Gedanken oder Fragen

27.11.2012 um 02:03 Uhr

Tickt Österreich anders?

Scheinbar ja.
Jedenfalls die Wähler in Graz.
Nach Wien ist Graz die zweitgrösste Stadt Österreichs.
Jetzt fanden in dieser wunderschönen Stadt Graz, in der die Menschen sich berechtigte Sorgen um bezahlbare Wohnungen machen, die Gemeindewahlen statt.

Überraschend oder auch nicht, bekamen die etablierten Parteien von den Grazer Wählern eine klatschende Ohrfeige verpasst.

Die KPÖ, die Kommunistische Partei Österreichs, bekam 20,1 Prozent der Stimmen.

Dieses muss man sich mal in Deutschland vorstellen, fast unvorstellbar, wo schon die "Linkspartei", die sich nicht kommunistisch nennt, es äusserst schwer hat über 10 Prozent der Wähler für sich zu gewinnen.

Da taucht sofort refelexhaft, bei den Kommentatoren die Meinung auf "Die wollen wieder eine Mauer bauen, den Kommunismus einführen", auch und selbst wenn die Linkspartei dieses verneint und sich eher Sozialistisch sieht.

Von einem Mauerbau wird in Graz nicht gesprochen und scheinbar hat dort auch niemand Angst vor den Kommunisten, ganz im Gegensatz zu Deutschland.

Vor einigen Jahren holte die KPÖ in Graz schon einmal über 20 % der Stimmen, was auf Ernest Kaltenegger zurückgeführt wurde.
Scheinbar hat die jetzige KPÖ Kandidatin Elke Kahr auch alles richtig gemacht, indem sie sich um die sozialen Belange der Menschen kümmerte und meinte die Wohnungen in Graz müssten bezahlbar bleiben.

Die Wahlergebnisse im einzelen:

ÖVP 33,5%, KPÖ 20,1%, SPÖ 15,3%, FPÖ 13,9%,
Grüne 11,9%, Piraten 2,7%

Hmm, könnern wir etwas aus Österreich und Graz lernen?
Die grossen Volksparteien sind dort, wie hier auch, nicht mehr wirklich Volksparteien. Sie regieren oftmals am Bürger vorbei. Seine Sorgen scheinen sie nicht zu interessieren, dort nicht und hier auch nicht.
Wie sonst kommt es hier zu zuwenig Krippenplätze,merkwürdige Herdprämie, Gedanken Gutscheine für Putzhilfen auszugeben, Mövenpick Steuervergünstigungen, billigen Strom für die Betriebe, aber teuren Strom für Privatverbraucher, Bankenrettungen in Milliardenhöhe und Frau Merkel lächelt noch zu allem.
Hat sie auch allen Grund zu, wenn das letzte Aufgebot der SPD, Kanzlerkandidat Steinbrück die Hartz IV Gesetze und die Rente mit 67 lobt. Kürzungen im Sozialbereich und Privatisierungen gutheisst.
Der Staat Wohnungen aus dem sozialen Wohnungsbau billig an einen Investor verscherbelt, der der Meinung ist, die Mieten in Deutschland seien viel zu niedrig, der Mietzins müsste steigen, damit er seine Gewinne machen kann.

Wollen wir es alles SO haben? Scheinbar ja, wenn man sich die Popularitätswerte der Kanzlerin Merkel anschaut.

Sie sieht sich selbst als "Alternativlos" an, gerade so, als könnte es nichts anderes geben, als diese "Marktkonforme Demokratie".
So, ich höre jetzt auf, der Eintrag ist eh schon zu lang und sonst bekomme ich noch das kotzen, wenn ich an all dieses herumgewurschtel zum Nachteil der Bürger denke.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Alcide schreibt am 27.11.2012 um 02:49 Uhr:Das Ergebnis hat mich gestern auch richtig erstaunt. Graz ist da, wie du richtig schreibst, ein Sonderfall. In Wien oder Innsbruck liegt die KPÖ irgendwo bei 1,3%. Ich habe eben vorhin noch im ORF ein Interview mit Elke Kahr gesehen. Spendet alles an ihren Einkünften, was mehr als 2.000€ übersteigt. Wirkt sehr bescheiden. Bürgernah. Glaubhaft, was bei Politikern ja selten vorkommt.

    Und was die Mietentwicklung anbelangt könnte ich mich so was von ärgern... Dasselbe wie mit der Altersversorge: der Bürger wird den Verwertungsinteressen des Kapitals zur beliebigen Vernutzung hingeworfen... es werden bewusst und mit voller Absicht Existenzen zerstört, Armut erzeugt... das Recht auf Rendite ist der Politik wichtiger als das Recht auf ein würdevolles, selbstbestimmtes Leben...!

    liebe Grüße!
  2. sternenschein schreibt am 27.11.2012 um 03:26 Uhr:Lieber Alcide,
    die gesetzliche rentenversicherung wird zerstört, damit die Versicherungskonzerne mit der betrügerischen Rürup ud Riesterrente staatlich geförderte Gewinne machen könen und viel geld in ihre Kassen und als Provisionen fliessen können.
    Und dann werden in Talkshows diese Riester ud Rürup Rentenbefürworter von den INSM Repräsentanten noch als Rentenfachleute vorgestellt.
    Dabei wollen sie nur das Volk verarmen und abzocken mit ihren windigen Geschäftsmodellen.
    nter dem Derckmantel, die rentenbeiträge sollrn nicht steigen, dabei sind sie auf Arbeitnehmerseite gestiegen, wenn man diese Riesterrente in Anspruch nehmen will.

    Und ich dachte schon, diesen Eintrag wird bestimmt niemand lesen...(wollen) ;-))
    Liebe Grüsse
  3. Alcide schreibt am 27.11.2012 um 04:08 Uhr:Schön, dass wir da einer Meinung sind! Wenn ich versuche Freunde oder Bekannte auf das Ausmaß dieser Schweinerei hinzuweisen, erfahre ich zuerst meist Ablehnung: es ist etwas zutiefst Menschliches sich bei der Vielzahl von Meinungen, die auf einen tagtäglich einprasseln an die zu halten, die einen ruhig schlafen lassen... Kollektives Stockholm-Syndrom, nenne ich das immer spaßeshalber...
  4. Kieselstein schreibt am 27.11.2012 um 10:38 Uhr:Ich glaube, die erste Frage, die man sich angesichts der Thematik stellt, ist wohl: "Was können wir denn tun? Wie können wir es denn beeinflussen?"
    Dass wir einfach eine andere Partei wählen - David gegen Goliath?? Unterm Strich sind sie sich alle einig und volksnah darf sich, zumindest aus meiner Sicht, keine unserer großen Parteien nennen.
    Und die weniger etablierten Parteien - wie sollten sie es anders machen??
    Sie hätten alle großen Parteien in der Opposition - und schon mit diesem Gefüge würde jede Reform niedergemetzelt.
    Also worin liegt unsere Kraft? Worin die Kraft unserer Gemeinschaft? Sind wir noch eine?
    Oder sind wir zu müde geworden im Alltag, zu beschäftigt mit unseren großen und kleinen Sorgen, mit dem Kraftakt, für den eigenen Lebensunterhalt und den unserer Kinder zu sorgen? Manchmal komme ich mir so ausgepresst vor. Beim Wochenendeinkauf, wo der Preis im Vergleich zur Menge im Korb unverhältnismäßig gestiegen ist, an der Tankstelle, bei der nächsten Betriebskostenabrechnung etc. - ich komme aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus und laufe Gefahr, ein Schleudertrauma auszulösen.
    Also auf die Straße gehen, so wie vor über 20 Jahren? Damals glaubten wir, wir seien das Volk, heute wissen wir, dass alles von langer Hand vorbereitet war. Gesteuert, nur eben von anderer Seite.
    Ob also Rente oder Lebensunterhalt - man kann stochern, wohin man will, es gleicht überall einem Wespennest.
    Doch was man wirklich aktiv tun kann, das bleibt am Ende das große Fragezeichen. Jedenfalls bei mir.

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