Gedanken oder Fragen

16.04.2012 um 22:31 Uhr

Macht die Schule den Lernwillen kaputt

Kinder wollen etwas lernen. Sie wollen sich Wissen aneignen.
Sie fragen viel, erforschen ihre Umwelt und dann kommen sie in die Schule.
Freuen sich auf den Schulbesuch. Doch oftmals ist dann die Enttäuschung bei ihnen gross.
Es vergeht ihnen die Lust am lernen, der Unterricht erscheint langweilig.
Wie wir hier auf so manchen Blogs von Schüler/innen lesen können.
Und manche geben sogar fast auf. Die Neugierde auf Wissen wird in der Schule abgetötet.

Sind unsere Schulen, ist unser Schulsystem dazu da den Lernwillen der Kinder zu brechen, zu unterminieren, ihn zu zerstören um aus ihnen dem System angepasste Menschen zu machen?

Leiden Schüler, aber auch die Lehrer unter dieser Art der Wissensvermittlung?

Dieser Eintrichterung von Daten und Fakten die vorgegeben werden von den Lehrplänen, ganz ohne Rücksicht auf die Erkenntnisse der Hirnforschung?
"Das Gehirn ist kein Muskel, den man nur zu trainieren braucht damit er wächst", bringt es der Hirnforscher Gerald Hüther sehr schön auf den Punkt.

Bei mir ist es so, dass ich glaube, dass meiste habe ich ausserhalb der Schule gelernt, freiwillig, da es mich interessierte. Die Hintergründe, Auswirkungen und Funktionsweisen verstehen wollte. Und auch heute noch lerne ich täglich dazu, Oftmals voller Leidenschaft für die Details der aufgeworfenen Fragen.

Wir Menschen sind unterschiedlich, ich bevorzuge eher das Einzelstudium der Dinge, andere eher die Gruppenarbeit.
Wichtig ist jedoch, dass es einem Spass macht, es zu emotionalen Verkrnüpfungen im Hirn kommt. Dann gibt es kein unnützes Wissen, welches ebenso schnell wieder der Vegessenheit anheimfällt, wie es einem "eingetrichtert" wurde.
Brücken im Gehirn die geschlagen werden und durch die Emotionalität dann auch Bestand haben. Da wir mit diesem Wissen etwas verbinden können.

Gerald Hüther meinte in seinem Standard Gespräch sogar, wenn unsere Schulsysteme auf diese Hirnforschungserkennisse eingehen würden, könnte die Schulzeit stark gekürzt werden. So wie es heute ist, so ist es eine Qual für die Schüler aber auch die Lehrer.
Wobei letztere häufig schon aufgegeben haben in ihrem Kampf gegen die Windmühlenflügel unseres heutigen Bildungssystems.

Hier geht es zum ganzen Gespräch des standard.at mit dem Hirnforscher Gerald Hüther:

standard.at/Hirnforscher-Schule-produziert-lustlose-Pflichterfüller

Interessant alleine schon die Eingangsfrage"Kann das Lernen ohne Druck denn überhaupt funktionieren?". Sie zeigt doch schon wir leben in einer "Druckgesellschaft", je mehr Druck und Unterdrückung herrscht um so besser. Da den Druck ein wenig erhöhen und da auch noch. Was nicht passt wird passend gemacht.
Passt schon.
Systemische Menschenverachtung?
Nicht umsonst gibt es den Ausdruck, der dann häufig kommt:" Der braucht eben ab und zu einen kräftigen "Arschtritt", dann spurt er schon". Manche sind an diese Tritte schon so gewöhnt, so dass sie sie sogar selbst einfordern und denken dann Höchstleitungen erbringen zu können, auch wenn diese garnicht in ihrem eigenen Interesse liegen.
Höchstleistungen bringt man nur bei Dingen die man selber will und nicht weil andere sie wollen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Rabenmutter schreibt am 17.04.2012 um 15:12 Uhr:Die meisten erfüllen nicht mal mehr ihre Pflicht. Meine Tochter hat kürzlich - aus gesundheitlichen Gründen - vom Gymnasium zur Mittelschule gewechselt. Da war sie am Anfang total platt, dass die Schüler den Lehrern einfach frech ins Gesciht sagen, sie hätten darauf jetzt keinen Bock und verweigern die Mitarbeit. Die Situation in der Klasse ist wohl so, dass sie im Moment die einzige ist, die sich auch mal meldet - und es sofort auffällt, wenn sie mal wieder krank ist, weil sich dann keiner mehr meldet!
    Dem Bärenjungen wurde der Wissensdurst in der Schule definitiv genommen und dem Mäusekind vieles am Gymnasium versaut. Wie gesagt, hatte sie auf Grund ihrer schwachen Gesundheit im vergangenen Jahr viel gefehlt und kam dann nicht mehr hinterher. Die Lehrer knallten ihr dann nur an den Kopf "Na, da biste hier falsch!" - und meine Bitte um vorübergehende Benotungsbefreieung blieb ungehört - dafür war sie zu oft zwischendrin da gewesen! - und die um Nachhilfe ebenso. Entweder, man funktioniert - oder man fällt durch die Maschen des Bildungsnetzes :-/
  2. Jari schreibt am 17.04.2012 um 16:53 Uhr:Genau so funktioniert die Schule. Ich hatte eigentlich immer gute Noten und gutes Benehmen, nur die Mathe wollte nicht so. Anstatt zu sagen "Machen wir etwas mit dem Talent für Sprachen, das dieses Mädchen hat", hiess es immer "Arbeite an deiner Mathenote". Auch anderen erging es so.
    Wieso will unser Schulsystem den perfekten Schüler? Den gibt es genauso wenig wie es den perfekten Menschen geben kann. Wieso gehen wir also nicht auf die Einzigartigkeit eines jeden ein und versuchen ihn dort auf die richtige Bahn zu lenken?
    Natürlich ist es schwierig, jeder Lehrer hat mindestens 30 Schüler, aber wenn sie so bestimmt die Fehler eines jeden finden, können sie doch auch die Stärken finden. Oder?
  3. Lullaby schreibt am 17.04.2012 um 21:07 Uhr:Ich hab es genauso erlebt, wie du, Sternenschein. Das meiste, was ich gelernt habe, hab ich außerhalb der Schule gelernt. Da hab ich sogar schon wieder mit Französisch geliebäugelt. In der Schule fand ich Französisch ätzend. Habe erst nach der Schulzeit für michselbst herausgefunden, dass Lernen auch Spaß machen kann, und wichtig ist. Dass es wichtig ist, wurde uns ja schon seit der Grundschule eingetrichtert, aber ich hab es nie gespürt. Keine Motivation zu nichts. Alles trocken und lahm. Erst, wenn man die Dinge selbst erlebt - selbst einen Bezug zu ihnen herstellen kann, meist entwickelt sich erst dann Interesse.

    Ja, irgendwas muss da dran sein, was der Herr Hüther sagt.
  4. Bloomsbury schreibt am 18.04.2012 um 09:41 Uhr:Ich bin gerne zur Schule gegangen. Das war für mich eine Sicherheit, die vorgab, wo's langgeht. Aber dann das Berufsleben...
  5. Bloomsbury schreibt am 18.04.2012 um 09:43 Uhr:Ich finde auch das, was Gerald Hüther sagt, richtig; aber es ist niemals eins zu eins umzusetzen.
  6. Phil_Sophie schreibt am 18.04.2012 um 13:13 Uhr:Unser heutiges Bildungssystem ist mittlerweile so vielseitig und fluktuierend geworden, dass nicht einmal selbst die Lehrenden in der Lage sind, einen Überblick zu behalten. Die Anforderungen der Wirtschaft sind so enorm hoch, dass das Bildungssystem gezwungen ist, schon in den allgemeinbildenden Schulen, Fachrichtungen zu bilden, erstmals in den späten 70ern mit der sogenannten "reformierten Oberstufe" in den Gymnasien. Heute werden schon in den Grundschulen Fremdsprachen unterrichtet.

    Der ursprüngliche Sinn und Zweck der Schulpflicht, Schaffung einer grundlegenden, flächendeckenden Ebene von Allgemeinbildung, sprich Schreiben, Lesen und Rechnen können, entspricht lange nicht mehr den heutigen Erfordernissen.
    Die Lustlosigkeit des Lernens gab es auch schon zu Beginn der Schulpflicht. Sobald der Schüler die Grundkenntnisse erworben hat und in der Lage ist zu erkennen, ob er diesen Stoff im Leben braucht oder nicht, schwindet das Interesse in den entsprechenden Fachgebieten. Diese Situation wird sich erst ändern, wenn wir ein einheitliches System gefunden haben, das allen gerecht wird UND die Wirtschaft ihre Forderungen ein ganzes Stück herabschraubt.
    Gerald Hüther kann ich nur bedingt zustimmen, denn der Druck entsteht schon durch die Tatsache der Schulpflicht und der Gesellschaft selbst durch ihr Verhalten gegenüber Analphabeten.
  7. Bloomsbury schreibt am 18.04.2012 um 13:58 Uhr:Die Wirtschaft schraubt ihre Forderungen so hoch, weil Leute, die es gewohnt sind, dass der Staat für sie sorgt, diese Angewohnheit als Katapult nutzen wollen, um alles andere, was sie im Lauf des Lebens so wollen, auch zu bekommen.
    Aber es ist doch nicht dein Ernst, Phil Sophie, die Schulpflicht abzuschaffen, um Minderheiten ihr angebliches Recht zu verschaffen???
  8. Phil_Sophie schreibt am 18.04.2012 um 14:33 Uhr:Ich habe in keinster Weise von einer Abschaffung der Schulpflicht gesprochen, geschweige denn, daran gedacht. Das wäre absolut fatal.
  9. Bloomsbury schreibt am 18.04.2012 um 17:35 Uhr:Wie kann man denn ...
    denn der Druck entsteht schon durch die Tatsache der Schulpflicht

    sonst noch verstehen? *lauernd frag*
  10. Phil_Sophie schreibt am 18.04.2012 um 19:56 Uhr:Das ist doch nur eine Feststellung bzw. eine bewiesene Tatsache und kein Verlangen, oder nicht? :-)

  11. Bloomsbury schreibt am 18.04.2012 um 21:42 Uhr:Und wie geht man mit dieser Feststellung um?
  12. Phil_Sophie schreibt am 19.04.2012 um 06:45 Uhr:@Bloomsbury: Wie du unschwer erkennen kannst, überhaupt nicht. Es gibt zwar immer wieder vereinzelt Ambitionen, gewisse Dinge zu verbessern, die dann aber wieder kläglich scheitern, weil die Gesamtelternbeiräte der Länder auf Grund ihrer Mitwirkungsrechte dazwischenfunken. Wäre der Bereich Kultus nicht Ländersache, stünden wir schon einige Schritte näher am Ziel. Viele Köche verderben eben doch den Brei.
  13. Bloomsbury schreibt am 19.04.2012 um 09:28 Uhr:Ja, das glaube ich auch, dass viele Köche den Brei verderben. Aber das hat rein gar nichts mit der Schulpflicht zu tun (was ja der Ausgangspunkt war).
  14. Phil_Sophie schreibt am 19.04.2012 um 10:22 Uhr:Schulpflicht besteht nur in Deutschland, in allen anderen Ländern besteht Lernpflicht. Das macht einen enormen Unterschied, da ich nicht gezwungen bin, meine Kinder auf eine Schule zu schicken, sondern auch durch Privatunterricht Wissen vermitteln zu lassen. Daraus folgt, dass ein gesteigerter Lernwille durch Motivation vorhanden sein kann, wenn auch nur gering, weil es aus Kostengründen selten in Anspruch genommen wird.
    Ich bin der Ansicht, dass staatlich geförderte Privatschulen durch innovatives Handeln die zukünftige Lösung sein wird, was verschiedene Studien in Schweden gezeigt haben, bei denen die Gesamtleistung der Schüler um 12 v.H. gestiegen ist. Hierbei wurde vor allem schwerpunktmäßig ein Augenmerk auf die Motivation gelegt, allerdings nicht auf die Stoffmenge.
    Eine grundlegende Systemänderung, wie sie immer wieder in verschiedenen Pilotprojekten getestet wurde, hatte bis heute keinen Erfolg.
    Letztlich muss festgestellt werden, was ein Schüler nach dem Abitur tatsächlich für seinen weiteren Bildungsweg benötigt und was während einer Ausbildung von den Ausbildungsbetrieben bzw. Universitäten übernommen werden kann. Momentan läuft das andersrum, denn die Unis geben immer mehr Stoff an die Schulen ab, um die Studienzeit noch mehr verkürzen zu können. Das ist m.E. die falsche Richtung.
    Weniger unnötiger Stoff in den Schulen bedeutet mehr Zeit für die Schüler um sich auf das Notwenige zu konzentrieren. Der zu vermittelnde Stoff ist mittlerweile so extrem angestiegen, dass es keinen Schüler und auch keinen Studenten mehr gibt, der nicht nach dem Motto "Mut zur Lücke" lernt, und das darf nicht sein, denn dadurch entstehen sehr viele schlechte Noten und die Motivation geht flöten.

  15. Phil_Sophie schreibt am 19.04.2012 um 11:22 Uhr:"Die Erwachsenen begehen eine barbarische Sünde, indem sie das Schöpfertum des Kindes durch den Raub seiner Welt zerstören, unter herangebrachtem, totem Wissensstoff ersticken und auf bestimmte, ihm fremde Ziele abrichten."
    (Robert Musil: Der Mann ohne Eigenschaften)
  16. Bloomsbury schreibt am 19.04.2012 um 11:58 Uhr:Da kochen aber viele Köche! *haha*

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