Gedanken oder Fragen

13.10.2009 um 03:24 Uhr

Miss Obdachlos

In Belgien wurde die 58 jährige
Thèrese van Belle zur Miss Obdachlos gekürt.


Klingt merkwürdig, obdachlose Frauen auf den Laufsteg zu schicken, sich dem Publikum zu präsentieren. Dieses als Chance für sie darzustellen.

Für die Gewinnerin gab es als Prämie eine Wohnung für ein Jahr mietfrei. Dann muss sie wieder raus, vielleicht auf die Strasse?
Gewinnen konnte diesen Schönheitswettbewerb nur eine. Die Verliererinnen dürfen ihr Leben auf der Strasse wohl weiterführen.

Ich sah den Kurzbericht darüber in den TV Nachrichten.
Die obdachlosen Frauen schienen es zu geniessen, mal Aufmerksamkeit zu bekommen, in Chiffonkleidern über den Laufsteg zu gehen.
Die 58 jährige Siegerin Thèrese sagte unter Tränen
"Ich war in meinem ganzen Leben noch niemals glücklich, nicht ein einziges mal habe ich Glück gehabt. Heute hatte ich zum erstenmal wirklich Glück".

Diese Worte von ihr trafen mich.
Die Frau ist 58. In ihrem achtundfünfzig Jahren, die sie hier auf der Welt ist, noch nie, niemals ein Fitzelchen Glück erwischt.

Man mag über diese Miss Wahl denken wie man will, für sie war es scheinbar ein grosser Erfolg für ein Jahr im Besitz einer Wohnung zu sein.

Doch gelöst wird dieses Problem der Obdachlosigkeit durch Misswahlen ganz sicher nicht. Selbst wenn durch diese Wahlen vielleicht auf diese Problematik aufmerksam gemacht wird. So bleibt doch das Gefühl, die Obdachlosen werden für andere Zwecke vorgeführt.

Es gibt nicht nur in Belgien Obdachlose, bei uns in Deutschland leben nach Schätzungen etwa 300.000 Menschen obdachlos auf der Strasse. Und der Winter steht vor der Tür.

Hier in der Sueddeutschen.de
findet ihr ein Foto der Miss Obdachlos sowie einen Artikel über den Veranstalter der Wahl, sowie Anmerkungen zu Protesten verschiedener Organisationen, die diese Wahl als menschenunwürdig ansehen.
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