Lyriost – Madentiraden

20.07.2016 um 17:20 Uhr

Immer derselbe Alp

von: Lyriost

Immer derselbe Alp

Die ätzenden Chiffren 
im Nacken der Zeit 
die nüchternen Stiefel
besudeln mechanisch 
das schlohweiße Kleid.

Die Ruhe ist tückisch 
ein wandloser Bau  
mit zittrigen Säulen   
umflattert von Eulen  
verwittert im Tau.

Und Narben mit Körpern
aus Blut und Zement
die emsigen Krüppel 
verbrennen marschierend 
ihr Testament.

19.07.2016 um 12:51 Uhr

Demokratie

von: Lyriost

Demokratie

Nur mal zur Erinnerung: Demokratie heißt nicht, daß dann, wenn die Bevölkerungsmehrheit, häufig der tumbe Teil der Leute, einen gefährlichen Idioten gewählt hat, der zukünftig allein das Sagen haben kann auch darüber, wer seine Meinung äußern darf und ob und wo, und der unterlegene Teil der Leute hat die Klappe zu halten, weil Demokratie bedeute, daß die Mehrheit entscheide. Einmal wählen alle vier, fünf Jahre reiche. Das ist keine Demokratie, sondern nur Diktatur mit Wahlen. Das endet irgendwann bei 99 Prozent. Kennt man.  

17.07.2016 um 15:23 Uhr

Reihenfolge

von: Lyriost

Reihenfolge

Nach dem Pütschchen kommt der Putsch. Wer das wohl geplant hat.

13.07.2016 um 14:43 Uhr

Groß und Klein

von: Lyriost

Groß und Klein

Es gibt da so ein blödes Lied, in dem es heißt "Die Welt ist klein, und wir sind groß", was gerne von Horden großmannssüchtiger Pubertanten mitgegrölt wird. Wenn man dann aber später einen Termin beim Zahnarzt hat, dann schrumpft der Größenwahn zusammen auf: Ich bin ganz klein, der Bohrer groß.

13.07.2016 um 14:19 Uhr

Alles schickt sich nicht für jeden

von: Lyriost

Alles schickt sich nicht für jeden

Politiker sagen gern, alle müßten sich an die Gesetze halten. So auch gerade wieder Frau Merkel bezüglich des Konflikts in der Berliner Rigaer Straße. Leider hält sich der Berliner CDU-Innensenator samt Polizei nicht an Gesetze. Fragt sich nur, ob aus Böswilligkeit oder aus Unkenntnis. In jedem Falle verheerend. 
 
Das ist schon aufschlußreich: Der Berliner Innensenator macht sich stark für eine Steuervermeidungsfirma auf den Jungferninseln, ohne daß diese einen dementsprechenden offiziellen Antrag gestellt hat. Kurzer Dienstweg?
 

13.07.2016 um 10:31 Uhr

Perfektes Versteck

von: Lyriost

Perfektes Versteck

In den Tagebüchern von Imre Kertész las ich gerade neben vielen anderen großartigen Sätzen das Aperçu: "Der Humor hat seinen Ernst verloren." Man könnte auch sagen, die Humorlosigkeit trete in humoristischer Verkleidung auf, habe ein perfektes Versteck gefunden.

12.07.2016 um 16:37 Uhr

Ängste

von: Lyriost

Ängste

Alles mögliche ist vom Aussterben bedroht, neuerdings sogar die Italiener, hört man. Nur eines leider nicht: die Dummheit. Nach neuesten Umfragen haben die Deutschen die meiste Angst vor Terrorismus, politischem Extremismus, Spannungen durch Zuzug von Ausländern, Überforderung von Deutschen/Behörden durch Flüchtlinge. (Quelle Süddeutsche Zeitung) Davor, etwa im Straßenverkehr ums Leben zu kommen oder schwer verletzt zu werden, fürchten sich die Deutschen anscheinend nicht, obgleich die Wahrscheinlichkeit, daß ihnen auf unseren Straßen etwas Derartiges zustößt, tausendfach größer ist als die Wahrscheinlichkeit, hier Opfer von Terroristen zu werden. Wenn man darüber nachdenkt, kann man Angst vor der Kraft der Dummheit bekommen.

11.07.2016 um 18:29 Uhr

Eine Art Entmythisierung

von: Lyriost

Eine Art Entmythisierung

Früher dachte ich: Vielleicht wäre Religion etwas Schönes, in manchen Formen beinahe Erhabenes, wenn ihr nicht der Schmutz der Kirchen und der Gläubigen mit ihrem dogmatischen Gezänk anhaftete. Heute vermute ich, Religion könnte etwas sein wie verstoffwechselter Mythos, und der Schmutz haftet ihr nicht etwa an, ist nicht angeworfener Putz, sondern Teil ihres Fundaments, Mörtel in ihren vielfältigen Bauformen. 

11.07.2016 um 16:44 Uhr

Zeitgeisterei

von: Lyriost

Zeitgeisterei

Wenn das Politische zur Karikatur wird, die Pappnasen immer bunter werden und das Geschwätz immer karnevalesker, wird das Unpolitische zum politischen Statement.

11.07.2016 um 16:20 Uhr

Gewissensbisse

von: Lyriost

Gewissensbisse

Wir sollten stets eine Feile in der Tasche haben, denn dieser lernunwillige, vergeßliche Aufseher unsrer Kindheit, der halbblinde Aufpasser, den wir mal Gewissen nennen und mal Über-Ich, hat scharfe Zähne.

29.06.2016 um 15:17 Uhr

Tirade 226 – Klebstoff

von: Lyriost

Tirade 226 – Klebstoff

Fürchte die Einfalt
all das gläubige Raunen
meide den Glauben

ist doch Glaube zu wissen
was unsre Hirne verklebt

27.06.2016 um 11:20 Uhr

Entlatinisierung

von: Lyriost

Entlatinisierung

Wenn man Fehler sucht ... Auf den DUDEN ist Verlaß. 

  

24.06.2016 um 09:00 Uhr

Brexit

von: Lyriost

Brexit

Wenn das Knallen der Sektkorken in Großbritannien verhallt ist, werden sie verwundert merken, daß sie nun trotzdem ihre Kolonien nicht zurückbekommen, viele Briten plötzlich im nichtinsularen Europa zu Ausländern werden und der Großteil der Schotten nun gar nichts mehr mit England zu tun haben will. In der Finanzmetropole London wird man sich an vermehrte Arbeitslosigkeit gewöhnen müssen, und einen gutbezahlten Job in Frankfurt wird es nun auch nicht mehr geben. Und dann noch das lange Anstehen beim Zoll in den Mittelmeerländern und der viele Nebel. Düstere Ausichten. 

15.06.2016 um 19:04 Uhr

Lebenshilfe-Paradoxie

von: Lyriost

Lebenshilfe-Paradoxie

Lebenshilfebücher werden besonders häufig von Leuten geschrieben (gern im Wir-uns-Modus), die andere davor bewahren wollen, die gleichen Fehler zu machen wie sie, die Autoren, Fehler, die wir, die anderen, niemals machen würden. Manchmal sind die Handlungen, die vom jeweiligen Schreiber als Fehler betrachtet werden, allerdings gar nicht fehlerhaft. Vielleicht sollte man mal einen Ratgeber zum Thema Urteilsvermögen schreiben.

14.06.2016 um 09:00 Uhr

Große Worte

von: Lyriost

Große Worte

Besonders wer dazu neigt, große Worte von sich zu geben, sollte darauf achten, daß sie den üblichen Vorstellungen von korrekter Groß- und Kleinschreibung entsprechen und auch sonst einigermaßen im Einklang mit sprachlichen Konventionen sind. Leider verfügen gerade die Großsprecher oft nur über kleine Sprachkenntnisse. 

13.06.2016 um 13:00 Uhr

Gib mir die Hand

von: Lyriost

Gib mir die Hand

– oder lieber doch nicht ...

Handspiel 

30.05.2016 um 12:10 Uhr

Mittelerde light

von: Lyriost

30.05.2016 um 10:53 Uhr

Die Farben der Schafe

von: Lyriost

Die Farben der Schafe

In einer Herde von schwarzen Schafen ist das weiße Schaf das schwarze Schaf. 

29.05.2016 um 21:39 Uhr

Nachbar

von: Lyriost

Nachbar

Mal ehrlich: Möchtest du so jemanden als Nachbarn haben?

29.04.2016 um 11:02 Uhr

Offenbar

von: Lyriost

Offenbar

Jedesmal, wenn ich in einer Zeitung das Wörtchen "offenbar" lese oder es sonstwo in politischer Rede höre, weiß ich: Jetzt wird wieder kräftig gelogen. Und frage mich, weshalb man das tut, da es doch so offensichtlich ist, daß "offenbar" ein Lieblingswort von Lügenproduzenten ist.