
alle drei Jahre zu einem Drittel neu gewählt.

Das Haupt der Exekutive war der Präsident (Président de la République), gewählt für sieben Jahre durch die Nationalversammlung (Assemblée Nationale), die aus den beiden Kammern bestand. Seine Stellung gegenüber der Regierung war damals jedoch nicht so stark wie heute. Er hatte nur die Befugnis, zu entscheiden, wer ein neues Kabinett leiten sollte. Die Regierung war verantwortlich gegenüber dem Abgeordnetenhaus und dem Senat. Dieses "parlamentarische System" wurde in der Folgezeit für viele Staaten Europas vorbildhaft.
Während der Präsidentschaft Mac Mahons gab es große Auseinandersetzungen mit den Republikanern, die sich unter anderem daran entzündeten, dass Mac Mahon statt der Trikolore wieder das Lilienbanner der Bourbonen als Staatsflagge einführen wollte. Im Zuge der Auseinandersetzungen löste Mac Mahon 1877 die Abgeordnetenkammer auf. Als die Republikaner die Neuwahlen gewannen, sah sich Mac-Mahon 1879 zum Rücktritt gezwungen.
Nach Mac-Mahons Rücktritt kamen die liberaleren Republikaner an die Macht (L. Gambetta, J. Ferry, Freycinet) . Die 3. Republik festigte sich zunehmend und hatte Bestand bis 1940. Erst die deutsche Besetzung Frankreichs im 2. Weltkrieg und die Machtübernahme durch Marschall Philippe Petain beendeten sie. Die dritte Französische Republik bestand somit von 1870 bis 1940.

26.09.2010 um 21:16 Uhr

Die provisorische parlamentarische Republik 1870 - 1875

Frankreich führte auch als provisorische Republik den Deutsch-Französischen Krieg weiter. Nach ihrem Sieg bei Sedan drangen jedoch die deutschen Truppen weiter in Frankreich ein und belagerten schließlich die Hauptstadt Paris. Für die Verteidigung der Hauptstadt standen dem Kommandeur die Soldaten, die der Schlacht bei  Sedan entkommen waren, zur Verfügung, ebenso eine Brigade von Matrosen. Ein weiteres großes Kontingent stellte die Nationalgarde. Letztere war eine Art Volksbewaffnung, die in Paris erstmals während der Französischen Revolution aufgestellt worden war. Sie bestand aus Arbeitern und Bürgern, die das Recht hatten, ihre Offiziere und Unteroffiziere selbst zu wählen. Diese „Garde Nationale“ wurde neben der regulären Armee aktiviert. So rekutrierte man 380.000 Bewaffnete zur Verteidigung der Hauptstadt. 
Insgesamt war aber die Streitmacht der deutschen Belagerer so überlegen, dass die Verteidiger am 28.01.1871 aufgaben. Es kam zu einem Waffenstillstand, der es der Regierung der nationalen Verteidigung ermöglichte, eine Nationalversammlung wählen zu lassen. Diese trat
im Februar 1871 in Bordeaux zusammen, das nicht von den Deutschen besetzt war. Diese Nationalversammlung bestätigte Adolphe Thiers als  Vorsitzenden der französischen Regierung. Thiers hatte dann die Friedensverhandlungen mit Bismarck zu führen. Der Friede wurde im Mai 1871 in Frankfurt geschlossen. Frankreich musste Elsass-Lothringen abtreten und 5 Millionen Francs als Kriegsentschädigung bezahlen. Das empfanden viele Franzosen als Demütigung.

Die Pariser Kommune
In der Zeit der Friedensverhandlungen wurde aber auch die Pariser Nationalgarde aktiv. Sie begründete das „Zentralkomitee der Nationalgarde“ das am 17. März die Macht in Paris übernahm und freie Wahlen durchführen ließ. Damit begann der „Aufstand der Pariser Kommune“und Thiers wechselte mit seiner Regierung nach Versailles.Truppen der französischen Regierung unter dem Befehl von Marschall Mac-Mahon schlugen den Aufstand der Kommune nach 72 Tagen blutig nieder. Er war am 28. Mai 1871 beendet. Bis dahin forderte er mehr Tote als die gesamte Revolution 1789.
Während ihrer kurzen Regierungszeit hatten die Kommunarden bereits zahlreiche Dekrete erlassen, die das Leben der einfachen Bevölkerung verbessern sollten. Daneben gingen sie auch andere Reformen an, wie die Trennung von Kirche und Staat oder die Frauen-Emanzipation. Nach Meinung von Historikern wurden ihre Konzepte zu einem ersten Vorbild für die späteren Rätedemokratien in Europa.
 


Adolphe Thiers
Adolphe Thiers lebte von 1797 bis 1877. Er war ein französischer Politiker und Historiker, der aus dem Journalismus kam und im Laufe seiner Karriere verschiedentlich Staatsämter innehatte. 1863 schloss er sich den Kritikern von Napoleon III. an.
Am 30. August 1871 wählte die Nationalversammlung Thiers zum ersten Präsidenten der Dritten Französischen Republik. Während seiner Präsidentschaft wuchs aber der Einfluss der Monarchisten. 1873 musste Thiers unter dem Druck seiner monarchistischen Gegner zurücktreten.




26.09.2010 um 14:52 Uhr

Das zweite Französische Kaiserreich 1852 - 1870

Durch das Plebiszit vom November 1852 wurde die Zweite Republik in das Zweite Kaiserreich umgewandelt und Napoléon am 2. Dezember als Napoleon III. zum erblichen Kaiser der Franzosen ausgerufen.

Empire autoritaire 1852 - 1860

In der ersten Phase seiner Kaiserzeit, dem so genannten Empire autoritaire, das bis etwa 1860 andauerte, betrieb Napoleon III. nach innen eine autoritäre Politik, Historiker bezeichnen seinen Regierungsstil auch als plebiszitären Cäsarismus, der sich hinter scheinkonstitutionellen Formen verbarg. Das Parlament besaß keinerlei Gesetzesinitiative, es konnte lediglich die vom Kaiser vorgelegten Gesetzesvorlagen billigen. Hauptstützen der Regierung waren die Armee und die Kirche, die wieder mehr Einfluss gewannen.

Empire libéral
In der zweiten Hälfte seiner Regierungszeit als Kaiser, im Empire libéral, sah Napoleon III. sich zur Abkehr von seinem autoritären Kurs und zur Einleitung liberaler Reformen gezwungen. Er sprach dem Parlament mehr Kompetenzen zu, erweiterte die Pressefreiheit und gab den Arbeitern die Erlaubnis, Koalitionen zu bilden
.


Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71

Der Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges 1870, bei dem es vordergründig um die hohenzollern‘sche Thronkandidatur in Spanien ging, traf Frankreich in jeder Hinsicht unvorbereitet, obwohl es nach einer Provokation selbst den Krieg erklärt hatte. Nach der raschen französischen Niederlage bei Sedan am 1. September 1870, bei der im Wesentlichen die deutschen Armeen unter Generalfeldmarschall von Moltke und die französischen Regierungstruppen unter Marschall de Mac Mahon kämpften, geriet Kaiser Napoléon III. am 2. September 1870 in preußische Gefangenschaft, woraufhin die Pariser Arbeiter am 4. September die Republik ausriefen und Napoleon III. stürzten.

Am 4. September 1870 endete somit das zweite französische Kaiserreich. Der gestürzte Kaiser ging ins Exil nach England.

An der Spitze der neuen republikanischen "Regierung der nationalen Verteidigung" stand Adolphe Thiers. Seine Regierung führte nunmehr den Krieg weiter.

 

25.09.2010 um 15:33 Uhr

2. Französische Republik (1848-1852)

Der Sieg der Februarrevolution brachte zunächst Linksrepublikaner und Sozialisten an die Macht. Unter Alphonse de Lamartine, dem Chef der provisorischen Regierung, der auch Jean Joseph Louis Blanc angehörte, konstituierte sich die 2. Französische Republik.
Mit den Wahlen zur Nationalversammlung, der Niederschlagung des Arbeiteraufstands im Juni 1848 und der Verabschiedung einer autoritär angelegten Präsidialverfassung setzte sich dann jedoch das aufstrebende Bürgertum durch. Die neue Verfassung errichtete unter vorsichtiger Begrenzung der Arbeiterrechte ein parlamentarisches Regime. Zum Präsidenten wurde im Dezember 1848 mit deutlicher Mehrheit Prinz Louis Napoléon Bonaparte gewählt. Nach der neuen Verfassung war seine Amtszeit auf vier Jahre begrenzt und die Möglichkeit der Wiederwahl ausgeschlossen.
Louis Napoleon strebte jedoch unter Belebung der bonapartistischen Tradition in Wirklichkeit ein persönliches Regime an. Seine starke Stellung nutzte er aus und ließ sich nach einem Staatsstreich durch ein Plebiszit 1851 als faktischer Diktator bestätigen. L
ouis Napoléon (1808-1873) war ein Neffe
Napoleons I.  Er galt als Familienoberhaupt der Bonapartes und damit als Erbe Napoleons I. Er fühlte sich verpflichtet, das napoleonische Kaiserreich zu restaurieren. Er hatte bereits 1836 und 1840 zwei erfolglose Putschversuche gegen den Bürgerkönig unternommen und war nach seinem zweiten Putschversuch zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden. 1846 konnte er aber nach London fliehen und 1848 nach Paris zurückkehren, wo er zum Präsidenten der zweiten Republik gewählt wurde. 1852 proklamierte er sich als Napoleon III. zum Kaiser der Franzosen. Seine Staatsstreiche wurden durch Volksabstimmungen jeweils mit großer Mehrheit gebilligt. Sein „plebiszitäres Kaisertum“ blieb also abhängig von den Massen, die Napoleon mit nationalistischen Parolen gewinnen konnte. Damit landete er auch ein erfolgreiches Ablenkungsmanöver, denn die sozialen Probleme waren durch die industrielle Entwicklung, die eine Verarmung großer Teile der Bevölkerung zur Folge hatte, auch in Frankreich sehr groß geworden.