Gedanken oder Fragen

03.02.2010 um 20:52 Uhr

Zeugnisse

Es gab oder gibt mal wieder Zeugnisse für die Schüler.
Ihre Leistungen wurden bewertet, ja, sie wurden bewertet.
Mit sehr gut oder eben mit mangelhaft oder ungenügend. Sowie der ganzen Palette, die dazwischenliegt.

So mancher wird sich gefreut haben, andere aber sind teils enttäuscht bis tief verzweifelt.

Es wurde gleichzeitig mit der Zeugnisvergabe mitgeteilt, dass auch in diesem Jahr wieder Hotlines eingerichtet wurden, für Kinder, Jugendliche, Schüler, die aufgrund ihres schlechten Zeugnisses an Selbstmord denken.
Denn die Selbstmordrate unter Jugendlichen stieg schon immer zu Zeiten der Zeugnisvergabe an.
Da kann doch etwas nicht stimmen, das kann doch nicht normal oder Sinn und Zweck der schulischen Ausbildung sein, Kinder auszusortieren, in gut und schlecht einzuteilen.
Sie dazu zu bringen an Selbstmord zu denken oder sich wegen eines schlechten Zeugnisses nicht nach Hause zu trauen.

Sicherlich gibt es einige die keine Lust haben, bequem sind, nicht lernen wie sie es sollten. Die mehr machen könnten.
Aber es gibt auch viele, die sich anstrengen, sich bemühen, lernen so viel sie nur können, um so grösser ist dann die Enttäuschung, wenn die Zensuren dennoch schlecht ausfallen.

Manchmal liegt es vielleicht auch am Lehrer oder der Art des Unterichtes, der einen Erolg und bessere Noten verhindert.

Ich finde, Noten und Zensuren sind nicht alles und sagen schon garnichts über die Qualitäten und den Charakter eines Menschen aus.

Und doch ist so mancher ganz und gar verzweifelt wenn er sein Zeugnis, seine "Bewertung" in der Hand hält.
So dass ich mich frage, brauchen wir diese Art von Zeugnissen überhaupt, oder verhindern sie gar das wirklche lernen zum Teil? Machen sie nicht eher den Drang nach Wissen kaputt, anstatt ihn zu fördern?
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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenandrina schreibt am 03.02.2010 um 21:01 Uhr:es liegt nicht nur manchmal sondern so gut wie immer am lehrer, hab in sehr schwierigen fächer schon zweimal einen lehrerwechsel miterlebt und es war jedesmal ein drastischer unterschied von wem man unterrichtet wurde, teilweise verbesserten sich die noten gewaltig. deshalb sollte man sich doch die lehrer besonders gut anschauen, was da für inkompetente leute in den schulen rumlaufen ist teilweise a wahnsinn!
  2. zitierenAngelInChains schreibt am 03.02.2010 um 22:07 Uhr:Es ist schon ein Wahnsinn, wenn Kinder an Selbstmord denken, und dann wegen eines Zeugnisses. Das zeigt, wie viel da wohl auch bei den Eltern schief läuft. Allgemein, was für ein Leistungsdruck in unserer Gesellschaft gemacht wird! Daran gehen nicht nur Kinder psychisch kaputt. Wann wird man das einsehen und wieder mehr Wert auf andere Dinge legen? Wann hört auch dieser eklige Konkurrenzkampf überall (Schule, Studium, Beruf) auf?
  3. zitierenrougenoir schreibt am 04.02.2010 um 06:10 Uhr:Ich denke, dass nicht unbedingt aussagen, wie intelligent jemand ist, oder wie fähig und Leistungstark. In meinem Fall sind Mathenoten auch schwer vom Lehrer abhängig (wobei ich nicht sagen will, dass die Lehrer "schlecht" sind, denn manchmal "liegen" sie mir persönlich einfach nicht, oder sie sind zwar fachlich sehr kompetent, aber das mit dem Vermitteln von Wissen klappt einfach nicht so gut ;) ). Oder auch Englisch (was seltsam ist, da man ja eigentlich eher gleichbleibend ist, was in Fremdsprachen das Wissen ausmacht, ich meine, wenn man den Lehrer wechselt hat man ja nicht weniger Vokabel im Kopf als vorher, oder so), Deutsch, Kunst ... Überhaupt gibt es viele Fächer, die man garnicht wirklich objektiv bewerten kann, oder vielleicht auch garnicht sollte.

    Ich finde schon, dass dieses ganze "Notengedöns" auch vom freiwilligen Wissen(wollen) ablenkt.
    Bei uns wird viel gelernt "um die Prüfung (möglichst gut) zu schaffen" ... das hat mich in der Ausbildung auch gestört. "Das müsst ihr nicht wissen, kommt nicht in der Prüfung". Was aber, wenn ich das wissen WILL?! Und überhaupt, was sagt die Prüfung denn aus? Dass ich an einem Tag eine gute Leistung gebracht habe? Eigentlich ist es so mit allen Noten ... Noten sind einfach doof ;), und manchmal wenig objektiv, werden aber später dann so bewertet.

    Ich finde, man müsste wissen dürfen, was man wissen will, und nicht, was man wissen soll. Und ich glaube, das würde viele Menschen fördern, wenn sie das lernen dürften, was sie wirklich interessiert, alles andere verwendet man dann ohnehin später nicht mehr (oft), und lenkt einen nur davon ab, was man wissen will.


    Ach, blah, darüber könnte ich viel sagen, und möglicherweise habe ich mich wieder falsch ausgedrückt und nicht das gesagt, was ich meine, aber ich denke die Grundaussage ist doch irgendwie herauszulesen ;).


    Liebe Grüße
    Lieselotte
  4. zitierenjedderuesch schreibt am 04.02.2010 um 09:17 Uhr:Mhm...okay, ich bin auch nciht begeistert vom massiven Leistungsdruck und ich finde es auch schlimm, wenn Kinder sich wegen schlechter Schulnoten nicht heimtrauen oder gar an Suizid denken! Ich kann mich auch noch erinnern, wie sehr eine 5 Bauchweh machen kann, ich hatte aber auch immer eine Idee, wie es zu der 5 gekommen ist (und ich muss zugeben, es lag nicht immer am Lehrer, ich war faul). Ich persönlich merke aber aktuell bei meiner Tochter, dass sie Noten gut findet als Orientierung. Sie hat ja zweieinhalb Jahre lang keine bekommen udn hatte (sagt sie selbst!) das Gefühl, dass es egal ist was sie macht. Das unter dem Deckmantel des "jedes Kind soll selbst entscheiden was es lernen möchte". Da wurden aber Anstrengungen und Lerneifer dann nicht gewürdigt - auch der falsche Weg, oder? Und ich habe festgelegt, dass keine Note eine Katastrophe ist - dass wir gucken müssen, woran hat es gelegen, wenns eine 5 ist, dass ich aber bei einer 6 wegen Leistungsverweigerung doch ein bisschen schimpfen muss - mitmachen muss man, finde ich. Vielleicht ist das viel verlangt, wenn ich sage, Eltern sollten gucken, woran es liegt, zuhören usw., ich bin ja auch nicht die perfekte Supermama,.....(*Faden verloren*)

    Was ich bedenklich finde, ist die Entscheidung zur weiterführenden Schule nach der 4. Klasse....das ist so, als würde mit 11 Jahren (?) festgelegt werden, wie das restliche Leben aussieht...

    Schwieriges Thema. Noch einmal Zeit, für den unglaublichen Klassenlehrer des Löwenkinds dankbar zu sein: Ich weiß nicht genau, wo der die Geduld hernimmt, mit 23 Kindern so umzugehen wie er es tut.
  5. zitierenameparia schreibt am 05.02.2010 um 02:33 Uhr:"So dass ich mich frage, brauchen wir diese Art von Zeugnissen überhaupt, oder verhindern sie gar das wirklche lernen zum Teil? Machen sie nicht eher den Drang nach Wissen kaputt, anstatt ihn zu fördern?"

    Das fand ich sehr schön...
    Von Bildung kann meiner Meinung nach in den Schulen nicht gesprochen werden, eher von Ausbildung. Aber ich bin in der Hinsicht auch sehr romantisch..
    Bildung sollte nichts sein, das belohnt oder eingestuft werden muss. Es kommt nicht drauf an, eine Eins zu haben um zu wissen, dass man gut war und genug gelernt hat. Jeder hat sein individuelles Tempo, seine eigenen Fortschritte und Themen. Das Bedürfnis nach Wissen und Bildung sollte von Lehrer angestoßen und gefördert - und nicht "reingestopft" werden. Wenn ein Kind aus Freude und Neugierde sich mit einem Thema beschäftigt, sind Noten egal und die Informationen bleiben acuh nicht nur im Kurzzeitgedächtnis. Bildung ist, wenn man sich in ein Thema verbeißen kann, wenn es einen nicht mehr loslässt und man es endlcih verstehen möchte. Wenn das Thema den Menschen zum Wachsen anregt und ihn formt - bildet. Es ist ein lebendiges Wechselspiel, diese Bildung.

    Aber in dieser Zeit ist es leider nicht anders machbar. Schulen sind Ausbildungsstätten für das Humankapital. Es geht um Geld und weniger um den Menschen. Nicht immer, nicht überall, es gibt wunderbare Lehrer. Aber auch die müssen sich an den vorgeschriebenen Lehrplan halten und das Wissen in die Köpfe stopfen. Nein, das kann man keine Bildung nennen...
  6. zitierenjedderuesch schreibt am 05.02.2010 um 08:50 Uhr:@ameparia: Ich kann da nicht zustimmen, irgendwie - ist das nicht ziemlich pauschal geurteilt? Geht es Erwachsenen nicht auch so, dass sie für Leistung "gelobt" werden wollen, in Form von Geld, ja, aber es ist eine Form der Anerkennung, wenn ich für meine Arbeit Geld bekomme (oder eben ein Lob vom Chef). Und ich denke, sowas in der Art brauchen Kinder auch, ein Zeichen: Ja, deine Begeisterung haben wir gemerkt, wir erkennen an wie sehr du dich festgebissen hast und wie stark du dich mit dem Thema beschäftigt hast.
    Und es steht und fällt mit dem Lehrer - nicht alle sind "Reinstopfer".
    Auf das Bildungssystem schimpfen ist ziemlich einfach...
  7. zitierenameparia schreibt am 05.02.2010 um 10:42 Uhr:Noten sind m.E. aber weniger eine Anerkennung, als ein Stopfen in ein Leistungsmuster, ein Vergleichen zwischen Individuen nach einem bestimmten Standart. Dabei kann man nur "messen", wie gut sie nach einer vorgeschriebenen Messlatte sind, nicht aber, wie ihre individuelle Entwicklung war/ist. Nimm einen Schüler mit einer Lese-Rechtschreibschwäche. Im ersten Diktat machte er 35 Fehler - glatte sechs. Im zweiten nur noch 28 - oh, immernoch eine sechs. Da wäre die Freude und das Lob des Lehrers, dass er sich verbessert hat, vermutlich mehr Bestätigung und Ansporn.
    Jeder Mensch braucht Zuspruch und die Bestätigung, dass er das Richtige macht. Nur sollte das m.E. individuell geschehen, durch kleine Gesten, die aber öfter als Noten kommen. Und mit dem Wissen, was für Fortschritte jemand gemacht hat aus einem eigenen Weg. Wenn meine Schwester sich den allerwertesten für Chemie aufreißt (und da kämpft sie immer nur um's Bestehen [irgendwie]), so ist die Note ihr relativ egal - denn es fällt doch eh schlecht aus, die Frage ist nur, w i e schlecht. Mein Stolz auf sie und meine Bestätigung, sagte sie, sei für sie dabei der größte Ansporn und die Bestätigung, dass es sich lohnt, sich jedes Mal wieder die große Mühe zu geben.


    Natürlich sind nicht alle Lehrer "Reinstopfer", das räumte ich oben auch ein. Aber das müssen sie notgedrungen tun, weil es einen Lehrplan zu erfüllen gibt.

    "Aus das Bildungssystem schimpfen ist ziemlich einfach."
    Besser als den Missstand zu akzeptieren, dass - wenn ich mal Kinder haben sollte - mein Nachwuchs als "Humankapital" betitelt wird! Kinder sind Menschen, keine Ware! Und wie mit ihnen in Schulen umgegangen wird, macht mich wütend - so gute Lehrer es auch gibt - das System ist m.E. falsch.
  8. zitierenjedderuesch schreibt am 05.02.2010 um 10:54 Uhr:Gegen "Humankapital" würde ich mich auch sperren, das ist kein Wort, das ist..naja, anyway.
    Meinst du nicht, dass das System auch viele Probleme mit den Fehlern der Eltern hat? Wie kann denn eine Schule/ein Lehrer alles erkennen und wiedergutmachen bei 23 Menschen, was deren Eltern vermasselt haben? Wenn sich Kinder nicht heim trauen mit schlechten Noten, dann ist das ein deutliches Zeichen, dass zuhause was falsch läuft, finde ich. Das System kann nicht helfen, wenn die Eltern diesen Druck machen...
  9. zitierenameparia schreibt am 05.02.2010 um 12:28 Uhr:Natürlich liegt der Fehler nicht allein im System und wenn Kinder sich nicht nach Hause trauen wegen einer schlechten Note, ist auf jeden Fall (auch) bei den Eltern anzusetzen. Ein Lehrer kann das natürlich nicht auffangen, aber es wäre ein klasse Anfang, wenn er das bemerkt und dem Kind helfen kann. Das geht heute ja nur noch unter, weil der Lehrer genug Probleme damit hat, den Stoff durch zu kriegen.
    Nichts desto trotz finde ich das heutige Bildungssystem besch*****. Ein Lehrer kann 23 Schülern nicht die Aufmerksamkeit schenken, die sie eigentlich bräuchten, wobei 23 Schüler in einer Klasse für die heutige Zeit sehr wenig ist. Normal sind 28-35 Schüler. Da hat deine Tochter wirklich Glück, das ist klasse! (Sie ist doch in so einer kleinen Klasse, oder verwechsel ich etwas?)
    Es müsste m.E. an mehreren Punkt angesetzt werden: kleinere Klassen, weniger Druck auf die Kinder, mehr Zeit für Bildung (siehe G8 - Burnout wird wohl nicht mehr nur auf die Arbeit, sondern bald auch auf die Schule bezogen sein). Der Staat müsste bereit sein, Geld und Zeit zu investieren und Kinder nicht als Geldquelle zu sehen. Die Ausbildung der Lehrer müsste ausgeglichen sein, was das Fach, Didaktik und Pädagogik angeht. Eltern müssen von dem Leistungsdenken wegkommen: "Du bist nur etwas wert, wenn du auch etwas leistest, ohne guten Schulabschluss bist du nichts wert." etc. etc. ... Es gibt viele Dinge, die einfach beschissen laufen heut zu Tage. Man kann überall anknüpfen. Ich finde es nur wichtig, das zu sehen und es nicht blind und stumm hinzunehmen. Das, was mit den Kindern in der Schule passiert, kann nicht lange gut gehen. Ich warte nur auf den Supergau, die nächste PISA-Studie. Ich frage mich, wann man endlich begreift, dass Kinder Zuspruch, Zeit und Aufmerksamkeit brauchen, um sich zu entwickeln und ein wertvolles Glied in der Gesellschaft zu sein - und nicht ein Zertifikat auf einem Stück Blatt Papier, das die individuellen Fortschritte außer Acht lässt... -.-

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