Gedanken oder Fragen

16.08.2010 um 06:06 Uhr

Verjüngen

Man muss sich immerfort verändern,
erneuern, verjüngen, um nicht zu verstocken.

Zitat: Johann Wolfgang von Goethe
( Zum Kanzler Müller. )

Merkwürdige Vorstellung, wie ich finde.
Klar ist Leben Veränderung.
Und doch möchte ich mich nicht jeden Tag häuten müssen, morgen ein ganz anderer sein, als ich es heute bin.
Nicht mehr erkennbar oder beliebig, in diesen ganzen Veränderungen.
Natürlich verändern wir uns schon in des Lebens Laufe, mehr oder weniger jedenfalls. Schliesslich lernen wir ja auch immer weiter dazu.

Bei dem ständigen sich verjüngen spricht man heute vom Jugendwahn. Scheinbar war dieses aber schon zu Goethes Zeiten, zumindest von Goethe gewünscht.
Ständig sich verjüngen, geht das überhaupt?
Wo sollte das hinführen und kann es wünschenswert sein?
Verstockt sein möchte wohl niemand. Aber langt es da nicht sich die Neugier zu bewahren, vielseitig auf vielen Gebieten dazulernen zu wollen, vielseitig interessiert zu sein, um dem zu entgehen.
Aber auch mal über sich selbst und sein eigenes Handeln nachzudenken.
Natürlich schadet es nicht, auch mal die Welt mal wieder mit den Augen eines Kindes oder Jugendlichen zu sehen, sich zu erinnern wie es "damals" war, als man in dieser Altersgruppe war. Die Welt so ganz anders aussah, als wie wir sie heute sehen. ( Das Gras war so hoch, der Tisch noch höher, und ja, auch ich musste mal auf einen Stuhl hinaufklettern, was garnicht so einfach war, wenn die Sitzfläche des Stuhls sich in Kopfhöhe befand.. Auch die Schleife im Schuhband zu machen, war garnicht so einfach, wie es heute aussieht.*g* )
Aber ständiges verjüngen? Ich möchte nicht noch einmal unter einen Tisch hindurchlaufen können, ohne anzustossen.
Jung im Geist bleiben, ja, das schon.
Vielleicht hat Goethe dieses sich ständige verjüngen sollen, ja auch so gemeint.
.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. Nasoetwas schreibt am 16.08.2010 um 11:40 Uhr:Jetz möchte ich Beifall klatschen. Das entspricht voll und ganz meiner Meinung.
    Ich finde auch, wichtig ist doch das man im Geist und im Herzen jung bleibt. Ich will mich als 60jährige nicht wie eine 20jährige kleiden und mich in Klamotten quetschen in denen ich mich gar nicht wohl fühle.
    Es gibt auch altersgerechte neue Mode. Ich möchte mir auch nicht Manieren oder Gewohnheiten von Kollegen angewöhnen nur weil sie Eindruck schinden. Was mir nicht gefällt, dass nehme ich nicht an.

    Man möchte doch man selbst bleiben und sich nicht ständig anpassen, verstellen, sich neu zeigen müssen nur um sich beliebter zu machen und wenn der Körper altert und sich Falten bilden, dann ist es eben so.l

    Jeder Mensch möchte doch so genommen werden wie er ist.

    An meine Jugendzeit erinnere ich mich auch gern. (Und meine Kinder hören es gern. Was mich sehr freut.)
  2. Bloomsbury schreibt am 16.08.2010 um 12:28 Uhr:
    Und doch möchte ich mich nicht jeden Tag häuten müssen, morgen ein ganz anderer sein, als ich es heute bin.


    Es gibt da einen Spruch:
    "Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein".

    Und auch einen anderen: "Man soll Türen und Fenster seines Hauses offenhalten, um frischen Wind durchzulassen..."

    Jeder dieser (sich widersprechenden) Sätze ist irgendwie richtig. Aber man kann sie auch missverstehen.
  3. Muffin schreibt am 16.08.2010 um 12:47 Uhr:Man ist doch immer nur so alt, wie man sich fühlt^^
  4. AngelInChains schreibt am 16.08.2010 um 13:37 Uhr:Ich bin jetzt seit 7 Jahren 16 ;)
  5. ameparia schreibt am 16.08.2010 um 16:31 Uhr:Vielleicht muss man beim Lesen des Zitates die damaligen Konventionen im Hinterkopf behalten. Denn ich glaube nicht, dass Goethe einen Jugend-Wahn wollte, sondern viel mehr Offenheit für Neues und "Beweglichkeit" im Geist - auch mal unkonventionell sein. Traditionen waren damals doch sehr stark und ein Ausbrechen verpöhnt, wenn ich mich nicht irre.
  6. aloneone schreibt am 16.08.2010 um 17:28 Uhr:Ich denke auch, dass er "jung bleiben" im Sinne von "sich für Neues interessieren, offen bleiben" meinte. Man sagt ja auch oft, dass Enkel ihre Großeltern jung halten.

    Aber "verjüngen" im Sinne des Wortes möchte ich mich auch nicht. Nicht äußerlich (ich steh zu meinen Falten *grins*) und auch nicht mit Gewalt "auf jung machen". Die 20jährigen sind eine andere Generation, und das ist auch gut so. Da gebe ich Nasoetwas hundertprozentig Recht!
  7. sternenschein schreibt am 17.08.2010 um 11:38 Uhr:@nasoetwas,
    neues an sich heranlassen und dennoch bei sich bleiben, nicht jedem Trend hinterherlaufen ist schon wichtig.
    Hast es schön gesagt.

    @Bloomsbury,
    haben wohl beide ihre Gültigkeit, wenn man sie nicht missversteht.

    @Muffin, ja, das sagt man so. ;-)

    @AngelInChains,
    das ist der Konstantenfaktor, der die Zeitgesetze ausser Kraft setzt.*g*

    Liebe Grüsse
  8. sternenschein schreibt am 17.08.2010 um 12:02 Uhr:@ame,
    sicher waren die Konventionen damals wohl sehr festgefügt.
    Ein wenig hatte ich auch daran gedacht, dieser Satz Goethes könnte eventuell eventuell einer jungen Dame geschuldet sein, der er gefallen wollte.
    Denn in seinem Stück lässt er den Faust sich durch das Hexeneinmaleins verjüngen, damit dieser das Herz einer jüngeren gewinnen kann. So hatte das verjüngen auch in Goethes Stücken Platz.

    @nasoetwas,
    klar, er war im Grunde ja ein sehr vielseitig interessierter Mensch, wohl auch vielem offen gegenüber.
    Ach die, die sich heute verjüngen lassen, mit ihren unbeweglichen Botoxgesichtern, sie sehen so unnatürlich aus.
    Falten und besonders Lachfältchen, sie zeigen doch das man lebt und gelebt hat.

    Liebe Grüsse
  9. Nasoetwas schreibt am 18.08.2010 um 07:25 Uhr:Goethes Sexualleben spricht dafür, dass er sich nicht nur geistig verjüngen und verändern wollte. ;)
  10. aenne schreibt am 22.08.2010 um 17:19 Uhr:Es gibt Menschen, die streben danach äußerlich jung zu bleiben und vielleicht gelingt es ihnen ja auch. Was allerdings einen Menschen wirklich interessant macht, sind Natürlichkeit und eine lebendige Lebenshaltung. Kurz gesagt, diese Menschen sind im Herzen jung geblieben.
  11. sternenschein schreibt am 24.08.2010 um 20:49 Uhr:@nasoetwas,
    kann ich mir bei Goethe auch vorstellen.
    @aenne,
    im Herzen und im Geiste jung zu bleiben, darin nicht zu "verknöchern" halte ich auch für wichtiger.

    Liebe Grüsse

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