Gedanken oder Fragen

05.10.2009 um 01:50 Uhr

Natalie, mein Weg aus der Stille

von: sternenschein   Kategorie: Liebe und Emotionen   Stichwörter: Stille, Natalie, Taub, Gehoerlos, Phoenix, Doku, nacht

Stimmung: beeindruckt

Natalie. Mein Weg aus der Stille.
Eine Dokumentation die Phoenix zeigte.
Eine junge Frau, Natalie, von Geburt an fast ohne Gehör. Doch sie lernt sprechen, unter den schwierigen Bedingungen der Gehörlosen.
Hat noch niemals im Leben ihre eigene Stimme hören können.
"Sind alle Lichter verloschen, ist da nur Stille, ein Nichts. Ein wenig fühlt es sich an, als sei ich tot".

Sagt Natalie ( 31 ). Sie, die unter hörenden Architektur studierte. Niemals das Wasser aus dem Wasserhahn rauschen hörte, nicht telefonieren kann, weder mit Freunden oder im Beruf.
Darauf angewiesen ist, Sprache von den Lippen ihres Freundes und der der Mitmenschen abzulesen.

In der Dunkelheit, wenn sie kaum etwas sehen kann, gibt es für Natalie keine Sprache, keine Unterhaltung. Sie sieht dann nicht,was ihr Freund ihr sagen will.

Zutiefst wünscht sich Natalie, einfach einmal einen Vogel zwitschern zu hören, oder die Stimme ihres Freundes.

Und doch.
Wenn Natalie vor ihren grossen Lautsprecherboxen sitzt, sich den Song "Natalie" anhört, mit den Fingern am Holz der Boxen ertastet, die Bässe auf ihren Körper einwirken lässt, dann lächelt sie. So wie sie sowieso sehr viel lächelt.

"Wenn man im Bett ist, auf der Federkernmatratze liegt, hört man wirklich garnichts mehr. Ich höre meinen eigenen Atem nicht. Fühlt sich wie tot an. Die Vibriationen der Lautsprecherboxen beruhgen dann ungemein.
Musik ist für das Leben eines Gehörlosen eines der wichtigsten Dinge."
Sagt Natalie dann auch.

Nach 31 Jahren ohne Gehör liess Natalie sich jetzt ein Gerät ins Mittelohr implantieren, welches über eine Reizleitung direkt zum Hörnerv Töne in elektrische Signale übertragen soll, die das Gehirn dann entsprechend interpretieren muss.

Natalie fragte sich, ob sie dieses wirklich will, diese Welt der Stille gegen eine lärmende Welt einzutauschen.
Ihr Gehirn ist ein Hörsäugling, welches keinerlei Geräusche kennt. Erst die Zuordnung der Töne, des Lärms und Kraches der Umwelt erlernen muss.
Für uns würde sich diese elektrische Signalübertragung recht metallisch anhören. Beim ersten mal hören, würden wir wohk keinerlei Satz verstehen. Beim zweitenmal, aufgrund der Lern-und Anpassungsfähhigkeit des Gehirns, dann aber doch zwischen diesen merkwürdigen Geräuschen, den gesprochenen Satz heraushören können.
Wir hörten aber schon Sätze, Natalie hingegen nicht. Sie muss es erst erlernen. Sie weiss nichts davon, wie sich das Meer anhört, ein Schiffsmotor, kennt weder das Geräusch eines Autos noch den Ruf eines Vogels.

Die Operation verlief erfolgreich. Jetzt muss Natalie erst einmal vieles dem neuem Hörsinn zuzuordnen erlernen. Noch hört sich für sie ein Hubschrauber genauso an, wie ein Ziehwagen der übers Strassenpflaster rumpelt. So sagt sie:

"Jeden Tag höre ich neue Töne. Viele klingen garnicht so schön wie ich sie mir immer vorgestellt habe. Manche aber übertreffen meine Erwartungen".

Ich war zutiefst beeindruckt von dieser Phoenix Doku und von Natalie, dieser lebenslustigen jungen Frau, die trotz Gehörlosigkeit sogar noch, neben der Deutschen Sprache, die Italiienische Sprache zu sprechen erlernt hatte.
Von ihrem Weg in eine Welt der Hörenden.
.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Schussel schreibt am 05.10.2009 um 02:03 Uhr:Man kann sich gar nicht vorstellen, als "gesunder" Mensch wie es ist, nicht hören oder auch nicht sehen zu können.
    Was wir als selbstverständlich betrachten ist für viele Menschen leider nicht so.
    Umso bewunderswert finde ich, wenn durch das Wunder der Medizin einem Menschen eine neue Qualität des Lebens geschenkt wird.
    Ich wünsche Natalie, dass sie die Liebe am Hören und die Lust am Lernen dessen nicht verliert!
  2. sternenschein schreibt am 05.10.2009 um 02:13 Uhr:Liebe Schussel,
    nein, so wirklich können wir es uns wohl nicht vorstellen. Allerhöchstens nur annäherungsweise versuchen.
    Alleine diese Vorstellung, wenn du in der Dämmerung mit dem Piraten im Garten sitzt und nicht mehr sehen könntest, was er dir sagen will, ist schon fast unvorstellbar.
    Immer Licht und Helligkeit zu benötigen um wahrzunehmen, zu sehen was der andere einen sagen will, sind Gedanken, die man sich normalerweise ja icht macht.
    Liebe Grüsse
    sternenschein
  3. Schussel schreibt am 05.10.2009 um 02:19 Uhr:Oh ich bin froh, dass der Pirat meine Gedanken nicht weiß :-)
    Denn ein bisschen Geheimnis sollte man sich bewahren...
    Aber das ist es nicht, was du damit sagen wolltest.

    Ich glaube, wenn man jetzt sein Gehör oder seine Sehkraft verlieren würde, das wäre wie ein Weltuntergang.
    Denn schließlich kannte man wie es "normal" war.
    Umgekehrt stelle ich es mir als absolutes Abenteuer vor.
    Die Frage die bleibt, ist die ob man irgendwann nicht zu der Erkenntis kommt, dass es nicht gut war hören oder sehen zu können???
  4. sternenschein schreibt am 05.10.2009 um 02:38 Uhr:In dem Film sagte sie auch, es sei ein sehr grosses Abenteuer für sie, etwas zu hören. Es ist manchmal einfach zu intensiv.
    Fragt sich im Moment auch noch, ob es richtig war, nach so einer langen Zeit der Stille diese OP durchführen zu lassen.
    Ist aber doch sehr optimistisch und will sich den Herrausforderungen stellen.

    So wie du es meintest, habe ich es ganz sicher nicht gemeint.*g*
    Aber wir können immerhin noch auf "Durchzug" stellen. Zumindest mehr oder weniger. *lach*
    Weiss aber garnicht ob ich dieses mache, glaube eher nicht. Dann lieber auseinandersetzen. ;-)
  5. Schussel schreibt am 05.10.2009 um 02:59 Uhr:Durchzug scheine ich sehr oft zu haben....ich vergess soviel, was man mir sagt...
  6. Rabenmutter schreibt am 05.10.2009 um 06:46 Uhr:Wow! Ich wusste nicht, dass es so ein Gerät gibt. Das finde ich mal eine großartige Entwicklung der Forschung. Mit Sicherheit ist das für Natalie das größte Abentuer überhaupt. - Ich stelle mal wieder fest, dass ich zu wenig fernsehe...
  7. MariaHilf schreibt am 05.10.2009 um 17:35 Uhr:Lieber Sternenschein,

    schön schreibst du über Nathalie....dein Beeindrucktsein klingt hervor....

    ICh hab vor einiger Zeit eine ganz interessante Sendung darüber gesehen...viele wollen die Stille, die sie umgibt nicht eintauschen...in den gehörlosen Schulen wird immer noch nicht die Gebärdensprache(es gibt eh keine einheitliche) gelehrt, weil man es für rumfuchteln hält...lieber lässt man die Menschen ohne Sprache zurück...sie haben sich anzupassen...auch die Eltern von gehörlosen Kindern sind dieser Meinung all zu oft...lierb ein Implantat...schließlich sind Behinderungen bäääh....viele lassen sich das Implantat wieder entfernen, weil sie große Probleme damit haben..wir...die "Nichtbehinderten?" wollen immer alle gleich machen...alles soll so sein wie wir...wir wollen uns doch nicht auf jemand einstellen der Gebärdensprache spricht...er soll gefälligst Lippenlesen oder ein Implantat tragen...wenn es Nathalie für sich als Gewinn ansieht ist es gut....wenn nicht ist es auch gut...in meinem Studium war ich in einer Einrichtung für Menschen die Taub und Blind sind....neuerdings sind davon vor allem Kinder von Aidskranken betroffen...oft haben sie noch andere Behinderungen...sie waren alles, aber nicht wie Tod....Blind und Taub....es war eine beeindruckende Erfahrung für mich.....sich trotzdem der Welt mitzuteilen...eine Sprache lernen die man weder gesehen noch gehört hat....für mich fast unvorstellbar...wie groß kann ein Berg sein und wie groß die Kraft, die ihn uns doch überwinden lässt....

    Liebe grüße
    m
  8. Rabenmutter schreibt am 05.10.2009 um 22:42 Uhr:@maria
    oh, nicht dass es jetzt so rüberkam, dass ich meine, alle gehörlosen sollten so ein implantat bekommen... nur dass es diese möglichkeit nun gibt, finde ich großartig!
    ich sehe sehr oft gehörlose, und ich finde es toll, wie leise selbet eine große gruppe von denen in die ausschweifendsten gespräche vertieft sein kann - das sieht man ja an den gebärden und wenn sie immer schneller werden und immer mehr leute sich daran betieiligen, wenn eine diskussion läuft. ich denke dann immer, dass eigentlich jeder diese sprache gelehrt bekommen sollte, wieviel weniger lärm gäbe es... ich kenne auch hörende, die diese sprache berufsmäßig gelernt haben und sich nun untereinander darin unterhalten, obwohl sie miteinander laut sprechen könnten - eben einfach, weil lärm und reden manchmal nervt.
    meinst du, es gibt international keine einheiltiche gebärdensprache oder selbst hier im land? das kann ich mir so schwer vorstellen, habe mich aber ehrlich noch nicht intensiv damit auseinander gesetzt.
    danke, sternenschein, wiedermal für eine anregung...!

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